Erstes Blatt.
»snnementS- Preis:
Jährlich 9 ^ DMtjährl. 4 v^ 50 A.
Bietteljährlich
2 M 25 ^.
Für auswärtige Momenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne stummer kostet
10 4.
Amtliches Organ für $faöt- unö Lanökreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Insertions- Preis : Die ispaltige Garmond- zeile oder deren Raum 10-^. Die iVifpaltige Zeilt 15^. Die 2fpaltige Zeile 20
Die Zspaltiae Zeile 30_J Die gallige Zeile I« Reklameutheile Hl Zelle 20 ^ nett».
Nr. 107.
Samstag den 8. Mai
1897.
Amtliches.
Stadtkreis ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Im Anschluß an meine Bekanntmachung vom Gestrigen, wegen verschiedener Auslegung des § 28 der Baupolizeiord- nung vom 1./7. 1885 und deßhalb ergangener Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes, wird nachstehend die Entscheidung des Bezirksausschusses zu Cassel vom 7. März 1896 Nr. 500 veröffentlicht, die sich gleichsalls aus die beabsichtigte Verwendung des Dachstockmerks als Wohnung und dadurch geforderte zweite Treppe im Sinne des § 28 der Baupolizeiordnung vom 1. Juli 1885 bezieht.
„Da die in der Mansarde vorgesehenen Räume zu Wohnzwecken geeignet sind und die Gewähr dafür, daß sie bei eventl. Verbot als Schlaf- rc. Räume nicht benutzt werden, nur gering ist — auch Kontrolle sehr schwierig —, so muß auf der vollen Erfüllung des § 28 bestanden werden. Statt der Herrichtung zweier feuersicheren Treppen könnte aber die Anlage einer un- verbreunlichen Treppe als genügend angesehen werden; der hierfür erforderliche Dispens konnte in Aussichl gestellt werden, wenn durch Theilzeichnungen bewiesen wird, daß die Konstruktion eine unverbrennliche ist; die Einrichtung im Dachgeschoß müßte durch einen Grundriß gezeigt werden."
Hanau am 30. April 1897.
Städtische Polizeiverwaltnng.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 6699
ilienßimâriltitm aus dem Kreise.
Philipp N i x von Dörnigheim ist als Schweinehirt dieser Gemeinde verpflichtet worden. V. 3907.
(Die Besetzung der Lehrstühle aus den Universitäten.
Der Kultusminister Dr. Bosse hat neulich im Abgeord- netenhause die Grundsätze dar gelegt, wonach bei der Besetzung der Lehrstühle an den preußischen Universitäten verfahren wird und verfahren werden soll. Die Ausführungen des Ministers werden in den weitesten treuen lebhafte Genugthuung hervorrufen, da sie vor Allem in wirksamer Weise die Befürchtungen über das Umsichgreifen sozialdemokratischer Bestrebungen innerhalb der akademischen Lehrkörper zerstreut haben. Die Kritik der öffentlichen Meinung hat sich in neuerer Zeit be
sonders gegen die sogenannten kathedersozialistischen Professoren gerichtet, die, obue ausgesprochene Untern ehmerfeinde zu sein, das Verhältniß der Arbeitgeber zu den Arbeitnehmern nicht unbefangen beurtheilen, sondern sich mehr auf den Standpunkt der Arbeiter stellen.
Es ist klar, daß eine Bevorzugung dieser Richtung die Gefahr birgt, die ftiibtmibe Jugend in das Fahrwasser der Sozialdemokratie zu bringen. Auch die Staatsregierung ist sich dessen wohl bewußt. Der Minister erinnerte an einen Ausspruch des auch auf volkswirthschaftlichem und sozialpolitischem Gebiete hochbedeutenden Altreichskanzlers Fürsten Bismarck, der bei der Erörterung des Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitern einmal sagte, man dürfe nicht die Henne schlachten, die die goldenen Eier legt. Mit vollem Rechte erklärte es darum der Minister für eine Nochwendig- keit, daß — unbeschadet der Lehrfreiheit und der Lernfreiheit — in Zukunft unter den Professoren auch der Standpunkt der Arbeitgeber etwas mehr zur Geltung kommen müsse. Mehr wird man billiger Weise von einer die Freiheit ber Wissenschaft achtenden Verwaltung nicht verlangen können.
