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Nr. 102.
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Amtliches.
Stadtkreis Stanau.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche im hüsigen Stadtbezirke erloschen ist, wird hiermit das Verbot des Beschickens der Kiesigen Wochenmârkte mit Läuferschweinen und Absahferkeln wieder aufgehoben.
Hanau am 3. Mai 1897.
Königliche Polizeidirektion, v. Schenck.
^anMreiö ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Der Gerichtèvollzieberamts-Anwä- ter Botho Reichert aus Jena ist zum Bollsiehttngsbeamten der Gemeinden des Kreises bestellt und als solcher von mir verpflichtet worden.
Die Herren Bürgermeister werden hiervon in Kenntniß gesetzt und beauftragt, die Gemeinde-Rechnunqssübrer als Vollstreckungsbebörde zu veranlassen, fortab alle Zwangs Vollstreckungs-Aufträge (Rechnungen, Pfändur g«n und Versteigerungen) an den Kreisausschuß, zwecks Uebermittelung an den Vollziehungsbeamten, einzusenden.
Sämmtliche in ZwanasvoUstreckungs-Angeleaenheitkn entstehenden Gebühren werden von dem Vollziehungsbeamten an die Gemeindekaffe abgeliefert, sie sind vom Rech- nunasfübrer m Einnahme zu stellen und halbjährlich am 1. Oktober und 1. April j. Js. unter Vorlage einer diesbezüglichen Zusammenstellung an die Kreiskommunalkasse abzuführen.
Hanau am 3. Mai 1897.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses
A. 1469 v. Schenck.
VimkiralkriMe» aus dem Kreist.
Gefunden: Eine Quittungskarte Nr. 2 für den Maurerlehrling Kley Jakob Bartl aus Münster. Eine Denkmünze von 1870/71. Ein goldner Hemden knöpf. Eine lederne verschlossene Mappe. Ein kleiner Metzgerwaaen.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 80 Mk.
Zugelaufen — bezw. zmückgeblieben —; Am 25. v. Mts. ein schwarzer Dachsbund mit meiner Brust, m. Geschl.; Empfangnahme im Gasthaus zum Frankfurter Hof in Dörnigheim.
Hanau am 3. Mai 1897.
Einigkeit thut noth !
In der Provinz Hannover sind in den letzten Tagen zwischen den Führern d'r dv'tigen Kations [liberalen und
Feuilleton.
Stadttheater in Hanan
Den Vorstellungen des Opern-Ensembles an unserem Stadttheater sind in diesem Jahre zwei mächtige Gegner erstanden, die einen wesentlichen Einfluß auf den Besuch derselben ausüben. Es sind dies vor allem der warme Sonnenschein, das herrliche junge Grün, das die Menschen nach der langen Winterzeit in das Freie lockt, und dann die bevorstehenden Jubiläumsfestlichteiten, die durch die mannigfachen Vorbereitungen, wie Proben und Sitzungen rc. schon jetzt einen großen Theil unserer Mitbürger beschäftigen und vor allein aber eine größere Schonung des Geldbeutels zur Nothwendigkeit machen. So kommt es wohl, daß trotz der geschmackvollen Auswahl der zur Aufführung gelangenden Stücke der Besuch, besonders an den Wochentagen, ein recht dürftiger ist und in keinem Verhältniß zu dem Gebotenen steht. Die weiteren Vorstellungen der vergangenen Woche halten uns noch je eine Aufführung der Strauß- schen Operetten „Der lustige Krieg" und „Der Zigeunerbaron" gebracht. Ein etwas flotteres Zusammenwirken bei der Wiedergabe des ersteren Werkes hätte einen günstigeren Eindruck hinterlassen. Der gestrige Sonntag brachte Richard Wagners große romantische Oper „Lohengrin". Wir hatten schon vergangenes Jahr das Vergnügen, das gewaltige Werk des Dichterkomponisten durch das Ensemble des Herrn Direktor Pollak an unserer Bühne zur Darstellung gebracht zu sehen und einen recht günstigen Verlauf derselben konstatiren zu können. Was die Einzelleistungen auf der Bühne betrifft, so blieben dieselben gegen das Vorjahr keineswegs zurück, nur die schwachen Chöre