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Amtliches Organ für Staöt- und Landkreis Hanau.
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Nr. 87.
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Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 29.
Amtliches. ^artMtrct^ ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß der Grüne Donnerstag Vormittag als allgemeiner Feiertag im Sinne der Regierungs-Polizeiverordnung vom 31. Dezember v. I., betreffend die Heilighaltung der Sonn- und Festtage, gilt.
Hanau am 13. April 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
In einem Gehöft in Rinderbügen, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftssperre angeordnet worden.
In Glauberg und Heuchelheim, desselben Kreises, ist die Seuche erloschen und sind die Sperrmaßregeln aufgehoben < worden.
Hanau am 12. April 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
In Götzenhain, Kreis Offenbach, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Gehöft- und Gemarkungssperre aufgehoben worden.
Der Kreis Offenbach ist wieder seuchenfrei.
Hanau am 10. April 1897.
Der Königliche Landrath
V. 3501 v. Schenck.
Kleustirculiriltiten uns dem Kreise.
Verloren: Zwei Krankenlassenbücher für Wilhelm Koch. Ein schwerer goldner Siegelring mit den Buchstaben Gr. W.; dem Wiederbringer eine gute Belohnung.
Entlaufen: Ein rothgrauer Jagdhund mit langen Ohren, gestümpfter Ruthe, m. Geschl. (in Mainkur).
Entflogen: Eine weiße Schwalbentaube mit blauen Flügeln.
Hanau am 13. April 1897.
^taMâret© ^attait.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Die Neudeckung einer Dachfläche über dem Schnürboden des Stadttheaters soll vergeben werden.
Arbeitsauszug und Bedingungen liegen von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 (Rathhaus), zur Einsicht .»-L<»â«»«»»»«UI»««W«^«IM»II»««««I«>I««M»«I»«M««««!I»l«IMIM'â«SeRS I Kleines Feuilleton.
Zu Fuß um die Meü.
Von Eberhard Kraus.
(Nachdruck verboten.)
Unter diesem Titel erschienen nunmehr seit bereits zwei Jahren in einigen Blättern der russischen Ostseeprovinzen die Reiseberichte des livländischen Fußwanderers K. v. Rengarten, eines modernen Seume, der es sich in den Kopf gesetzt hat, den ganzen Erdball auf Schusters Rappen zu umkreisen — natürlich soweit er nicht durch die unvermeidlichen Ozean verhindert wird.
Der wichtigste und schwierigste Theil btâ kühnen Unternehmens ist jetzt bewältigt, denn Herr v. Rengarten hat das europäische Rußland, Transkaspien, Persien,. Sibirien und China glücklich durchquert und Peking erreicht, von wo seine letzten Briefe datirt sind. Er muß mittlerweile bereits durch Japan marschirt sein und dampft vermuthlich in diesem Augenblick auf den blauen Wogen des Stillen Ozeans der amerikanischen Westküste entgegen.
Daß seine gegenwärtig vorliegenden Berichte vom Dezember 1896 datirt sind, kann bei der Langsamkeit der Postverbindung zwischen Ostasien und dem europäischen Rußland nicht Wunder nehmen. Die Briefe aus Kalifornien werden dafür nur wenige Wochen, nachdem sie zu Papier gebracht worden, im Druck erscheinen.
Herr v. Rengarten hat aus Rücksicht auf die Jahreszeiten, die Kulturverhältnisse der vor ihm liegenden Länder u. a. m. oft außerordentliche Umwege gemacht. Von Riga zog er südöstlich nach Kaukasien, überstieg die Felsenkette, und ließ sich dann über das Kaspische Meer setzen. Er durchstreifte ganz Persien ohne durch die fanatische und europäerfeindliche Bevölkerung ernstlich gefährdet zu werden,
Dienstag den 13. April
für Bewerber aus und werden Angebote bis zum Dienstag den 20. April d. I., vormittags 11 Uhr, daselbst entgegengenommen.
Die Eröffnung der Angebote findet um vorgenannte Zeit im Zimmer Nr. 24 in Gegenwart etwa erschienener Betheiligten statt.
Hanau am 10. April 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 5444
Die Erneuerung von Fltßböden in verschiedenen Schulgebäuden soll im Wege öffentlichen Ausschreibens vergeben werden.
Die Bedingungen liegen von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 (Rathhaus), für Interessenten zur Einsicht aus und werden verschlossene Angebote, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum 24 April d. I., vormittags 11 Uhr, daselbst entgegengenommen.
Die Eröffnung findet zu dieser Zeit in Gegenwart etwa erschienener Bieter im Zimmer Nr. 24 statt.
