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Nr. 92.

Mittwoch den 21. April

1897.

Amtliches.

LanöKvsis ^banait.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Altenstadt ist die Nothlausseuche erloschen und die Gehöftssperre aufgehoben worden.

Hanau am 17. April 1897.

Der Königliche Landratb.

I. V.: Herrfahrdt, Reg.-Assessor.

Difnftnadiriditen ans dein Kreise.

Am 19. ds. Mts. in der Marienkirche verwechselt: Ein schwarzer steifer Herrenhut mit rothem Futter.

Gefunden: Ein schwarzer Frack. Eine goldne läng­liche Vorstecknadel (Broche). Eine Veloziped-Satteltasche mit Inhalt.

Verloren: Ein 10-Markstück; dem Wiederbringer eine Belohnung. Eine vernickelte Damenremontoiruhr mit Reise­kettchen.

Zugelaufen: Ein rother Spitzhund.

Hanau am 21. April 1897.

Anfang des älhuljahrrs 1897,98.

In den beiden Mittel- und Volksschulen beginnt der Unterricht Montag den 26. April 1897.

An der höheren Mädchenschule findet Montag den 26. April, von 9 Uhr morgens an, die Aufnahmeprüsung! der neu eintretenden Schülerinnen statt. Beginn des Unter­richts Dienstag den 27. April, vormittags 8 Uhr.

Hanau den 21. April 1897.

Der Stadtschulinspektor Bungen st ab.

_^

Zur Handwerkerfrage.

Die Beschlüsse der mit Berathung der Handwerkervorlage betrauten Reichstagskommission drohen einen Zwiespalt in die Reihen der Handwerker zu tragen. Zn.Norddeutsch­land hat man ihnen in Handwerkerkreiseu vielfach zugestimmt, in Süddeutschlaud nähern sich die nicht grundsätzlich für Ge­werbefreiheit schwärmenden Handwerker mehr und mehr den Vorschlägen des Regierungsentwurfs. Im Interesse der guten Sache sollte der Reichstag Bedenken tragen, seiner Kommission zu folgen. Der von den verbündeten Regierungen ausgestellte Grundsatz, die Zulassung des Jnnungszwanges für jeden einzelnen Bezirk von den Mehrheitsbeschlüssen der betheiligten Handwerker selbst abhängig zu machen, trifft ohne Zweifel das Richtige. Auch grundsätzlichen Gegnern der Zwangsinnung

Fenilletsn

Karl Schurz über die deutsche Mutter­sprache.

Ueber die deutsche Muttersprache in Amerika hat Karl Schurz kürzlich bei der Feier des 50jährigen Stiftungsfestes des Newyorker Liederkrunz eine Rede gehalten, wie sie be­geisterter und hinreißender selten im Aur lande gehört worden ist. Schurz sagte u. A.:Die Beantwortung des Trink spruchs auf die deutsche Muttersprache sollte eigentlich ge­sungen werden. Der Liederkram hat das ja so ost und er­greifend gethan, und es wäre besser, es stünde auch jetzt an meiner Stelle der Liederkranzchor. Wir feiern hier auch in erster Linie die deutsche Muttersprache, wie sie im deutschen Liede erklingt. Es ist wohl wahr, daß es andere Sprachen gibt, die sich durch die Volliönigkeit ihrer Vokale und die Weichheit ihrer Konsonanten besser für den Gesang zu eignen scheinen; aber in keiner Zunge wird doch so viel gesungen wie in der deutschen; und keine hat in so reicher Fülle und in so schöner Innigkeit und Kraft das hervorgebracht, was das Volk singt das Lied. Mit der deutschen Mutter­sprache ist das deutsche Lied dem deutschen Herzen entsprungen und es hat seinen Weg um die Welt gemacht. Dem deut­schen Geiste und dem deutschen Streben mag manches wider­stehen dem deutschen Liede widersteht nichts.

