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Hanauer Anzeiger.

»»...-«.,«»,-!-: Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau. Jnsertionspreis:

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Nr. 75. fliWMBBgSi

Dienstag den 30. März

1897.

LanöKvsis ^attaxt.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes. Laudwirthschastlichcr Krcisvercin Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 3. April, nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau.

Tagesordnung:

1) Geschäftliche Mittheilungen.

2) Anschluß des Kreisoereins an die Landwirthschafts- kammer, Abänderung der Statuten und Rechnungs­ablage.

3) Errichtung eines Getreidesilos in Hanau.

4) Die Haftpflicht des Landwirths.

5) Beschaffung neuer Sorten Kartoffeln durch den Verein.

6) Ergänzung des Vortrags des Herrn Dr. Hesse über Auswahl des Düngers. Referent Herr Domänenpachter E. Dröge-Gronauerhof.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekannrmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Hanau am 25. März 1897.

Der Königliche Landrath

v. Schenck.

Kimstuailirillitm aus dem Steife.

Zugelaufen: Ein rothgelber Pinscherhund m. Geschl.; Empfangnahme beim Wasenmeister Wilhelm Müller lr zu Wachenbuchen. Ein schwarzer Pinscherhund mit weißen Vor­derpfoten, m. Geschl.; Empfangnahme beim Feldschütz Berg­mann zu Großkrotzenburg.

Gefunden: Ein gelber viereckiger Manschettenknopf. Ein Gebund kleine Schlüssel. Ein Cigarrenetui mit Cigarren. Ein rother Damengünel mit weißer Schnalle. Ein Taschen­messer.

Hanau am 30. März 1897.

Städtisches Wasserwerk.

Vom 1. April d. Js. an findet die An- und Abmeldung von Wafferentnahme, Wassergeld-Veranlagung und Rekla­mation gegen dieselbe im Büreau des stäotischen Gas- und Wasserwerks während der Dienststunden vormittags von 8—12^2 und nachmittags von 3—6 Uhr statt.

Die Kasse des Wasserwerks, sowie das technische Büreau für Installationen und Hausanschlüsse befindet sich ebenfalls wie bisher im städtischen Gaswerk.

Hanan am 25. März 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 4453

Kleines Feuilleton.

Aus Kunst und Leben.

Verbessertes Tuberkulin! Eine hochwissenschaftliche Veröffentlichung des Prosessor Dr. Robert Koch wird gestern, Montag, in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" publizirt. Wie erinnerlich, hatte das von Professor Koch vor einigen Jahren gefundene Heilmittel gegen die Tuberkulose nicht die Erwartungen erfüllt, die man anfänglich daran ge­knüpft hatte. Der allgemeinen Begeisterung, mit der die Ent­deckung ausgenommen war, folgte alsbald die Enttäuschung. Seitdem hat Professor Koch unablässig an der Verbesserung seines Tuberkulins gearbeitet — und der Erfolg scheint seine Bemühungen gekrönt zu haben. — Die Veröffentlichung über die neuen Tuberkulin-Präparate besagt; Nach jahrelangen Untersuchungen gelang es Professor Koch, zwei Präparate herzustellen, Tuberkulin 0 und R, wovon letzteres ganz ent­schieden gegen Tuberkulinbazillen immunisirend wirkt. Bei tuberkulösen Meerschweinchen, welche mit dem neuen Tuber­kulin behandelt wurden, konnten regressive Veränderungen an den bei Beginn der Behandlung erkrankten Organen nachge­wiesen werden. Bei lungenschwindsüchtigen Menschen im An­sangsstadium der Krankheit und bei Lupuskrankheiten wurde ausnahmslos eine bedeutende Besserung durch die Behandlung erreicht. Nach gewöhnlichen Begriffen könnten nicht wenige Fälle als geheilt bezeichnet werden; aber Koch hält es für verfrüht, den Ausdruck , Heilung" zu gebrauchen, bevor nicht ein hinreichend längerer Zeitraum rückfallslos verstrichen sei. Irgendwelche beängstigende Nebenerscheinungen durch das Mittel seien keinesfalls hervorgebracht. Das neue Präparat wird unter die Haut eingespritzt, anfänglich in kleineren Mengen, allmählig wird die Dosis gesteigert. Das Mittel

Der Dank des Kaisers.

Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht an der Spitze des Blattes folgenden kaiserlichen Erlaß:

Die hunderljâhrige Wiederkehr des Geburtstages Meines bochseligen Herrn Großvaters weiland Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm des Großen ist von allen deut­schen Patrioten ohne Unterschied des Bekenntnisses, der Par­teistellung und des Berufes in Nord und Süd, Ost und West des großen Vaterlandes, und überall, wo Deutsche wei­len, mit einer Begeisterung gefeiert worden, die von der tief­empfundenen Dankbarkeit und herzlichen Verehrung für den hohen Herrn ein glänzendes Zeugniß abgelegt hat. Ich preise Mich glücklich, diese Festtage inmitten erlauchter deutscher Fürsten und Vertreter von befreundeten europäischen Fürsten­häusern angesichts des von dem deutschen Volke errichteten Standbildes des Verewigten erlebt zu haben und Zeuge der herzerhebenden Kundgebungen in der Reichshauptstadt gewesen zu sein. Die überaus zahlreichen schriftlichen und telegra­phischen Begrüßungen, die zum Theil in poetischer Form Mir zuge rangen sind, haben Mich mit inniger Befriedigung ersehen lassen, daß bei den mannichfachen festlichen Veranstal­tungen, welche die Bewohner von Stadt und Land, die staat­lichen und communalen Behörden, die Krieger-, Schützen-, Gesang-, Turn- nnd sonstigen Vereine, besonders auch die deutschen Vereine im Auslande, in diesen Tagen zusammen- geführt haben, auch Meiner in treuer Liebe gedacht worden ist. Durch diese Beweise vertrauensvoller Zuneigung bin Ich hoch beglückt worden, und ist es Mir Bedürfniß, Allen, welche zur Verherrlichung dieses nationalen Festtages beige­tragen haben, Meinen wärmsten Dank hiermit auszusprechen. Mein besonderer Dank gebührt Denen, welche das Andenken des großen Kaisers durch die Errichtung von Standbildern oder hochherzigen Stiftungen an seinem Geburtstage verherr­licht haben. Die schönste Ehrung des Entschlafenen, wie sie seinem schlichten und demuthvollen Sinne am meisten ent­spricht, erblicke Ich aber in dem gemeinsamen Gelöbniß, alle Zeit mit unverbrüchlicher Pflichttreue seinem erhabenen Vor­bilde nachzueifern, seine heiligen Vermächtnisse zu bewahren und die volle Kraft für die Größe und das Wohl des durch ihn neu geeinten deutschen Vaterlandes einzusetzen. Auch Meine Kräfte gehören dem Vaterlande, und hoffe Ich zu Gott, daß er auch Mir und Meiner Regierung seine Gnaden zu Theil werden lassen und das deutsche Volk auf fried­lichen Bahnen zu einer gesunden Weiterentwicke­lung führen wird. Ich ersuche Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

Berlin, 26. März 1897.

Wilhelm I. R.

An den Reichskanzler.

wird von den Höchster Farbwerken hergestellt und in den Handel gebracht.

Die Errichtung eines Lepraheims. Das Lepra- heim, das die preußische Regierung in der Nähe des Kurischen Haffs zu errichten beabsichtigt, sollte, einem Vorschläge des Professors Robert Koch zufolge, an der Südostspitze von Memel erbaut werden; da aber die Stadt Memel befürchtete, das Lepraheim würde die Badegäste vertreiben, die alle Sommer nach Memel kommen, und die Stadt sich daher an den Kultusminister gewandt hat, mit der Bitte, das Heim an einem anderen Orte errichten zu lassen, beabsichtigt man, das Heim an dem erstgeplanten Orte, nämlich in der Nähe von Prökuls unterzubringen. Und zwar wird man wahrscheinlich einen Ort zwischen dem in das Kurische Haff sich ergießenden Flüßchen, die Minge, und zwischen Prökuls auswählen. Bedingung für die Anlage des Heimes ist natürlich, daß das Terrain len Kranken Gelegenheit zu landwirthschaftlicher Be­schäftigung gibt. Während das von Professor Koch ausge­suchte Terrain sich in fiskalischem Besitze befindet und daher für den Zweck kostenlos zu haben gewesen wäre, wird das jetzt ins Auge gefaßte Terrain, das im Privatbesitz ist, au­gekauft werden müssen.

„Mahlzeit". Dr. Sigl veröffentlicht in der letzten Nummer des Vaterland solgende Betrachtung: Es ist um das Grüßen eine schöne Sache. „Guten Morgen" liebe Mutter, „Guten Abend" lieber Vater, „Guten Tag" selbst dir Fremd­ling, „Adieu" lieber Freund, „Behüt' dich Gott" Schweizerbua, „Grüß Gott" treue Schwabenstele, „Helf' Gott" dir Arbeits mann, „Gute Nacht" du mein herziges Kind, wie lieblich und versöhnend klingt das doch in die große Familie der Menschen hinein! Um so mehr ist es zu beklagen, daß in neuerer Zeit ein Gruß überhand genommen hat, der eben so nichtssagend und geistlos, als trivial ist. Dieser neue Gruß stammt wie natürlich aus dem Norden, ist äußerst „schneidig"

Zum Geburtstage des Reichskanzlers.

31. März.

Am 31. März vollendet der dritte deutsche Reichskanzler, Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, sein 78. Lebensjahr. Seit dem 28. Oktober 1894 waltet er seines arbeitsreichen und verantwortungsvollen Amtes an der Spitze der preußischen und der Reichsgeschäfte; in einem Alter, das nur wenigen Menschen zu erreichen vergönnt ist, wurde er von seinem kaiserlichen Herrn dazu berufen. Pflichttreue und Opfer­freudigkeit waren es ausschließlich, die ihn dem kaiserlichen Rufe folgen ließen.

