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Montag den 5. April
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Nr. 80.
1897.
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 27.
AimstilllMÄtm ans dem Kreise.
Gefunden: Ein kleines Schippchen.
Zugelaufen: Ein brauner Jagdhund mit weißer Brust und weißen Pfoten; Empfangnahme bei dem Wasenmeister ZU Bruchköbel.
Verloren: 30 Stück Briefmarken â zu 10 Ps.
Hanau am 5. April 1897.
Amtliches.
Stadtkreis ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Bei der beginnenden Bauthätigkeit mache ich darauf aufmerksam, daß nach den Bestimmungen in § 22 des Bau- Unsallverstcherungsgesetzes vom 11. Juli 1887 (R.-G.-Bl. S. 287) Unternehmer von Regiebauteu Arbeitsnachwei sungen bei dem Unterzeichneten einzureichen haben.
Als Unternehmer eines Regiebaues gilt jeder, welcher nicht eiu Baugewerbe im Inlands betreibt, also nicht Mitglied einer Bau-Berufsgenossenschast ist, ob er die Kenntnisse und Fertigkeiten dazu besitzt oder nicht.
Unternehmer, welche der oben erwähnten gesetzlichen Verpflichtung nicht rechtzeitig nachkommen, können in eine Ordnungsstrafe bis zu 300 Mark genommen werden.
Wegen der Form der einzureichenden Nachweisung verweise ich auf die Bekanntmachung des Reichsversicherungsamtes vom 12. Dezember 1887 (Amtsblatt von 1888 S. 5), abgedruckt im Hanauer Anzeiger vom 3. Dezember 1888 Nr. 283 u. ff.
Hanau am 1. April 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 5010
Oberrealschule zu Hanau.
Anmeldungen neu eintretender Schüler nimmt der Unterzeichnete am 8. und 9. April, vormittags 8—12 Uhr, im Realschulgebäude entgegen.
Hanau, 3. April 1897.
Der Direktor der Oberrealschule Dr. Schmidt. 5020
Die Wahl in Schwetz.
Der Ausgang der Reichstags-Ersatzwahl in Schmetz gehört zu den unerfreulichen Erscheinungen der Gegenwart.
Kleines Feuilleton.
Das Haus „zum güldenen Schwan".
Hanau, 5. April.
In dem in Nr. 79 b. Bl. abgedruckten Aufsätze „Die Gründung der Neustadt" ist das Haus „zum güldenen Schwan", in welchem 1612 Kaiser Mathias abgestiegen, erwähnt und dazu bemerkt „jetziges Deutsches Haus, Steinheimerftraße", welch letztere Bemerkung indeß entschieden auf einem Irrthum beruht. Der Platz, auf welchem sich das „Deutsche Haus" befindet, war nach Philipp Koch's „Tabelle über den Verkauf der Bauplätze in der Neustadt Hanau" (Zeitschr. f. d. Prov. Hanau 1838) 1648 noch unbebaut, die anstoßenden Grundstücke des ganzen Quartiers wurden erst nach 1614 verkauft und bebaut. — G. L. Handtwerck sagt in seiner 1691 im Druck erschienenen Rede „Hanoviae novae Gloria“, welche dem obigen Aufsatz in Vielem zu Grunde liegt, nur: „Soviel denn die krivuk-Häusser belanget, so seynd von denselbigen eine nicht geringe Anzahl so prächtig und schön gebauet, daß sich auch ein Fürst darin zu wohnen nicht schämen darf. Allermassen dann bekannt, daß der Keyser Mathias selbsten, als Er Anno 1612 nach ge endigter Crönung von Franckfurt wieder zurückkommen, in ei nem Bürgerlichen Hauß allhier, nemblichen zum „güldenen Schwanen" eingekehret." — In Konrad Appels von Hochstadt Aufzeichnungen, abgedruckt im „Hanauer Magazin", Bd. I, 1778, heißt es: „Den 23. Junius 1612 traf der kurz vorher zu Frankfurth gekrönte Römische Kaiser Mathias mit seiner Gemahlin in Hanau ein; der Zug ging durch die Altstadt in die Neustadt. Das Gefolge desselben war so groß und zahlreich, daß es von Morgens 9 bis 10 Uhr dauerte, ehe alles hindurch kam. Das Mittagsmahl wurde
Daß dort der Pole den Sieg errang, ist an sich nicht befremdlich. In diesem Wahlkreise hatten sich seit Jahren die Deutschen und Polen das Terrain erfolgreich streitig gemacht. Meist entschieden ganz geringfügige Mehrheiten zu Gunsten des einen oder andern Kandidaten.
