Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Danauer Anzeiger.

«,»»-m°».spr-»: Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau. . . J»s°-'i-°sp»is:

Jährlich 9 M., halbjährlich 4 M. 50 Pfg., Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum

Vierteljährlich 2 M. 2d Pfg.Für auswärtige MschttNt tagllck Sllßtr SSM- UUd FtsttagS. 10 Pfg., die l^fp. Zeile 15 Pfg., die 2fp.

Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Zeile 20 Pfg., die Bfp. Zeile 30 Pfg., die 4jp.

Die einzelne Nummer 10 Pfg. Als Gratisbeilage täglich erscheinendes Unterhaltungsblatt. Zeile 40 Pf., im Reklamentheil die Zeile 20 Pfg

Nr. 72

Freitag den 26. März

1897.

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 24

Wegen der Sielbauten am F sunerieweg ist derselbe für den Fuhrverkehr von heute ab auf die Dauer von

4 Wochen gesperrt. Zur Bestellung der Felder dient Zufuhr vom Teichweg und der Bruchköbeler Landstraße. Hanau am 26. März 1897.

ca. die

P. 2888

Königliche Polizeidirektion, v. Schenck.

Madt&rete ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Holzversteigerung.

Samstag den 27. März, nachmittags 3^2 Uhr, sollen am Viehtriebweg nach dem Lehrhof eine Partie Tan- nenreisig, Prügelholz, Werkholzstämme rc. öffent­

lich meistbietend versteigert werden. Zusammenkunft am Friedhof. Hanau am 25. März 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. G ebeschus.

4454

Städtisches 5

asserwerk.

Vom 1. April d. Js. an findet die An- und Abmeldung von Wasserentnahme, Wassergeld-Veranlagung und Rekla­mation gegen dieselbe im Büreau des städtischen Gas- und Wasserwerks während der Dienststunden vormittags von 812^2 und nachmittags von 36 Uhr statt.

Die Kasse des Wasserwerks, sowie das technische Büreau für Installationen und Hausanschlüsse befindet sich ebenfalls wie bisher im städtischen Gaswerk.

Hanau am 25. März 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 4453

Bekanntmachung.

Infolge Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche unter dem Viehbestände eines hiesigen Oekonomen ist das Beschicken der hiesigen Wochenmärkte mit Absatzferkeln und Läuferschweinen aus veterinärpolizeilichen Gründen verboten worden.

Hanau am 26. März 1897.

Städtische Polizeiverwaltnng.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 4456

Kleines Feuilleton.

Konzert des Weins schen Gesangvereins.

Eine zahlreiche Zuhörerschaft hatte das gestern Abend in derCentralhall-!" stattgefundene II. Abonnementskonzert des Weins'schen Gesangvereins vngezogen, welche sich den einzelnen Darbietungen in jeder Weise dankbar zeigte.

In seinem Verlauf bot das Konzert verschiedene Chor­nummern, welche unter der vortrefflichen Leitung des Herrn Adolf Müller den besten Eindruck machten. Der Vortrag der Chöre bewies von neuem, welche schöne und Kohe Ziele ein beharrlicher Fleiß, verbunden mit Ernst und Energie zu erreichen vermögen. Die vsrständnißvolle Wiedergabe und die feine Abtönung der Chöre im allgemeinen gewährten wirkliche Befriedigung. Den nachhaltigsten Eindruck nach ihrem musikalischen Werth wachte zweifellos die Meier-Olbersleben- sche Komposition;Johannisnacht am Rhein". Die übrigen Chöre, auch die Volkslieder:Der Schweizer" von Silcher unds'Herz" von Silcher, verfehlten ihre Wirkung nicht. In dem letzten auf dem Programm vorgesehenen Chore: Trinklied" mit Bariton-Solo und Klavierbegleitung von Schubert sang Herr Adam Heilmann, Mitglied des Ver­eins, den Solo mit bestem Gelingen.

Den solistischen Theil vertraten die Herren Frederic Lamond (Klavier) und Fritz Bickel (Tenor). Ersterer betheiligte sich an dem Konzert mit glänzendem Erfolge durch die in künst­lerischer Vollendung zum Vortrag gebrachten Klaviersoli: Liebestraum" von Liszt,Militär - Marsch" von Schubert- Tausig,Nocturne C-moll von Chopin undTarantelle" aus: Venezia a Napoli von Liszt. Die tiefe Innigkeit und Wärme des Vortrags, die virtuose Ausführung der einzelnen Vorträge, die bewundernswerthe Technik riefen eine begeisterte Stimmung in den Kreisen der Zuhörer hervor, welche in reichen Beifallsspenden Ausdruck sand. Herr Lamond spielte als ZugabeBerceuse von Chopin.

Ein Rückblick auf die Hundertjahrfeier.

