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Amtliches Organ für Hisöt- unö Lauökrels Hanau.
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Di« ^alt^e Zelle 3m RLcanenth elle Ml Keil« 20 4 nett»,
Nr. 109. Dienstag den 11. Mai
1897.
Kimstnaârilkten aas item Kreise.
Verloren: Ein Schirmzeichen Nr. 58 „Heinzinger".
Gefunden: Ein großer Hundemaulkorb. Ein Zwicker. Ein weißes Armband. Eine Legitimarionskarte vom Sanilâts- verein Hanau für Wittwe Koch.
Dom Wasenmeister am 10. d. Mts. eingefangen: Ein gestreifter dänischer Doggenhund m. Geschl.
Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, m. Geschl.
Hanau am 11. Mai 1897.
Die Lehren des griechisch-türkischen Krieges.
Noch ist zwar der Kampf zwischen Griechenland und der Türkei nicht völlig blendet, aber da sein Ausgang unzweifelhaft feststeht, so kann man wohl schon jetzt die Lehren beachten, die aus diesem Kampfe, wie aus jedem wichtigen politischen Ereignisse, hervorgthen.
„Wir freuen uns, unser armseliges Leben für den Padi- schah hergeben zu können," sagten türkische Landwehrwänner zu dem in türkischen Diensten befindlichen General Grumb- kow-Pascha, als dieser sie fragte, ob es ihnen nicht leid sei, in den Krieg ziehen zu müssen. Bedenkt man, daß der Sultan in den Augen des Europäers nicht schlechter, aber auch nicht besser ist, als andere Sultane auch, bedenkt man, I daß er bei seiner Allmacht in seinem Reiche in den 20 Jahren seiner Regierung so Vieles für kas Wohl seines Volkes hätte thun können, und daß er nur so Weniges ge thun hat, so muß man die treue Anhänglichkeit dieser treuen, einfachen Leute an ihren Herrscher doppelt bewundern. Diese Treue gegenüber dem Fürsten, die außerordentliche persönliche Tapferkeit der türkischen Truppen, ihre staunenswerthe Ausdauer, ihr Frohsinn selbst in den Momenten der Ermüdung und der Gefahr, all diese Eigenschaften zeigen, daß man es mit einem reinen, körperlich und geistig gesunden Volke zu thun hat. Und diese Thatsache beweist weit über die Grenzen der Türkei hinaus, daß selbst eine schlechte Regierung die Kraft eines gesunden Volksstammks nicht erschöpfen kann.
Ganz anders verhält es sich mit den Griechen. Auch Griechenland hat sich in den letzten Jahrzehnten keiner guten Regierung zu erfreuen gebobt, immerhin aber that die Regierung für die wirthschaftliche Entwickelung des Landes noch mehr als die türkische. Hier aber in nicht nur die Regie rung nicht hervorragend gewesen, sondern zu dem schlechten Regimente kommt die sittliche Verkomnnnheit des Volk s hinzu. Und darum hat dieses Volk in ernster Stunde völlig versagt. Voller Ruhmredigkeit und Geschwätzigkeit vor dem Kampfe bat es sofort allen Halt verloren, als das Waffen-
Feuilleton.
Wahrheit und Dichtung in „Hermann und Dorothea".
Eine Studie zum 100. Geburtstage des Gedichtes.
Von Alexander Harlin.
(Nachdruck verboten.)
