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Nr. 79.

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Amtliches Organ für Htaöt- unS LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Jusertious-

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Samstag den 3. April

1897.

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 26

Dienftnadiridifm aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein schwarzer schottischer Schäferhund mit gelben Abzeichen, m. Geschl.

Hanau am 3. April 1897.

Amtliches.

Slâöl^sis ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Städtische ttleinhinderschule.

Anträge nm Aufnahme von Kindern sind bei ersten Lehrerin Fräulein Heller Montag, Dienstag und Mittwoch jeder Woche zu stellen.

Hanau am 26. März 1897.

der

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

4871

Montag den 5. April er., mittags von findet tm unteren Sitzungssaale des Neustädter . Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Ge werbegepichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitig- keiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau am 1. April 1897.

Am 12 Uhr ab, Rathhauses,

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts

Dr. Gebeschus. 4980

Das deutsche Heer in französischer Beleuchtung.

In der französischen Deputirtenkammer ist neulich ein Gesetzentwurf über die Aenderung der obersten Kommando­stellen im Heere berathen worden. Die Aenderungen selbst die genaue Festlegung der Befuguisse des obersten Kriegs­raths und die Einführung des neuen Grades eines Generals für die Armeeführer fino fast ausschließlich militärischer Natur, dagegen haben die Reden, die bei dieser Gelegenheit gehalten wurden, ein allgemeines Interesse. Durch alle zieht sich wie ein rother Faden die Ueberzeugung, daß die von Kaiser Wilhelm geschaffene preußische Armee, das deutsche Heer und deren Einrichtungen, vor allen ihr geistiger Mittel­punkt, der Große Generatstab , die Muster seien, denen Frankreich zu folgen habe, wenn die Worte des Generals

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Chanzy wahr werden sollen, daß diefranzösischen Generale sich in Zukunft den Marschallsnab jenseits der Vogesen zu holen haben!" Nach derKöln. Ztg." tagte der Vorsitzende des Heeresausschusses, Mtzzièrcs, unter ar beim:

Die Ueberlegenheit des preußischen Heeres entsprang der Ueberlegenheit seiner Methode, der Vorbereitung zum Kriege, die es sich so lange hatte angelegen sein lassen. Daß die preußische Armee die Leichtigkeit und Schnelligkeit ihrer Erfolge der Thatsache verdankt, daß sie einzig für den Krieg geschaffen, daß sie stets schlagfertig, immer bereit war, zu jeder Stunde zu handeln. Den Erfolg, den eine Armee leicht gegen Oesterreich erringen konnte, sie hat ihn leider auch uns gegenüber behauptet. Aber gebieterisch hat sich uns damals die Nothwendigkeit aufgedrängt, auch uns eine so durchdachte, so gut geordnete nno so beweiskräftig erprobte Organisation zu geben. Alle unsere Arbeiten aus militärischem Gebiete, alles, was wir seit 1870 geschaffen haben, ging von dem Gedanken aus, für uns dieselben Bedingungen zu schaffen wie für den stets kriegsbereiten Gegner!"

Aehnlich äußerte sich ein Redner der monarchistischen Opposition, Graf Träoeneue, dem vor allem die Bildung eines Generalstabes nach preußischem Muster und die Ver­einigung der Heeresleitung in der Hand eines Generallissimus am Herzen liegt. Er sagte:Dieser Große Generalstab ist das Hirn, das die Muskulatur des modernen Heeres belebt. Der Große Generalstab ist es, der den Massen Bewegung gibt, er ist es, der im Mittelpunkte des Orga­nismus den Gedanken faßt und ihn mit eigenartiger Kraft und Wirksamkeit bis zu den fernsten Punkten des Kreises verbreitet!"

Bemerkenswerth sind auch die Ausführungen des Wort­führers der Linken, Raiberti, der betonte, in Deutschland habe man die Frage des Oberkommandos, über die man sich in Frankreich den Kopf zerbreche,in ebenso erfinderischer wie scharfsinniger und kühmr Weise" dadurch gelöst, daß man der Initiative Z>es Offiziers selbst in den untersten Chargen den weitesten Spielraum lasse:So haben die Deutschen diese Frage gestellt, und sie suchen ihre Lösung nicht in den obersten Kommandostellen, sondern auf allen Stufen. Der Generalstab ist nicht nur ein Instrument für die Vermittlung, er wird ein Instrument der Erziehung, er bewirkt die Erziehung der Armee durch die Generalstabsoffiziere. Die Einheit der Anschauung und die Gemeinsamkeit dcs Gedankens wird eben dadurch ge­sichert, daß auf allen höheren Kommandostufen neben dem ausübenden Chef ein Offizier des Generalstabes steht als Träger und Vertreter der Gedanken und der Arbeitsmethode dieses Stabes. Das ist die Rolle des großen Generalstabes in Deutschland!"