Wer auf das für das Vaterland so segensreiche Leben des Fürsten Hohenlohe zurückblickt, muß anerkennen, daß der Kaiser in seinem Großoheim den rechten Mann an die rechte Stelle gesetzt hat, und am morgigen Tage wird allseitig der Wunsch gehegt, daß es diesem vielerfahrenen und erfolgreichen Staatsmanne noch lange beschieden sein möge, mit seiner ruhig abwägenden und doch festen Hand das Staatsschiff durch die vielen Klippen zu steuern, die in sein Fahrwasser hineinragen.

Daß diese Hand fest und energisch zuzugreifen vermag, davon hat die Welt wiederholt redende Beispiele gesehen. Der Dreibund steht fester als je; in einer Reihe wichtiger Fragen, in Armenien, in Ostasien, in Egypten und neuer­dings Griechenland gegenüber ist Deutschlands Entscheidung maßgebend gewesen. Die hervorragenden Eigenschaften des Fürsten Hohenlohe rechtfertigen in hohem Maße das Ver­trauen, das man der Politik unseres leitenden Staatsmannes überall entgegenbringt. Selbst in solchen Zeiten, wie die Gegenwart, wo sich schwere Wolken über dem Orient zu­sammengeballt haben, bethätigt sich dieses Vertrauen in der allseitigen festen Zuversicht auf die Erhaltung des Friedens. In der ganzen Welt zweifelt niemand mehr, daß Deutschland der Träger und Förderer eines dauernden ehrenvollen euro­päischen Friedens ist.

Nicht minder zeigt sich in der inneren Politik des Reiches und Preußens die glückliche und versöhnende Hand des Fürsten Hohenlohe. Als er seine jetzigen hohen Aemter übernahm, waren die politischen und wirthschaftlichen Gegensätze der Parteien scharf zugespitzt. Wenn diese Gegensätze, entsprechend den Voraussetzungen ihres Ursprungs auch heute noch be­stehen, so haben sie doch dank der geschickten diplomatischen Kunst des Fürsten Hohenlohe einen großen Theil ihrer Schärfe verloren. Der konfessionelle Hader ist wesentlich ge­mildert; die unausgesetzten Bemühungen zur Hebung der landwirthschaftlichen Nothlage, zur Förderung des Handels, der Industrie und des gewerblichen Mittelstandes sind nicht erfolglos gewesen.

Daß die Verdienste unseres Reichskanzlers in den weitesten Kreisen unseres Volkes dankbar anerkannt werden, daß es dem Fürsten Hohenlohe nicht vergessen ist, wie er in schweren Zeiten das Reichspanier ergriffen hat, das hat die rege Theil-

und will alle anderen Grüße verdrängen. „Guten Morgen, guten Abend, gute Nacht!" — wie philisterhaft langweilig sich das spricht! Der fortgeschrittene Student, der intelligente Kommis, der gebildete Skatbruder — Jeder, der etwas auf Anstand und neuesten Kurs hält, hat das überflüssige und das bigottische „Adieu" „Grüß Gott" in die Rumpelkammer geworfen und dafür das pyramidal inhaltreiche „Mahlzeit" gewählt. Beim Kommen und Gehen, beim Scheiden und Wtederkehren, am Morgen und am Abend die „jottoolle" Erfindung: „Mahlzeit!". Der Inhalt des Grußes ist das umschriebene: „Was der Mensch ißt, das ist er!" Soll man denn stets an das Essen und Trinken erinnern und erinnert werden?! Hat man sich sonst nichts Schöneres und Besseres zu wünschen? Warum die durch Jahrtausende geheiligte, von unseren Eltern und Hieltet n gebrauchte, so herrliche, theil­weise sogar ideale Form der früheren Grüße durch einen fast gierigen Neuling verdrängen lassen?! Wenn eine Kuh im Stall ihre „Kollegin" begrüßen könnte, so würde sie es zweifellos mit dem Gruße „Mahlzeit" thun. Wem das zu­sagt, nun dann „Mahlzeit!"

Zärtliche Liebe. Eine sehr zarte Behandlung seitens ihrer Gatten haben sich, wie es scheint, die Ehefrauen auf den Mokukken oder Gewürzinseln zu erfreuen. Der Priester, der ein malayisches Brautpaar zusammen gegeben hat, ertheilt dem jungen Ehemann stets noch folgende eindringliche Lehre: Du sollst Dein Weib weder mit der Lanze, noch mit dem Messer verwunden, gehorcht es Dir aber nicht, so führe es in ein Rimmer und züchtige es mit einem Schnupftuche".

Gebanken-Spähne. Man kann ein recht gemüth­licher Mensch und doch noch lange kein Mensch von Gemüth fein. — Es gibt Eltern, die stolz darauf sind, in den Kin­dern ihre eigenen Fehler wiederzufinden.