Hanau am 10. April 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 5443
Grotzherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg f.
Nach langem schwerem Krankenlager ist der Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin am Sonnabend Abend fern von der Heimath in Cannes in Süd frankreich, wo er Heilung von seinem Brustleiden suchte, in Gegenwart seiner Gemahlin und ihrer Kinder, des Erbgroßherzogs und dessen beiden Schwestern an Herzlähmung schmerzlos gestorben. Die Nachrichten, die in den letzten Tagen über den Gesundheitszustand des Großherzogs eintrafen, ließen eine Genesung ausgeschlossen erscheinen.
Mit ihm ist ein echt deutscher Herrscher im besten Sinne des Wortes dahingeschieden, der beseelt war von dem Reichsgedanken und durchdrungen von der Nothwendigkeit der deutschen Einheit. Wie Großherzog Friedrich Fran; dachte, das zeigt unter anderm eine Rede, die er am 8, Oktober 1894 beim 75 jährigen Jubiläum des 17. Dragoner-Regiments hielt. Hier sagte er: „Dragoner! Ich beglückwünsche Euch zu dem sünfundsiebzigjährigen Bestehen des Regiments. Ich danke dem Regiment für die Treue, die dasselbe seinen Landesherren und seinen obersten Kriegsherren in dieser langen Zeit stets bewahrt hat, eine Treue bis zum Tode, wie die Aufschrift auf Eurer Standarte beweist. Ich erwarte auch von Euch, daß Ihr stets, im Kriege wie im Frieden, diese Treue bewahren werdet Seiner Majestät dem Kaiser und König, unserm Allerhöchsten Kriegsherrn, und
hielt sich dann durchweg auf russischem Gebiet, da der Uebergang nach Afghanistan und Tibet wegen der Rauheit der Hochgebirge, der Oede der Sandwüsten und der Wildheit der Nomadenstämme zu gewagt gewesen und lenkte erst bei Kiachta-Maimatschin wieder nach Süden ein. Jetzt stand er vor dem anstrengendsten und gefahrvollsten Theil seiner Aufgabe, vor dem Durchmarsch durch die Wüste Gobi oder Schamo. In 36 Tagen vollendete er dieses die menschlichen Kräfte fast übersteigende Unternehmen, als erster Europäer, der die Schrecken dieser Wüstenreise zu Fuß überwunden.
Als der unverwüstliche Wanderer in der chinesischen Stadt Kalgan, nördlich der großen Mauer eintraf, hatte hatte er über 100 Wer ft (die Werft ist etwas größer als ein Kilometer) in der Wüste zurückgelegt und von Riga bis Kalgon im Ganzen 12,608 Werst, meist schwierigen und ungepflegten Geländes durchpilgert. Gegen die Bewältigung dieser Riesenleistung ist der weitere Theil seines Dauer- marsckes ein Kinderspiel.
Von Interesse ist die nachstehende Schilderung seines Wiedereintreffens in bewohnten Gegenden, die ich einem mir zur Verfügung stehenden Bruse des Reisenden entnahm. Schwerlich kann es auf unserem Erdball noch einen zweiten Punkt geten, wo man an einem einzigen Wandertage in wenigen Stunden einen so kolossalen Wandel olles dessen, was einem umgibt, erlebt, wie an der Grenze der Mongolei und Chino, und zwar bei Kalgon. Nicht sieht man die Eindrücke on sich vorüberziehen, nein, cs ist sörmlich eine einzige Kurbeldrehung am Handgriffe eines Glückkasllns und ein ocD staubig neues Bild intrellt sich, mit einem Schlage sind Land, Leute, Natur, Temperatur, überhaupt Alles, Alles umgewandclt.
Eben noch die graue, einförmige Wüste, dann strebt man steil zum Taban empor, (wie der Gebirgsrücken „In" am
1897.
mir, Eurem Landes Herrn und dem Chef Eures Regiments!" In seinem Lande war Großherzog Friedrich geliebt und verehrt, wie es nur ein Fürst sein kann, den die edelsten Eigenschaften des Geistes und des Herzens auszeichnen.
Großherrog Friedrich Franz hat nur ein Alter^von 46 Jahren erreicht. Er war am 19. März 1851 als Sohn des Großherzogs Friedrich Franz II. in Ludwigslust geboren und bestieg am 15. April 1883 den Thron. Am 24. Januar 1879 vermählte er sich mit der russischen Großfürstin Anastasia. Irr der preußischen Armee bekleidete er den Rang eines Generals der Kavallerie. Außerdem war er Chef des Infanterieregiments Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin (4. Brandenburgisches) Nr. 24, des 1., 3. und 4. Bataillons des Großherzoglich-Mecklenburgischen Grenadierregiments Nr. 89, des 1. Großherzoglich-Mecklenburgischen Dragonerregiments Nr. 17 und des Hannoverschen Husarenregiments Nr. 15.