Die französische Auffassung von der Bedeutung unserer militärischen Einrichtungen, besonders des Großen General

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stabes, ist im großen und ganzen richtig. Trotz aller Be­mühungen aber Werden unsere westlichen Nachbarn diese Or­ganisation nicht nachmachen können. Das hat schon Moltke erkannt. Auf diese Autorität bezogen sich auch einige Redner in der französischen Kammer, und der Berichterstatter des Ausschusses, Vicomte de Montfort, traf den Nagel auf den Kopf, indem er erklärte, daß eine unbedingte Nachahmung an den verschiedenartigen staatlichen Verhältnissen beider Länder scheitern müsse. Die ZeitungGaulois" ist derselben Ansicht. Sie schreibt zutreffend:Daseinsbedingungen des Heeres ist der oberste Feldherr, aber die Republik kann und will keinen solchen dulden. In der Republik könnte nur der Präsident oberster Bundesfeldherr sein, aber wenn er es wäre, würden die Republikaner mit Recht sagen, es gäbe keine

Republik mehr!"

Man sieht auch hier wieder einmal einen großen Vorzug monarchischen Staatsform.

der

Preußischer Landtag

Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 2. April.)

zweite Berathung der Städte- und Land­gemeinde-Ordnung für Hessen-Nassau wird bei dem § 15 der Städte-Ordnung fortgesetzt, der die Be- stimmungen über das (Dreiklassen)-Wahlrecht enthält.

Ein dazu vorliegender Antrag Cahensly-Kircher (Ctr.) will die einschränkende Bestimmung zufügen, es soll der vorgeschlagene Modus der Wahlklassenbildung mit der Maßgabe gelten, daß in der ersten Klasse mindestens 10%, in der zweiten mindestens 20% aller Stimmberechtigten Aufnahme finden. Im Falle der Ablehnung dieses Antrages wird in einem Eventual-Antraqe derselben Antragsteller bau

Die

Kleines Feuilleton.

Allerlei Gedanken.

Hanau, 3. April. Sehr geehrter Herr Redakteur!

Geben Sie Gedankenfreiheit!" sagte vor längerer Zeit gelegentlich einer Auseinandersetzung mit einem mächtigen spanischen König ein gewisser Malteserritter, mit dem ich mich einigermaßen verwandt fühle, denn ich spüre einen ähnlichen Drang und möchte Ihnen zurufen: ,Herr Redakteur, geben Sie Gedankenfreiheit V Wenn auch mein Verlangen nicht die ungeheure Tragweite desjenigen des Marquis Posa besitzt, so ist doch der Erfolg ein nicht minder negativer als vor etlichen Jahrhunderten bei diesem kühnen Ritter, denn wie damals König Philipp von Spanien die Forderung des selt­samen Schwärmers freundlich aber bestimmt zurückwies, so wird auch meine Bitte von den unbarmherzigen blauen Strichen Ihres Zensurstiftes durchkreuzt werden/ Und doch handelt es sich nicht einmal um die Gedanken eines ganzen Volkes, sondern um meine weit harmloserenAllerlei Ge­danken".

Ich besitze zwar nicht Arroganz genug, um anzunehmen, daß der Welt durch Entziehung meiner Gedanken etwas Werthvolleâ verloren gegangen sein könnte und ich fühle auch eigentlich eine bedeutende Erleichterung, daß die Geständnisfe, die ich darin oblegte, nun in der verschwiegenen Tiefe Ihres Papierkorbes ruhen, anstatt ihren Weg in die Oeffentlichkeit genommen zu haben.

Ich habe mich nun ernstlich bemüht, meinen Gedanken eine bravere Richtung zu geben, damit ich nicht die Veran­lassung bin, daß Ihr Zensurstift sich vor der Zeit abnützt und Ihr Papierkorb durch übermäßige Beschwerung mit mei-

nen Manuskripten die Körperkräfte des ihn entleerenden dienst baren Geistes allzusehr anstrengt.

Ihr sehr ergebener Chico.