Die Helden der Geschichte stellen sich in den besten Theil der nationalen Eigenschaften ihres Volkes dar. Indem ein Volk seine großen Männer ehrt, ehrt es sich selber. So ist es auch in den festlichen Tagen, die nunmehr verrauscht sind, in den Tagen der Hundertjahrfeier zu Ehren Kaiser Wil­helms des Großen geschehen. Alles, was dem deutschen Nationalcharakter Schmuck und Glanz verleiht, die edelsten Tugenden unserer Volksseele, der unbestechliche Wahrheitssinn und die schlichte Einfalt, die glühende Vaterlandsliebe wie der ritterliche Muth, die nimmer wankende Treue wie die gottergebene Frömmigkeit, dies alles ist in Kaiser Wilhelm I. verkörpert gewesen. Die Fülle der Huldigungen, die seinem Andenken in diesen Tagen dargebracht worden sind, schließt zugleich das Gelübde von Millionen in sich, festzuhalten an den besten Ueberlieferungen unserer Geschichte, sestzuhalten an dem, was unsere Väter groß gemacht hat und die Stärke unsers Volksthums innerlich bedingt. Das ist vielleicht die erhebendste Einsicht, die ein Rückblick auf die Stunden der verklungenen Festesfreude uns zu gewähren vermag.

Aber noch mehr haben diese Stunden gelehrt. Wie der Gang unserer Geschichte monarchisch durch und durch, so ist auch unser Volk in seiner überwältigenden Mehrheit noch immer ein königstreues Volk. Die Stimmungen, die in der offiziellen Parteiagitation und Parteipresse der Sozialdemo­kratie zu Tage treten, sind nicht maßgebend für die Gefühle, welche die Massen in der Tiefe bewegen. Es ist viel ober­flächliches, eitles Schaumscklaaen, virl aufgebauschtes Wesen, viel künstliche Mache bei dem lauten Gebühren der Revolu­tionspartei. Liest oder hört man nur die Deklamationen der Führer, so empfängt man wähl den Eindruck, als sei der deutsche Arbeiterstand nun schon ganz und gar mit klingen­dem Spiel und fliegenden Fahnen in das antimonarchische Heerlager übergezangen. Wer aber in diesen Ta^en Augen und Ohr für volksthümliches Empfinden offen hielt, der wird sich von dem Gegentheil haben überzeugen können. Das Schauspiel vom verflossenen Jahre, aus den Tagen der Er- innerungsfeier an die glorreiche Kampfes- und Siegeszeit von 1870/71, hat sich wiederholt. Wie damals, so gibt es auch jetzt wieder viel über Unbotmäßigkeit derGenossen" zu klagen. Schon Wochen vorher gerieth die feste Parteidiszip­lin ins Wanken. Sozialdemokratische Stadtväter thaten das Unerhörte und stimmten für Bewilligung der Gelder zur Ausschmückung ihres Städtleins.

Dann kamen die Festestage selber. So mancher, der seiner Zeit unter den Einflüsterungen berufsmäßiger Agita­toren oder dem Drucke der Genossen, nicht selten auch in momentaner Verstimmung an der Wahlurne einen sozial­

Auch die Tenorsoli des Herrn Bickel sanden seitens des Publikums dankbare Aufnahme. Es stellen die beachtens werthen gesanglichst: Darbietungen Henn Bickel, dessen Stimmorgan noch jugendlich und in der Ausbildung begriffen zu sein scheint, ein gutes Prognostikon für die Zukunft. Nur konnte uns die zuweilen etwas undeutliche Lokalisation nicht besonders zusagen.

Die Klavierbegleitung hatte Frau Balzer-Landmann übernommen und entledigte sich ihrer Aufgabe in dezenter Weise.

Aus Kunst und Leben.

* Römische Funde. Das Februar- und Mârzheft vom Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeitschrift berichtet über römische Funde in und bei Mainz. Auf einer Grab­inschrift, die bei der Kasteler Kanalisation in der Frühling­straße zu Tage kam, wird u. A. ein Soldat der 22. Legion und Benefiziarius (Bureaubeamter) eines Tribunen genannt. Ein Altarbruchstück, das bei dem Neubau eines Hauses in der Schusterstraße gefunden wurde, enthält die Weihinschrift eines Aelius Lucianus an die Dea Fortuna. Legionsstempel kamen an verschiedenen Stellen der Stadt Mainz zum Vor­schein, so in der Deutschhausgasse ein Backstein, mit dem zwei Mal eingestcmpelten Namen der vierzehnten Legion, die von 14 bis 43 und von 70 bis 90 nach Chr. in Mainz stationirt war. Am Linsenberge hat der Alterthumsverein in dem Garten des Herrn Schnorrenberger die Fundamente eines großen römischen Hauses zum Theil aufgedeckt und bei dieser Gelegenheit Ziegelstücke mit Stempeln der achten Le gion, die nicht in Mainz, sondern seit dem Jahre 70 n. Chr. in Straßburg lag, ferner Stempel der vierzehnten und der zweiundzwanzigsten Legion gefunden. Andere Grabungen des Vereins am Gauthor haben gleichfalls Stempel der vierzehnten und zweiundzwanzigsten und außerdem der vierten Legion er­geben, und Stempel derselben Legionen, auf Backsteinen und Ziegeln, hat man im Innern der Stadt in der Klarastraße aufgesunden. Dazu kommen zahlreiche Funde von Töpfer­

