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Amtliches «Argan für $faöt- unö LanöKreis Hanau.
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Nr. 86.
Montag den 12. April
1897.
Amtliches.
^anöltrei^ ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Den Herren Gemeinde- und Gutsvorständen werden in die festgesetzten Gemeindesteuerlisten pro
den nächsten Tagen 1897/98 zugehen.
Nach Vorschrift gesetzes und Artikel 5. August 1891 ist
im § 75 Abs. 3 des Einkommensteuer- 60 II der Ausführungsanweisung vom die festgesetzte Steuerliste 14 Tage lang öffentlich auszulegen und der Beginn der Auslegung in orts üblicher Weise bekannt zu machen. Nach Ablauf der Aus- legungsfrist ist die Bescheinigung auf dem Titelblatte der
Gemeindesteuerliste zu vollziehen.
Von dem Tage, an welchem die Bekanntmachung über den Beginn der Auslegung stattgefunden hat, wollen Sie alsbald hierher Anzeige erstatten.
Hanau am 9. April 1897.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungskommission für den Landkreis
v. Schenck, Landratb.
J. St. 1104
Dienjinaditidilen aus dem Kreise.
Gefunden: Ein lacklederner Kinderschuh. Eine Briefmarke (von der Post).
Verloren: Ein Visitenkartentäschchen mit Notizbuch. Eine geflochtene Handtasche mit schwarzem Futter.
Hanau am 12. April 1897._________________________
^taö t^reie ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Das Stavttheater soll an das Straßensiel angeschlossen und die Arbeiten im Submisstonsweg vergeben werden.
Plan, Arbeitsauszug und Bedingungen liegen von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 (Rathhaus), für Bewerber zur Einsicht aus und ist der Arbeitsauszug gegen 0,50 Mk. Kopialien daselbst erhältlich.
Angebote mit der Aufschrift „Entwässerung Paradeplatz 16" sind längstens bis zum Eröffn unqâtermin Samstag den 17« April -. I., vormittags 11 Uhr, im Zimmer Nr. 24 einzureichen.
Etwa erschienene Bieter können der Eröffnung beiwohnen. Hanau am 9. April 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus.__5353
Bekanntmachung.
In der Nacht vom 8. zum 9. April d. Js. sind in Gelnhausen, vermuthlich von mehreren unbekannten Thätern, mittels Einbruchs gestohlen worden:
Kleines Feuilleton.
Hd. Novität. Aus Frankfurt a. M., 11. April, wird geschrieben: Die ehemalige Soubrette und jetzige komische Alte der hiesigen Bühne, Fräulein Sophie Köniz, hat unter dem Titel: „Der Roman einer Soubrette" ein „Lebensbild" geschrieben, welches gestern Abend an unserer Bühne zum ersten Male gegeben wurde. Man weiß nicht, ob man mehr die Ueberhebung des Fräulein König, mit welcher sie dem Publikum eine derartige Selbstbeweihräucherung bot oder die bedauerlich große Nachsicht der Theaterleitung, ein derartiges Machwerk anzunehmen, beklagen soll. Hoffentlich findet das Beispiel der Dame, ihren Roman auf die Bühne zu bringen, keine Nachahmung.
Der letzte Nansen-Tag in Berlin. Ueber den Empfang Nansens beim Kaiser werden jetzt noch einige hübsche Einzelheiten bekannt. Ungezwungen, mit herzlicher Freundlichkeit, trat der Kaiser Nansen entgegen. „Ich habe, Herr Doktor, großen Antheil an Ihrem kühnen Unternehmen genommen," sagte er zu ihm, „und ich freue mich, Sie nun auch persönlich kennen zu lernen." Nansen sprach daraus dem Kaiser seinen Dank aus für die ihm Tags zuvor zu Theil gewordene hohe Auszeichnung, worauf der Kaiser erwiderte, daß er ein Verdienst nur uach Gebühr habe belohnen wollen. Während der Tafel bildete die Nordpolfahrt Nansens den Gesprächsstoff und der Kaiser zeigte sich nicht nur über die einzelnen Phasen der Expedition genau unterrichtet, sondern bewies auch, daß ihm das ganze Problem der Nordpolforschung ein wohl vertrautes Gebiet sei. Auch über die Heimath seines Gastes sprach er und gestand, daß es ihn immer aus's Neue dorthin ziehe. Als die Tafel beendet und der Augenblick der Verabschiedung da war, kam es zu folgender Szene: Der Kaiser hatte seine Kinder rufen lassen.
a. 20 goldene Damenremontoiruhren, darunter 1 mit Sprungdeckel, welch' letzterer innen und außen rothbraun emaillirt und mit ca. 7 Brillantsteinen besetzt ist. Eine von diesen Uhren trägt die Nr. 10860 und eine andere die Nr. 40330. Bei einer von diesen Uhren ist der Rückdeckel ganz glatt und mit weißen Perlen besetzt, welche eine fliegende Schwalbe darstellen.
b. 20 silberne Damenuhren, meistens mit Goldrand. Zwei dieser Uhren sind auf dem Zifferblatt und Deckel mit dem Namen „Heinrich Schäfer, Gelnhausen", versehen.
c. 20 silberne Cylinder-Remontoir- Herrenuhren, größtentheils mit Goldrand. 2 dieser Uhren sind mit dem Namen „Heinrich Schäfer, Gelnhausen", versehen.
d. 5 Uhrketten von Silber- und Gold-Doublö.
