Erstes Blatt.
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Amtliches Organ für $iaöf~ unö LanöKreis Hanau.
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Im Rcklameutheüe Ml Keile 20 ^ nett».
Nr. 101.
Samstag den 1. Mai
1897.
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Viehbestände des Oekonomen Christian Neuling hierselbst — Sandhof — ist die Maul- und Klauenseuche erloschen; die zur Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche ungeordneten Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden.
Der Stadt- und Landkreis Hanau ist nunmehr seuchenfrei.
Die Herren Orlsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 30. April 1897.
Königliche Polizeidirektion,
v. Schenck.
flienltnaifmifiten ans dem Kreise.
Gefunden: In der Nähe von Gronau eine Remon- toirtaschenubr; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Gronau. Eine kleine Scheere. Ein Zeirtimetermaß. Ein Portemonnaie mit einigen Pfennigen und anderem Inhalt. Ein Blumenstock (Palme).
Zugelaufen: Ein schwarzer Spitzhund mit gelben Pfoten, m. Geschl.; Empfangnahme bei H. Stroh II. zu Marköbel. Ein brauner Spitzhund m. Geschl.
Hanau am 1. Mai 1897.
^taöt&rew Jbanau. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
I. Eine Parzelle Der sogenannten Ochsenwiese, bestehend zur einen Hälfte aus Wiese, zur anderen Hälfte aus Ackerland, zusammen qm 1800 groß, und eine zweite Parzelle, nur Ackerland — qm 2400 groß, sollen auf ein Jahr und zwar bis zum 1. April n. I. verpachtet werden.
II. Die Graskreszenz der gelammten Ochsenwiese soll als bald gemäht und das Heugras in grünem Zustande alsbald beseitigt werden.
Bedingungen zur Verpachtung wie zu brr Grasernte liegen im Stadlbauamt I, Rathhaus Zimmer Nr. 24, auf und sind Offerten bis zum Montag Den 3. Mai D. I., vormittags II Uhr, daselbst einzureichen.
Die Eröffnung findet zu dieser Zeit in Gegenwart etwa erschienener Betheiligten statt.
Hanau am 29. April 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 6389
Feuilleton.
Deutsche Maifeier im Mittelalter.
Der Beginn des Wonnemonats war in früheren Jahrhunderten ein Tag, der in Deutschland in Hütten und Pa lasten gefeiert wurde. Besontecs festlich wurde er im Mittelalter begangen, und es ist dies auch zu verstehen, wenn man bedenkt, wie die damaligen Menschen, den langen Winter über in den Burs en und den engen Städten festgehalten, sich mit aller Macht in den Frühling hinaussehnten. Aus alten Handschriften erfahren wir die Einzelheiten des Maifestes und erkennen daraus gleichzeitig, daß darin zwischen Burg und Stadt kein großer Unterschied waltete. Hier bildete den Mittelpunkt des Festes die Burgherrschaft, dort das Stadtoberhaupt. feste A
Nehmen wir als Festort einen Burgflecken an. Schon über Nacht hatte der Mai wundersamen Einzug gehalten. Die Wände und die Thürpfosten der Häuser, die Brunnen und die Grenzsteine waren mit Birkenreisern geziert, und wo vor einer Thür oder gar hoch oben auf dem Dache ein ganzes Bäumchen prangte, war sinnig des Liebchens gedacht. Einem Garten glichen die Burgräume; statt des Strohes deckten Blumen und frischgeschnittenes Gras den Estrich, und überall an den Wänden zogen sich lange Gewinde von grünen Reisern hin. Ä
Um den Mittag erst begann das eigentliche Fest, nachdem die Burgherrschast in feierlicher Weise gebeten war, den Einzug des Wonnemonats mitzufeiern. Nach der Waldwiese bewegte sich der lange Zug, voran Fiedler und Pfeifer und Knaben mit hohen Stangen, an denen grüne Kränze schwankten und bunte Wimpel flatterten. Die Frauen hatten auf
FortbildungsknrsnS für Mädchen.
