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Nr. 97.
Dienstag den 27. April
1897.
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 32.
Deutschlands Stellung in Europa.
Vor einigen Tagen hat der „Figaro" in einem neiderfüllten Artikel darauf hingewiesen, daß Deutschland eine noch ebenso mächtige Stellung in Europa inne habe, wie vor 20 Jahren. Da die Stellung Deutschlands in Europa gerade in der nächsten Zeit von hoher Wichtigkeit werden kann, weil es leicht dahin kommen dürfte, daß Deutschland zwischen den widerstrebenden Juteressen europäischer Großmächte zu vermitteln hat, so verlohnt es wohl der Mühe, zu untersuchen, ob die Behauptung des „Figaro" der Wahrheit entspricht. Denn es ist klar, daß, je machtvoller Deutschlands Stellung ist, sein auf die Erhaltung des Friedens gerichteter Einfluß desto eher zur Geltung gelangen kann.
In manchen Beziehungen hat Deutschland sogar gegen früher einen Fortschritt gemacht. Der Wohlstand des Landes ist entschieden gestiegen und immer noch im Aufsteigen begriffen, und Niemand mehr kann heutzutage mit einem Anscheine von Recht Deutschland ein armes Land nennen. Die deutsche Armee ist seit 20 Jahren um rund 150,000 Mann vermehrt worden und es ist die ständige Mühe der Vetter des deutschen Heerwesens gewesen, dafür zu sorgen, daß auch der innere Ausbau der Armee mit der äußeren Zunahme Schritte halte. Die Bündnisse, die Deutschland vor annähernd 20 Jahren einging, stehen beute noch so fest, wie damals, während jenes Bündniß, das angeblich dem Dreibünde das Gleichgewicht halten sollte, die erste wirkliche Probe, auf die es g-stellt wurde, — in der orientalischen Frage — nicht sehr glücklich bestanden hat.
Eins freilich fehlt Deutschland, um in völliger Sicherheit alle Eventualitäten an sich herankommen zu lassen: eine kräftige Flotte. Dieser Mangel kann uns doch eventuell leicht einer Demüthigung ausschen. Wir haben uns lebhaft darüber gefreut, daß die deutsche Regierung in der Trans- vaalangelegenheit kräftig für den so schmählich bedrohten Staat eingetreten ist. Aber, so müssen wir uns fragen, was könnte geschehen, wenn nun England das Transvaal zu vergewaltigen suchen würde, was würde geschehen, wenn es auch, was ja die Anwesenheit englischer Kriegsschiffe in der Telagoabai nicht als unmöglich erscheinen läßt, daran ginge, die Delagoabai durch einen Handstreich zu englischem Besitze zu machen? Die gewaltige Angst, die die Türkei jetzt wegen ihrer westlichen und östlichen Küsten hat, könnte uns wohl eine Lehre sein. Mit Ausnahme von Kiel, das vorzüglich armirt rst, könnte keine unserer Hafenstädte dem Feuer der mit Schnellfeuergelchützen großen Kalibers ausgerüsteten modernen Kriegsschiffe widerstehen, wenn erst eben diese
Feuilleton»
Griechische Frauen. Bon I. Gebhardt.
(Nachdruck verboten.)
