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Amtliches Grgau für Staök- unö Landkreis Hanau
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1897.
Amtliches.
^artö&rctö ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Infolge Genehmigung eines 4. Pferdevormusterungsbezirks ordne ich unter Abänderung der Bekanntmachung vom 17. März er. hiermit an, daß die Pferde der Orte Bergen, Bischofsheim und Fechenheim am 10. d. Mts., nachmittags 2 ^a Uhr, in Mainkur zur Musterung vorgeführt werden.
Den Beginn der am 10. d. Mts. zu Wilhelwsbad stattfindenden Pserdem usteruv g setze ich zugleich auf vormittags 8 Uhr fest.
Die betr. Herren Bürgermeister ersuche ich, die Betheiligten alsbald hiervon in Kenntniß zu setzen.
Hanau am 5. April 1897.
Der Königliche Landrath
I M. 1770_____________v. Schenck._____________________
Kimstnaâriâtm aus dem Kreise.
Gefunden: Am 4. ds. Mts. auf der Straße von Oberissigheim nach Bruchköbel ein neues Portemonnaie mit Inhalt; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Rüdigheim. Ein Hundehalsband.
Verloren: Eine goldne Damen-Remontoiruhr ohne Kette.
Hanau am 6. April 1897.
Klâdrâ^ors ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die durch Erlaß der Herren Minister des Innern und des Krieges für dieses Jahr angeordnete
allgemeine Pferdevormusterung findet für den Stadtkreis Hanau am
Donnerstag den 8. April 1897
statt und müssen die Pferde zwecks Verlesung und Rangirung um 7 Uhr vormittags auf dem städtischen Viehmarktplatze vorgeführt werden, und zwar sind dieselben von der Haingasse aus heran und durch die türkischen Gärten nach der Bogenstraße wegzuführen.
Jeder Pferdebesitzer ist verpflichtet, sämmtliche Pferde zu gestellen, mit Ausnahme :
a) der Fohlen unter 4 Jahren,
b) der Hengste,
c) der Stuten, welche entweder hochtragend sind oder noch nicht länger als 14 Tage abgefohlt haben,
d) der Pferde, welche auf beiden Augen blind sind.
Kleines Feuilleton.
Die Gründer von Ueu-Hanau.
Die ersten Bewohner Neu-Hanaus gehörten zwei Kirchengemeinden an, der wallonischen und der holländischen. Sturio, der zweite Schultheiß Neu-Hanaus, hat zum Jahre 1600 die Namen aller Hausväter der beiden Gemeinden ausgezeichnet'); es waren ihrer je 47, und diese 94 Niederländer sind als die Gründer der Neustadt Hanau zu betrachten.
Die Namen der Wallonen waren: Jean Aubry, Jacques de Baris, Francois Bave, Walram del Beck, Michel de Behaing, Jehan Benoit, Johan Binoit, Ren- qon le Blon, Francois de Bo, Guillaume Boxet, Henri le Brasseur, Pierre le Brasseur, Piere Bride, Jacob Caron, Paul Chombart, David le Conte, Jean Creton, Philippe Doré, Jean le Dru, Gerhard Faucque, Piere Fievet, Jean Haguet, Piere Haguet, Claude de la Halle, Niclas Helduir, Johan d’Hollande, Piere le Houck, Henri Hussi, Daniel de Latre, Esaie de Latre, Chri- stofle Lescalier, Piere Lorentz, Rene Mahieu, Claude de Marne, Daniel Mermen, Gillis Messagier, Charles de Nielles, Steffen von Ninhofen, Isaac del Rhon, Didier Royer, Jean de Ruhardt, Simon Segart, Adrian Sernoult, Niclas Servais, Jacques de Sestre, Daniel Soreau, Francois Varlut.