Die Anmeldungen für das Montag den 3. Mai 1897 beginnende Schuljahr werden täglich von 11—12 Uhr im Amtszimmer der Höheren Mädchenschule entgegengenommen.
Der Unterricht in dem ersten Iahreskursns erstreckt sich auf Schreiben, Deutsch, Rechnen, Buchführung und findet Dienstags und Freitags, nachmittags von 4^2— 61/2 U r, statt.
Der Unterricht im zweiten Iahreskvrsus umfaßt je 2 Stunden Französisch und Englisch und findet Montags und Donnerstags, nachmittags von 4^2—6^2 Uhr, statt.
Hanau, 23. April 1897.
Der Dirigent:
Dr. O. Mutet. 6032
Lagesschau.
Laut telegraphischer Reibungen an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Kaiserin Augusta", Kommandant Kapitän zur See Koellner, am 29. v. M. von Kreta nach Phaleron in See gegangen; S. M. Schiff „Falke", Kommandant Korvetten-Kapitan Krieg, ist am 30. v. M. in Auckland angekommen.
In der Bnvget-Kommisston Des Reichstags wurde gestern die Berathung der Vorlage über die Besoldungsaufbesserungen fortgesetzt. Für den Inspektor des Stiftungs- amts in Berlin, der jetzt 4500 Mk. bezieht, wurde die Erhöhung auf 4800 bis 5400 Mk. genehmigt, ebenso für die Ober-Ingenieure beim Kriegsministerium und bei den Technischen Instituten der Artillerie die Erhöhung des Durchschnittsgehaltes von 45 00 auf 5000 Mk Für die evangelischen Oberpfarrer im Heere wurde das Höchstgehalt von 4800 auf 5700 Mk. erhöht (die Regierung schlägt die Erhöhung auf 6200 Mk. vor). Dagegen wurde die Auf- rückungsfrist statt auf 15, auf 12 Jahre festgesetzt. Eine längere Debatte knüpft sich an Nr. 28 der Tarifklasse 3. Hier wird vorgeschlagen, für die Registratoren, Kalkulatoren, expedirenden Sekretäre u. f. w. des Reichstags und der Reichsämter, welche gegenwärtig 3000 bis 5400 Mk. beziehen, eine Erhöhung bis 6000 Mk. im Höchstgehalt eintreten zu lassen. Bei der Abstimmung gelangt der Antrag Lieber, Aufbesserung des Höchstgehaltes von 5400 auf 5700 Mk., zur Annahme. Für die drei Gruppen der Vorsteher von Zivilämtern der Post- und Telegraphenverwaltung und für die vier Klassen der Militür-Postdirektoren wird das Höchstgehalt durchweg um 300 Mk. (statt 600 Mk., wie die Regierung vorschlägt) aufgebessert. Für die Bauinspektoren und Baumeister der Marine wurde die Erhöhung von durchschnittlich 3900 auf 4350 Mk. genehmigt, ebenso für die Oberzahlmeister der Marine von
durchflochlen; der Mäschen börste Zur zu dem weißen Fest- genante war an der H.üsschnur ein Handspiegel und an der Seile ein goldgesticktes Tâschlein. Die Männer ober, so sie nicht zur Burg gehörten, spielten an diesem Tage gern den Ritter und hatten sich mit unmäßig langen und breiten Schmettern umgürtet.
Die Burgherrschaft nahm auf einem unter schattigen Bäumen errichteten Throne Platz, zu beiden Seiten auf Rasenbänken die übrigen Bewohner der Burg, und lautlos harne die Menge des Hauptereignisses des Tages. Da schollt aus der Ferne gewaltiges Lärmen und Rufen, und plötzlich bricht aus dem Walde der Winterkönig mit seinem Gefolge hervor, mit lang herabhängendem, schneeweißem Barte, eingemummt in Pelzwerk, auf dem Haupte eine Krone aus künstlichen Eiszapfen; hinter ihm mit lautem Halloh der lichte Maienkönig mit seinem Gefolge.
