10 April
Hanauer Anzeiger
Bette 3
au6 £onbmg gtbcrgm hot. Jos reckte „Eeböi de" hé Fahrzeugs ist rrUfiäntig gern ihr tritt. Die ^ipotaiur des Schiffes linste einen Kosnrauswcvd von mindester s 1500 Mk. rerurjcchen. Die Entlodvngs- unb ^cburgëai beiten tourten unter 1000 Mk. nicht bt stritten iDtibtn. Das be= tätigte Fchrzerg mürbe rorgiftein, zwischen zwei Main schiffen kargend, durch einen Kettenschlepper ncch der Heimath guiüdbeforbeit. Tas Fahrwasser ist turch die Befestigung des Verlehrchinkernisses bet ter Baèr brücke wieder vcllstäw big frei.
* Thier qiiälerei. In der kürzlich abgehaltenerr Vorstandssitzung des hiesigen Thierschutzvereins wurden wiederum eine Anzahl gegen Thierquäler erkannte Strafen bekannt gegeben. Der Dienstknecht Fr. Lehnert wurde zustündigerseits mit 15 M. Geldstrafe ev. 3 Tage Haft bedacht, der Dienstknecht Franz Fey in Klein-Steinheim erhielt einen Strafbefehl über 6 Mark Geldstrafe event. 2 Tage Haft. Die gleiche Strafe betraf den Fuhrmann Wilh. Raab von Niederrodenbach. Wegen Stellens von Vogelfallen wurde der Wagner Friedr. Berger mit 3 Mk. bestraft. Auch der Küfer Mich. Hohmann von Langenselbold, z. Z. hier, wurde mit einem Strafbefehl bedacht. Im Interesse der Sache des Thierschutzes kann es nur bedauert werden, daß ein solch umfangreiches Verzeichniß von Fällen verübter roher Thierquälerei zur Verfügung stand.
* Straßensperre Der sogen. Mühlthorweg (vom ä Mühlthor an und längs ter Landkrankenhaus-Neubauten) bleibt wegen Neuleguug von Gasleitungen für den Fuhr- werksverkehr bis aus Weiteres gesperrt.
* In Brand gerathen. Auf der Strecke Fulda- Hanau kurz vor der Station Wächtersbach gerieth vorgestern Nachmittag ein mit Stroh beladener Wagen in Braud. Man stellte den Wagen auf offener Strecke frei und ließ ihn ausbrennen.
* Unsere Jngcnd! Gestern wurde ein lOjähriger Junge dabei ergriffen, al§. er munter nach den Fenstern der Johanniskirche bombardirte und zwar mit Erfolg. Den Eltern, die für den Schaden aufzukommen haben, ist zu empfehlen, ihre Kinder nachdrücklichst zu verwarnen!
B B. Der Geizhals int Kassaschrank. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Ein in den westlichen Promenaden unserer Stadt wohnender mehrfacher Millionär, der Schrecken und die Plage seiner Dienerschaft, ließ sich vor mehreren Wochen in seiner Behausung ein mächtiges, fener- festes und diebessicheres Kassengewölbe anlegen. Dasselbe wurde am letzten Sonutag Nachmittag von seinem Besitzer betreten, der sich darin mit der angenehmen Arbeit des Konponabschneidens beschäftigte. Diesen Umstand machte sich ein Diener des gestrengen Herrn, welcher am Montag den Dienst verlassen mußte, zu Nutzen, um au dem Haustyrann eine furchtbare Rache zu nehmen. Er schlug nämlich wie von ungefähr die eiserne Thür des kostbaren Gefängnisses' zu, zog den Schlüssel ab und warf ihn, wie gestern ermittelt wurde, in die Düuggrube. Alles Klopfen und Jammern des allen Herrn hatte keinen Erfolg. Außerdem hinterlistigen Diener wußte kein Mensch etwas über den Verbleib des Hausherrn. Er wurde zwar vermißt, doch erst am Dienstag Morgen dachte man daran, das feuerfeste Gewölbe zu öffnen, denn aus Basel war von dem inzwischen nach der Schweiz übergesiedelten Diener eine Postkarte angelangt, in welcher derselbe seinem Herrn in höhnenden Worten mittheilte, daß er an der Haft im Kassaschrank die Schuld trage. Nur mit unsäglichen Mühen seilens des Erbauers des Gewölbes gelang es, dasselbe zu öffnen, und man fand darin den alten Herrn infolge des ausgestandenen Hungers und Angst in einem sehr kläglichen Zustande vor. Bis gestern hatte sich jedoch der Jnhaftirte soweit erholt, daß er eine Ausfahrt unternehmen konnte.