Die Namen der Holländer waren: Samuel Artus, Peter Baeck, Daniel Bourgeois, Hans de Brawar, Peter
*) Sturio, Jahrbücher, I. S, 156 und 157a. — Die Schreibweise ist bei Sturio an verschiedenen Orten verschieden; wir geben sie genau in der Farm, wie er sie an den erwähnten Stellen zum Jahre 1600 ausgezeichnet hat.
Von der Verpflichtung zur Vorführung ihrer Pferde sind ausgenommen Beamte im Reichs- oder Staatsdienste hinsichtlich der zum Dienstgebräuche, sowie Aerzte und Thierärzte hinsichtlich der zur Ausübung ihres Berufs nothwendigen Pferde, ferner Posthalter hinsichtlich derjenigen Pferdezahl, welche von ihnen zur Beförderung der Posten kontraktmäßig gehalten werden muß.
Indem ich die Besitzer gestellungspflichtiger Pferde hierdurch ersuche, für die rechtzeitige Vorführung derselben Sorge zu tragen, mache ich zugleich darauf aufmerksam, daß nach § 27 des Reichsgesetzes über die Kriegsleistungen vom 13. Juni 1873 alle diejenigen, welche den hinsichtlich der Anmeldung und Stellung der Pferde zur Vormusterung getroffenen Anordnungen zuwiderbandeln, mit einer Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft werden.
Hanau am 18. März 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 5107
Eine Bank für den Mittelstand.
In der Debatte, welche sich im preußischen Abgeordnetenhause an den Etat der Centralgenossenschaftskosse knüpfte, ist die erfreuliche Thatsache feftgestellt worden, daß dieses Institut, dtssen Zweck ist, in Stadt und Land dem Mittelstände durch Gewährung von Darlehn an Genossenschaftsverkände billigen Kredit zu verschaffen, außerordentlich wohlthätig gewirkt hat. Der Umsatz im verflossenen Geschäftsjahre hat rund 1000 Millionen betragen. Namentlich das ländliche Genossenschaftswesen ist durch die Centralgencssenschaftslasse in einer ganz überraschenden Weise gefördert worden. Mehr als 1100 Genossenschaften sind in dem einen Jahre entstanden. Leider hat das Handwerk nicht in demselben Maße die Vorteile der Centralgenossenschaftskasse in Anspruch genommen. In einer Reihe von Städten ist man jedoch eifrig vn der Bildung neuer Genossenschaften für das Handwerk beschäftigt, und es ist begründete Hoffnung verbanden, daß das Verständniß für die genossenschaftliche Organisation immer weitere Kreise des gewerblichen Mittelstandes erfassen und des Genossenschasts wesen schließlich auch für das kleinste Handwerk nutzbar gemacht wird.
„Wir müssen dahin kommen" — sagte der Finanzminister Dr. v. Miquel — „daß wir im Großen und Ganzen eine Darlehnskosse haben, in jeder Gemeinde der ganzen Monarchie. An diese Darlehrskassen müssen sich die andern Produktiv- genossenschaftkn, die Einkaufs- und Verkaussgenosseuschaflen anschließen. Das wird eire große Bank zu Gunsten des Mittelstandes!"
Jeder, dem dos Gedeihen unsers so schwer bedrängten ländlichen und gewerblichen Mittelstandes am Herzen liegt, wird dem Minister zustimmen müssen und über den kräftigen
Bril, Caspar im Brouk, Melchior ter Brüggen, Philips Clappeter, Hans de Cornput, Anthonius de Costare, Cornelius von Dal, Hans von Eick, Hans Faucquier, Abraham Gall, Steffan Gemundt, Christoffel Gobbaerts, Adolpff Gomarus, Franciscus Gomarus, Daniel de Haase, Cornelius Haghens, Abraham Hammers, Hubrecht Hoff, Jacob Hollender, Hans Kersbaum, Christian Kerssens, Peter t’Kindt, Balthasar van de Linden, Jacques von Lohn, Niclas Moir, Salomon Mostart, Isaac Musenhol, Daniel de Neufville, Jean N.2), Johannes Ochssel, Paul Peltz, Hugo Peltzer, Hans Rasch, Hector Schellekens, Hieronymus Schellekens, Philips von Severdeuck, Cornelius Simons, Matthys Simons, Jean Speltemaeker, Fridreich Teerink, Peter Vogelmann, Godtfroy Vollus, Clemens Wesel.
