AtsnnementS- Preis:
Jährlich 9 ^ M»jährl. 4 ^ 50 ^.
Vierteljährlich 2 -â 25 -4.
Kür auswärtige Äennenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet
10 ^.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
JnsertionS- Preis: Die ispaltige Garmondzeile oder deren Raum 10^é. Die 1'/,spaltige Zeile
Die 2spaltige Zeile 20^.
Die Zspaltige Zeile 30
Die faltige Zeile
Im Reklamenthcüe Ma geilt 20 ^ nett».
Nr. 108.
Montag den 10. Mai
1897.
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 34.
Amtliche».
Kienllnachnltiten aus dem âeist-
Gefunden: Ein Portemonnaie mit Geld. Ein Schub buch (Fibel). Ein weißes R'intertGf^entudb.
Verloren: Ein Griff von einem Sonnenschirm. Ein Messingkrahnen. Eine Ouutungskarte für Emma Reinhardt. Eine goldne Damenrrmonio ruhr mit Reisekettchen.
Hanau am 10. Mai 1897.
MaötUreio ^anau. Kekanntmackunqen des Oberbürgermeisteramtes.
Sielbau Hanau.
Die Herstellung von ca. 258 lfd m Backstein- bezw. Rohr siel soll einschließlich aller zugehörigen Sonderbauten und etwaiger Nebenarbeiten auf dem Wege des öffentlichen Ausschreibens vergeben werden. Die Pläne liegen auf dem städtischen Sielbau- Bureau, Kanalthormühle, vom 10. Mai 1897 ab zur Einsicht offen, woselbst auch die allgemeinen und besonderen Vergebungsbedingungen, sowie in zweifacher Ausfertigung die zugehörigen Anerbietungsformulare nebst Massen- und Preisverzeichnissen gegen Zahlung von 1 Mark erhältlich sind.
Die Anerbieten sind vollständig ausgefertigt, versiegelt, srankirt und mit der Aufschrift:
„Anerbielen für die Dussührung von Backstein- bezw. Rohrsielen"
spätestens bis
Donnerstag den 13. Mai 1897, vormittags 11 Uhr, an den Unterzeichneten abzuliefern. Die eingegangenen Anerbieten werden in Gegenwart der etwa erschienenen Anerbieten eröffnet.
Es wird keinerlei Verpflichtung zur Annahme des niedrigsten oder irgend eines der eingelausenen Anerbieten eingegangen.
Hanau am 6. Mai 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Geb eschus. 6752
Die Lage des Handwerks.
Der V<rein für Sozialpolitik hat eine eingehende Untersuchung über die Lage des deutschen Handwerks angestellt. Das Ergebniß liegt j^t in neun umfangreichen Bänden vor. Für die Handwerker ist es wenig trönlich; denn es zeigt,
Feuilleton.
Franz Stassen.
(Von unferem n^.-Correspondenten.)
Berlin, 8. Mai.