* Zahnradbahn auf den Feldberg. Leider soll auch unser Feldberg, der bereits gegen seinen Willen einige Hotels tragen muß, mit einer den Wald vernichteten Zahnradbahn belästigt werden. Man steht allgemein dem Unternehmen lehr unsympathisch gegenüber und hofst, daß die Konzession nicht ertheilt wird.
B. Eine Aufsehen errregende Erfindung ist der Frankfurter Lampenfabrik von Ludwig Wesp geglückt, indem sie eine Lampe konstrn- irte, welche das seit 1862 bekannte und von Wöhler entdeckte Acetylengas selbst fabrizirt unb brennt. Gestern Abend fand im Kreise einiger Gelehrten eine Probe mit solchen Acetylenlampen statt und wurde kon- statirt, daß das Licht dieser sinnreichen durch Acetylen (Sumpfgas) erleuchteten Lampen 12 mal stärker als gewöhnliches Gaslicht und 3'/» mal kräftiger als Gasglühlicht brennt. Die Erfindung Wesp's ist bereits für mehrere kleinere Orte, wo es keine Gassabriken gibt, angeschafst b worden unb macht allgemeine Sensation. Die Fabrik von Wesp mußte infolge der Erfindung ihr Personal um das zehnfache vermehren.
* Slâdt. Bibliothek. Zur toftenlofen Verleihung und Benutzung der Bücher geöffnet Sonntags, Mittwochs und Samstags von U bis 1 Uhr (Bangertstratze 2, eine Treppe hoch, im sogen. „alten Stadthaus").
Für heute. Turngemeinde: Abends von 7ttr—9 Uhr: Kürturnen und Vorturnerstunde. — Evang. Männer- und Jünglingsverein: Abends 8*/s Uhr: Unterricht im Schreiben und Rechnen (Ältst. Rathhaus). — Christlicher Arbeiterverein : Ebtnfalls abends 8V2 Uhr: Gemüthliche Zusammenkunft im Vereinslokal „Brauerei Weismantel". — Abends 9 Uhr: Kasino „Eintracht" (Vereinslokal „Goldene Gerste"): Vereinsabend; — Verein „Einigkeit": Vereinsabend „zur großen Krone"; — Dramatisch - litterarischer Verein „Mel- pomene" (Bramrei Kaiser): Lesung; — Gesangverein „Sumser"; Generalversammlung; Tagesordnung: Jahreèbe richt, Rechnungsablage, Vorstandswahl, Verschiedenes. — Fußballklub „Vrktoria": Abends von 9—10 Uhr: Vereins abend im „Deutschen Haus". — Athletenklub „Germania": Ebenfalls abends von 9--10 Uhr: Vereinsamend (Koch's Bierkeller).— Philharmonischer Verein: Abends 9^2 Uhr: Generalversammlung.
Für morgen. Erster Hanauer Fußballklub „1893": Nachmittags 2V2 Uhr: Uebungsspiel.
Verfteigerungs- & Lerpachtungs- re. Kalender für Montag den 12. April.
Nachmittags von 2 Uhr ab sollen wegen Räumung eines Lagers im hinteren Saale des Gasthauses „zum gold. Herz" durch den beeid. Taxator Herrn Fr. Kämpfer eine Parthie Mobiliargegenstände u. a. m. gegen Baarzahlung versteigert werden.