Aber bei der neuesten Wabl hat sich das Zahlenverhältniß zu Gunsten der Polen verschoben. Sie haben die Deutschen um etwa 500 Stimmen überholt. Noch beachtenswerther ist das Anwachsen der polnischen Stimmen in einzelnen Ortschaften seit der letzten Wahl. Diese fand erst im Juli vorigen Jahres statt. In dem kurzen Zeitraum von neun Monaten haben die Polen ihre Stimmen an manchen Orten um den vierten Theil und darüber hinaus vermehrt. In der sonst gut deutschen Kreisstadt Schmetz stehen sich jetzt Deutsche und Polen in gleicher Stärke gegenüber; die alte deutsche Ordensstadt Neuenburg an der Weichsel droht dem Polenthum ganz anheimzufallen. Die Polen erzielten 524 Stimmen, die Deutschen nur 329; das Bedenklichste hierbei ist aber, daß die Polen diesmal 199 Wähler mehr an die Wahlurne zu bringen vermochten, als im Juli 1896.
Man hätte bei der Zuspitzung der nationalen Gegensätze in den Ostmarken und bei der einer unmittelbaren Herausforderung gleichenden Haltung der Polen doch mit Sicherheit erwarten dürfen, daß die Deutschen ihre letzte Kraft zur Erzielung des Sieges bereit stellen und unter Hintenansetzung alles Parteihaders für ihren gemeinsamen Kandidaten eintreten würden. Handelt es sich doch bei dem Kampfe gegen das Polenthum nicht um die liberale oder konservative Partei, sondern um eine hochbedeutsame vaterländische Angelegenheit. Das Polenthum verneint den deutschen Nationalstaat und sinnt auf Lostrennung vom preußischen Staate. Es steht also auch dem deutschen Konservatismus und Liberalismus, die doch beide im vaterländischen Boden wurzeln, gleich feindlich gegenüber.
Auch deutsche und slavische Kultur ringen in dem polnisch- deutschen Kampfe um die Macht. Da hätten doch schon die Rücksichten auf die Erhaltung des Ueber gewichts der deutschen Kulturbestrebnngen jeden politischen Meinungsstreit unter den Deutschen zum Schweigen bringen sollen. Aber viele Deutschen sind für die Sprache der politischen Vernunft taub! Es ist erwiesen, daß zahlreiche liberale Wähler sich der Stimmen- Abgabe enthalten haben, weil der deutsche Kandidat der freikonservativen Partei angehört; es ist auch wahrscheinlich, daß mancher Deutsche direkt für den Polen gestimmt hat, um einer verdrießlichen Laune Ausdruck zu geben. So ist es erklärlich, daß dec Pole den Sieg errang; aber beschämend für das Deutschthum bleibt diese Niederlage immer. —r.
Tagesschau.
Von den preußischen Ministern des Innern und der Justiz ist kürzlich ein Erlaß an die Standes-
in er sagt er Neustadt zur W. K. eingenommen." — Der Herausgeber der Aufzeichnungen E.*) bemerkt hierzu in einer Fußnote: „Dasjenige Haus, welches damals zur W. K. genannt wurde, ist die am Neustädter Markt gelegene sogenannte goldene Schwanen Apotheke, und man findet noch Merkmale, daß ersagter- Kaiser daselbst eingekehrt ist und Tafel gehalten hat." — Nach einem von Sanitätsrath Dr. Eisenach 1888 im Geschichtsverein gehaltenen Vortrag über „Geschichte der Hanauer Apotheken" (Auszug in Mittheilungen b. Ver. f. best. Gesch. u. Landeskunde 1888) wurde das Haus der Schwanen Apotheke 1599 durch Cornelius von Dahl erbaut und war Ende des 17. Jahrh, im Besitz des Arztes und Apothekers Dr. Johann Dietrich Hofstadt, welcher damals durch den von ihm als Heilmittel für alle möglichen Krankheiten fabrizirten und markschreierischer Weise angepriesenen „himmlischen Theriak" eine gewisse Berühmtheit genoß. Die Apotheke ging nach 1716 auf Johannes Gärtner (Schwiegersohn von Johann Christoph Hofstadt) über und blieb über 100 Jahre im Besitze der Gä^tner'schen Familie, aus der namentlich Gottfried Gärtner, der 1806 die „Wetterauische Gesellschaft" gründete und Karl Ludwig Gärtner sich um die Wissenschaft verdient gemacht haben. 1829 erwarb der Schwiegersohn des letzteren Ed. Hopfer de l'Orme Haus und Geschäft und von 1878 an ist Hofopotheker Wiezand Besitzer der Apotheke. Das Haus gehört jetzt San. Dr. Eisenach. ---------- H-n.
*) Unter der Chiffre E. birgt sich der damalige reformirte Inspektor Samuel Endemann (geb. 1727, gest. 1789), einer der hauptsächlichsten Mitarbeiter des »Hanauer Magazins".
Nansen in Keriin. Von Eberhard Kraus.
Berlin, 3. April.