Es wäre überflüssig, hier von der alle Gebiete der mensch­lichen Geistesthâtigkeit umfassenden Litteratur zu reden, die in der deutschen Sprache ausgewachsen ist, und deren über­ragende Größe die ganze zioilistrte Menschheit anerkmnt. Denn es ist nicht die deutsch^. Litteratur allein, die uns die Muttersprache bietet. Es gibt keine Sprache der Welt, deren iSMpntfcrtmGif fpitp« fernerer in einer anderen Sprache wieder­

ermöglicht er eine Versöhnung mit dem Gesetz; andererseits sollte man meinen, daß auch die grundsätzlichen Freunde des Zwanges es nicht mehr als recht und billig finden müßten, von einem Zwange abzusehen, wo das Handwerk in seiner ausdrücklich sestgestellten Mehrheit die Bildung einer Innung nicht will.

Die Reichstagskommission hat anders gedacht. Sie hat den Mehrheitsbeschluß als entscheidende Vorbedingung für die Errichtung einer Zwangsinnung beseitigt und das diskretio­näre Ermessen der höheren Verwaltungsbehörde an seine Stelle gesetzt. Nur wenn ein Mehrheitsbeschluß zu Gunsten der Zwangsinnung vorliegt, soll er für die Behörde verbindlich sein, ist er gegen die Zwangsinnung gefaßt, so soll die Behörde trotzdem das Recht haben, die Errichtung einer Zwangsinnung anzuordnen. M

Es ist zu befürchten, daß die praktische Anwendung dieses Kommissionsvorschlages die Schwierigkeiten im Lager der Handwerker noch vermehren würde. Eine gegen den Willen der Mehrzahl der Handwerker errichtete Zwangsinnung wäre von vornherein zur Unfruchtbarkeit verurtheilt, denn sie stieße von Hause aus auf soviel Widerspruch, Unzufriedenheit und Mißtrauen, daß die Vorbedingungen des Gedeihens einer Innung: die freudige Theilnahme am berufsgenossenschaftlichen Zusammenleben und .eine von einheitlichem Geist getragene Fürsorge für das betheiligte Handwerk von vornherein wegsielen.

Es läge auch die Gefahr nahe, daß die oberen Verwal­tungsbehörden desselben Staates, in noch höherem Grade aber die oberen Verwaltungsbehörden der einzelnen Bundesstaaten entgegengesetzten Anschauungen über die von ihnen zu befol­genden Grundsätze bei der Errichtung von Zwangsinnungen Raum geben könnten. Damit wäre ein Hauptvortheil des Handwerkergesetzes, die einheitliche Regelung der Handwerks­organisation für Deutschland, völlig in Frage gestellt und eine große Verwirrung im Handwerk die voraussichtliche Folge.

Die verbündeten Regierungen werden kaum in der Lage sein, von ihren Vorschlägen abzugehen, denn sie stellen das Maß des zur Zeit Erreichbaren dar. Somit trägt der Reichs­tag nur zum S ch e i t e r n der so nothwendigen Handwerks­vorlage bei, wenn er die Kommissionsbeschlüsse aufrecht erhält, uud die Verantwortung hierfür wird er schwerlich auf sich nehmen wollen.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depescken-BureauHerold.")

Berlin, 20. April. Heute Nachmittag I 1/4 Uhr empfing das Kaiserpaar den Fürsten von Bulgarien.

