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Nr. 106.
B»—1■"
Freitag den 7. Mai
1897.
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Es wird zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß auf den! h öffentlichen Straßen und Wegen des Stadt- und Landkreises Hanau Velocipedwettrennen (Straßenrennen) jeder Art verboten sind und auch für die Folge grundsätzlich nicht mehr gestattet werden.
Die Herren Bürgermeister, Gendarmen, Wegebauaufseher rc. ersuche ich, die bestehenden straßcnpoliznlichen Bestimmungen auf das Genaueste zu handhaben und jeder derartigen Ver anstaltung mit allen zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln entgegen zu treten.
Hanau am 6. Mai 1897.
Der Königliche Landrath
V. 4270 v. S chenck.
tf4aÖftircw ^anau.
Vekanntmachunsien des Oberbürgermeisteramtes.
Sielban Hanau.
Die Herstellung von ca. 258 lfd m Backstein- bezw. Rohrsiel soll einschließlich aller zugehörigen Sonderbauten und etwaiger Nebenarbeiten auf bem Wege des öffentlichen Aus- schreibens vergeben werden. Die Pläne liegen auf dem städtischen Sielbau Bureau, Kanalthormühle, vom 10. Mai 1897 ab zur Einsicht offen, woselbst auch die allgemeinen und besonderen Vergebungsbedingungen, sowie in zweifacher Ausfertigung die zugehörigen Anerbietungsformulare nebst Massen- und Preisverzeichnissen gegen Zahlung von I Mark erhältlich sind.
Die Anerbieten sind vollständig ausgefertigt, versiegelt, frankirt und mit der Aufschrift:
„Anerbieten für die Ausführung von Backstein- bezw. Rohrsielen" spätestens bis
Donnerstag den 13. Mai 1897, vormittags 11 Uhr, an den Unterzeichneten abzuliefern. Die eingegangenen Anerbieten werden in Gegenwart der etwa erschienenen Aner- bieter eröffnet.
Es wird keinerlei Verpflichtung zur Annahme des niebrignen oder irgend eines der eingclaufenen Anerbieten eingegangen.
Hanau am 6. Mai 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 6752
Feuilleton»
Stadttheater in Hanau
Die beiden letzten Opernaufführungen in unserem Stadttheater am Mittwoch und Donnerstag hatten einen merklich besseren Besuch aufzumeisen, als au _ den früheren Wochentagen. Das Programm, das Direktor Pollak für diese letzte Woche seiner diesjährigen künstlerischen Thätigkeit ausgestellt hatte, wäre aber doch einer noch weit besseren Würdigung werth gewesen, enthielt dasselbe doch die Meisterwerke unserer hervorragendst"n musikalischen Größen: Wagner, Meyerbeer, Beethoven, Flotow, denen heute noch Mascagm rind Donizetti folgen. Beethovens erhabenes Touwerk Fidelio" gelangte gestern Abend mit Frau Grundmann-Rödiger in der Titelrolle znr Aufführung. Leider hat dieier größte aller Tonschöpser dem Theater nur diese eine Oper geschaffen, die seinen Ruhm um seine Größe auch von der Bühne herab verkündet; der wunderbare Melodienreichthum regt das Gefühl der Zuhörer auf das Mächtigste an und auch die packende Handlung vermag in ihrer Einfachheit auf das Lebhafteste zu inter- essiren. Auch in der künstlerisch vollendeten Wiedergabe der „Leonore" hol sich Frau Grundmann-Rödiger als eine feinfühlige Künstlerin erwiesen, die jeder Nücnce, jeder Seelenstimmung in Ge- fam und Spiel vollständig gerecht wird. Vermöge ihres umfangreichen machtvollen Organs gelangten die leidenschaftlichen Aufwallungen in der Kerkerszene zur vollen Wirkung. Als vorzügliche Schauspielerin weiß sie auch dem gesprochenen Worte volle Geltung zu verschaffen, wie ihr Mienen- und Geberdenspiel sich dem Charakter der Parthie anvaßt. Es war eine prächtige Leistung unserer Landsmännin, deren Wirkung sich wohl Niemand entziehen konnte. Unter dm weiteren Mitwirkenden zeichneten sich noch besonders aus die Herren Wilensky als „Florestan", Herr Drumm als »Don Pizarro" und Herr Rapp als Gefängnißwärter durch prächtigen Gesang und angemessene Darstellung. Das liebliche Töchterchen des Gefängnißwärters „Marcelline" ward durch Frl. Koch recht anmuthig verkörpert Das Orchester, unter der energischen Leitung seines Dirigenten Herrn M a as, zeigte sich ebenfalls den Anforderungen der Beethoven'schen Musik gewachsen.
Jmpfor-nung
für die im Stadtkreise Hana» im Jahre 1897 ansznsührenden öffentlichen Impfungen.
g. ^rftimpfitn^en :
1) Donnerstag den 13. Mai, nachmittags 3'/, Uhr, Vorstellung derjenigen Kinder, deren Jmpffähigkeit zweifelhaft ist oder biren Zurückstellung wegen Krankheit gewünscht wird.