Nansen kann nicht behaupten, daß er sich in Berlin in „Nacht und Eis" befinde, Licht, Glanz und Wärme um-
beamten ergargen, worin diese aufgefordert werden, bei Verhandlungen über Aufgebotes Eheschließungen und Geburten die Betheiligten auf ihre kirchlichen Pflichten h i n z n w e i s e n. — Der Erlaß wird vielfach von liberaler Seite angefochten, als könnte er den Standesbeamten dem Publikum gegenüber in eine schiefe Lage bringen und ihn unangenehmen Antworten aussetzen. Offenbar handelt es sich nicht darum, die Standesbeamten für irgendwelche Leistungen im Interesse der nachzuholenden kirchlichen Handlungen zu verpflichten. Es wird ihnen jedenfalls nur aufgetragen, daß sie die Betheiligten im Falle irrthümlicher Annahme darauf aufmerksam machen, daß die standesamtliche Beurkundung keinesw-gs von der Ausübung der kirchlichen Verpflichtung entbindet, daß vielmehr für die Betheiligten mannigfache Unannehmlichkeiten und Nachtheile erwachsen können, wenn sie in jenem Irrthum verharren. Bei ausgesprochenen Dissidenten und Gottesleugnern wird an den meisten Orten der Standesbeamte schon Bescheid wissen, daß er nicht sogenannte „Vorhaltungen über reine Gewissensfragen" vornimmt.
Der preußische Kultusminister hat allgemeine Ermittelungen über die Befähigung des Wartepersonals in den öffentlichen und privaten Irrenanstalten Preußens angeordnet, hauptsächlich, weil sich mehrfach herausgestellt hat, daß das Wartepersonal, namentlich in den Privatanstalten, aus ungenügend oder gar nicht vorgebildeten Personen besteht, über deren Vorleben es nicht selten an ausreichenden und zuverlässigen Nachrichten fehlt.
Der Nachtragsetat in Höhe von 45 655 538 Mk. ist dem Reichtag zugegangen gleichzeitig mit einem Gesetzentwurf wegen Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 44 372 742 Mk. für Zwecke der Verwaltung des Reichsheeres, entsprechend der im Nachtagsetat geforderten Summe. Außerdem ist dem Reichstag der Vertrag vom 5. Dezember 1896 zwischen dem Reich und der Schweiz zugegangen, betreffend die Errichtung schweizerischer Nebenzollämter bei den auf badischem Gebiet belegenen Stationen Altenburg, Jestetten und Lotstetten und die schweizerische Zollabfertigung am Grenz- acherhsrn.
In der Strafsache gegen v. Tausch und v. Lützow ist die Anklageschrift den Angeschuldigten nunmehr zugestellt worden. Der Prozeß dürfte frühestens im Mai vor dem Schwurgericht verhandelt werden. Wie früher schon gemeldet, wird Herr v. Tausch des wiederholten Meineids und des Verbrechens im Amte bezichtigt ; dem Freiherrn v. Lützow wird Urkundenfälschung zur Last gelegt.
In der Kundgebung, die der geschäftsführende.Ausschuß der Sozialdemokratie kürzlich über die diesjährige Maifeier veröffentlichte, wurde den sozialdemokratischen Arbeitern gerathen, nur da am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen, „wo die Möglichkeit vorhanden ist, das heißt, wo es
fluthen ihn, wohin er sich auch wendet. Wenn auch der Magistrat sich zurückhaltend gezeigt und ihm weder einen offiziellen Empfang bereitet hat, noch gar soweit gegangen ist, wie der zu Rouen, der dem anwesenden Forscher zu Ehren einer neu angelegten Straße den Namen „Rue de Nansen“ gab, so ist doch die Berliner Bevölkerung ebenso beweglich, geistesrege, für das Große und Hohe empfänglich, wie die irgend einer anderen Weltstadt.
Der interessante Gast wird als Weltberühmtheit empfangen und gefeiert, mehr als irgend einer der deutschen Afrikaforscher, die mit sonnverbranntem Antlitz und bedeckt von ruhmvollen Narben aus dem dunkeln Erdtheil zurückkehrten. Was verlangt er mehr?
Seiner unmuthigen jungen Frau huldigt die Damenwelt nicht minder wie die Herrenwelt. Ihre Toiletten sind in Berlin ebenso populär geworden, wie die braune Reisemütze ihres Gatten.
Was Nansen vor allem mit Genugthuung erfüllen muß, ist die Würdigung, welche die deutsche Gelehrtenwelt seinen Leistungen zu Theil werden läßt, diese nämliche Welt scharfsinniger und behutsamer Männer, über deren kritische Zurückhaltung sich die Größeri des Tages sonst so häufig zu beklagen pflegen.
Geheimrath Prof. o. Richthofen, einer der angesehensten Geographen Deutschlands und gleichzeitig Angehöriger der ersten Gesellschaftskreise der Reichshauptftadt, eine Erscheinung, welche die Würde des Denkers mit der äußeren Vornehmheit des Aristokraten vereinigt, ist mit der rührendsten Sorgfalt beflissen, dem berühmten Gast auf dem Berliner Boden das Gefühl trauten Behagens im Freundeskreise zu bereiten. Herr v. Richthofen geht sogar so weit, Nansens Sprach- meister im Deutschen zu spielen, seine Vorträge mit ihm bis ins Einzelne durchzugehen.
Was verlangt Nansen mehr?