Mit derselben Genugthuung ist die Absicht der Unter- richtsoerwaltung zu begrüßen, wissenschaftlich durchgebildete Männer der Praxis für die akademische Lehrtätigkeit zu gewinnen. In der That gibt es fein besseres Mittel gegen doktrinäre Einseitigkeiten, als eine ausgedehnte, praktische Erfahrung. Auch die Idee, auf die volkswirtschaftlichen Lehrstühle der Universitäten mehr als bisher tüchtige Agrarpolitiker zu berufen, wird lebhafte Befriedigung Hervorrufen. Sind doch gerade die Interessen der Landwirthschaft, obwohl sie gegenwärtig im Voroergrunde stehen, aus den Universitäten bisher nur wenig vertreten.
So ist denn zu Hessen, daß immer mehr eine gesunde wissenschaftliche Auffassung auf allen Universitäten zur Gel tung kommt. Dazu gehört aber, daß zunächst einmal Klarheit in die Disziplinarverhältnisse der Privatdozenten gebracht wird. Die Aeußerungen des Ministers über den Fall Arons, jenes sozialdemokratischen Privatdozenten der Berliner Universität, ließen keinen Zweifel darüber, daß in den maßgebenden Kreisen die Theilnahme an sozialdemokratischen Agitationen mit dem Lehramt an einer preußischen Hochschule für unvereinbar gehalten wird. Ein Gesetzentwurf, der diese Frage regelt, ist nach den Mittheilungen des Ministers be reits ausgearbettet. Die Ansichten der Universitäten sind ein- geholt, und es schweben gegenwärtig Verhandlungen zwischen den beteiligten Ressorts. Daß der Entwurf in dieser Session nicht mehr vorgelegt werden soll, wird man wegen der Fülle des von dem Landtage noch zu erledigenden Arbeitspensums als durchaus gerechtfertigt ansehen müssen.
Tagesschau.
Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Falke", Kommandant Korvelten- Kapitan Krieg, gestern von Auckland nach Apia in See gegangen.
Der Herzog von Anmale, ter Onkel der Herzogin von Alen^on, dessen Tod wir an anderer Stelle melden, ist 75 Jahre alt geworben. Er war der vierte Sohn des Königs Ludwig Philipp von Frankreich. Als 18jähriger Prinz pflückte er bereits kriegerische Lorbeeren in Algier, wo er schließlich Generalgouverurur wurde. Da brach die Feb- ruarrenelution des Jahres 1848 aus und -wang den Herzog, nach England in die V rbanuung zu gehen Währens des deutsch-französischen Krieges bot der H rzog sowo'l dem na- poleoniichen wie auch cem republikanisch n Heere vergeblich seine Dienste an, w^rde aber am 8. Februar 1871 in die Nation al-Versammlung gewählt. Er kehrte nun nach Frankreich zurück und lebte auf Schloß Chantilly bei Paris. Dieses Schloß hat er testamentarisch (1884) sammt seinen reichen Kuntlschätzen dem Institut de France vermacht. Im Jahre 1873 präsibirte der Herzog von Aumale dem Kriegsgericht über den Marschall Bazaine, wurde dann Korpskommandeur und träumte bereits davon, Präsident einer konservativen RepuAik zu werden. Die'en Hoffnungen machte das Prätendentengesetz vom 23. Juni 1886 ein Ende. 2lumale wurde aus der Armeeliste gestrichen und aus Frankreich ausgewiesen, erhielt aber später die Erlaubniß zur Rückkehr nach Frankreich. Der Herzog von Aumale ist ohne Nachkommen gestorben.
