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Amtliches Organ für Stadt- und Lanökreis Hanau
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30
Die faltige Zelle
Im Reklamtuchell« Ma
Nr. 103.
Dienstag den 4 Mai
1897.
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 33.
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche im Stadt- und Landkreise nunmehr erloschen ist, sollen die für die Stadt Hanau angesetzten Viehmarkte wieder abgehalten werden.
Der erste Viehmarkt findet am 12. d. Mts. statt.
Wiederkäuer und Schwtine dürfen nur durch die vom hiesigen Oberbürgermeistei amte veröffentlichten Stadteingänge (Kontrolstationen) dem Marktplatze zugeführt werden.
Hierbei mache ich auf die Bestimmungen der landespolizeilichen Anordnungen des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 1896 noch^besonders aufmerksam. 20. November
Das Aufbringen von Wiederkäuern und Schweinen auf die Märkte ist nur dann gestattet, wenn den marktpolizeilichen Organen eine von der zuständigen Ortspolizeibehörde ausgestellte Bescheinigung vorgelegt wird, daß in der Ur- sprungsgeweinde seit 4 Wochen nicht die Maul- und Klauenseuche — bei Schweinen: weder die Maul- und Klauenseuche noch eine der Schweineseuchen — herrscht und daß die Ursprungsgemeinde in dm letzten 4 Wochen nicht zu einem Beobachtungsgebiet im Sinne des § 59a der Bnndesraths- instruktion gehört hat.
Viehhändler haben dagegen die Seuchenfreiheit der Thiere durch die thierärztliche Bescheinigung nachzuweisen.
Die Bescheinigung, in welcher Rindvieh einzeln nach Geschlecht, Alter, ^arbe und Abzeichen, die übrigen Thiere summarisch nach Geschlecht, Alter und Farbe verzeichnet sein müssen, hat nur eine ötäzige Gültigkeit, den Ausstellungstag eingerechnet.
Schließlich verweise ich noch auf die Polizeiverordnung, betr. die Listenführung über den An- und Verkauf von Rindvieh, Schafen, Schweinen, Pferden durch Viehhändler.
Hanau am 3. Mai 1897.
Königliche Polizeidirektion.
v. Schenck.
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes durch ortsübliche Bekanntmachung in ihren Gemeinden veröffentlichen.
Hanau am 3. Mai 1897.
Der Königliche Landrath
P. 4274 v. Schenck.
NeâaMMen aus dem Kreise.
Gefunden: Ein gelber Schlüssel. Ein Kinderfilrhüt- chen. Ein Regenschirm.
Hanau am 4. Mai 1897.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Viehmärkte in Hanan.
Um die Abhaltung von Viehmärkten hierselbst wieder zu ermöglichen, sind im Einverständniß mit der Königlichen Polizeidirektion an den Haupteingängen zur Stadt Kontrolstationen eingerichtet, welche das für den Viehmarkt zugetriebene Vieh auf das Vorhandensein von Maul- und Klauenseuche untersuchen und die Verbringung seuchenverdächtigen Viehes nach dem Seuchenstall veranlassen sollen.
Diese Stationen werden an der Ehrensäule (Auheimer Weg), an der Kinzigbrücke und an der Wilhelmsbrücke eingerichtet werden; bis auf Weiteres darf das Vieh nur nach Besichtigung an diesen Stationen in die Stadt gebracht werden; es ist verboten, Vieh auf anderen Wegen in die Stadt einzubringen. An den hauptsächlichsten Wegen zur Stadt werden Personen aufgestellt werden, welche den Händlern rc. den zulässigen Weg zur nächsten Kontrolstation anweisen werden; den Anordnungen dieser Personen ist unbedingt Folge zu leisten.
Der nächste Viehmarkt findet am Mittwoch den 12. Mai d. Js. statt; weitere Vichmarkttage sind auf folgende Tage festgesetzt: 26. Mai, 23. Juni, 7. Juli, 21. Juli, 4. August, 25. August, 22, September, 27. Oktober, 10. November, 15. Dezember.
Hanau am 3. Mai 1897. ' f
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 6591
Frankreich am Scheidewege.
Die Anwesenheit des Kaisers von Oesterreich in Rußland mit ihren positiven Ergebnissen, die weit über das Ergebniß aller Fürstenzusammenkünfte der letzten Jahre hinausgehen, bat den Franzosen das Konzept stark verrückt. Wenn sie die Petersburger Zusammenkunft mit der vorjährigen so pomphaft gefeierten Anwesenheit des Zaren in Paris vergleichen, so müssen sie den sehr erheblichen Unterschied sofort wahrnehmen: in Paris keinerlei positives Ergebniß, in Petersburg als sofortige Folge der Zusammenkunft eine Note, die für die künftigen Ereignisse auf der Balkanhalbinsel ihren Weg vorschreibt; in Paris Toaste von vieler Freundlichkeit, aber wenig Inhalt, in Petersburg Trinksplüche von programmatischer Bedeutung.