Sein Nachfolger, der nunmehrige Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin, ist am 9. April 1882 geboren, er ist somit noch minderjährig. Seit einem halben Jahre besucht er das Vitzthumsche Gymnasium in Dresden. Er bekleidete bisher den Rang eines Lieutenant â la suite des Großherzoglich Mecklenburgischen Grenadierregiments Nr. 89. Während der Minderjährigkeit t es Großherzogs wird der Herzog Johann Albrecht die Regentschaft des Landes führen, da des verstorbenen Großherzogs ältester Bru er, der Herzog Paul, sich seiner Anwartschaft auf Nachfolge und Thronrechte begeben hat.
Irr Her og Johann Albrecht hat Mecklenburg einen Regenten erhalten, dessen Umsicht und Thatkraft die Wohlfahrt des Landes gewährleisten. Bekannt ist sein Interesse für alle geistigen Bestrebungen; besonders aber hat sich Herzog Johann große Verdienste um unsere kolonialen Bestrebungen erworben. Seinem unermüdlichen Eifer, seiner Opferwilligkeit, seiner arbeitsreichen Thätigkeit hat unsere Kolonialpolitik zum großen Theile ihre Erfolge zu verdanken.
Die griechische« „Insurgenten".
An der thessalisch-macedonischen Grenze sind am Freitag die ersten Schüsse gewechselt worden. Die Angreifer waren griechische Banden, welche die Grenze überschritten und mit den türkischen Vorposten handgemein wurden. Der Telegraph war so witzig, diese Banden „Aufständische" „Insurgenten" zu taufen. Sie sind von der Nationalliga ausgerüstet, erscheinen in griechischen Uniformen und werden von ehemaligen Offizieren befehligt, sind also in Wirklichkeit staatlich geduldete Franktireurs und Insurgenten nur insofern, als das ganze kleine Griechenland schon seit Monaten in Aufruhr gegen Europa ist. Von Athen aus wird zwar der Versuch gemacht, die Türken als den angreifenden Theil hinzustellen, nach zuverlässigen Berichten aber fällt die Schuld auf die Griechen.
Orte genannt wird), klettert an ihm hinab und der Wandel ist da. Der faule Nomade bleibt zurück, statt seiner sicht man den emsigen chinesischen Ackerbauer, statt der Jurte das chinesische Häuschen, statt öder Flächen kleine Gärten, die einsame Karawanenstraße hat sich in einen Weg verwandelt, auf dem es wie in einem Ameisenhaufen wimmelt, Hähne kräh n, Enten quaken, Handel und Gewerbe sieht man in der in China eigenthümlichen Art und Weise entwickelt, ja, während in der Wüste nickt einmal die Kornarten des Nordens gebaut werden, gedeihen hier Weintrauben, Pfirsiche, Aprikosen, ja, selbst die in Europa kaum bekannte, speziell chinesische Frucht Diaspirus sieht man überall feilbitten. Wie nach einem schrecklichen Traum erwachend kam ich mir vor, als ich mich Kalgan näherte. Wie eine einzige finstere Nacht erschienen mir nun die letzten 36 Wandertage in der Wüste, mir kam es vor, als sei ich von einem wracken, segel- und steuerloskn Schiff, das in den Wogen des Ozeans umherge- trieben wird, gerettet und plötzlich an den rettenden Strand versetzt ....
Man si>ht hier Ochsen, Kühe, Pferde, Maulthiere und winzige Csclchen nebeneinander vorgespannt, bald diesem, bald jenem Repräsentanten jener bunten Gesellschaft wird unter lautem Geschrei ein Schlag mit einer biegsamen Peitsche versitzt. Ohne Geschrei verrichtet der leidenschaftliche Chinese rtin gar nichts; ja selbst alles, was er unternimmt, ist von besonderen mimischen oder artikulirten Erscheinungen begleitet. Will er z. B. seinem Esel einen Schlag versetzen, so beugt er sich weit vor, streckt einen seiner Füße nach hinten aus und indem er mit ihm in der Folge aufstampst, dazu einen besonderen Laut ausstößt, hat sein Langohr „eins weg".
Ganz so habe ich es oft mit Lachen konstatirt, daß namentlich korpulente Chinesen, wenn ich ihre unbezwingbare Neugierde erregte, mit ausgcspreizten Armen auf mich zugestürzt kamen und dann mit einem Ruck, dabei wie ein „er-