Nachkommen dieser ersten Bewohner Neu-Hanaus sind nicht mehr vorhanden; eine Anzahl sind in die Reichslande zurückgewandert, die übrigen sind ausgestorben. 0. A.
') Sturio hat den Nanun nicht ausgeschrieben, bemerkt dazu ober „Schliiner" und erwähnt (II. S. 49a) zum Jahre 1105 in der Liste der 47 Hausväter der niederländischen Gemeinde einen "Jan de Schryner.
—— Stadttheater.
— Wenn das bekannte Sprichwort „Ende gut, alles gut" ein Wahrmort ist und Anwendung auf unsere am Sonntag zu Ende gegangene Theatersaison finden kann, so müßte man mit einem Gefühl voller Befriedigung auf dieselbe zurückblicken können, denn mit einer wahren Musterausführung des Sudermann'schen Schauspiels „Das Glück im Winkel" schlossen die Vorstellungen ab. Alle Mitwirkenden waren ersichtlich von dem Streben erfüllt, noch einmal ihre ganze Gestaltung'ckunst zu entfalten, um dem Publikum den Abschied von ihnen und den li'bgewordenen Vorstellungen besonders schwer zu machen. Direktor Iar iö und Krl. Brandow sind als ausgezeichnete Vertreter der Rollen ^s Röcknitz und der Elisabeth bekannt und deren virtuose Gestaltung beides Partien
Aufschwung des Genossenschaftswesens durch die Centralkass Genugthuung empfinden. Anders die Freisinnigen. Diese gaben sogar der Befürchtung Ausdruck, daß die Centralgenossenschastskasse dazu beitragen würde, die Selbsthilfe zu erdrücken. Ueberzeugend wies demgegenüber der Finanzminister nach, daß die Praxis jene Befürchtung vollständig widerlegt habe; die Centralgenossenschaft solle die Selbsthilfe nur entwickeln, fördern, stützen und über die ersten Schwierigkeiten» hinwegbringen.
Dann hat der Staat in der That gethan, was ihm zu thun möglich ist; das Uebrige muß er Privaten überlassen, wenn seine Thätigkeit nicht das Gefühl der Selbstverantwortlichkeit untergraben soll. Aus diesem Grunde wäre es zu wünschen, wenn die eindrucksvollen Worte, mit welchen der Minister den angesehenen und gemeinnützig denkenden Männern jeder Gemeinde die Förderung des Genossenschaftswesens ans Herz legte, nicht ungehört verhallten.
Tagesschau.
Der Erbprinz Heinrich XXVII« von Reuß jüngere Linie hat dem Stadtrath von Gera folgendes Schreiben übermittelt: Wie ich bereits das antinaiionale Gebühren der Regierung zu Greiz auf das entschiedenste ver- urtheilt und als eine Herabwürdigung unseres guten uralten rcußischcn Nomens auf das schmerzlichste empfunden habe, da ich sowohl wie olle Mitglieder des reußiscken Hauses jüngere Linie in deutsch-nationaler Gesinnung von Niemandem übertroffen werde, so erkläre ich die neueste Fahnenaffaire betreffe» d die Entfernung einer preußischen Fahne in Greiz am 22. März für eine Infamie und unerhörte Beleidigung des hervorragendsten deutschen Bundesstaates, durch welchen auch ich als Deutscher, als Träger des reußischen Namens und als preußischer Ossizier auf das empfindlichste getroffen und verletzt worden bin. Heinrich XXVII. — Der Fürst von Reuß ä. L. ist inzwischen wieder in Greiz einge- getroffen. Seine angegriffene Gesundheit ist also in der Tlat so schnell wieder hergestellt worden, wie man das gehofft und — erwartet hatte. — Der stellvertretende Landrath von Uslar Gleichen, auf dessen Veranlassung die preußische Fahne entfernt wurde, soll sich nach einer Mittheilung der „Leipz. N. N." seines Lebens nicht mehr sicher fühlen und sich bei seinen Ausgängen in der Dunkelheit durch einen uniformirten Schutzmann, welcher in einiger Entfernung folgt begleiten lassen.