Die hohe Bedeutung der Trinksprüche ist von der fran zösischen Presse anerkannt worden, aber es ist interessant, wie man sich über die wahre Bedeutung binwegzutäuschen sucht. So hebt der „Figaro" zwar mit Recht hervor, daß in dem Worte des Kaisers Nikolaus von der „Gemeinsamkeit der Grundsätze" das Bekenntniß zur legitimen Monarchie als oberstem Grundsätze der Politik liegt, er hebt weiter mit Recht hervor, daß dieses Wort den französischen Jakobinern zu denken geben müßte, aber mit einer völlig verkehrten Logik meint rr, daß das Wort sich auch gegen Italien und Deutschland richtete, die je einen Theil ihres Bestandes revolutionären Stürmen zu verdanken hätten. Was Italien betrifft, so ist diese Behauptung historisch nicht unzutreffend, während sie Deutschland gegenüber vollkommen falsch ist. Die Hauptsache ist aber, daß auch Italien von einer uralten legitimen Dynastie beherrscht wird, nicht etwa von Parvenus â la Napoleon, und daß der deutsche Kaiser seine Dynastie auf eine Ahnenreihe von Herrschern zurückführen kann, die nun schon bald ein halbes Jahrtausend den historischen, geographischen und politischen Mittelpunkt des Reiches regieren. Daß also Kaiser Nikolaus die Herrscher von Deutschland und Italien als durchaus ebenbürtige Vertreter legitimen Königsthums ansieht, steht außer aller Frage. Wohl aber liegt, wie der „Figaro" eben mit Recht hervorhebt, in dem Worte des Zaren eine Abwehr gegenüber den französischen Republikanern, die in ihrer ewigen Wandlungssucht nicht einmal die republikanische Staatsform zu einer gewissermaßen legitimen, auch einem Monarchen wegen der historischen Tradition sympathischen Staatsform zu machen vermögen. Wenn Republiken, wie Hi Schweiz und die Vereinigten Staaten, unerschütterlich bestehen, so sind sie schon dadurch ein gewisser konservativer, einem Monarchen sympathischer Begriff, während die französische Republik ein unberechenbarer Faktor ist.
Tie St. Petersburger Vorgänge müssen den Franzosen klar machen, daß sie sich an einem Kreuzungè punkte befinden, von dem aus drei Wege abgehen. Sie können sich entweder der seit den Kronstädter Tagen bestehenden Illusion eines die französischen Revancheideehoffnungen verwirklichenden Bündnisses mit Rußland weiter hingeben, sie können sich um die Bildung einer westmächtlichen Koalition bemühen, sie können sich endlich der von Rußland angestrebten kontinentalen Koalition anschließen.
Nach der deutlichin Bekundung der hohen Bewerthung gemeinsamer monarchischer Grundsätze, nach dem festen Zusammenschlusse Rußlands und Oesterreichs, der schon zufolge des zwischen Oesterreich und Deutschland bestehenden Bündnisses eine aggressive Tendenz Rußlands gegenüber Deutschland naturgemäß ausschließt, ist es vollkommen klar, daß die Verwirklichung der Revancheideen durch Rußland ausgeschlossen ist. Will Frankreich weiterhin gegen Deutschland sich unfreundlich verhalten, so wird Rußland wahrscheinlich keinen Zwang auf Frankreich ausüben, sich anders zu verhalten, aber es würde auch Frankreich keineswegs bei einem Revanchekriege beistehen. Frankreich würde also hinsichtlich seiner materiellen Wünsche allein dastehen, und daß die Wahrscheinlichkeit, allein mit Deutschland einen erfolgreichen Kampf aufzunehmen, nicht sehr groß ist, darüber ist sich jeder vernünftige Franzose klar.
Will also Frankreich nicht in einer faktischen Jsoliruug bleiben, so muß es entweder sich von Rußland abkehren und eine englische Koalition suchen, oder es muß der Kontinentalkoalition beitreten. Betritt Frankreich den ersteren Weg, so ist es wohl möglich, daß es das in seiner Vereinsamung sich recht unbehaglich fühlende England gewinnt. Es ist ferner möglich, daß Frankreich und England noch Italien zu sich herüberziehen würden, da Italien bei seinen ausgedehnten Küsten nicht den beiden größten europäischen Seemächten feindlich gegenüber stehen kann. Es würden dann die stärksten Seekräfte mit einander vereinigt sein und darin liegt es, daß diese Möchte aus die Entwickelung aller kolonialen An
gelegenheiten einen bestimmenden Einfluß ausüben können. Demgegenüber aber würde Frankreich nicht nur seine Re- vaucheidcen nicht verwirklichen können, sondern es würde auf dem Kontinente von dem militärischen Uebergewichte der drei Kaisermächte einfach erdrückt werden. Dabei würde bet einem Gegenzuge der Kaisermächte gegen rücksichtslose koloniale Unternehmungen Englands und Frankreichs nur das durch feine insulare Lage geschützte England im Vortheil sein. Ferner ist nicht anzunebmen, daß die kolonialen Gegensätze zwischen England und Frankreich sich auf freundschaftliche Weise erledigen lassen. Diese Gegensätze bestehen am Niger, in Egypten, in Marokko, in Hinterindien, in China, und es ist kaum anzunehmen, daß nicht Frankreich beträchtliche Opfer in feinen Aspirirationen bringen müßte.