vermochten nicht den Anforderungen der Oper gerecht zu werden. Dagegen zeigte sich das Orchester unter seinem trefflichen Dirigenten Herr Jean Maas den Anforderungen völlig gewachsen und leistete wirklich ganz Vorzügliches. Die lichtumflossene Gestalt des Gralsritters „Lohengrin" ward auch diesmal von Herrn Wilensky gegeben und wir haben seiner schönen von innerer Wärme beseiten Darstellung schon vergangenes Jahr anerkennenswerth gedacht; auch diesmal bot sie dem Künstler Gelegenheit zur vollen Entfaltunge seiner schönen Mittel. In Haltung und Gesang war der Telramund des Herrn Drumm eine prächtige Leistung. Ganz reizend aber verkörperte Frl. Krauß das liebliche Fürstenkind ^@lfa von Brabant". Sie sang mit einer Wärme und Hingebung und entsprechenden Nüancirung, dieihrem künstlerischen Verständniß das beste Zeugniß ausstellte, und dazu soll die
Montag den 3. Mai
denen des Bundes der Lan wüthe über ein Zusammengehen bei den nächstjäbrigen Reichstagswohlen Verhandlungen gepflogen worden, die auch weitere Kreiie interessiern dürften. Die Verhandlungen sind gescheitert, weil die Vertreter des Bundes der Landwirthe nur solche nationalliberale Kandidaten unterstützen wollen, die sich rückhaltlos zum ganzen unveränderten Bundesprogramm bekennen. Es war von vornherein k.ar, daß eine Verständigung nur bei weisem Maß- halten zu erzielen war und daß bebe Theile Opfer ihrer Wünsche bringen mußten. Daß kiese Verständigung nicht gefördert werden würde, wenn der Bund der Landwirthe auf allen seinen Programm-Forderungen bestand, war bei der Natur der rationalliberalen Partei vorauszusehen. Der negative Ausgang der Verhandlungen ist zu bedauern.
Wenn auch zugegeben sein mag, daß ein beträchtlicher Prozentsatz der nalionalliberalen Landwirlhe Hannovers den Bundesbestrebungen freundlich gesinnt ist, so darf auf der andern Seite nicht üb-rsehen werden, daß der Bund der Landwirthe sich durch die Einführung eines imperativen Mandats im Zusammenhänge mit seiner Agitationsmethode der Landwiithschaft wenig nützen würde. Manche, die in der Zwangslage vor den Wahlen sich auf das Bundesprogramm verpflichtet haben, werden 'pater leicht in Versuchung kommen, sich von dem Versprechen loszumacheu, indem sie sich auf die Reichsvelfassun ( berufen, wonach Abgeordnete Vertreter des gelammten Volkes und an Aufträge und Instruktionen nicht gtbunten sind.
Schon aus diesem Grunde würde es sich für den Bund der Landwirthe empfehlen, von seinem entschiedenen Standpunkte etwas nachzulassen, umso mehr, als im andern Falle nur der lachende Dritte, das sind die Welten und dieSozial drmokraten, den Vortheil haben würde. Will der Bund die La.e der Landwirthschaft durch die Gesetzgebung heben, so muß er einen mögli st großen Kreis von Mitgliedern der parlamentarischen Körpert chatten für d:e Interessen btr Land- wirthschaft zu gewinnen suchen. Das in aber nur möglich durch ein maßvolles Auftreten. Gerade in der Provinz Hannover sind alle Bedingungen für eine Verständigung gegeben. Hoffentlich ist daher vom Bunde der Landwirthe das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Wenn noch nachträglich eine gemeinsame Verhaltungslinie in den wirtschaftlichen Fragen gefunden würde, so wäre das ein Ereigmß von großer Bedeutung, insofern als es überall als nachahmenswelthes Beispiel empfohlen werden könnte. Die Zeiten sind ernst; das fortschreitende Erstarken der bür gei litten und sozialen Demokratie mahnt dringend zur Ein dacht aller derjenigen Männer, welche treu stehen zu Kaiser urd Reich und welche nicht wollen, daß die nationalen Interessen bei den nächsten Wahlen Schaden leiden.
