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Im Reklamentheile di« Zeile 20 ^ netto.

Nr. 91.

Dienstag den 20. April

1897.

Amtliches, ^taötßreie ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes,

Die Erneuerung dort Fußböden in verschiedenen Schulgebäuden soll im Wege öffentlichen Ausschreibens ver­geben werden.

Die Bedingungen liegen von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 (Nachhaus), für Interessenten zur Einsicht aus und werden verschlossene Angebote, mit entsprechender Ausschrift versehen, bis zum 24- April d. I., vor­mittags 11 tthr, daselbst entgegengenommen.

Die Eröffnung findet zu dieser Zeit in Gegenwart etwa erschienener Bieter im Zimmer Nr. 24 statt.

Hanau am 10. April 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 5443

Handelskammer zu Hanan.

Oeffentliche Sitzung am Mittwoch den 21. April 1897, na^m. 4/, Uhr, im Bureau der Handelskammer (Ätadtschloß).

Hanau, 17. April 1897.

Die Handelskammer

Canthal. 5755

Der Ausbruch des Krieges zwischen der Türkei und Griechenland.

Die Griechen haben auch diesmal erreicht, was sie her­beiführen wollten, den Abbruch der diplomatischen Beziehungen von Seiten der Türkei, dem die offizielle Kriegserklärung brrcits gefolgt ist. Am Palais der griechischen Gesandtschaft in Konstantinopel sind laut vorliegenden Depeschen bereits die staatlichen Hoheitszeichen entfernt, der griechische Gesandte Fürst Maurocorda reift heute nach seinem Vaterlande ab.

Längs der ganzen Grenze von Epirus bis Thessalien haben Griechen und Türken sich bereits an der Gurgel und rothen Ströme leichtfertig vergossenen Menschenblutes den felsigen Boden. Im Gefecht bei Karya, in dem an der Seite griechischer und sizilianischer Freischaaren reguläre Truppen gegen vier türkische Bataillone kämpften, sind, wie eine uns soeben zugezangene Athener Spezialdepesche be richtet, sowohl auf türkischer wie auf griechischer Seite Hun­derte von Streitern gefallen, deren Leichen unbestattet als willkommene Beute für die kieiftnden Geierschwärme das Schlachtfeld bedecken. Die Griechen schreiben sich den Sieg zu, während von Konstantinopel her gemeldet wird, daß ihre Schaaren sich in vollständiger Auflösung vor den geschlossen .^!!l?^!^mllJLl!gj^^

FeuMetsn.

Türkische Soldaten.

Erinnerungen von Hans Wachenhusen.

(Nachdruck uerbetH-)

Tas war noch ein Krieg voll wilder Romantik, jener russisch-türkische Feldzug an der Donau von 1854. Da gab's noch Kopf- und Ohren- und Nasenabschneiden und in dieser Leistung bewährte sich namentlich die noch heute in der tür­kischen Armee bestehende Heeresabtheilung der Irregulären, der Baschi-Bozuks, nach unserem Beyriff der Landsturm.

Eine tolle Bande, in die ich hinein gerieth, als ich zu Ende Februar des genannten Jahres als Kriegsfeuilletonist der Augsb. Allg. Zeituna durch Serbien ging, das in großer Aufregung war, und den Timos, den Grenzfluß zwischen diesem und der Türkei, überschritt.

Hier am jenseitigen türkischen Ufer hatte ich bereits am frühen Morgen einige Probe-Exemplare der Baschi-Bozuks vor mir, wüste alte Gesellen in ihren halb zerlumpten Jacken und Pluderhosen, hohen defekten Stiefeln, in dem um den Leib gewundenen Shawl ein ganzes Arsenal von Pistolen, Datagans und Messern. Sie krochen unter ihren Heuhaufen hervor, bestiegen ihre Pferde und brachten mich mit meinem Tataren zu Omer-Aga, einem geborenen Polen, dem Bin- Baschi, der eben beim Tabor, beim Exerziren seiner Obser­vationstruppen war, und mich mit einer Kotelette bewirthete, die sein On-Laschi, sein Unteroffizier, aus der Trommel mit den Händen zerriß und so servirte. Er gab mir auch eine Eskorte von sechs Baschi-Bozuks mit, die mich nach Widdin geleiteten und vor Alexo's Locanda am Donau-Ufer ablieferte.

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vordringenden türkischen Kolonnen zu rettender Grenze zu­rückgezogen hätten. Am heutigen Dienstag wird die Grenze keine Scheidelinie mehr zwischen den Hauptmassen der regel­mäßigen Truppen bilden, da die türkische Armee den Be­fehl e> halten hat, auf der ganzen Linie vorzurücken. Auch ein Seegefecht hat sich bereits bei dem historischen Vorge­birge Acnum, südlich des Ambrakischen Golfes (Busen von Arta) abgespielt, das mit dem Untergang des schwer ge­troffenen griechischen Schiffes Makedonia endete. Kurz, der Krieg ist entbrannt, und jein unheimliches Feuer wird bald den ganzen Süden der Balkan-Halbinsel in ein bedeutendes Meer von Kämpfen, Belagerungen, Aufständen und Metze­leien büllen.