Bleibt also nur der Anschluß an die Kontinentalkoalition. Wir haben dargelegt, daß Frankreich seine Revancheideen, auch wenn es sich auf die andere Seite begibt, nicht durchführen kann. Es verliert also nur ideell etwas, wenn es den Revancheplan endgiltig aufsteckt und sich einer kontinentalen Koalition anschließt, deren Hauptziele sein müssen: erstens unverbrüchliche Aufrechterhaltung des status quo in Europa, zweitens Herabdrückung des kolonialen Übergewichts Englands, insbesondere der weiteren kolonialen Eroberungspolitik Englands. Damit wäre sowohl die Idee des Friedens gefördert, wie materieller Vortheil für die kontinentalen Staaten und damit auch für Frankreich geschaffen. Der einzig Leidtragende wäre England, und mit dem brauchten die Franzosen wahrlich kein Mitleid zu haben. Es mag wohl sein, daß sich die Franzosen recht bald über ihre zukünftige Politik werden schlüssig zu machen haben.
Tagesschau.
Der Hauptakt der Feier anläßlich des 23jährigen Be ftehens der Universität Straßburg begann Samstag Vormittag 10 Uhr im Lichthofe des Universitätsgebäudes und nahm einen glänzenden Verlaus. Der Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, welcher zur Beisetzung des Prinzen Wilhelm von Baden nach Karlsruhe gereist war, wurde durch den Staatssekretär v. Puttkamer vertreten; ferner waren sämmtliche oberen Behörden sowie die Generalität bei der Feier zugegen. Diese wurde durch eine Musikaufführung eingeleitet ; alsdann überreichte der Staatssekretur v. Puttkamer als Vertreter des Statthalters im Namen Seiner Majestät des Kaisers dem Rector magnificus, Professor Dr. Windelband eine prächtige goldene Amtskette und verlas eine Kaiserliche Urkunde, laut welcher zum Andenken an den Erhabenen Stifter der Kaiser-Wilhelms-Universität die Kette zum Zeichen huldvollster Anerkennung dem jeweiligen Rektor als Amtskette verliehen und der Hochschule der fernere Schutz und Beistand Seiner Majestät des Kaisers zugesichert wird. Nachdem der Rektor, Professor Windelband, mit Motten des Dankes er- wioert hatte, brachte Bürgermeister Back namens der Stadt Straßburg deren Glückwünsche sowie ein Ehrengeschenk dar. Glückwünsche überbrachten ferner: Professor Schmoller-Berlin namens der Prosefforen, die früher an der Straßburger Hochschule gewirkt haben, und Professor Bünger im Namen der früheren Studirenden. Darauf hielt der Rector magnificus Windelband die Festrede, in der er den Werdegang der Hochschule schilderte und sie als die Morgengabe bezeichnete, die vom Deutschen Reich dem wiedergewonnenen Elsaß-Lothringen dargebracht worden sei. Mit Chorgesang schloß die Feier, an welche sich eine studentische Wagenfahrt anschloß. Abends folgte ein großer Festkommers. — Zu dem Montag Mittag von dem Rektor und Senat der Universität gegebenen Festmahl hatten der Kaiserliche Statthalter Fürst zu Hohenlohe- Langenburg und die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden Einladungen erhalten. Der Statthalter brachte einen Trinkspruch aus, in welchem er betonte: Er komme vor allen Dingen der ehrenvollen Aufgabe nach, in Vertretung Seiner Majestät des Kaisers die Repräsentanten der Universität und deren Gäste herzlich zu begrüßen. Sodann führte der Fürst, nach dem Bericht des „W. T. B.", weiter aus: „Als vor 25 Jahren unser großer Kaiser die einst so berühmte altehrwürdige Universität hier wieder ins Leben rief und deren Neubegründung anordnete, geschah dies in der ausgesprochenen Absicht, eine geistige V rücke zwischen Altdeutschland und dem wiedergewonnenen Laude zu schlagen, die auf dem neutralen Boden der Wissenschat die Annäherung der solange getrennten Brüder erleichtern und zu gleicher Zeit auf die herrschenden politischen Gegensätze einwirken sollte. Mit Jubel wurde damals in ganz Deutschland der Gedanke begrüßt, daß durch ein geistiges Band Elsaß-Lothringen enger an Altdeutschland angeschlossen wurde und die gemeinsame geistige Arbeit uns gegenseitig rasch näher bringen würde. Die junge Hochschule blühte freudig empor, und hochbedeutsame Männer der Wissen-