anertennenswerthe Leistung bot auch Frl. Ortrud, wenn man ihrer zarten Erscheinung das dämonische Weib auch schwer zu glauben vermag. Eine ganz vorzügliche Wiedergabe ward auch dem König Heinrich durch Herr Rapp. Der talentvolle Sänger bot gleich Gutes im Gesang wie in der Darstellung. Der „Heerrufer" des Herrn Selzburg befriedigte ebenfalls.
Aus Kunst und Leben.
Hd. Novität Frankfurt a. M., 2. Mai. Gestern Abend wurde hier die sünfaktige dramatische Oper „Der Pfeiffer von Haardt* von Ferdinand Langer, Text von Dr. Hermann Haas, erstmals aufgeführt und zwar mit großem Erfolge. Der Beifall steigerte sich von Akt zu Akt und der anwesende Komponist wurde wiederholt gerufen und durch Kranzspenden ausgezeichnet. Die Aufführung war eine vorzügliche.
Ueber die Samariterin-Thätigkeit der Krou- prinzessin Sophie von Griechenland im griechischtürkischen Kriege wird der römischen „Tribuna" aus Larissa geschrieben: „Kurz vor Ausbruch des Krieges kam die Kronprinzessin Sophie nach Lariffa, um hier eine Ambulanz für verwundete Krieger einzurichten. In Larissa fand man jedoch kein geeignetes Gebäude, und da die Prinzessin überdies überzeugt war, daß der Ort wegen der großen Nähe der Grenze nicht allzu sicher sei, begab sie sich nach Volo, wo ihr ein reicher Grieche sein Haus für die Einrichtung des Feldlaza- reths zur Verfügung stellte. Ein ganzer Stab Athener Damen, die sich dem Werke der Barmherzigkeit gewidmet hatten, kam mit der Prinzessin nach Volo. Sie selbst leitete das Hospital, und um diese Pflicht besser erfüllen zu können, hatte sie schon seit einiger Zeit bei der Doktorin Kalapotaki, die in Paris den Doktorgrad erwarb, Unterricht in der Krankenpflege genommen; Fräulein Kalapotaki hatte im Auftrage des Kronprinzen die Ambulanz nach französischem Muster
1897.
Tagesschau.
Aus den dem preußischen Abgeordnetenhause rugegangenen Nachweisungen der auf Grund ter Gesetze vom 8. April 1895 und vom 3. Juni 1896 im Etatjahre 1896/97 zur Förderung des Baues von Kleinbahnen bewilligten und in Aussicht gestellten Staatsbeihilfen ist folgendes zu entnehmen: Die bis zum Schlüsse des Etatsjahres 1896/97 bew lligten Staatsbeihilfen für Kleinbahnen belaufen sich zusammen sich auf 3,05 Mill. Mk., die bis dahin nur in Aussicht gestellten Staatsbeihilfen nach der Nachweisung I zu 2 zusammen auf 5,56 Mill. Mk. In zwölf Fällen liegen noch Anträge auf Gewährung von Staatsbeihilfen in zahlenmäßig bestimmter Höhe, nämlich im Gesammtbetrage von 5,56 Mill. Mk. vor, so daß sich die bewilligten, in Aussicht gestellten und in zahlenmäßig bestimmter Höhe beantragten Siaatsbeihilfen zusammen auf 14,176 Mill. Mk. belaufen. Da der Fonds zur Förderung des Baues von Kleinbahnen nur nur 13 Mill. Mk. beträgt, so würde, falls die Bewilligung der in Aussicht gestellten sowie der in zahlenmäßig bestimmter Höhe beantragten Staatsbeihilfen demnächst ebenfalls für angezeigt erachtet werden sollte, sich ein Fehlbetrag von 1,176 Mill. Mk. ergeben. Durch die bereits erfolgte Bewilligung von Staatsbeihilfen ist das Zustandekommen von 476 Kilometer Kleinbahnen gesichert worden, mithin entfallen auf je ein Kilometer im Durchschnitt 6400 Mark Staatsbeihilfe.