Die Griechen glauben dadurch, daß sie den Türken die Kriegserklärung aufzwangen, die Gefahr von sich abgewälzt zu haben. Europa wird diese politische Eskumotaze nickt anerkennen, sondern die Last der Verantwortung lediglich dem Störer des Friedens susbürden, nicht demjenigen Theil, der durch den Friedensbruch in den Krieg hineingetrieben wurde.

Daß ein grof er Theil der europäischen Sympathien, be­sonders in England, Frankreich und J-alien, auf der Seite der Griechen ist, läßt sich freilich nicht in Abrede stellen und ob nicht irgend eine europäische Großmacht als treibende und stützende Kraft hinter ihnen steht, ist bis zum heutigen Tage noch eine off ne Frage. Würdig machen werden sie sich dieses geheimen Rückhaltes aber nur dann, wenn sie den jetzt un­vermeidlich gewordenen Kampf mit männlicher Festigkeit und Tapferkeit aufnehmen, wenn sie ihr Heil nicht mehr auf Um­wegen, in Listen undgriechischen" Finessen (coups, grecs" sagt man in Frankreich), sondern in der offenen Entscheidung Mann gegen Mann, Auge in Ange suchen, dem Ruhm ihrer heldenhafttn Vorfahren nacheifernd. Sie werden durch eine solche brave Haltung wenigstens der demüthigenden Noth­wendigkeit vorbeugen, später etwa an die Nachsicht Europas appelliren und das Eingreifen der schwerbeleidigten Groß­mächte zu ihren Gunsten erfleben zu müssen. Sie haben genug erreicht, wenn sie die Türken ihren gesegneten Ge filden, dem klassischen Boden ihrer großen Ahneu fernzuhalten vermögen und im Rücken der Feinde die macedoniichen Jn- surgentenbanden mobil machen. Daß ihnen gegenüber der militärisch so bedeutend stärkeren Türkei ein rascher Sieges lauf beschicken sein sollte, erscheint kaum denkbar.

Ueber die Ereignisse im Orient liegen folgende Tele­gramme vor:

Konstantinopel, 19. April. In der Nacht von Samstag auf Sonntag beschloß der Minister­rath, an Griechenland den Krieg zu erklären, wovon dem griechischen Gesandten hierselbst Mittheilung gemacht wurde. Die türkische Re­gierung hat die deutsche Regierung ersucht, die In-

Kommandeurs der Baschi Bozuk Abtheilung, Gras Jlinsky und Jacub Aga's, seines Majors, seines Namens eigentlich Kon­stantin von Jacubowsky, Beide daheim als Revolutionäre zum Tode verurtheilt und nach der ungarischen großen Schild­erhebung mit dem General Bem in die türkische Armee über­getreten beide saßen in dem Gastzimmer, das keine Fenster hatte, und knöchelten, dabei den Cognac aus Trinkschalen genießend.

Es war da eine tolle Gesellschaft, lauter Offiziere der Irregulären in phantastischen Kostümen, einder Teufel hol's!" auf den Gesichtern und die Narben von Säbelhieben auf der Stirn, sämmtlich Polen und Ungarn, die drüben, Widdin gegenüber, die großen Donauschanzen von Kaiafat vertheidigten. Auch einige Offiziere der türkischen Kometen in ihren schönen Scharlach-Uniformen, Adjutanten vom Ser­dar Omer Pascha kamen mit Ordres von Schmula, dem Hauptquartier, deutsche, französische und englische Instrukteure fanden sich ein kurz, es war eine abenteuerliche Gesell­schaft, in die mich gleich der erste Abend gebracht.

Wie roh, wie zerlumpt und verloddert mir nun auch die Baschi-Bozuks erschienen, ich hatte schon in Kalafat Gelegen­heit, mich von ihrer Widerstandsfähigkeit in festen Positionen zu überzeugen. Iskander, ihr Kommandeur, hatte seine Noth, nicht sie zu diszipliniren, denn daran war nicht zu denken, aber sich wenigstens persönlich Respekt zu verschaffen, indem er es ihnen in jeder Leistung zuvor that, sowohl im Lanzenkampf als im Schießen. Jacub Aga hingegen verließ sich auf seine Knute, die er rücksichsslos handhabte. Dagegen bewunderte ich diese Wilden, mit welcher Ruhe sie in ihren Schanzen dasaßen, zur Lunte griffen denn die Hinterlader brachte Napoleon III. erst 1859 in's Gefecht, wenn die rnSfiiifien Bataillone rum Sturm anrückten; mit welch' un­

teressen der türkischen Unterthanen in Griechenland durch ihren Gesandten in Athen wahrnehmen zu lassen, da sie ihren diplomatischen Vertreter aus Athen abberufen habe. Der amerikanische Gesandte hat die Vertretung der griechischen In­teressen in der Türkei übernommen.