Die gestohlenen Uhren sind mit Messinghaltern, auf welchen die Preise verzeichnet sind, und mit Papier-Etiketten, die mit Seidenfäden befestigt sind, versehen.
Der Werth der Uhren beträgt insgesammt 1200 bis 1500 Mark.
Es wird ersucht, falls sich irgendwo Spuren zeigen sollten, die zur Ermittelung der Thäter oder Herbeischaffung des gestohlenen Gutes dienlich erscheinen, schleunige Nachricht hierher zu geben (Aktenzeichen J II 307/97).
Hanau den 9. April 1897.
Der Erste Staatsanwalt.
Im Auftrage:
,v. Jbell. 5382
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Seit alter Zeit trägt die Woche vor Ostern diesen Namen. Und wo alte gute Sitte noch eine Macht ist, ist diese Woche noch heut eine Woche der Stille. Der gesellige Verkehr erleidet eine Unterbrechung. Häufiger als sonst rufen die Glocken zum Gottesdienst. Noch beschäftigen häusliche Sorgen im Anfang die geschäftige Hausfrau; bald aber gibt auch sie sich stiller Einkehr hin, um das Fest recht zu feiern.
Wir modernen Menschen haben uns durch die Steigerung des Verkehrs bewegen lassen, manche gute Gewohnbeit der alten Zeit aufzugeben. Oft thaten wir recht daran. Oft wurde es unser Schade. Kein Mensch vermag die Rast lostgkeit unserer Zeit auf die Dauer ohne Schaden zu ertragen. Der Zeitkrankbeit Nervosität fallen die einen zum Opfer; andere gehen sittlich zu Grunde, weil sie zur Sammlung und Einkehr keine Zeit mehr finden.
So darf es aber nicht bleiben, soll unser Volk nicht verderben. Durch Stillesein werdet ihr stark sein! Wie der Leib der Ruhe bedarf, wie die Menschen heut zu gewissen Zeiten dem Leibe besondere Rast und Erholungszeit gönnen, so bedarf das Herz solcher Zeit zu stiller Sammlung und Einkehr. Wohlan, die stille Woche soll solche Zeit der Erquickung für unsere Seele sein!
Sie mußten sich vor Nansen aufstellen und dann sagte er zu ihnen: „Gebt diesem Manne die Hand und seht ihn Euch gut an, damit Ihr, wenn Ihr älter geworden seit und mehr Verständniß haben werdet, sagen könnt, daß Ihr Nansen gesehen habt." Der Reihe nach reichten sie nun dem Forscher die Hand, während der Kaiser bemerkte, daß seine ältesten Söhne leider abwesend wären, die denn doch besser wüßten, was eine Nordpolsahrt bedeute.
Heilserum gegen Masern. Im neuesten Hefte der v. Leyden'schen Zeitschrift für klinische Medizin sinkt Dr. Weißbecker auf eine von ihm geübte Behandlungsmethode der Masern mittels Heilserums die Aufmerksamkeit seiner Fachgenossen. Ausgehend von der auch durch experimentelle Thatsachen erhärteten Erwägung, daß die gegen eine Krankheit immunisircnden Substanzen im Blute derer enthalten sind, die sie überstanden haben, hat Dr. Weißbecker von Masern- Rckonvaltszenten Blut entnommen und das daraus gewonnene Serum zu Heilzwecken bei von Masern besallemn Kindern verwendet. Er berichtet über fünf Fälle, in denen er diese Methode zur Anwendung brachte. In einem Falle war die Wirkung so schnell, daß schon sechs Stunden nach der Injektion Entfieberung eintrat, aber auch die anderen Fälle, die sehr schwer und mit Lungenentzündung verbunden waren, gelangten schneller und leichter zur Heilung, als sonst zu erwarten war. In einem von diesen zeigte sich die Wirkung des Heilserums insofern, als große Hauiflächen von dem Ausschlag frei blieben. Zur Injektion genügen 10 Gramm des betreffenden Serums.