Ein Volkslied erzählt;
Zwölf Jahre lang hat Haide gelebt als Armatole und Klephte Und keiner von ihren zehn Gefährten hat ihr Geheimniß erfahren ;
und die Geschichte bestätigt diese volksthümliche Ueberlieferung durch viele Fälle. SchwUgeno gürtete die Griechin den zum Kampfe sich rüstenden Palikaren mit dem Schwerte, gab ihm den Abschiedskuß und betete dann in wehevoller Einsamkeit für seine siegreiche Rückkehr. Ja, sie nahm selbst am Kampfe theil. Während des griechischen Freiheitskrieges führten tie Frauen der Berge oft einen erbitterten Guerillakrieg gegen die Türken. Ein Jnsurgentenführer namens Christos halte unter seinen Truppen eine Kompagnie von 20 Amazonen, unter denen sich seine eigene Schwester befand. In der Festung Kytherias lag die Nichte eines am Orte angesehenen Mannes. Helena, mit einem ganzen Trupp fechtender Frauen. Eine berühmte Freiheitsheldin ist Konstanze Zacharias, die beim Ausbruche des Kampfes das Kreuz auf ihrem Hause auspflanzte, durch einen patriotischen Appell eine Schaar entschlossener Gesinnungsgenossinnkn um sich versammelte und mit ihnen, vom Bischof von Helos geweiht, gegen die Türken ausrückte, die sie aus Londari verjagte. Und Modena Mavroyennis revoltirie die Hellenen von Euböa, indem sie sich selbst dem Sieger als Preis versprach; als später algerische Schiffe am Strande ihres Heimathsortes Mykone feindliche Truppen landeten, war sie es, die an der Spitze
Kriegsschiffe mangels einer widerstandsfähigen deutschen Kriegsflotte an unsere Hafenstädte berankommen können.
Der erwähnte Artikel des „Figaro", der dem Deutschen Reiche eine so hervorragende Stellung in Europa anweist, ist, in zweifach-r Hinsicht von Werth. Er kann jene Klein- müthigen erheben, die schon jammerten, daß der Zweibund allein die Geschicke Europas bestimme und daß Deutschlands Einfluß unwiederbringlich dahin sei. Es kann aber auch jeden Verständigen daran denken lassen, was Deutschland noch fehlt, damit es im Rathe der Völker Europas seine Stellung unerschütterlich wahren kann. Je bedeutender diese Stellung ist, desto eher wird Deutschland in der Lage sein, den Völkern Europas und auch sich selbst den Frieden dauernd zu erhalten.
Tagesschau.
Die verstärkte Kommission des Herrenhauses für kommunale Angelegenheiten i't vom Vorsitzenden aus den 7. Mai, nachmittags 1 Uhr, einberufen worden, um die nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses vorliegenden Entwürfe einer Städteordnung für die Provinz Hessen-Nassau und einer Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen- Naffau der Beratbung zu unterziehen. Zum Berichterstatter ist Dr. v. Jbell, Oberbürgermeister in Wiesbaden, bestimmt worden. Eine Plenarsitzung des Herrenhauses dürfte dann erst anberaumt werden, wenn sich übersehen läßt, zu welcher Seit der Etat im Abgeordnetenhaus wird durchberathen sein können und dem Herrenhause zugehen wird.
Der britische Admiral Rawson hat seine tiefverschleierte Mission in der Delagoabai damit begonnen, daß er den portugiesischen Behörden ein Festmahl gab.. Das geschieht von den Kommandanten anderer Kriegsschiffe, wenn sie auch nicht in ganzen Geschwadern erscheinen, eben falls, aber es will denn doch scheinen, als hätten zwischen England und Portugal Verhandlungen stattgefunden, die vorläufig Geheimnist der beiden Regierungen sind und die sich das Liffaboner Ministerium scheut, den Cortes vorzulegen. Wenn die Londoner „Daily Mail" auch gerade nicht als besonders verläßlich in ihren Nachrichten gilt, hat sie doch in den südafrikanischen Angelegenheiten so manche verborgene Mine blosgelegt; der nachstehenden Londoner Meldung der „Voss. Ztg." rst daher die Glaubwürdigkeit nicht ganz abzusprechen: Der Kapstädter Berichterstatter der „Daily Mail" erfährt: Trotz Ableugnung des portugiesischen Ministerpräsi deuten erwog die portugiesische Regierung vor 18 Monaten bereits die Vorschläge für die kommerzielle Abtretung des Delagoagebiets an ein angloportugiesisches Syndikat mit einem Kapital von zehn Millionen unter dem Vorsitz des Herzogs von Oporto. Der portugiesische Vorsitzende wäre natürlich nur der Deckmantel gewesen, gerade wie bei gewissen