Berlin, 20. April. Der Kaiser, welcher heute Abend eine Reise nach Wien anzutreten gedenkt, wird, wie bereits bekannt, auf der Rückreise von dort in Dresden absteigen und am 23. auf Schloß Streylen bei Dresden der Gedurts-

zugeben sind, wie die deutsche, und keine, in welche andere Sprachen mit all ihren Redeweisen und Versmaßen mit sol­cher Treue übertragen werden können und so reichlich über­tragen worden sind. Homer, Dante, Hafis, Shakespeare, Aristoteles, Bacon, Thucydioes, Tacitus, Macaulay, Viktor Hugo, Walter Scott, Tolstoi Dichtung, Philosophie, Wisseuschaft, Geschichtschreibung und Roman alles dies aus allen Zeiten und Ländern hat in der deutschen Sprache eine Herberge gefunden in U bertragungen, die der O'iginale in Treue, Kraft und Schönhe t würdig sind. Die deutsche Sprache bietet also wie keine andere die gesummten Reich­thümer der Weltlitteratur. So besitzen wir in ihr h d«r That einen Schatz, dessen Werth wir nicht hoch genug achten können, besonders wir nicht, die wir uns in der neuen, an­ders sprechenden Welt eine neue Heimath gegründet laben.

Es wird unseren Stammesgenossen in Amerika zuweilen zugemuthet, daß sie nicht allein Englisch lernen, sondern auch die alte Muttersprache gänzlich fahren lass'n sollen. <jte uns das zumnthtn, sind unverständige Leute. Daß der Deutsch-Amerikaner Englisch lernen soll, wird niemand be­streiten. Er schuldet das seinem neuen Vaterlande und er schuldet es sich selbst. Aber die Zumuthung, daß er darum die deutsche Sprache verwerfen soll, ist mehr als Thorheit. Der Gedanke, daß die Bewahrung der deutschen Sprache neben der englischen die Entwickelung unseres amerikanischen Patriotismus behindern könne, ist so einfältig als wenn man sagte, es mache uns weniger patriotisch, wenn wirHeil Columbia" in zwei Sprachen zu singen verstehen. Es gibt Tausende von Stockamerikanern, die Deutsch lernen. Das macht sie nicht weniger patriotisch; es macht sie nur ge­bildeter und gescheidter. Sie lernen Deutsch, weil sie den Werth der deutschen Sprache erkannt haben. Sie lernen Deutsch mit mühevoller Arbeit; denn Deutsch ist schwer. Wir Deutsch Amerikaner haben diesen Schatz mit uns herüber ge-

tagsfeier des Königs von Sachsen beiwohnen. An demselben Tage wird auch die Kaiserin in Strehlen ein treffen, um an der Geburtstagsfeier theilzunehmen; hierauf macht die Kaiserin einen Besuch bei ihrer Mutter, der Herzogin Adelhaid zu Schleswig-Holstein und kehrt sodann wieder nach Berlin zu­rück. Der Kaiser begibt sich von Dresden bin ft nach Karls­ruhe zur Auerhahn-Jagd.

Berlin, 20. April. Dem Vernehmen nach find der General der Infanterie Vogel von Falkenstein zum Chef des Ingenieur^ und Pionier-Korps und zum General-Inspekteur der Festungen, der General der Infanterie Erbgroßherzog von Baden zum kommandirenden General des VIII. Armee­korps, der General-Lieutenant Frhr. v. Bülow zum Kommandeur der 29. Division und der General-Major von Kessel zum Kommandeur der ersten Garde-Infanterie Brigade definitiv ernannt worden.

Berlin, 20. April. Eine hochherzige Spende hat die Kaiserin dem Hospital der jüdischen Gemeinde in Berlin zu­gewendet. Dem Vorstand ging aus dem Kabiuet der Kaiserin ein huldvolles Schreiben zu, durch welches die hohe Frau dem Hospital ein Geschenk von 10 000 Mark überreicht.

Königsberg, 20. April. Der Stadtrath Graf, Kan­didat der freisinnigen Volkspartei bei der bevorstehenden Reichstagsersatzwahl, ist gestorben.