Dem Bericht der verstärkten Budgetkommission des Abgeordnetenhauses über den Kultusetat ist u. A. eine Uebersicht über den Bestand der höheren Schulen in Preußen om 1. April 1892 und 1. April 1896 beigegeben worden. Am 1. April 1896 waren 606 (384 Voll-, 222 Nichtvollanstalten) höhere Schulen. Von den am 1. April 1896
verhalf der Vorstellung am Sonntag auch in erster Reihe zu dem stürmischen Erfolg und von den übrigen Darstellern wollen wir noch einmal der schlichten und so natürlichen Darstellung des Herrn Ludwig als Rektor Wiedemann gedenken.
Tie vorletzte Vorstellung am Freitag hatte sich auch noch der besonderen Gunst des Publikums zu erfreuen, denn dieselbe fand zum Vortheil eines der beliebtesten Mitglieder des Ensembles, für Frau Lese ur, statt und bedeutete zugleich deren Abschied von der Bühne überhaupt, denn die Dame hat beschlossen, sich den Aufregungen ihres Beruses zu entziehen und ihre Tage in Ruhe zu verbringen. Die lebhaste Sympathie, die sie sich in ihrer hiesigen Wirksamkeit erworben hat, fand Ausdruck in dem lebhaften Empfang, der ihr bei ihrem Erscheinen aus der Bühne am Freitag ward, sowie in den Kranz- und Blumenspenden als auch in den zahllosen verschlossenen Packeten, die manche hübsche Ueberraschung enthalten haben sollen. Das gewählte dreiaktige Lustspiel „Großmama" von I. Schnitzer war uns fremd. Nach Art des Benedix'schen Lustspiels gearbeitet, hat es besonders den Damen ausnehmend gefallen und denselben reichlich Thränen der Rührung entlockt und wir sind galant genug, diesmal mit unserer wahren Meinung über den Gehalt des Stückes zurückzuhalten. Es ist die alte Geschichte, die uns darin aufgetischt wird, von zwei Menschen, die sich in ihrer Jugend liebten, aber nicht zusammenkommen konnten und die deshalb in Groll von einander geschieden, im Alter dann durch die gegenseitige Liebe ihrer Angehörigen, diesmal Enkelin und Nesse, wieder mit einander versöhnt werden. Gespielt wurde auch an diesem Abend mit ancrkennenswerthem Eifer unter der Regie des Herrn Huhn. Als Gräfin Walldorf entfaltete die Benefiziantin Frau Leseur noch einmal ihre ganze Kunst in der Darstellung solch vornehmer Frauencharaktere, die, durch die sympathische Erscheinung unterstützt, durch den Ausdruck edler Empfindung und Herzensgüte wirken. Eine reizende und überaus fesselnde Wiedergabe ward auch der Martha, der wiedergefundenen Enkelin der Gräfin, durch Frl. Krause. Noch besonders wollen wir die Wiedergabe des Professor Gotthold Walter durch Herrn Grau erwähnen, der auch mit dieser Rolle den Beweis brachte/ daß die Hauptstärke seines Darstellungstalents in der Verkörperung solch humoristischer Charakteure liegt. Die übrigen Darsteller thaten ihr bestes, um dem Stücke einigen Erfolg zu sichern.