Und nun beginnen beide vor dem Thron erst heftigen Streitgesang, dann harten Kampf, bis der Winter besiegt zu Boden liegt und der Sieger sein Siegeszeichen aufstellen läßt, den Maibaum mit flatternden Bändern und Blumengewinden. Die Schwerter rasseln, am Wamse läuten die Schellen, immer lustiger spielen die Spielleute und in ausgelassenen Sprüngen dreht sich alles um den Maibaum.
Hat sich die erste Freude gelegt, so begann der langsame Tanz, das Ringelreihen, zu dem alle die Hände reichten und im Kreise den Maienkönig mit seiner Maienkönigin umgaben. Gewöhnlich waren diese beiden Liebesleute, die nun von Priesters Hand zusammengegeben wurden.
Noch viel Kurzweil wurde den Nachmittag über getrieben, auch tüchtig geschmaust und wacker gezecht, wozu Küche und Keller der Burg gastlich sich öffneten. Und wenn die Sonne zur Neige ging, waren alle Männer mit Kränzen geschmückt, die Frauen aber halten nichts weiter auf dem Haupte, als
3900 auf 4500 Mk., für den Lootsenkommandeur von 3600 auf 4200 Mk., für die Divisions-Gouvernements- und Garnison-Auditeure von durchschnittlich 3600 auf 4050 Mk., für die Oberlehrer bei den Kadettenanstalten von durchschnittlich 3300 auf 3900 Mk. Für die Divisions- und Garnisonpfarrer, die jetzt 2100 bis 3600 Mk. beziehen, ist eine Aufbesserung von 2400 bis 4200 Mk. beantragt. Schließlich gelangt der Antrag Arenberg, das Höchstgehalt auf 3900 Mk. festzusetzen, zur Annahme. Für die Jntendanturassessoren wird die beantragte Erhöhung des Anfangsgehalts von 1800 auf 2400 Mk. abgelehnt, dagegen das Höchstgehalt nach der Vorlage von 3000 auf 3300 Mk. erhöht. Für die Marinepfarrer wird das Höchstgehalt von 2700 auf 3300 M. erhöht. Für die Beamten der Betriebsverwaltung der Reichseisenbahnen werden die vorgeschlagenen Aufbesserungen durchweg genehmigt. Schließlich gelangt die Tarifklasse I und II zur Berathung. Hier werden sämmtliche vorgeschlagenen Gehaltserhöhungen abgelehnt, als für den Präsidenten des Reichs-Eisenbahnamts (von 15 000 auf 20 000 Mk.), für die Direktoren des Reichsamts des Innern, Statistischen Amts, Gesundheitsamts, den Präsidenten des Kanalaints, die beiden Feldpröbste der Armee, den Direktor der Sternwarte, die vortragenden Räthe (in der Reichskanzlei und in den Reichsämtern, Höchstgehalt von 9900 auf 11 000 Mk. zu erhöhen), Ober-Postdirektoren und Militär-Intendanten. Es bleibt hier durchweg bei den bisherigen Gehalten. — Damit ist die Berathung der Besoldungsaufbesserungsvorlage erledigt. — Am Dienstag tritt die Kommission in die Berathung des Nachtragsetats ein.
Teutscher Reichstag.
Sitzung vom 30. April 1897.
