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Nr. 89

Donnerstag den 15. April

1897.

Amtliches, ^anöârei^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die nachfolgenden Personen sind in den nachgenannten Gemeinden als Feuerdeputationsmitglieker, als welche sie auch bei Abnahme der Bauten mitzuwirken haben, widerruflich bestellt und verpflichtet worden.

1) Maurermeister Jobannes Horst II. zu Bruchköbel.

2) Wilhelm Heinrich M u s ch I. zu Eichen.

3) Heinrich Wilhelm Mörschel zu Erbstadt.

4) Johann Konrad Mörschel zu Erbstadt.

5) Zimmermeister Heinrich Schmidt zu Gronau.

6) Maurermeister Wilhelm Fischer zu Großkrotzenburg.

7) Schreinermeister Hermann Albert

8) Weißbindermeister W. Ruth zu Langendiebach.

9) Maurermeister Johannes Ebert zu Reuwiedermuß.

10) Gastwirth und Zimmermann Wilhelm Adam Schaaf zu Niederrodenbach.

11) Spenglermeister Wilhelm Bauscher für Niederdorfelden und Oberdorfelden.

12) Weißbindermeister Konrad Kreis zu Ravolzhausen.

13) Zimmermann Peter Keuchler zu Roßdorf mit Butter- stâdterhöfe.

14) Maurermeister Karl Jakob Haas zu Rückingen.

15) Zimmermann Philipp H ecki für Rüdigheim und

16) Maurer Heinrich Heck j Oberissigheim.

Hanau am 6. April 1897.

Der Königliche Landrath

V. 3590 v. Schenck.

Die im Laufe des Schuljahres 1896/97 von den Schülern der Oberrealschule angefertigten Zeichnungen sind an den beiden Osterfeiertagen von 91 Uhr in der Aula zur öffent lichen Besichtigung ausgestellt.

Hanau den 13. April 1897.

Der Direktor der Oberrealschule

Schmidt. 5515

Charf vertag.

Charfreitag ist morgen. Ernster, stiller, weihevoller Tag ! An diesem Tag schweigt der Lärm des Marktes. Jede Lust­barkeit wird zurückgestellt. Das ganze öffentliche Leben trägt das Gepräge feierlicher Ruhe. Voller als sonst im ganzen Jahre sind die Kirchen. Wer noch irgend auf seinen Christen­namen etwas hält, den zieht es hin zum Gotteshause. Der muß kein Herz in der Brust haben, der kein Gefühl für die Größe dieses Tages besitzt. Freilich auf eine Richtstätte ruft uns der morgige Tag, aus eine Stätte des Grauens und

Leurlletsn.

Erlebnisse einer alten Glocke

der Neustadt Hanau.

Von O. R.....

Das, was bem Wanderer, der sich unserem schönen Main­städtchen nähert, besonders in die Augen fällt, ist wohl das gewaltige Schieferdach der französisch-niederländischen Kirche. Doch noch viel interessanter würde dieses Wahrzeichen Hanau's ihm erscheinen, wenn die sonoren Klänge, die bann und wann von dem in der Mitte des hochragenden Dachstuhles sich er­hebenden Glockenthurm zu ihm herüberschallen, artikulirte Laute wären; denn gar viel hat die alte Glocke dort oben erlebt, gar viel könnte sie ihm erzählen. Ihr eherner Mund aber schweigt über alles Vergangene; ernst und regelmäßig erfüllt sie ihre Pflichten. Seit Jahrhunderten schon ruft sie die Gläubigen zum Gotteshause, seit Jahrhunderten schon theilt sie mit markigen Schlägen den flücht'gen Strom der Zeit, gibt ihr Geläute srohen Festen wie ernsten Trauerfeiern die rechte Weihestimmung, ruft sie mit dröhnender Stimme in Stunden der Noth und Gefahr warnend die Bürger zur Abwehr auf. Doch wenn sie auch selbst uns ihre Erlebnisse nicht mittheilen kann, so ist uns die Kunde davon doch keines­wegs verloren; denn sie sind ja so enge verknüpft mit den­jenigen der Neustadt Hanau, daß gar mancher darüber zu berichten weiß, und ein jeder, der Interesse hat für die Ge­schicke seiner Vaterstadt, gewiß gern etwas Näheres darüber erfahren wird.

Das erste, was die Glocke erblickte, als sie befreit von dem unscheinbaren grauen Mantel ans der Dammgrube emporgewunden wurde, war das rußgeschwärzte Gießhaus und

Schreckens. Ein kahler öder, schauriger Hügel. Und au dem Hügel hockaufgerichtet drei Kreuze. Und an den Kreuzer drei arme unglückliche Menschenkinder in Qual und Todes- uoth, drei Uebelthäter, die man abthun, von denen man die Menschheit befreien will. Aber von dem in der Mitte hat selbst der ihn verdammende Richter bekennen müssen: Ich finde keine Schuld an ihm! Und der Hauptmann, der den Blutbefehl ausrichten muß, schüttelt staunend den Kopf und ruft: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen!