Athen, 19. April. Die griechische Regierung, welche Werth darauf legt, zu betonen, daß sie bis zum letzten Augen­blick an ihren friedlichen Bestrebungen sestzuhalten suchte, gibt aus diesem Grunde ihren Korrespondenten ein Bild über die Vorgänge in den letzten Tagen. Die türkischen Truppen ver­suchten am Freitag Abend einen Angriff auf die auf ^einent Hügel gelegene Ortschaft Analipsis, wurden aber von Seiten der Griechen zurückgeworfen. Analipsis ist ein Oertchen, welches in der neutralen Zone gelegen ist und nur im Sommer von Hirten bewohnt wird, augenblicklich aber »ich ohne Einwohner befindet. Dieses Vorgehen der Türken allein bedeutet schon einen Friedensbruch. Die griechische Truppen, welche die Annäherung der Türken bemerkt hatten, besetzten Analipsis und konnten dem Ansturm der Türken erfolgreich Widerstand leisten. Am Samstag früh 5 Uhr wurde ein zweiter Angriff von Seiten der Türken unternommen, aber ebenfalls zurückgeschlagen. Im Laufe des Samstag fand als­dann der Ministerrath statt, in welchem beschlossen wurde, an Griechenland den Krieg zu erklären. Um 11 Uhr abends wurde dem griechischen Gesandten in Konstantinopel die Kriegserklärung übergeben. In derselben wird nicht nur gesagt, daß der griechische Gesandte in Konstantinopel und der türkische Gesandte in Athen die Hauptstädte sofort zu ver­lassen hätten und daß sämmtliche Konsulate aufgehoben seien, sondern es wird vor allen Dingen festgesetzt, daß die ge- sammten griechischen Unterthanen innerhalb 14 Tagen die Türkei zu verlassen hätten. Es bedeutet dieses eine unge­heure Schädigung einer großen Zahl griechischer Unterthanen, die ihre zweite Heimath in der Türkei gefunden haben. Ohne daß nun die türkische Kriegserkläruug allgemein bekannt war, feuerte am Sonntag das türkische Fort Prevesa auf den griechischen Dampfer Macedonien, der den Golf von Prevesa verließ und bohrte das Schiff, welches viele Passagiere und Fracht an Bord hatte, in den Grund. Es bedeutet dies ebenfalls eine Verletzung des Völkerrechts, wogegen Griechen­land energisch protestiren müsse, denn erst im Lallfe des Sonn­tag Vormittag übersandte der türkische Gesandte in Athen der griechischen Regierung die Kriegserkläruug seiner Re­gierung. Die Antwort Griechenlands, welche hierauf ertheilt wurde, betont in ziemlich energischer Weise den friedlichen Standpunkt, welcheu Griechenland von je her eingenommen habe und stellt fest, daß die griechischen Truppen in den letz­ten Tagen wiederholt gezwungen waren, Angriffe der türkischen Truppenmacht zurückzuschlagen.

Athen, 19. April. Eine außerordentliche Sitzung der Deputirtenkammer wurde gestern Vorniittag abgehalten, der Feind zurückgeschlagen war, sich ihre Tschibuks anzündeten und ihren Kaffee kochten.

Freilich ging es bei Ausfällen und Rekognoszirungen schlimm zu. Ein Feind galt ihnen nicht für todt, wenn sie ihm nicht den Kopf abgeschnitten und denselben an ihren Sattel gehängt hatten und die Dörfer, die sie überfielen, gingen nach gründlichster Plünderung in Flammen auf.

Ebenso trieben sie es auf Märschen im eizenen Lande. Jedes Dorf war verloren, in das sie sich einquartirten. Als die Kalafater Besatzung zum Entsatz der Festung Silistria den Balkan intlang marschnte, überfielen die Baschi-Bozuks eine türkische Provian!kolonne und wohl ein Dutzend Wirthe in den Dörfern hatten sie derart mißhandelt, daß diese auf den Tod lagen. Ein Kommando kannten sie ja nicht; auf ihren kleinen P'erden sitzend, ohne Strümpfe, nur ein paar^abge- tretene Schuhe an den Füßen, an denen aber ein Sporn sitzen mußte, schleppten sie hinter und vor sich auf den Satteln mit sich, was irgend zu transportiren war.

Ihre Tapferkeit aber konnte ich auch in Silistria be­wundern. In der Arab-Tabia, der Araberschanze (so ge­nannt, weil dieselbe von egyptischen Baschi Bozuks bedient ward), sah ich sie mit unstörbarer Ruhe sitzen, zum Theil Graubärte von siebzig Jahren und darüber. Vierzig Tage lang berannten die Russen diese einzige wichtigste Schanze und wurden immer wieder zurückgeschtagen, wenn sie selbst schon ihre Haken und Stricke um die Geschütze der Schanze gelegt hatten und diese nur noch ein Sandhaufe war. Und rührend war cs, wenn nach dem wüthenden Gefecht einzelne russische Soldaten sich an die Egypter heranwagten und diese um eine Pfeife voll Tabak baten, da sie dieselben in größter Ruhe ihre Tschibuks rauchen sahen.

Aber auch die Kopfabschneiderei grassirte um Silistria. Oberst Grach, mein Landsmann, der Adjutant des in dieser ' * ^------ amaXIaUa MftA siwom