Der Wonnemond des Jahres 1797 war der eigentliche Geburtsmonat von „Hermann und Dorothea". In diesem Mai wurde das schon vorher in der Hauptsache vollendete Gedicht durchgearbeitet, gefeilt und für den Drucker endgiltig fertig gemacht; und Schiller freute sich, daß eine freundliche Laune des Geschicks die Arbeit am selben Orte, wo sie begonnen war, auch der Vollendung zuführte. Schiller hatte das Gedicht in seinen einzelnen Theilen schon früher kennen gelernt; er war, wie Goethe später erzählte, verwundert genug, als ter Freund mit der fertigen Arbeit vor ihn trat, denn seine Art war es gar nicht „mit einer gewissen Bewußtlosigkeit und gleichsam instinttmäßig zu verfahren", er trug seine Stoffe nicht still mit sich herum, er theilte sie mit und erörterte sie eifrig und gern. Als er aber das Gedicht einmal kennen gelernt hatte, brachte er ihm das wärmste Interesse entgegen und gab auch in diesem oder jenem einen Rath: so war er es, der Goethen das liebliche Ilmenau als Lokalität der Idylle empfahl. Im ganzen aber ist gerade „Hermann und Dorothea" reiner und unmittelbarer Goeihe's eigenstem Geiste entsprungen, als die meisten anderen Werke jener durch die engste Kommunikation mit dem großen Freunde gekennzeichneten Epoche.
Hundert Jahre sind eine Jange, für die Wirkung und das Ansehen so manchen Werkes verhängnißvoll lange Frist, ^<'n««S,mn fon+ Sip 5T?nrhmpTt rrnM 8nS Nkckn
glück gegen die Griechen entschied. Man bebiobte die Dynastie, man ersetzte die Regierung, die den Krieg beaonmn batte, durch eine andere; man verübte in dem Zorn über das geschehene Unglück Scheußlichkeiten gegen tie armen türkischen Soldaten, die in griechische Gefangenschaft gerathen waren. Man schändete das Christenthum, indem man ruchloser verfuhr, als es den so verachteten Mohammedanern eingefallen ist. Ohne daß man große Verluste erlitten hätte, flohen Offiziere und Mannschaften in feiger und sinnloser Flucht aus Larissa und hatten nicht einmal so viel Ehrgefühl, die Flucht der Frauen, die doch das Schlimmste von der angeblichen Barbarei der Türken zu fürchten gehabt hätten, zu decken. Im Gegentheil, sie benutzten ihre überlegene physische Kraft, um die Frauen, die sich in die Eisenbahnwagen geflüchtet hatten, herauszuzerren und selber an deren Stelle in die Eisenbahnzüge zu steigen, um nur möglichst rasch aus dem Bereiche der türkischen Kugeln zu kommen. Ein Staat, dessen Volk und Armee, die sich so jam mervoll benommen haben, können niemals wieder zu irgend einem Aufschwünge gelangen. Auch die Franzosen erlitten 1870 infolge ihrer schlechten Kriegsvorbereiiungen und ihrer schlechten Führung Niederlage auf Niederlage, aber es steckte in dem Volke Kraft genug, um noch viele Monate mit1 äußerster Zähigkeit einen Verzweiflungskrieg zu führen. Und darum ist das französische Volk im Stande gewesen, den durch den äußeren und den inneren Feind nie-ergeschmetterten Staat schon in wenizen Jahren wieder zu Ansehen unter den Staaten Europas zu bringen. Den Griechen aber kann man keine Aussicht machen, daß sie jemals irgend welchen Respekt unter den Völkern Europas genügen werden. Waren sie schon vor dem Dampfe wenig geschätzt, so sind sie durch ihr Verhalten in dem Kriege in einen Abgrund gestürzt, aus i dem man nicht mehr Heraufk immeu kann.
Nicht weniger kläglich als die Griechen haben sich ihre freiwilligen Hilfstruppen aus aller Herren Länder benommen. Auch darin liegt eine Lehre. Es zeigt sich, daß die Revolutionszeiten von vor einem halben Jahrhun ert, in denen Geschäfts, eisende bei Revolution, wie Mieroslawski, von einem Kriegsschauplätze auf den anderen zogen md überall Schaaren von Abenteurern um sich versammelten, vorüber sind. Die Betheiligung an dem Kreurzuge gegen die Türken war eine sehr geringe, und die wenigen Schwärmer und Taugenichie die nach Griechenland zogen, haben sich schlecht genug benommen. In den Völkern Europas ist heutzutage das Staaisgesütt io lebendig, daß fides Volk schon instiutt- mäßig seine Kräfte für die Aufgaben, die die Erhaltung und Förderung des Staatswesens ihm stellt, aufspart. Weltbeglückende, mit dem Internationalismus kokettirende Radikale und Sozialistin werden hoffentlich aus btm gänzlichen Mißglücken einer Praktiken Bethätigung der philhellenischen Gesinnung eine Lehre ziehen.