Ein schönes Dichterwort sagt:Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, sie ist geweiht für alle Zeiten." Doppelt geweiht aber ist der Ort, wo ein edles Herz im Tode brach. Nur mit einem Gefühl der Ehrfurcht können wir an solch eine Stätte treten. Dies Gefühl steigert sich zur Andacht, wo ein Wohlthäter der Menschheit seine schöne Seele ausge­haucht hat. Und desto stärker, desto innerlicher fühlen wir uns ergriffen, je härter und schwerer der Todeskampf war, den er bestehen mußte. Hier aber ist es der beste der Menschen, dessen Herzblut wir fließen sehen. Das gesegnetste Leben sinkt hier in den Tod. Ein Mann, der nur für die Menschen gelebt hat, die er seine Brüder nannte, der wird hier von diesen selben Menschen dafür ans Kreuz geschlagen. Wo ist je auf Erden etwas geschehen, das diesem Tode gliche. Für uns hat er sein Leben gelassen, für uns hat er Marter und Schmach auf sich genommen, für u n s hat er sich verblutet am Holze des Fluchs, so bekunden es die Zeugen aller Zeiten. Für uns, das ist's erst, was diesem Tode seine eigentliche Macht gibt über unser Gemüth, das ist's, was uns das Kreuz so groß und heil g macht. Und mit dem Dichter sprechen auch rot :

Du König aller Herzen, Erhab'ner Gottessohn! Du trägst der Menschheit Schmerzen, Der Menschheit bittern Hohn.

Doch süße Himmelswonne Umschwebt den bleichen Mund; Du bist des Lebens Sonne Auf diesem Erdenrund.

Tagesschau.

Das mecklenburgische Staatsminitterium gibt den amtlichen Bericht über das Ableben des Grotzherzogs bekannt. Es heißt in dem Bericht: Am 10. April war im Laufe des Tages die Herzschwäche in solchem Grade gestiegen, daß die Aerzte mit Bestimmt­heit erwarteten, der Parient werde die Nacht kaum über­leben. Der Patient, welcher viel durch Unruhe gelitten

der würdige Meister nebst seinen Gesellen, deren Kunstfleiß sie ihr Dasein verdankte, die ihre Wölbung mit schönen Ver­zierungen und ihren Kranz mit sinnigen Sprüchen geschmückt; ihr erstes Gefühl war das der Dankbarkeit. Doch nicht lange blieb unsere Glocke an ihrem Geburtsorte, denn nachdem sie vom Meister auf die Reinheit des Klanges geprüft und für wohlgelungen befunden worden, lud man sie auf einen starken, mit kräftigen Rossen bespannten Wagen, und fort gings der neuen Heimath Hanau zu. Mit frischem Grün festlich be­kränzt, hielt sie hier ihren Einzug und wurde unter dem Jubel von Alt und Jung hinauf gewunden auf den Glocken­stuhl des wallonischen Kirchthurms. Und gar wohl gefiel es ihr dort oben in der luft'gen Höh', denn wohin sie and) ihre Blicke schweifen lassen momte, üoeratl lachre ihr eine frucht bare, mit freundlichen Dörfern besetzte @b ne entgegen, rin- s umsäumt von den waldigen Höhenzügen des Spessarts, des Odenwalds, des Taunus und des Vogelsbergs, durchmzen vom blauen, schiffbelebten Mainstrome und von den Wassern der vielgewundenen Kinzig. Noch höhere Befriedigung aber Niußte sie empfinden, wenn sie lunabschaMe aus ihre nächste Umgebung, auf die junge Staat jener glaubensstarken Männer, die sich unter ihre Obhut begaben, um darin Ersatz zu fin­den für die theuere Heimath, aus welcher der fanatische Haß sie vertrieben.

All diese Empfindungen klangen heraus aus dem Festge­läute, als die junge Glocke bald nach ihrem Einzug in das neue Gotteshaus mit jubelnden Klängen die Einweihungsfeier des letzteren veri errlichte. Nach kurzer Zeit schon hatte sie sich in die Geschäfte ihres Berufes eingelebt, und ein volles Jahrzehnt hindurch erfuhr sie in ihrem Wirken keine beson­dere Störung. Mit inniger Freude sah sie um sich her ein immer regeres Leben sich entfalten; schnell reihte sich dort unten Haus an Haus, Straße an Straße, und auch der edle Graf Philipp Ludwig hielt den Bürgern sein Versprechen