Soldaten zurücktrieb, die dabei ihren Führer verloren. So leidenschaftlich nahmen damals die Frauen an dem Kampfe theil, daß eine jener historisch berühmt geworbenen Vertheidigerinnen von Missolunghi auf ihrem Todtenbeite — noch im Anfänge der 80er Jahre — den Wunsch aussprach, in ihrem Palikaren-Kostüme, das sie während des Krieges gelracen und seitdem sorg'ältig verborgen gehalten batte, beerdigt zu werden. Das Jahr 1878 zeigte, daß die Griechinnen unserer Zeit in dieser Hinsicht hinter ihren Müttern und Großmüttern keineswegs zurückstehen. Damals erwarb sich Peristera, „die Taube", großen Ruhm, die die Führerin einer Jnsurgenleu- bande wurde und sich als solche Vanghelli nennen liest; ihre Gefährten gaben ihr den Beinamen „spano", der Bartlos'. Zwei Jahre lang trug sie die Waffen, dann machte sie unter Vermittelung des britischen Vizekonsuls von Larissa Friede mit den Türken. Mrs. Garnett hat eine Photographie von ihr in vollem Klephten-Kostüme gesehen: Säbel, PistoltN und Aatagans im Gürtel, die Flinte in der Hand, um ihren Hals hing das Abzeichen der Führerwürde, eine breite Silbermedaille mit einem Reliefbilde des Heiligen Georg, des Drachentödters. Auf den Bergen von Volo hat damals Marighitza und Makrinitza sich rühmlich heroorgethan, indem sie mit anderen Frauen den kämpfenden Männern mitten im Feuer Speise und Trank zutrug; in Athen wurde sie später hoch gefeiert und vom König und der Königin empfangen. Solche Begebenheiten aus der jüngsten Vergangenheit machen es wahrscheinlich, daß auch in dem gegenwärtigen türkisch- griechischen Kriege den hellenischen Frauen eine Rolle zufallen dürfte, die um so bedeutender sein wird, je heißer die nationalen Leidenschaften sich regen werden.
Ist nun deshalb bie Griechin als eine Art Mann-Weib zu denken? Nichts weniger als dies. Vielmehr sind im allgemeinen ihre Eigenschaften und Vorzüge geradezu speziell
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zweifelhaften Aktiengesellschaften Namen alter Geschlechter für den Vorstand sehr gesucht sind. Daß diese und vie wener- gehende Pläne nicht aufgegeben sind, ist bei der briiiichen Zähigkeit vorauszusetzen. England fährt auch trotz aller Ableugnung feindlicher Absichten emsig fort, seine Streitmacht in Südafrika zu verstärkn. Nach einer Reutermeldung aus London erhielt die in Dorchester liegende 13. Batterie der Artillerie Befehl sich zum Abgange nach Südafrika bereit zu halten. — Aber auch die Buren sind r icht müßig. Wie aus Pretoria gemeldet wird, beschloß das Kriegsoml in Transvaal, zwei weitere Forts bei Pretoria herzustellen. Die Errichtung der Forts soll beschleunigt werden.
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen -Bureau „Herold.")
Berlin, 26. April. Gegen das auf Dienstentlassung lautende Urtheil der Disziplinarkammer hat Dr. Peters bereits Berufung beim Reichs-Disziplinarhof in Leipzig eingelegt.
Berlin, 26. April. Dem Allgem. deutschen Handwerkertage, der morgen in Berlin tagt, ging heute eine Konferenz der Theilnehmer der allgemeinen deutschen Handwerker-Konferenz vom Herbst vorigen Jahres voraus. Aus derselben erklärte u. A. Obermeister Baum-München, daß er vom Bunde in München zu der Erklärung ermächtigt sei, daß man in München die Vorlage annehmen wolle, auch ohne Abänderungen. Das wäre immer noch besser als der jetzige Zustand.