Bei Beginn der Sitzung ist das Hans besetzt. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Berathung des Jnvaliditäts-Versichernngs- gesetzes. Abg. Stumm (Reichsp.) bespricht die Schwierigkeiten der Zusammenlegung von Unfall- und Invaliditäts-Versicherung und erklärt sich gegen den Hertling'schen Gedanken, den Umfang des Gesetzes einzu- schrünken, wodurch dem Gesinde, den Handwerks- und landwirthschaft- lichen Arbeitern die Wohlthaten des Gesetzes entzogen würden und befürwortet eine einheitliche Verwaltung der einzelnen Anstalten. Der Antrag Plötz habe große Vorzüge aber auch große Mängel; dem Anträge Rösicke könne er nicht zustimmen. Redner empfiehlt schließlich den Antrag Levetzow, die Vorlage an eine Unsallkommission zu verweisen, weil die ganze Materie einer Vorberathung bedürfe. Abg. Richler (freis. Volksp.) steht dem Hertling'schen Vorschläge sympathisch gegenüber. Der Fehler der bestehenden Gesetze sei der, daß alle Erwerbszweige zu sehr schablonisirt seien. Die Vorschläge des Centrums halte er für nicht aussichtslos ; unannehmbar sei dagegen die Zusammenwerfung der Fonds, wie die Vorlage sie vorschlage und die Gründung einer Centralanstalt. Der Antrag Plötz schädige die Interessen des Mittelstandes. Die Annahme des Plötz'schen Antrages mürbe in Preußen eine Erhöhung des Einkommensteuerzuschlages um etwa 50 Prozent bedingen, dagegen sei der Antrag Rösicke allein annehmbar. Entweder solle man diesen annehmen oder gar keinen. Staatssekretär v. Bötticher bittet, alle Vor-
B—nn»—«■■■!■ IIum, iiR|l/TWii-~«»mfli.TffinBfHMnHMWWMaiMi«.MIllailirilfmHMBIIHMlf»flT/llllllll«llll1Ml>rl l■Hlll^^^Hl1H.rHm'Tm1- ■
Aus Kunst und Leben.
* Eine hervorragende akademische und musikalische Festlichkeit wird im kommenven Kammer in Leipzig stattfinden. Ter Universitätssängervercin zu Sl. Pauti in Leipzig, dessen musikalischer Leiter her als MusikschriflstcUer und Dirigent als bervorragend bekannte UnioerNlälsmusik- direktor Prof. Dr. Kretzschmar ist, wird in >en Tagen vom 18.—22. Juli die Feier seines 75jährigen Benetzens begehen, zu deren glanzvollen Gestaltung die umf-ssendüen Vorbereitungen getroffen weiden. Die in der gejammten deutschen Musikwelt bestens b. rannten „Paulin er" werden ihrem musikalischen Ruf nach Veranstaltung zweier großer Konzerte, eines geistlichen und eines weltlichen, Rechnung tragen. Die in Aussicht genommen-n geselligen Fe rli tkeiten werden ebenfalls dam beitragen, daß die Theilnahme an dem Feste nicht nur seitens der „alten Herrn", leren der Verein weit über 1000 zählt, sondern auch seitens befreundeter musikalischer und studenliicher Korporationen und weiterer Kreise eine sehr rege wird. Unter anderem in beabsichtigt die Veranstaltung eines Begrüßungëobends. einer F sttafel, eines Balles, einer Aus- und Umfahrt mtt Chargirten, eines Gartenfestes in Nm „Thüringer Törfchen", welches eine Sehenswürdigkeit ds Eächs.-Tbür. Industrie- unb Gewerbe- Ausstellung bildet, u. s. w.
Die Frühlingsnnmmer der „Modernen Kunst" (Verlag von Rich. Bong, Berlin W.) ist soeben in reizvollstem Gewände erschienen. Künstler, Musiker, Dichter, Männer der Feder und Drucker haben sich vereint, um etwas Außerordentliches darzubieten. In erhebendster Weise ist diese Absicht verwirklicht worden. Mit seinem Reichthum entzückender farbiger Bilder, wundervoller Holzschnitte und trefflicher Illustrationen athmet das Heft die echte Frühlingsfreude. Der mit feinem Geschmack ausgesührte Deckel, dem ein Entwurf C. H. Küchler's zu Grunde liegt, meist charakteristisch auf die ewig schöne Zeit des Werdens, Knospens und Blühens hin; von lichtblauem Grunde heben sich die Blüthenzweige mit einem auf ihnen hockenden, fröhlich ansschauenden Plan ab, der seiner Schalmei b"’ a-rüMiim ontlnrft her fmhim-rt Ertra-Knnü-