Wie dem „Hamb. Korresp." aus Petersburg berichtet wird, war dort und in Moskau in verschiedenen Fabriketablissements für den 1. Mai eine Arbeiterfeier geplant. Die Regierung trat jedoch der Verwirklichung dieser Absicht mit großer Entschiedenheit entgegen und traf für alle Fälle gewisse polizeiliche und militärische Vorkehrungen, gleichzeitig aber auch auf die Arbeitgeber einen Druck ausübend, indem beispielsweise die Besitzer der großen Färbereien, in denen der Ausstand zunächst geplant war, darauf aufmerksam gemacht wurden, ihre Etablissements würden, falls es die Arbeiter durchsetzen sollten, die Maifeier abzuhalten, für mehrere Wochen behördlich geschlossen werden. Im russischen Ministerrathe hat die Frage der Ausstände wiederholt Anlaß zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Minister des Innern und dem liberal gesinnten Finanzminister von Witte geboten Letzterer trat dafür ein, daß im Hinblicke auf die Streiks für die Arbeiter gleiche Rechte gelten sollten wie für die Arbeitgeber. Es wurde zwar keine gesetzliche Verordnung deshalb erlassen, doch wurden gelegentlich der letzten großen Ausstände zu Be-
Kleines Feuilleton
Aus Kunst und Leben.
* Wettbewerb. In dem Wettbewerb um
ein
in
Dresden zu errichtendes König Albert Denkmal erhielt den ersten Preis von 6000 Mk. der Bildhauer Max Baumbach Berlin. Die noch zur Verfügung siebenten 6000 Mk. wurden zuerkannt: dem Bildhauer H. Wedeml yer-Dresdeu, Bildhauer A. Selbmann Dresden, Bildbauer Richard König Radebeul, Sladtbaumrister R. Moebus-Dresden. Das Denkmal wird am Schloßplatz sich unmittelbar vor dem reuen monumentalen Ständehause erheben, das von Paul Wallot
errichtet wird. Der Entwurf von Baumbach paßt sich in den
Größenverhülttusstn diesim Gebäude an. Der Unterbau, ohne schirr. Eine Berliner Kausmannssrau hatte vor etwa acht ®— ^— ^J“— Tagen Emaillegeschirr gereinigt, wobei sich ein Splitter der Emaillkmasse ablöste und ihr in die Hand drang. Ta sich j sehr bald Symptome einer schweren .Blutvergiftung zeigten, wurden sofort zwei Aerzte herbeigerufen, welche eine schwierige Operation Vornahmen. Trotzdem mußte die bedauernswerihe Frau nach dem Krankenhause überführt werden, wo ihr am nächsten Tage der Arm aus der Kugel gelöst wurde. Die sehr nervöse und schwächliche Frau hat die Folgen der Operation nicht überstehen können; vorgestern verstarb sie. Dieser bedauernswerte Fall mahnt zur äußersten Vorsicht beim Gebrauch und beim Reinigen schadhaften Emaillegeschirrs, da sich an schadhaften Stellen leicht Rost von dem Eisenblech, aus dem die Geschirre durchweg hergestellt sind, ansetzt und sich auch der nicht mehr fest anschließenden und daher leicht absplitternden Umgebung mittheilt.
Gruppen und Figuren, ist .n der Dresdener Barockarchitektur
aus das Reichste gestaltet; in Rücksicht auf den nicht großen Umfang des Platzes hat der Künstler ihm mäßige Verhältnisse gegeben. Aus drei Stufen sich aufbauend, hat er die Form eines Rechtecks mit obgeschnittenen Ecken, an denen sich pilasterartige, mit Helmdekoration und mit Lorbeer- und Eichen- zweigen geschmückte Ausbauten befinden. Die Reliefs an den Seitenflächen weisen auf zwei bedeutsame Begebenheiten aus dem Leben des Königs hin, das eine kriegerischer, das andere friedlicher Art. Hier erscheint der siegreiche Feldherr in der Schlacht von Beaumont, dort ist tie 800jährige Jubelfeier des Hauses Wettin (1889) dargestellt. Der König sitzt auf einem ruhig dastehenden Pferde, das aber lebendig ausgefaßt ist; so ist der Kopf des Thieres lebhaft nach vorn bewegt. Eine schlichte, der Wirklichkeit abgelauschte Haltung zeigt die Figur des Königs, die ganz sympathische Erscheinung ist von Kopf zu Fuß getreu wiedergegeben. — Es mag daran erinnert werden, daß es Herrn Professor Baumbach schon ver-
gönnt war, auch einem andern ruhmreichen Feldhern, unserm Kaiser Friedrich, ein stolzes Denkmal zu setzen, das aus der Höhe von Wörth seinen Platz gefunden hat.