Berlin, 26. April. Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet aus Wien: Von türkischer Seite wird erklärt, ialls Griechenland die bisherigen Niederlagen nicht als genügend zum Rückzüge betrachten sollte, würden die Türken nach Athen marschiren. Der Tbermepylen-Paß wäre ungleich leichter als der Meluna-Paß zu nehmen. Die Griechen täuschten sich, wenn sie sich hinter dem Thermopylen-Paß sicher glaubten. Die hiesige Diplomatie ist der Ansicht, daß, wenn Griechenland den Kampf fortsetzen sollte, es dem vollständigen Verderben entgegen gehen würde. Man glaubt jedoch, daß Griechenland bald die Intervention der Mächte anrufen wird. Gegenwärtig verhalten sich die Mächte vollständig passiv.
Wien, 26. April. Hiesige insormirte Kreise bezeichnen alle Gerüchte, nach denen es sich bei der Kaiserreise nach Petersburg um den Abschluß eines Bündnisses handle, als vollständig unbegründet. Dagegen könne es als feststehend betrachtet werden, daß es in Petersburg zwischen beiden Kaisern zu einer offenen und ehrlichen Auseinanders tzung in der Angelegenheit der zukünftigen Stellung beider Mächte zur Orientsrage kommen werde und zwar dürften nicht nur prin- zipielle, sondern auch ganz präzise Einzelfraoen zur Lösung
tionallriegen richtig verstehen, so muß man zunächst daran denken, daß bei den Griechen — Frauen wie Männern — der Patriotismus durchweg einen beinahe religiösen Charakter trägt und daher im gegebenen Augenblick alle Empsindnngen im tiefsten aufwühlt. Und dann besitzt die Griechin von heut wirklich noch recht viel von jener Naivelät, die die Hellenin der klassischen Zeit kennzeichnete; fast kindlich gibt sie sich ohne jeden Rückhalt und ohne Schranke dem Gefühle hin, das sie erfaßt, und noch heut treffen die charakteristischen Worte, die ein französischer Reisender vor mehr als hundert Jahren geschrieben hat, ganz zu: „Hier wertet ihr noch Mütter und Wittwen in Verzweiflung sehen, die sich auf die Brust schlagen, die sich die Haare vom Kopfe reißen und die Luft mit ihrem Stöhnen und Schreien erfüllen." Wer sähe hierbei nicht eine antike Szene im Geiste vor sich?
Wie also die Griechin im Kampfe ganz Feuer und Flamme ist, so ist sie im gewöhnlichen Leben auch ganz Demuth und Unterwerfung. Gerade jene Griechinnen, die sich durch Kampsesthaten berühmt gemacht haben, die Frauen der Palikaren d. h. der von der europäischen Kultur am wenigsten berührten Hellenen, spielen im Hause eine ganz untergeordnete Rolle. Sie haben eigentlich nichts zu sagen, sie gehen in den Arbeiten des Haushalts völlig auf, sie müssen hart arbeiten und ihre Reize meistens zeitig der Arbeit opfern, sie haben so wenig Freiheit, daß sie, orientalischer Gewohnheit entsprechend, nicht einmal unterteilet von Hause gehen dürsen. Der Mann sorgt für sie, oft in aufopfernder Weise; aber damit ist auch seine Thätigkeit für sie erschöpit, er ist ihr aphentes, ihr Gebieter, sie bedient ihn bei Tische und kennt seinen Befehlen gegenüber nur schweigende Unterwerfung. Das ist ein einförmiges und freudloses Leben, das sie führt, und nur der Festtag führt die Mädchen in ihren Festkleidern auf den Dorfanger, wo sie ^™ ffniMirhPTt svrtns phnrns Innren : die inneren Leute reichen