Im Kunstsalon von Gurlitt ist ein Cyklus von 18 Bildern „Der Tod" ausgestellt, eure anerkennenswerthe Leistung des zwanzigjährigen Malers Franz Stassen. Er zeigt an historischen Personen uno an modernen Typen, wie bie Schwachen und Sünder dem Tote unterliegen, die Genialen und Reinen durch den Tod zur Unsterblichkeit gelangen. Das Bild „Napoleon" zeigt den Franzosenkaiser auf einem Balkon des Kreml, finster in die Flammen der brennenden Stadt blickend; zwischen den Rauchwolken erscheint der gekrönte Tor, das taiferlche Szepter zerbrechend. Eine figurenreiche Tafel ist der Tod Papst Alexanders VI. Der Papst sitzt im Vordergründe links, den entsetzten Blick starr auf ein Phantom richtend, das über den Tisch auf ihn zuschleicht, während der Becher seiner Hand entsinkt. Die Höflinge sehen ihn mehr mit kalter Neugierde als Theilnahme an. Die Stimmung ist vorzüglich getroffen: Draußen biegen sich die Cypressen unter einem Unwetter, während man im Saale ein scheues Flüstern zu hören glaubt. Die wohldurchdachte und geschloffene Komposition wirkt mit packender Gewalt. Ebenso abweichend von der Geschichte läßt Stassen Nero nicht allein, sondern bei einem Bachanal sterben. Er lehnt sich berauscht zurück, umgeben von zügellosen Festgenossen; aus dem Tische steht der Tod als Lyraspieler. Im Bilde „Christus" erhebt sich der Heiland aus dem Strome der dem Tode Verfallenen dem Lichte zustrebend; der Tod muß vor dem Ueberwinder am Kreuz^ das furchtbare Schwert senken. Mit dem „Jesus" mit dem Motto: „Dem Herr-
daß die Großbetriebe immer mehr überhandnehmen und die d«r Selbststänrigen zurückgeht. Während im Jahre 1882 die Selbstständigen 34 Prozent der Gewerbtbäiigen tn Bergbau und Industrie ausmachtcn, entfielen 1895 auf sie nur 24 Prozent. Die Handwerlsmeister machten 1882 fast noch ein Viertel, 1895 kaum noch ein Sechstel aller Gewerbthâ- tigen aus! Während die gejammte Handwerks-Bevölkerung im Jahre 1882 den 10. Theil des Volkes bildete, ist sie jetzt auf den 13. Theil herabgegangen.
Am meisten sind von dem Rückgänge die Webereigewerbe, die Färber, Mützenmacher, Nageltchmiede, Müller, Gerber, Böttcher, Seiler, Brauer, Lackirer, Vergolder, Seifensieder, Grobschmiede uno Drechsler betroffen. Am widerstandskräf- tiguen gegen den Großbetrieb haben sich die Uhrmacher, Tapeziere, Bäcker, Fleischer, Barbiere und die kleinern Baugewerbe (Maler, Dachdecker) erwiesen. Sie scheinen nach allem, was über sie sestgesteUt worden ist, sich noch weiter kräftig entwickeln zu soll-n.
Auffallend ist das Zunehmen der weiblichen Arbeitskräfte in fast allen Gewaben, ein Beweis dafür, daß die Noth zur Heranziehung aller erwerbsfähigen Personen zwingt, und daß die Frauen vielfach an die Stelle der Gehilfen treten. Bezeichnend ist auch, der Umstand, daß das dienende Gesinde im Vergleich zu der Zählung von 1882 abgenom- mm hat.
So bedauerlich diese Ergebnisse für das Handwerk sind, so gibt es doch nur ein Mittel, um nicht noch mehr von den ©ronbetrieben aufgesogen zu werden: nämlich da, wo es möglich ist, sich durch Bereinigung in Produktiv und Absatz Genossenschaften die Vortheile der Großbetriebe zu eigen zu machen. Nur bann ist das Handwerk in der Lage, den Wettbewerb mit der Industrie mit einer gewissen Aussicht aur Erfolg aufzunehmen. Daß auch die leitenden Kreise sich nach Kräften bemühen, das Handwerk in diesem Kampfe zu festigen und zu stärken, haben sie durch die Vorlegung des Gesetzentwurfs zur Organisation des Handwerks einem bewiesen.