2) Dienstag den 18. Mai, nachmittags 3V2 Uhr, Impfung der im Jahre 1896 sowie derjenigen im Januar und Februar 1897 geborenen Kinder, deren Impfung gewünscht wird.
Dienstag den 25. Mai, nachmittags 31/* Uhr, Revision derselben.
3) Freitag den 21. Mai, nachmittags 8V2 Uhr, Impfung der im Jahre 1896 oder früher geborenen, bis jetzt noch nicht oder nicht mit Erfolg geimpften Kinder. Freitag den 28. Mai, nachmittags 3S Uhr, Revision derselben.
Jmpflokal: KUställler Ralkkaus.
L ^tederimpfu/ngen:
4) Knabenmittelschttle: Freitag den 7. Mai, nachmittags 3^2 Uhr, Impfung; F-reitag den 14. Mai, nachmittags 3^2 Uhr, Revision.
5) Knabenvolksschttle: Sonnabend ten 8. Mai, nachmittags 3^2 II Dr, Impfung der ersten Hälfte der Schüler; Sonnabend den 8 Mai. nachmittags ö1^ Uhr, Impfung der zwenen Halske der Schüler.
Sonnabend den 15. Mai, nachmittags SVa Uhr, Revision der ersten Hälfte der Schüler; Sonnabend den 15. Mai, nachmittags 5 Uhr, Revision der zweiten Hälfte der Schüler.
6) Mädchenmittelschule: Montag den 10. Mai, nachmittags 3^2 Uhr, Impfung ; Montag den 17. Mai, nachmittags 3^2 Uhr, Revision.
7) Mädchen-Volksschule: Mittwoch den 12. Mai, nachmittags 31/2 Uhr, Impfung der ersten Hälfte der Schülerinnen; Mittwoch den 12. Mai, nachmittags ö1^ Uhr, Impfung der zweiten Hälfte der Schülerinnen.
Mittwoch den 19. Mai, nachmittags 3^2 Uhr, Revision der ersten Hälfte der Schülerinnen; Mittwoch den 19. Mai, nachmittags 5 Uhr, Revision der zweiten Hälfte der Schülerinnen.
8) Gymnasium undl Sonnabend den 22. Mai, nach-
9) Overrealfchnle: | mittags SVa Uhr, Impfung ; Sonnabend den 29. Mai, nachmittags 3^2 Uhr, Revision.
Kuntes Allerlei.
Von B. O. Bachter.
Nachdruck ------ verboten.
Es war einmal I fangen die Märchen stets an, — Die jedermann gern hört erzählen, — Drum will auch zur heutigen Plauderei ich — Mir solch einen Anfang erwählen. — Ein Mai-Traum ist's, würd' er zur Wirklichkeit doch! — Ich schüttelte ab dann des Alltages Joch — Und lebte gar herrlich in Freuden — Als Mensch, den die Götter beneiden. --Walpurgis- mit Hkxen- und Geisterspuk war — Vorbei an mir glücklich gegangen, — Da nahm eine freundliche Traumgestalt mich — Mit offenen Armen empfangen: — „Komm' mit mir, du Zeitungsmensch, arg oft geplagt, — Der Arbeit, der Tinte, der Feder entsagt, — Im wonnigen Mai soll erheben — Genuß nur und Freud' dir das Leben!" --Und kaum, daß die lockenden Worte verhallt, — Saß ich schon in trefflicher Runde, — Humor war und frohe Geselligkeit hier — Mit hohen Genüssen im Bunde. — Was kerrlich zuerst uns der Garten bescheert, — Aus Keller und Küche das Herz nur begehrt, — Hier hatt' ichs und ließ mirs genügen, — Genoß es in kräftigen Zügen.-- Don einem zum' andern gings weiter dann fort, — Im Mai ein feucht-fröhliches Reisen, — Gescherzt ward, getrunken, gegessen, gelacht, — Gerad' wie bei Dummen und Weisen. — Bergab und bergauf gings, durch Thäler und Au'n, — Und weder ein Kellner noch Wirth war zu schau'n, — Dem es in den gastlichen Hallen — An's Zahlen zu mahnen, gefallen. — — Und als, drob verwundert, den Grund ich hiervon — Nun endlich am Schluffe gewahre, — Da stan den, viel sind es ja freilich nicht mehr, — Dor Staunen zu Berg' mir die Haare. — „Das haben", sprach freundlich der Traumgott zu mir, — „Bezahlt schon die Abonnenten von dir, — Um in des Maimondes Zeiten — Dem Redakteur Freud' zu bereiten!" — O, rief ich, so etwas, des ist noch
10) Höhere Töchterschule und), Sonnabend den 22.Mai, 11) Davidsohu'sche Schule: / nachmittags 5 Uhr, Impfung ; Sonnabend den 29. Mai, nachmittags 5 Uhr, Revision.