* Hanan, 10. April. (Lebensmittelprei sie.) Hülsenfrüchte: Bohnen 30—35 Pfg., Erbsen 30—35 Pfg., Linsen 40— 45 Pfg. das Doppeltster; Geflügel: Tauben,
das Pärchen 90 Pfg. bis 1,10 Mk.; ein alter Hahn 1,70 tis 2 Mk.; ein junger Hahn 1,80—2,20 Mk.; ein Huhn 1,60— 2,20 Mk.; eine Ente 2—2 30 Mk.; Fische: gewöhnliche Sorte 25—30 Pfg., bessere Sorten 35—45 Psg., Aal 1—1,20 Mk., Hecht 1-1,20 Mk., Brestm 50-60 Pfg., Barben 50-70 Pfg., Barsch 50—70 Pfg. — V2 kg; Gemüse: Merrettig, die Stange 10— 20 Pfg.; Spargeln, das Pfund 2-2,50 Mk.; Blumenkohl das Stück 30-60 Pfg.; Kopfsalat, das Stück 15—18 Pfg.; Rettig, das Stück 18— 20 Pig.; Unter-Kohlrabi, das Stück 8-10 Pfg.; Wirsing, das Stück 15—^5 Pfg.; Weißkraut, das Stück 20—40 Pfg.; Rotbkraut, das Stück 25—35 Pfg.; Sellerie, das Stück 5—15 Pfg.; Gurktn, das Stück 70—80 Pfg. gelbe Rüben, das Bund 6—8 Pfg.; neue Erbsen, die Portion 60 Pfg.; neue Bohren, die Portion 80 Pfg. bis 1 Mk.; Rosenkohl, die Portion 50—60 Pfg.; Schwarzwurzel, die Portion 25—35 Pfg.; Spinat, die Portion 30—40 Pfg.; Lattig, die Portion 20—25 Pfg.; Cchmalzkraut, die Portion 15—20 Pfg.; Kartoffel, 9—10 Pfg. das Doppelliter; Obst: Aepfel, das Pfund 20—30 Pfg.; Zitronen, das Stück 8-10 Psg.; Apfelsinen, das Stück ~5—15 Pfg.; Paradiesäpfel, das rück 10—20 Psg.; Verschiedenes: Butter das Pfund 1,30—1,45 Mk.; Käse, das Stück 4—5 Psg.; Eier, das Stück 6—7 Pfg.; Gänfeeier, das Stück 11 bis 14 Pfg.; Zwiebel, das Doppelliter 15—20 Pfg.; Welschkorn das Toppelliter 22—24 Psg.; Radieschen, das Bündel 3—5 Psg.; Kastanien, das Vs kg 15—18 Pfg.; Weizenmehl, 1. Sorte 20 Psg., 2. Sorte 18 Pfg., 3. Sorte 16 Pfg., 4. Sorte 14 Pfg. — Vs kg.: Strob 2,40 bis 2,80 Mt.' und Heu 3,60—4^1 - 50 kg.
Aus der Provinz und den Nachbü^gebieten.
Cassel, 9. April. In vergangener Nacht verschied der Geheime Justizrath Hupseld.
Geltttwttfen, 9. April. In verflossener Nacht wurden vermittels Einbruchs dem Uhrmacher Heinrich Schäfer 40 Stück silberne Herren- und 20 goldne Damen-Remontoir-Uhren gestohlen. Von dem Dieb fehlt bis jetzt noch jede Spur. Auf dessen Ermittelung sind 100 Mark Belohnung ansgesetzt.
Frankfurt a. M., 10. April. Im Zoologischen Garten sind zahlreiche neue Thiere eingetroffen, darunter eines der merkwürdigsten, die unsere Erde bewohnen, nämlich ein Ameisenigel, jene australische Säugethierart, welche »Eier legt, wie ein Vogel. Obgleich das Thier in seiner Freiheit nur Ameisen genießt, wird es hier im Garten mit einem Brei aus Milch und Fleisch ernährt. Außerdem besitzt der Garten jetzt ein schönes Exemplar von Lämmergeier und ein neuangekommenes Guanaco; letzteres gehört zu jenen Speiteufeln, die sich gegen Drohungen und Neckereien des Publikums dadurch schützen, daß sie dem Quäler halb zerkaute Kräuter entgegenspeien. Weiter traf eine siamesische Katze ein von jener Art, die nicht, wie unsere Hauskatzen, verschieden, sondern stets gleich, und zwar sehr schön chokoladebraun, ge'ärbt ist. Ferner ein Priesteraffe, wie sie in ihrer Heimath für heilig gelten und eine Sage der Eingeborenen auf Ceylon behauptet, daß immer fünfzehn Stück zu einem Trupp sich vereinigten und daß diese Zahl stets beibehalten werde.
Hd. Frankfurt a. M., 9. April. Die große Elektri- zitätsgestllschaft bei Rheinfelden in der Schwei; hat ihren gejammten, noch verfügbaren Strom an eine französisch deutsche Gesellschaft verschlossen, welche bei Rheinfelden eine Fabrik für Calcium-Carbid errichtet. Die Lieferungsbedingungen sollen sehr billig sein.
+ Hainstadt a. M, 9. April. Eine kiesige Frau ist seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Man bringt diese Thatsache in Verbindung mit einer hier schwebenden Untersuchung, in welcke eine Reihe von Personen verwickelt ist. Die Affaire erregt allentbalben Aufsehen.
Hd. Mannheim, 10. April. Gestern Abend wurde im hiesigen Hoftheater ein einaktiges Drama: Vergangenheit von Rudolf Stormeneck (Pseudonym für Rudolfine Mayer) zum ersten Male gegeben und mit großem Erfolge ausgenommen.