Kas kleinste Gemälde der Welt. Von einem vlämischen Künstler ist vor Kurzem ein Bild ausgestellt worden, das, kaum einen halben Zoll groß, eine Windmühle darstellt, in deren Eingang man den Müller mit einem Sack Getreide auf dem Rücken sehen kann. Die Mühle befindet sich, wie sich deutlich erkennen läßt, auf einer grün bewachsenen Anhöhe; in der Nähe steht ein Fuhrwerk und etwas weiterhin auf einem Landwege eine kleine Gruppe holländischer Bauern. Alles mikroskopisch klein gemalt, jedoch mit so wunderbarer Klarheit, daß man jede Einzelheit mit bloßem Auge unterscheiden kann.
Blutvergiftung durch schadhaftes Emaille Ge
Avs der guten alten Zeit. Folgende Paragraphen einer alten Bredstedter Cchusterinnung vom Jahre 1583 veröffentlicht die Zeitschrift „Niedersachsen":
Die beutiae Nummer umfasst ausser dem Unterhaltungs-latt 14 Seiten.
§ 12. Irem, ein Schuhmacher soll nicht mehr halten zu einer Zeit als zwei Ges llen und einen Jungen bei zwei Tonnen Bier Strafe zum Amte und zwei Pfund Wachs zum Gottesdienste.
§ 13. Item, so ein Fremder zu Bredstedt kömbt und entwendet einem Schuhmacher sein Gesell, wird er darüber betroffen und man kann es öffentlich beweisen, den soll man anhallen, zu bessern der Obrigkeit als ihm au'erlegt wird und dem Amte eine Tonne Bier der Gesell, der sich so verführen läßt.
§ 14. Irem, wann ein Meister einen Lehr jungen au- nimmt, das Handwerk zu lernen, so soll durch des Jungen Beköstigung von dem Meister eine Tonne Bier gegeben werden und die Kost dazu dem Schuhmacher daselbst.
§ 15. Item, ein Gesell, der von seinem Meister heimlich wegläust mit des Meisters Gelde, ehe die rechte Wander- zeit ist, der soll bessern eine Tonne Bier dem Gelage und ein Pfund Wachs zum Gottesdienste.
Uebrigens scheint es, wie der „H C." dazu bemerkt, für unsere Schuster damals eine goldene Zeit gewesen zu sein, da die Konkurrenz dazumal kaum w groy war wie die heute. § 3 besagt nämlich: Item, sollen keine fremden Schuhe von außen hier zu Bredstedt außerhalb gemeiner Jahrmä-tte feil gebracht werden, so aber darüber geschieht, soll demjenigen, der solche Waare bringt, dieselbe von dem Olbermann (Aeltermann) und Obrigkeit genommen werden, davon die Hälfte der Regierung, die andere Hälfte dem Amte und den Armen zulommen scll; und § 29; Item, so sollen da auch keine Schuster in Nordergösharde wohnen, denn alleine binnen Bredstedt.
Ein nencs Gegengift gegen Diphtherie. Die kürzlich ausgegeber e Nummer der von dem kaiserlichen Institut für experimentelle Medizin in Petersburg veröffentlichten Archives des Sciences biologiques“- enthält eine Mrt-