Jmpflokal: zu 4, 5, 6 und 7 in den betreffenden Schulen,
„ 8 und 9 in der Oberrealschule,
„ 10 und 11 im Altstâkter Rathhaus.
Die vorstehenden Impftermine sind außerdem noch durch Aushang am Neustädter Rathhause bekannt gemacht.
Den Angehörigen der Ecsiimpflmge sind Seitens der Königlichen Polizeidirektion Verhaltungsvorschriften für die öffentlichen Impfungen und über die Behandlung der Jmpf- linge während der Entwickelung der Impf lottern mgestellt, aus deren Beachtung ich ausdrücklich auimeit am mache.
Exemplare dieser Ve-Haltungsvorschrifien können außerdem auf Verlangen bei hiesigem Standesamt emgeg ngmommen werden.
Hanau am 3. Mai 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus.
Bekanntmachung.
Die Benutzung eines Mansarden- oder Dachstockes in Gebäuden von zwei Stockwerken über dem Erdgeschoß, als Wohnung, ist nach § 28 der Baupolizeiordnung vom 1. Juli 1885 nur statthaft, wenn sich in diesem Gebäude zwei feuersichere Treppen befinden.
Die Wahrnehmung dieser Bestimmung seitens der städtischen Baupolizei hat zu Meinungsverschiedenheiten in der Auslegung des' genannten, sowie des hiermit in Verbindung gebrachten § 33 der Baupolrzeiordnung Anlaß gegeben und zur Anrufung des Herrn Regierungspräsidenten, des Herrn Ober-Präsidenten, sowie des Oberverwaltungsgerichtes geführt.
In allen vorgenannten Instanzen ist die diesseitige Auslegung als die richtige erkannt worden, und da die Entscheidung der letztgenannten Instanz für Bauherrn wie für Bauunternehmer von großem Interesse ist, so wird dieselbe nachstehend veröffentlicht.
„Die für die Stadt Hanau geltende, von der Königlichen Regierung zu Cassel am 1. Juli 1885 erlassene Bau-Polizeiordnung ordnet im Sechsten Abschnitt „Treppen" in § 28 hinsichtlich der gewöhnlichen Wohngebäude Folgendes an:
§ 28. Gebäude von einem und zwei Stockwerken (über dem Erdgeschoß), welche außer im Erdgeschoß Wohnungen oder Räume enthalten, die zum Fabrikoder einem anderen feuergefährlichen Gewerbebetriebe oder zur Versammlung einer größeren Anzahl von Menschen bestimmt sind, müssen mindestens ein,
nickt 6a, — So lange die Welt ste r, gewesen, — Das soll'n die Kollegen von mir in der Rund — Zum Herger und Neide bald lesen. — Da war ich von Traume u-plötz- lich erwacht, — Dom Traumgott, den Geistern würd' arg ich verlacht, — Verlacht von den Lesern im Choe, — Noch heute klingt mir es im Ohre! — — Nun sitze ich Ar» erster, wie's vorher schon war, — Und wie es auch künftig mirv bleiben, — Am Webstuhl der Zeiten, ohn' Ruh, of^e fast, — Für all' meine Leser zu schreiben. — Die ziehen h naus jetzt im wonnigen Mai'n — Und lassen den Zn ung neu ch Zeitungsmensch sein, — Ein Leben, je länger je lieber, — Und ich, ich muß zusehn . . Schwamm drüber!
Aus Kunst und Leben.
Zentralflelle für Arbeiter. WohlfayrLsei«rich- tungen. Für die am 10. und 11. Mai in Frankfurt a/M. stattfindende VI. Konferenz der Zentralstelle für Arbeiter- Wohlfahrtseinrichtungen ist folgende Tagesordnung festgesetzt: Sonntag den 9. Mai, abends 9 Uhr: Begrüßung im Saalbau, Junghofstraße Nr. 20. — Montag den 10 Mai, vormittags 10 Uhr: 1. Versammlung in den Räumen der Polytechnischen Gesellschaft, Neue Mainzerstraße Nr. 49. Be-. rathungsgegenstand: „Kommunale Wohlfahrtspflege". Referenten : Oberbürgermeister Dr. Gaßner in Mainz und Stadtrath Dr. Flesch in Frankfurt a. M. Nachmittags 3 Uhr: Besichtigungen. Abends 8V2 Uhr: Zwangloses Zusammensein im Lokal des Technischen Vereins (Kaiserhof), Goetheplatz 5. — Dienstag den 11. Mai, vormittags 10 Uhr: 2. Versammlung in den Räumen der Polytechnischen Gesellschaft. Berathungsgegenstand: „Heilstätten für lungenkranke Arbeiter". Referenten: Stabsarzt Dr. Pannwitz in Berlin und Landesrath Dr. Liebrecht in Hannover. Nachmittags 3 Uhr: Besichtigungen. Abends 9 Uhr: Zwangloses Zu