hatte, fühlte abends 7^2 Uhr Ruhebedürfniß und wünschte, wie in solchem Fall regelmäßig, allein gelassen zu werden. Der Großherzog suchte Schlaf im Rollstuhl sitzend. Der Arzt und die Diener zogen sich zurück, lauschten aber im Gange auf den Aldem des Patienten, der deutlich zuerst als beklommen, dann ruhiger hörbar war. Als nach einiger Zeit der Athem nicht mehr vernommen wurde, trat der Arzt, das Ende befürchtend, in das Zimmer und fand es leer. Zugleich brachte ein Diener die Meldung, daß der Groß­herzog auf dem Wege vor der Villa liegend gefunden worden sei; kurz darauf wurde der Gronberzog in schwer verletztem Zustande hereingetragen. Der Großherzog hatte augenscheinlich, wie er öfter bei seiner furchtbaren Atbemnoih zu thun pflegte, freie Luft gesucht, war io in sehr geschwächtem Zustande in een Garten getaumelt und ist über die nur wenige Schritte von der Thür entfernte niedrige Umfassungsmauer auf die in bedeutender Tiefe darunter führende Straße gestürzt. Dort sanden ihn die Frau des Gärtners und der Kammerdiener Gagzow. Als er ins Zimmer gebracht war, konstatirten Die Aerzte eine Verletzung des Rückgrats. Inzwischen waren die Angehörigen an das Lager des Großherzogs geeilt. Dieser richtete an die Angehörigen und den Prinzen und die Prin­zessin Reuß noch Worte der Liebe, umarmte seinen Sohn und verschied sanft nach einer Stunde. Der genaue Bericht über die hier geschilderten näheren Umstände, unter denen das Ableben des Großherzogs erfolgte, ist von dem Rittmeister von Kap Herr nach Schwerin überbracht worden. Er gründet sich auf den Bericht der Aerzte Dr. Müller und Dr. Haun, der im Wortlaut beigefügt ist; wenigstens deckt er sich mit chm inhaltlich vollständig. Einem Bericht des Freiherrn von Maltzhan, der sich in der nächsten Umgebung des Groß- Herzogs befand und in der letzten Stunde im Sterbezimmer anwesend war, ist noch Folgendes zu entnehmen: Der Gärtner der Villa Favorite, welche Der Villa Wenden gegen­über liegt, und dessen Frau hörten Hilferufe auf dec Straße und fanden dort den Großherzog liegen. Auf Befragen ant­wortete Letzterer:Jai voulu prendre Pair et suis tombé par le mur. Dem K immeroiener Gagzow, welcher ungefähr

7 Uhr 40 Min. zufällig die Straße entlang kam, sagte der Großherzog:Gagzow, wie komme ich hierher?" Der Großherzog wurde nun in die Villa getragen und zunächst in seinem Wohnzimmer auf den Rollstuhl, dann sehr bald in das Bett geleat. Er entschlief nach heftigen Schmerzen sanft um 8 Uhr 40 Min. Der Großherzog war bet vollem Be­wußtsein und erkannte die am Bett Anwesenden, nannte sie auch verschiedentlich beim Namen.

Infolge der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 12. d. Js., betreffend die Umwandlung der vierprozen­tigen Reichsanleihe in eine dreieinhalbprozentige, sind

und versah die neue Stadt mit Harfen Mauern, mit Wällen und mit Gräben. Gar bald sollte sich der Werth dieser Be­festigungen erweisen, gar bald sollte die Glocke ernstere Zeiten kennen lernen; denn die Wogen jenes schrecklichen Relizrons- krieges, der dreißig Jahre (am Deutschlands Mark verkehrte, verschonten auch die Hanauer Lande nicht. In jenen Tagen mußte die Glocke fleißig Ausschau halten von ihrer hohen ! Warte, und gar oftmals tbat ihr mächtiges Dröhnen der ! Bürgerschaft kund, daß Freunde sich nahten oder Feinde im Anzug waren.

Solange Katharina Belgika, die Wittwe des Grafen Philipp Ludwig, das Steuer des kleinen Staatsschiffes führte, blieb Hanau ziemlich von den Schrecknissen des Krieges ver- tchont; doch bald nachdem. ihr Sohn Philipp Moritz, ein körperlich schwacher und auch geistig nicht sehr begabter Fürst, die Regierung angeh eten hatte, begannen schwere Zeiten für die Stadt; denn wegen ihrer die Wege von Franken in nie Rheinlande beherrschenden Lage und der überaus starken Be­festigungen, war ihr Besitz für jede der kriegführenden Par­teien von großer Wichtigkeit. Gar manchen fremden Herrn mußte die Glocke damals in Hanaus Thoren einziehen leben, Zeuge manchis blutigen Gefechtes mußte sie werden. Eröffnet wurde die Reihe der Heimsuchungen der Stadt durch die Blockade, die der Oberst Witzleben im Dezember 1629 über sie verhängte, und durch die er Philipp Moritz zwang, in kaiserliche Dienste überzutreten.

Anderthalb Jahre blieb Hanan im Besitze der Kaiser­lichen, dann machte sich der schwedische Oberstlieutenant Hubald auf Befehl Gustav Adolfs, dem viel an dem Besitze eines so wichtigen Platzes gelegen sein mußte, durch einen kühnen Handstreich zum Herrn der Festung. Hatte die Glocke ge­träumt, daß sie nicht rechtzeitig ihren Warnruf erschallen ließ, ober schwieg sie mit Absicht, um den edlen Vorkämpfer des Protestantismus in seinem Siegeszuge das Mainthal ab- istt 14 Seiten.