Frankfurt a. M., 20. April. Die Differenz zwischen dem Vorstande des Frankfurter Journalisten- und Schrist- stellervereins als dem derzeitigen Vorstande des Verbandes deutscher Journalisten- und Schriststellervereine, und dem vom VereinLeipziger Presse" zur örtlichen Vorbereitung des diesjährigen Journalisten- und Schriftstellerta^es einge­setzten Hauptausschusse hat nach lebhaftem Meinungsaustausch zwischen den Betheiligten alsbald eine friedliche Lösung ge­funden. Es wurde festgestellt, daß auch an maßgebender Stelle Fragen, wie Zeugnißzwang in Preßsachen und dergl., als Fach- und Standesfragen und nicht als politische be­trachtet würden, und daß demgemäß die bei der Gewährung des Protektorates vom Leipziger Hauptauè schuß abgegebene Zusicherung eine Beschränkung der dem Journalistentage zu­kommenden Verhandlungsfreiheit nicht nach sich ziehen kann.

Offenburg, 20. April. Die an den beiden Osterfest­tagen hier tagende Landesversammlung der sozialdemokratischen Partei Badens war von 56 Delegirten aus allen Theilen des Landes besucht. Etwa 200 Personen wohnten den Ver­handlungen bei. Ein Antrag Karlsruhe Durlach, den Offen­burgerVolkssreund" von der Partei zu übernehmen, nach Karlsruhe zu verlegen und täglich erscheinen zu lassen, wurde nach längerer Debatte abgelehnt. Bei den Landtagswahlen beabsichtigt die Partei in folgenden Wahlbezirken zu kandidiren: Pforzheim-Stadt, Lörrach, Freiburg und Karlsruhe. Die Partei zählt jetzt 61 Vereine mit rund 3000 Mitgliedern. Der alte Vorstand mit Haug-Freiburg als Vorsitzenden wurde - - I j . . 1 " -1-«^g« bracht. Wir brauchen das Deutsche nicht erst zu erlernen; wir brauchen es nur nicht zu vergessen. Und unsere Kinder werden das umsonst haben, was andere sich nur schwer er­werben können, wenn wir vernünftig und gewissenhaft genug sind, die deutsche Sprache nach Kräften in der Familie zu hegen und zu pflegen. Das mag nicht hinreichen, unseren Kindern eine solche Kenntniß der Sprache zu geben, wie sie wünsche» swerth ist, aber es wird ihnen die Erwerbung des Fehlenden unermeßlich erleichtern.

Ich predige hier nicht als einer, von dem es heißen könnte:Folgt feinen Worten und nicht seinen Werken." Ich bilde mir ein, ein so pflichttreuer Amerikaner zu sein, wie irgend einer. Ich habe auch Englisch zu lernen versucht, und meine Kinder ebenfalls. Aber in meinem Familienkreise wird nur Deutsch gesprochen und viel Deutsch gelesen und nur auf Deutsch korrespondirt. Ich darf mir daher erlauben, mich über diesen Punkt stark auszudrücken. Und so sage ich Ihnen: Wenn ich sehe, wie deutsch-ameri­kanische Eltern aus bloßer Bequemlichkeit es versäumen, ihren Kindern den Besitz der Muttersprache zu sichern, wie sie das kost­bare Gut, das si § haben, leichtsinnigweg­werfen, so empört sich mein deutsches Herz wie amerikanischer Verstand. Diese Eltern thun nicht, was sie ihren Kindern schuldig sind. Sie begehen an ihnen eine Pflichtverletzung, einen Raub, eine Lünve.

Um so mehr ehre ich jeden deutsch-amerikanischen Verein, in welchem, wie im New-Aorker Liederkranz, die deutsche Muttersprache hochgehalten und gehegt wird. Er thut der Mitwelt wie den kommenden Geschlechtern einen unschätz­baren Dienst. Wie in dem halben Jahrhundert, das nun so ehrenvoll hinter ihm liegt, so wird der Liederkranz auch in den unzählbaren Jahren, die, wie wir alle hoffen, ihm noch beschieden sein mögen, dieser schönen Pflicht unwandelbar treu