Vermischte Nachrichten.
Kann man SuperphoSphat zur Kopfdüngung verwenden? Wie allgemein bekannt ist, gelangt der größte Theil des gesammten Chilesalpeters als Kopsdünger aus den Getreide- und Hack ruchtfelcern zur Anwendung. Weniger bekannt ist dagegen, daß man auch durch eine Kopfdüngung mit Superphosphat solchen Feldern wirksame Phosphorsäure zusvhren kann, aus denen eine Düngung mit Phosphorsäure nothwendig ist. — Auf der landwirtschaftlichen Versuchsstation zu Halle wurde auf einem, an Phosphorsäure armen, dagegen mit Kali und Stickstoff ergiebig gedüngten Boden Gerste in Versuchsgesäßen angebaut. Die Aussaat erfolgte Ende April. Mitte Juni wurde pro Versuchstopf eine Nachdüngung mit 0,75 g wasserlöslicher Phosphorsäure gegeben. Es brachten nun je 3 Versuchsgefäße Stroh Körner Snmnia g g g Ohne Phosphorsänre-Düngung 30,15 5,66 35,81
Nach einer Kopfdüngung mit
0,75 ^wasserlöslicher Phos
phorsäure, im Juni gegeben 82,20 58,80 141,—
Der Mehrertrag betrug also 52,05 53,14 105,19 Hieraus geht ganz klar hervor, daß die an sich recht späte Düngung mit Superphosphat als Kopfdünger doch eine vorzügliche Wirkung hervorzurufen im Stande gewesen ist. Vergegenwärtigen wir uns, wie häufig eine Düngung mit Phos- phorsüure zu Getreide, sei es Winter-, sei es Sommergetreide, unterbleibt, weil der betreffende Landwirth sich erst zu spät entschließt, phosphorsüurehaltige Düngemittel anzuwemen, oder
daß diese, wenn auch bestellt, infolge Waggonmangels nicht rechtzeitig eintreffen, so lehren doch die vorher ange ührten Versuche, daß man später durch eine Kopfdüngung mit Superphosphat wohl in der Lage ist, derartige Versäumnisse nachzuholen. Natürlich eignet sich dazu nur Superphosphat, weil in diesem die Phosphorsäure in Wasser löslich ist und daher, nach Auigang der Saat auf das Feld gebracht in dem Boden in diejenigen Schichten sortgeiührt wiro, aus denen die Wurzeln der Kulturgewächse ihre Nahrung nehmen.
K«hlenftas-Vergift«ng. In dem Dorfe Bettlach (Kanton Solothurn) versuchte in dèr Nacht zum Dienstag eine ganze Fanrilie Selbstmord durch Ausstellen eines mit glühenden Kohlen gefüllten Beckens. Die Mutter und vier Kinder wurden durch die Gase getödtet; der Vater befindet sich außer Gefahr.
Ein recht liebevoller Vater scheint der Uhrmacher Ludwig' Prizler in München zu sein. Seine Frau hat ihm nämlich ein etwa IV2 Jahre altes Kind in die Ehe gebracht, dem ein kleines Vermögen von 500 bis 600 M. ausgemacht ist und dieser Umstand bewog den Prinzler augenscheinlich, dem Kinde nicht die Sorgfalt angedeihen zu lassen, wie man sie von einem Vater sonst erwarten sollte, wie es überhaupt zwischen ihm und seiner Ehefrau häufig zu stürmischen Auftritten kam, da er in letzter Zeit sich stark dem Trunke hingab. In solchem Zustande kam er auch wieder eines Nachts nach Hause und schüttete dem armen Kinde ein ganzes Schächtelchen Juckpulver in das Bett (!!), wodurch der Rumpf und die Füße röthlich gefärbt und dem Kinde durch den Reiz große Schmerzen verursacht wurde. Der lieblose Vater erhielt für diese unmenschliche Behandlung wohlverdiente 7 Tage Ge- fängniß. Der Amtsanwalt hatte 14 Tage Gefängniß beantragt. Dem bedaucrnswerthen Kind wird freilich durch die 7 Tage Gefängniß nicht geholfen sein!