ihr Verhältniß zu dem poetischen Geburtstagskinde einer erneuten Prüfung zu unterziehen. Da ist es denn interessant, daß unser großes nationales „Jdyllion" nicht allein von seinen Schönheiten für uns auch nicht eine eingebüßt hat, sondern daß es von einem modernen Standpunkt aus betrachtet sich geradezu als ein echt modernes Werk bewährt. Und freilich wird das echt Moderne aller Epochen mit einander innig verwandt sein müssen; denn es spiegelt den Geist der Zeiten, die ja doch allesammt Kinder der Ewigkeit sind. Seit Goethe's Tagen ist mehr und mehr der Realismus das bewegende Prinzip der Dichtung geworden. Freilich können iiir hierbei nicht mehr die Werke der jüngsten Zeit im Auge haben, die nach Hebbel's treffendem Worte nicht die Zeit, sondern den Augenblick darstellen, oder gar die, die, manchmal in sensationeller Absicht, Tagesereignisse als Vorwürfe wählen; sie liegen schon außerhalb des Bereiches seiner Dichtwerke, die auf kauernde Bedeutung Anspruch haben. Aber die Verpflanzung der Dichtung von den ätherischen Höhen des Gedankens in das nährende Erdreich der Wirklichkeit ist eine litterargeschichtliche Thatsache geworden; und gerade in: diesem Sinne hat es für uns heut ein unmittelbares Interesse, zu beobachten, was in Goethe's Gedichten Wahrheit, was Dichtung ist, und wie sich beide zur Einheit durchdringen.
Die Beschäftigung mit dieser anziehenden Frage ist alt, und sie hat neben vielem Guten auch manche wunderliche Blüthe erzeugt. So hat, seitdem es festgestellt ist, daß die die Grundlage des Gedichtes bildende Erzählung in letzter Linie aus einem Geraer Werke („Das liebthätige Gera gegen die Calzburgischen Emigranten", 1732) stammt, ein Geraer Lokalschriftsteller sich bemüht zu erweisen, daß Goethe bei dem Epos an Gera gedachr habe. Er beruft sich auf den in „Hermann und Dorothea" so häufig erwähnten großen Brand und glaubt darin den Geraer Brand von 1780 zu erkennen, und. er riebt and) die Bemerkung des Dichters „Mancher Fa
Endlich können noch andere Schwärmer aus der Thatsache des Krieges zwischen Griechenland und der Türkei eine Lehre ziehen: die Friedensschwärmer. Wohl sind die Schritte d.r Mächte zur Erhaltung des^Friedens vielleicht nicht geschickt gewesen, aber auch bei größerem diplomatischem Geschicke hätte sich der Kampf kaum vermeiden lassen. Schon bei den orientalischen Wirren vor 20 Jahren hatte Fürst Bismarck gesagt, daß das Friedenstiften ein undankbares und unnützes Metier e:, denn wenn Völker auf einander losschlagen wollten, sothâten sie es. Die Richtigkeit dieser Auffassung ist durch den Gang der Ereignisse in den letzten Monaten lediglich bestätigt worden. Ein leichtsinniges Volk, wie das griechische, bemißt seine Chancen nicht nach den reellen Faktoren, sondern bringt irreelle Faktoren in die Rechnung, wie ein Aufstand in Ma- cedonien oder Herbeiströmen großer Züge von Freischaaren; just so wie die Franzosen 1870 ein nicht vorhandenes Bünd- niß mit Oesterreich und den Abfall Südsenrichlands von der Allianz mit Preußen in Rechnung setzten. Der Gedanke daran, daß leichtsinnige Volker immer wieder mit nicht vorhandenen Thatsachen operiren, und sich dadurch zu verhânz- nißvollen Schritten hinleiten lassen, soll auch uns deutschen eine Lehre sein, wenn w'r unser Verhältniß zu den wesi- lichen "Nachbarn im Auge haben.