Die Sozialdemokraten werden in dem Rückgänge des Handwerks eine Bestätigung ihrer Setren sehen, daß der Mittelstand unter den heutic en Verhältnissen der industriellen Erzeugung vollständig jet rieben werde, bis es schließlich nur noch einen kleinen Kreis sehr reicher Leute neben der großen Masse der Besitzlosen geben würde. Diese Folgerung würde inhiffen nicht den Thatsachen entsprechen. D:e Einkommensteuer- Stalin ik zeigt im Gegentheil, daß getane die Verhältnißzahl der kleinen Einkommen erheblich gesunken ist, wä - rend die mittlern Einkommen sich auf einer aufsteigenden Lmie befinden. Der Mittelstand schwindet also n'cht. Es hüt nur eine Verschiebung dadurch ein, daß manche kleinern, selbstständigen Gewerbetreibenden den Weg in die Fabrik wählen und ihre Selbstständigkeit aufgeben. Und es fragt lichsten, was auch der Geist empfangen, drängt immer fremd uno fremder Stoff sich an" wird man sich nicht befreunden können. Die Mächte des Todes gewinnen Gewalt über das Heilige; die reine Liebeslehre wird vom Fanatismus und Aberglauben als Schlachtruf im Jnteressenkampfe mißbraucht. Im „Mammon" wird das todte Metall dem Geiz zum Götzen. Auf einem Berg von Leichen hat sich der Tod einen goldenen Thron errichtet; seine Füße umklammert der Ver- räther Judas, unter 'sich den Leichnam der Astarte. „A start e" zeigt den Tod mit dem T ämon der Wollust und ihre Opfer. „Abel" schildert das Grausen des ersten Menschenpaaces bei dem ersten Todesfall; „Adam und Eva" die Vertreibung aus dem Paradise, an dessen Felsenthor der Engel steht; draußen im Dunkel der Welt auf sie der Tod. Ruhig und gefaßt geht Moses dem Tode entgegen: vom Berge Nebo wirft er, ein erhabener Greis, den letzten Blick in das gelobte Land; ebenso der Philosoph (Schopenhauer); in der „Freiheit der Gedanken entflieht die Furchterscheinung"; die das Räthsel des Daseins umgebenden Nebel entweichen; der Tod erscheint als Pan; ebenso Buddha, mit dem Motto „Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet". Von genialen Kraftnaturen führt uns Staffen den größten bildenden Künstler vor. Beethoven ste ht in der Mitte des Bildes. Unter ihm wirbeln die Mächte der Finsterniß, der Tod saugt an seinem Herzen und hat ihm die Kralle ins Ohr geschlagen. Mit Athletenarmen stemmt er ihn zurück, während das Antlitz schmerzbewegt und doch hoffnungsvoll nach oben gerichtet ist, wo die Kinder des Lichtes ein rauschendes Fortissimo der Freude anstimmen. Der Ausdruck eines titanenhaften Ringens durch Nacht zum Licht und der felsenfeste Glaube auf ein besseres Jenseits sind in genialer Weise vereinigt. Neben diesem Beethoven fällt der Michelangelo etwas ab. Es ist nicht der gewaltigste Künstler aller Zeiten, den Staffen Hin
sich dock, ob die Vermehrung der mit einem ausreichenden, oft sogar reichlich» n Einkommen ausg statteten Werkführer und Gehilfen in den großen Betrieben, wirthschanlich und sozial betrachtet, nicht ein vollwerthiger Ersatz für die kleinen Handwerksmeister ist, die die Sorge nm das tägliche Brod häufig zu erdrücken droht. ^
Tagesschau.