Eine „sorgsame" Mutter. Inder Corneliusstraße in München hatte sich vorgestern abends ein etwa dreijähriges Kino verlaufen und wurde von einer Frau über Nacht behalten. Andern Tags wurde das Kind von einer andern Frau als das einer in der nächsten Nähe wohnenden Ge- Ichäftsfrau erkannt und dieser überbracht. Auf Vorhalt, warum sie sich um ihr Kind nicht gekümmert habe, erwiderte sie, sie habe vor lauter Arbeit den Abgang des Kindes gar nicht bemerkt.
Die Verrohung greift in Frankreich immer mehr um sich. Kürzlich wußten die Blätter von einem Komert in den Pariser Katakomben, inmitten der Skelette und Schädel, zu erzählen. Jetzt wird aus Vincennes berichtet: Hier starb dieser Tage im Alter von 80 Jahren ein gewisser Fröret, der testamentarisch verfügt hatte, daß er in lustiger Weite begraben werden wolle. Der Leichenzug nahm daher einen sehr heiteren Verlauf; die „Leidtragenden" tanzten und fangen hinter dem mit Blumen und bunten Bändern geschmückten Sarge und zeigten sich im wahren Sinne des Wortes als lachende Erben; dazu spielte eine Musikkapelle die flottesten Operettenmelobien. Nach dem Begräbniß fand in einer Kneipe ein Festessen statt, bei welchem man den Verstorbenen — loch leben ließ; dann wurde ein Tanzkrânzchen veranstaltet, das bis zum frühen Morgen dauerte. In Frankreich sind im Laufe des Jahres nicht weniger als vier solcher Begräbnisse „gefeiert" worden.
Zähes Leben. Am 10. März d. J. verschwand dem Vorwerksbesitzer Seemann in Rogasen von seinem Hofe eine Stute. In der Meinung, sie sei gestorben, kümmerte man sich nicht weiter um die Wiedererlangung derselben. Vor einigen Tagen wurde diese Stute aber, mit dem Kopf in eine Dornenhecke verwickelt, lebend aufgesunden. Daß das Thier die ganze Zeit in dieser Stellung hat zubringen müssen, läßt sich zwar nicht nachweisen, es ist aber wohl anzunehmen. Die Stule hätte dann über drei Wochen völlig ohne Nahrung dort zugebracht.
Ein schwerer Unglücksfall hat sich in Dresden- Neustadt ereignet. In der Hauptstraße daselbst geriech ein kurze Zeit ohne Aussicht gelassener Kinderwagen ins Rollen und fuhr in einen Wogen der elektrischen Straßerbahn hinein. Von den beiden in dem Wagen befindlichen Kindern war eins sofort todt, das andere wurde sehr schwer verletzt. Das erstere, ein Mädchen, wurde von dem Straßenbahnwagen vollständig zerstückelt, so daß der Wagen ausgehoben werden mußie, um die Leiche bergen zu können. — In Burkhardtsdorf bei Chemnitz wurde die große Strumpswaaren- fabrik von Martin u. Werner durch eine Feuersbrunst vollständig ein geäschert. Ueber 340 Arbeiter sind dadurch vollst â-dig brotlos geworden. Der Schaden ist sehr bedeutend.
Verschiedenes. Der Kaiser verlieh dem Nachtklub in Berlin für die bevorstehenden Sommerregatten zwei neue Kaiserpreise. — Der Postvorstetzer Sachs in Windhoek (Deutsch-Südwestafrika) ist vom Oberlandmesser Dürling im P i st 0 l e n d u e l l tödtlich verwundet worden. — Beim Ueber- vehmen eines Dampfkessels von der Kieler Germaniawerft in das umgebaute Panzerschiff „Baden" sprang die Krahnkette; der Kessel fiel durch das Panzerdeck. Verwundet ist Niemand. — Das königliche Oberbergamt Breslau fordert angesichts des letzten Grubenunglücks von den schlesischen Grubenverwaltungen sehr nachdrücklich Vorkehrungen zur Zuführung besserer Luft. In Gruben mit geeigneter Wetterführung soll sofort begonnen werden. — Der Zahlmeister S. vom Breslauer Dragoner-Regiment, dessen Vertältnisse durchaus geordnet sein sollen, hat sich in der Regimentskammer erhängt. — Die sächsische Lotterie ergibt für den sächsischen Staat eine Gesammteinnahme von 5,208,550 Mark. Die Ausgaben beziffern sich für Beamtengehälter, Kollekteurprovisionen und Konzessionsgeld an andere Staaten auf 972,000 Mark. Mithin bleibt dem Staate ein Baarüberschuß von rund 4Vä Millionen Mark. — Auf dem Züricher See fuhren vorgestern Nachmittag in kleinem Kahne ein russischer etubent und eine polnische Studentin.