Der Streit der Milchleute ist — so schreibt man der „Franks. Ztg." aus Buenos-Ayres vom 6. März — hier das Ereigniß des Tages. Das Amt der Milchleute versehen Basken männlichen Geschlechts, die auf Pferden durch die Straßen reiten, rechts und links ihre Milchkannen herabbaumeln lassend. Ehrlich, fleißig und dumm bilden diese
Und) wahrlich, geeignetere Zeit läßt sich dafür kaum denken, als diese Zeit. Liebe erfahren, ist Der Seele gi ößte Erquickung. Und diese Woche verkündet uns die Thaten der größten Liebe. Sie zeigt uns die menschgewordene Liebe, Jesum selbst, auf dem Leidenswege. Ihn dort anschauen, ist Erquickung. Denn wer ihn sieht, wie er inmitten seiner ehrgeizigen Jünger sich erniedrigt und ihnen die Füße wäscht; wer ihn sieht, wie er unter dem Hohn der rohen Kriegsknechte ohne Murren duldet; wer ihn sieht, wie er den ungetreuen Petrus trotz seiner Schwachheit nicht von sich stößt; wer ihn sieht, wie er am Kreuze noch für seine Feinde betet : — der schöpft Erquickung aus solchem Anblick. Denn wir spürc ns, der so geliebt hat bis zum Ende, hat auch uns lieb trotz unserer Schuld. Und an solche Liebe wieder glauben lernen, heißt das nicht, neu gestärkt werden für den Kampf des Lebens, mit ihm zu dulden, zu tragen, zu vergeben und durch ihn zu siegen? — Gott segne unserm Volk die stille Woche!
Tagesschau.
Das vom Reichstage nunmehr endgültig angenommene neue Handelsgesetzbuch hat eine nach Erlaß des Börsengesetzes aufgetauchte Streitfrage zur Erledigung gebracht. Der § 69 des Börsengesetzes verschafft den Börsentermingeschäften eine bisher vermißte Rechtssicherheit, indem er bestimmt, daß von Personen, die in das Börsenregister eingetragen sind, der sog. Differenzeinwand nicht erhoben werden kann. Es war nun behauptet worden, diese Bestimmung werde infolge des § 764 des Bürgerlichen Gesetzbuchs außer Wirksamkeit treten und damit der Vortheil der Eintragung in das Börsenregister theilweise fortsallen. Obwohl gegen eine derartige Anslegung des Bürgerlichen Gesetzbuchs überwiegende Gründe sprechen, so schien es doch erwünscht, etwaigen Schwankungen in der Rechtsprechung vorzubeugen. Zu diesem Zwecke hat im Artikel 14 des Einführungsgesetzes zu dem neuen Handelsgesetzbuche folgende Vorschrift Aufnahme gefunden: Die Vorschrift im § 69 des Börsengesetzes wird durch die Vorschrift des § 764 des Bürgerlichen Gesetzbuchs nicht berührt.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Fürst Heinrich XXII. von Reuß ä. L. hat, sobald er bei seiner Rückkehr aus dem Süden von der in seiner Abwesenheit durch einen fürstlichen Beamten in Greiz veranlaßten verletzenden Behandlung der preußischen Landessarben erfahren hatte, in einem eigenhändigen Schreiben dem Kaiser sein lebhaftes Bedauern über das Vorkommniß ausgedrückt und mitgetheilt, daß der Mißgriff des Beamten durch seine Enthebung von der ihm anvertrauten Stellvertretung geahndet wurde. Der Kaiser sprach in einem Antwortschreiben den Dank für die Mittheilung aus und erklärte den Zwischenfall für erledigt.
Sohne der Pyrenäen charakteristische Typen des Straßenlebens von Buenos-Ayres; man sieht sie vom frühen Morgen an in den Gassen herumtrstlen, wobei sie im Reiten durch das Schütteln ihrer Kannen Butter und Käse fabriziren. In den Nachmittagsstunden sind sie häufig nicht mehr ganz nüchtern. Nun hat die städtische Behörde — und zwar mit Recht — herausgefunden, daß die Milchkannen der Basken sehr wenig hygienisch verschlossen sind; nämlich durch einen, mit einem schmierigen Tuch umwickelten Holzpfropfen. Die Behörde verlangt also einen anderen Verschluß; doch das ist nicht so leicht durchzuführen; denn bei dem beständigen Hopsen der Kannen würde nur ein mit Schraubenwindungen versehener Verschluß genügen: dazu müßten nicht nur die Deckel, sondern auch die Kannen selbst abgeändert werden, und das erforderte ein für die Basken, wie sie sagen, unerschwingliches Geld. So sind sie denn in Streik getreten mit haben alle Krankenhäuser und mit Kindern gesegnete Familien in große Milch-Noth gebracht. Dabei patrouilliren sie die Umgegerb ab, und wenn sie Landsleute finden, die Milch in die Stadt schaffen wollen, so überfallen sie deren Wagen und schütten den edlen Stoff in den Sand; in der Stadt kann die Polizei solche Gewasimaßregeln verhindern, in Camp jedoch gibt es mehr Basken als Schutzleute. Lange kann es nicht mehr so fortgehrn, dann muß eine der Parteien nachgeben. „Ich selbst", fügt der Herr Einsender hinzu, „kann indeß vergnügt zusehen, denn ich bin Junggeselle und finde Trost in Liebfrauenmilch."
Bertheuerte Cigarren. Die Großhändler in Tabak der Insel Cuba theilen mit, daß infolge der Wirren die Preise der Tabake und Cigarren je nach Qualität eine abermalige Verteuerung von 2—5 pCt. beim Einkaufspreis erfahren müssen.