Ueber das neue deutsche Feldgeschütz werden in den Blättern weitere Mittheilungen gemacht. Dem ,,Berl. Tagebl." entnehmen wir Folgendes: Seit dem 1. April ist das neue Geschütz zur probeweisen Verwendung ausgegeben worden. Man darf wobt annehmen, daß die Probe ein Jahr beanspruchen wird. Ob alsdann 2lbânberungen nöthig werden, läßt sich natürlich nicht übersehen. Die umfangreichen Versuche gingen schon weit in die Vergangenh it zurück. Seit die Materialfrage gelöst und die Entscheidung zn Gunsten Krupps gefallen war, konnte das Werk wesentliche Verzögerungen nicht mehr erfahren; denn über die Konstruk- tionSbebingungen bestanden an den leitenden Stellen längst keine Zweisel mehr. Eine Erprobungsbatterie wurde auch einem bayerischen Regiment zugetheilt. Die Preßkampagne Ende vergangenen Jahres, wonach Frankreich uns überholt haben sollte, sei auf die ganze Angelegenheit ohne Einfluß gewesen. Damals war das deutsche Geschütz fertig uno ein- gehknd erprobt. Uebrigens sei die Bezeichnung „Schuell- feuergeschütz" nicht richtig. Das Geschütz gestattet eine größere Feuerbeschleunigung und einfachere Bedienung als das bisherige; der Hauptsortschritt liegt jedoch in der großen Erweiterung der Wirkung und der gesteigerten Beweglichkeit. Grundsätzliche Aenderungen könnten durch die Erprobung in der Armee nicht erwartet werden. — Der „Frankf. Ztg." wird berichtet: Im Schnellfeuer gibt eine Batterie jetzt 60 Schuß in der Minute ab. Dabei werden die neuen Shrapnels mit Aufschlagzünder bis auf 8000 Meter, also auf eine Entfernung von mehr als einer deutschen Meile, verschossen. Der Brennzünder ist bis auf 5000 Meter stellbar. Die neue Hemmspornvorrichtung — ein sehr breiter starker Spaten am Lasettenschwanz, der sich beim ersten Schuß festgräbt und den Rücklauf völlig aufhebt — trägt auch wesentlich zur Beschleunigung her Bedienung bei, da die Mannschaft jetzt ruhig am Geschütz stehen bleiben und der Mann Nr. 2 sofort nach dem Schuß wieder richten kann, und zwar allein, ohne Hilfe des anderen Richtkanoniers, da jetzt auch die seitliche Verschiebung des Rohres durch eine Kurbel leicht vor sich geht. Es ist kein Geheimniß mehr, daß das neue Geschütz in aller Stille eingeführt worden ist und daß, wenn der Reichstag die Mitt.l bewilligt haben wird, sämmtliche Artillerie-Regimenter sofort im Besitz des neuen Geschützes sein werden. Es verlaute übrigens in parlamentarischen Kreisen,
stellt, sondern ein müder, alter Mann, der bekümmerten Angesichts in den Tod sinkt, weil sein ungeheures Wollen unverstanden blieb. Von den dem modernen Leben entnommenen Kompositionen „Alkohol", „Das Mädchen" und die „Mutter" gibt das letzte eine einfache, schlichte und doch ergreifende Szene wieder. Im dunkeln Vorderzimmer liegt die Mutter. zu ihren Füßen der weinende Gatte, ihr zu Häupten der Tod; im hellern Nebenzimmer wiegt die Großmutter das Neugeborene aus dem Schooß, während der Arzt achselzuckend die Wohnung verläßt. Alle diese Werke bekunden eine achtenswerthe zeichnerische Fertigkeit und ein überaus glückliches Kompositionstalent; man darf auf Staffens erste farbige Bilder gespannt sein.
Aus Kunst und Leben.
Hd. Frankfurter Schauspielhaus. Vorgestern wurde Hauptmann's neuestes Märchendrama „Die versunkene Glocke" mit Erfolg gegeben. Die an hochpoetischen Stellen reiche Dichtung wurde unter einer verständigen Regie und vorzüglichen Darstellung zu tiefer Wirkung gebracht. Die Hauptdarsteller, Fräul. Landori, sowie die Herren Barthel und Herrmann fanden vielen Beifall.
* Universitätsnachrichten. An der Universität zn Rostock hat sich der Dr. meb. G. R i cker für das Fach der pathologischen Anatomie habilitirt.
Humoristisches.
Schon genug. Herr: „Ich habe mir erlaubt, Ihnen, liebes Fräulein, zu Ihrem heutigen Namensfeste diese Torte mitzubringen. Allein noch mehr I Ich habe auch einige Verse hinzugefügt, soll ich sie Ihnen vorlesen?" — Fräulein: „Aber ich bitte Sie, diese Torte ist ja schon mehr als genug!"