Gegen das „kopflose^ Zeitttngsuntcrnehmen der Berliner Firma Hachfeld, Schmitz u. Co. hat auch die sächsische Regierung sehr entschieden Stellung genommen. Wie wenigstens der „Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker" aus ! Leipzig mitgetheilt wird, soll den Verlegern der sächsischen Amtsblätter von der Behörde eröffnet worden sein, daß Zeitschriften, die sich jenem Unternehmen anschließen, den Vertust des Amtsblattscharakters zu gewärtigen haben würden. Es ist bezeichnend, daß die Regierung deswegen von sozialdemokratischer Seite angegriffen wird. So schreibt der „Vorwärts" : „Die sächsische Regierung weiß recht gut, was sie an ihren Amtsblättern hat. Wenn diese unter die Schablone des auswärtigen Zeitungsunternehmens gebracht würden, so könnte der Regierung eines ihrer besten Mittel zur Bearbeitung der Bevölkerung im reaktionären Sinne stark beeinträchtigt werden. Hierin dürfte wohl der Grund zu suchen sein für das Vorgehen der Regierung." Mit Recht bemerkt hierzu die „Tägl. Rdsch.": Daß die Verflachung und Versimpelung der öffentlichen Meinung, die Beförderung der Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit in politischen Dingen und die Unterordnung idealer Bestrebungen unter die Geschäftsinteressen eines einzigen großkapitalistischen Unternehmens die natürliche Foige der von der genannten Firma beabsichtigten Zentralisation des Zeitungsbetriebes sein würde, wird wohl die
Die Silberarbeiten des klassischen Alterthums. Im Verein für Deutsches Kunstgewerbe zu Berlin 'prach am Mittwoch Professor Dr. Winter vom Antiquarium über die Silberarbeiten des klassischen Alterthums. Durch die neueren Funde auf italienischem Boden, besonders durch den herrlichen Schatz von Boecoreale, der durch Schenkung in das Louvre zu Paris gelangt ist, bat sich das Jntcresse and) an den älteren Beständen neu belebt. Unser eigener Herrscher Besitz ist in Fachkreisen zu wenig besannt. Der Hildesheimer Silberfund im Antiquarium des berliner neuen Museums, der jetzt restaurirt, ergänzt und aus den Fragmenten sogar um neue Stücke bereichert wird, übertrifft an Kunstwerth alle bisherigen Entdeckungen. Aus allen diesen Schätzen spricht ein unerhörter, aber stets künstlerischer Luxus, nicht nur im Prunkgerälh der Tafel, der Becher, Schaaleu rc., sondern auch in den eigentlichen Gebranchsstück-n; gab es doch sogar Bratpfannen aus Silber. Von höchstem Reiz ist es, die technische Vollendung der antiken Arbeiten zu studiren, die Treibarbeit, die von vollster Rundung bis zum zartesten Flachrelief und zur Gravirung wechselt, bb Gußa.beit her angesetzten Henkel und Füße. Wie die klaren und schlichten Formen der Gefäße von figürlich»m unb ornamentalem Schmuck umzogen sind, oft in sprechender Synboük an bis Gelage oder an die Vergänglichkeit des Daseins anknüpfend, oft mit fast japanischer Raturfnude ans der Pflanzenwelt schöpfend, die lebenden Blätter miederbosind, mit denen man die Becher zu Umfragen pflegte, das läßt sich mannigfach belegen und verfolgen an diesem köstlichen Besitz ober an um trefflichen Auf, ahmen der Pariser Benänte. Je weniger von den älteren griechiichen Silber ar beiten erhalten ist, um so glütflider müssen wir uns schätzen, durch die Funde aus der besten Rönrrzeit einen so ho.-eu Beg-.ff ter antiken Silberkünste gewinnen zu können.