Tagesschau.
Der Bundesrath hat in seiner Sitzung vom 8. April d. J. beschlossen: Die Bundesregierungen werden ersucht, anzuordnen, daß im amtlichen Verkehr, sowie bei dem Unterricht in den öffentlichen Lehranstalten als Bezeichnung für 100 kg das Wort „Doppelzentner" mit der Abkürzung „dz" in An Wendung gebracht wird.
In den Tagen vom 9. bis 11. Juni d. I. wird in Leipzig der achte evangelisch-soziale Kongreß tagen. Der Kongreß will, wie in der bereits ergangenen Einladung betont wird, weder einer kirchlichen noch politischen Partei dienen und weist die Behandlung politischer Parteifragen grundsätzlich ab. Dagegen heißt der Kongreß jeden evangelischen Christen, es sei Mann oder Frau, willkommen, der bereit ist, an der Gesundung unseres vielfach leidenden Volkskörpers und auf dem Gebiete sozialer Versöhnung mit- znarbeiten.
Die Kosten der Theilnahme des deutschen Reichs an der Pariser Weltausstellung waren zunächst, was die Vorarbeiten anbetrifft, im Etat ans 50 000 Mk. vorgesehen. Im Ganzen dürfte nach den an der Hand des einschlagenden Materials vorgenommenen Schätzungen ein Betrag von insgesammt 5 Millionen Mark erforderlich fein. Diese Summe übersteigt zwar bü für die Theilnahme des Reichs an der Chicagoer Ausstellung bereitgestellten Mittel, die Bewilligung eines erhöhten Beitrages erscheint aber in Berücksichtigung der
briken befliß man sich da und manches Gewerbes" zum Vortheil seiner fabrikfleißigen Vaterstadt heran. Indeß muß man es für verfehlt ansehen, Goethe's realistische Prägnanz in so allgemeinen, auf viele Oertlichkeiten paffenden Verhältnisfen zu suchen, und der Dichter selbst war stets ärgerlich, wenn man sein Werk an diesen ober jenen Ort binden wollte. „Da wollen sie wissen", meinte er einmal zu Eckermann, „welche Stadt am Rhein bei meinem „Hermann und Dorothea" gemeint sei. Als ob es nicht besser wäre, sich jede beliebige zu denken!" Andererseits ist es aber zweifellos, daß gerade dies Werk reichlicher mit realen Einzelzügen ausgestatiet ist, als vielleicht irgend ein anderes Goeihe's; mußte doch der Dichter selbst in Momenten, wo er an dem Gedichte nicht arbeiten konnte, seine Gedanken mit Gewalt davon zurückhalten, damit ihm kann das Detail nicht zu deutlich werde (Brief an Schiller vom 4. Februar 1797).
Jene eben erwähnte, von Goethe als Quelle benutzte Erzählung schildert eine wahre Begebenheit, die „in Altmühl, einer Stadt im Oettingschen", bei Gelegenheit der Vertreibung der Salzburger Emigranten vorfiel. Hier haben wir nun schon den Sohn eines angesehenen Bürgers, der oft zum Heirathen gemahnt und nie darauf eingegangen ist, bis die schöne Salzburgerin sein Herz gewinnt. Der Vater erschrickt, ruft einige Freunde, die vergeblich den Sohn auf andere Gedanken zu bringen sich bemühen, bis der Prediger „endlich gemeinet, es könne Gott seine sonderbare Schickung darunter haben, daß es sowohl dem Sohne als der Emigrantin zum Besten gedeihen könne". So fragt denn der Liebende das Mädchen, ob sie bei seinem Vater in Dienst treten wolle, sie willigt ein, und als ihr der Vater von der Heirath spricht, meint sie, „ey, man solle sie nur nicht foppen." Schließlich klärt sich alles auf und sie zieht sogar noch ein „Beutelgen" hervor, in dem sich ein Mahlschatz von zweihundert Stück Dukaten findet.