Ich muß gestehen, ich bin die ganze Woche über sehr be­trübt gewesen und die Niedergeschlagenheit über die unfrei willige Suspension meiner letzten Samstagsvisite, die durch vorstehenden Brief einigermaßen motivirt ist, artete in eine solche betrübte Zerstreutheit aus, daß ich öfters Briefe ge­schäftlichen Charakters mit tausend heißen Grüßen und Küssen schloß und meinem Schuhmacher sehnsuchtsvolle Sonette an die Heimath schickte. Allmählich aber löste sich auch dieser Kummer in stille Wehmnth und als ich an einem freundlichen Abend mein schweres Herz um die krumme Kinzig trug, da machte ich p'ötzlich die phänomenale Entdeckung, daß so eine laue Märznacht doch eigentlich recht schön sei! Ich war selbst erstaunt über diese plötzliche Erleuchtung, die mich wie ein strahlender Blitz durchzuckte, und ehe ich mich's versah, hatte ich ein dichtbeschriebenes Blatt in der Hand und ich war gar nicht überrascht, daß es Verse waren. Hier ist es:

Süßer Hauch, umschwebst du wieder- Weich und kosend Herz und Sinn? Singst du, kleine Sängerin, Wieder deine alten Lieder?

Alles wie's so oft schon war, Alles wie ich's ewig preise, Aber doch in seiner Weise Ewig neu rind wunderbar. Horch! es rauschen leis die Bäume Und es murmelt sanft die Fluth, Wiegt das Herz, das schlummernd ruht, Ein in süße Frühlingsträume.

Und vom dunklen Himmel schaut Schüchtern schon ein Sternlein nieder, Grüßt mich und verschwindet wieder; Alles so bekannt, vertraut.

Zifferverhältniß von 5 resp. 10% für die 1. resp. 2. Klasse verlangt.

Ein fernerer Antrag Kircher (Ctr.) bezweckt die Wahl­bestimmungen der Vorlage nur für den Regierungsbezirk Wiesbaden gelten zu lassen, dagegen für den Regierungs­bezirk Cassel das gleiche Wahlrecht sestzuhalten unter näheren Bestimmungen über die Zusammensetzung des Stadt- verordneten-Kollegiums.

Abg. Kircher (Ctr.) befürwortet den letzteren Antrag. Von seinen Wählern sei ihm die Aufrechterhaltung des gleichen Wahlrechts streng zur Pflicht gemacht und man habe von ihm verlangt, lieber gegen die ganze Vorlage zu stimmen, als auf das gleiche Wahlrecht zu verzichten. Man schaffe schon mit solchen Vorschlägen große Unzufriedenheit in, der Hessischen Bevölkerung und die Herren in Preußen scheinen zu glauben, bei ihnen gilt dies elende Wahlrecht, darum möchten es auch die Hessen bekommen. (Heiterkeit.)

Stilles Wirken, leises Walten

Sprengt mit Macht die enge Gruft, Heimlich schweben durch die Luft Flücht'ge zarte Lichtgestalten. Und wo sie vorüber zieh'n, Knospt und sprießt's an allen Enden, Denn sie streu'n mit vollen Händen Blüthen auf die Erde hin.

Streut auch eure Blüthen aus In die Herzen der Bedrückten, Streut sie nicht nur den Beglückten. Streut sie auf der Sorge Haus, Glättet alle Kummerfalten, Laßt den Lenz die Herzen grüßen, Die sich sehnend ihm erschließen, Süße, holde Lenzgestalten.

Ziehst du auch in meine Brust, Frühling, den ich oft ersehnte, Und für immer ferne wähnte? Nahst du, holde Frühlingslust? Lasse nicht dem Kleid der Erde Auch die Seele sich verjüngen, Daß sie auch der Freude Schwingen Wieder leicht und glücklich werde.

Ich war höchst befriedigt, als ich dieses Blatt nach Hause trug und mir die Strophen noch einmal leise vorsagte und daß es unterwegs sehr intensiv nach frischgedüngten Feldern roch und mich plötzlich einmal der finstre Orkus eines Ka-

Die Keutiae Nuinnie^ irnisaLt auLeD dein UnterKaltAnaödlajt 18 Seiten.

nalisationsgrabens verschlang, das waren eigentlich doch viel zu nebensächliche Ereignisse, als daß sie meine seligen Früh­lingsgefühle hätten beeinträchtigen können. Zwar habe ich mir schon wiederholt vorgenommen, keine Frühlingsgedichte mehr zu fabriziren, der schlechten Erfahrungen wegen, die ich mit denselben gemacht habe, aber was kann ich schließlich dazu, wenn die krumme Kinzig so seltsam rauscht und mir die Strophen förmlich ins Ohr flüstert. Ich schmeichle mir sogar, daß ich damit die Stimmung so manchen thränen-