demokratischen Zettel abgegeben hatte, hat heute die Werk­tagsblouse mit dem Feiertogsgewande vertauscht, war einge­treten in die Reihen der Kameraden und hat sich wieder ein­mal eins gefühlt mit dem patriotischen und monarchischen Kern seines Volkes. Wer an den hinter uns liegenden Ge­denktagen in den Straßen der Reichshauptstadt die festlich geschmückte Menge in stiller Sammlung auf- und niederwallen sah, wer das Bild einer der vieltausendköpfigen Versamm­lungen auf sich wirken ließ, wer den Kerzenglanz beobachtete, der die fernsten Arbeiterviertel erhellte, der mußte sich sagen: das ist keine leere Neugierde, keine erzwungene Theilnahme, kein bloßes Mitthunwollen, das ist elementares Fühlen und Empfinden, das den Tiefen dankbar begeisterter Herzen ent­stammt. Eine Zuversicht läßt sich aus diesen Beobachtungen schöpfen. Allen Versuchen, die Stellung der beiden Faktoren unsers öffentlichen Lebens, des monarchischen und des parla­mentarischen, zu Gunsten des letztern zu verschieben, wird sich der feste Damm monarchischer Gesinnung entgegenbauen. Es hieße ja auch den Gang unserer Geschichte umkehren, wollte es anders sein. Der altbewährte Grundsatz, daß ein Staat nur durch das erhalten wird, was ihn groß gemacht hat, läßt sich nicht ungestraft mißachten.

Nicht minder erfreulich endlich vermag noch eine andere Seite der Betrachtung zu wirken. Es hat in der kurzen Zeit der glorreich erkämpften Reichseinheit nicht an gelegent­lichen Verdunklungen des Reichsgedankens gefehlt. Die ver­flossenen Feierstunden aber waren Stunden, da der Reichs­gedanke allenthalben, im Rathe der Fürsten wie in den Massen des Volkes, hell und klar vor ganz Europa geleuchtet hat. Kaiser Wilhelm I. und die Reichseinheit gehören un­zertrennlich zusammen. Die huldigende Anerkennung, die dem Baumeister gezollt wurde, galt zugleich seinem Werke. Vom Rheinstrom bis zum Memelstrande, von den Marschen der Eider bis zum Alpensaum, kurz in allen deutschen Gauen hat während der Erinnerungsfeier das Bekenntniß der Reichs­treue einmüthigen Ausdruck gefunden.

So dürfen wir mit reiner, ungetrübter Freude auf die Hundertjahrfeier zurückblicken. Möge die gemeinsame Erinne­rung an den unvergeßlichen Heldenkaiser in allen Deutschen ein einheitliches Wollen entzünden und den gemeinsamen Ent­schluß festigen, im Sinne des großen Vorbildes allezeit kampfbereit einzustehen für die Güter unsers nationalen Lebens, für Religion und Sitte, für Vaterland und Monar­chie. Dann wird die Märzfeier des Jahres 1897 zum dauernden Marksteine unserer innern Geschichte werden. Das walte Gott!

stempeln aus Sigillatascherben, die in das Mainzer Museum verbracht worden sind.

* Karl Hansen t» In Altona ist vorgestern der Hypnotiseur' Karl Hansen gestorben, dessen Name vor anderthalben Jahrzehnten auf aller Lippen schwebte. Hansen, ein Däne von Geburt, durchzog die deutschen Städte und gab allenthalben hypnotische Schaustellungen, die in ihrer Neuheit und Eigenartigkeit gewaltiges Aussehen erregten. Die wissenschaftliche Welt konnte an diesen wunderbaren Dingen nicht vorübersehen. Die Lehre vom thierischen Magnetismus war seit einem Jahrhundert zu wiederholten Malen von Ennemoser, Braid u. a. für die wissenschaftlichen Kreise an­geregt worden, aber immer ohne Erfolg. Tie Wissenschaft stand ihr kühl bis ans Herz hinan gegenüber, ja sie lächelte spöttisch über derartige Behauptungen, die sie nicht der Mühe für werth hielt zu prüfen. Indessen in Breslau machten Hansells Vorstellungen auf die ärztlichen Kreise, denen er sie mit nicht genug anzuerkennender Freimüthigkeit vorführte, doch einen ganz imponirenden Eindruck. Kein Geringerer als der namhafte Physiologe Heidenhain machte sich daran, der Ursache der Erscheinungen nachzuforschen; gleichzeitig be­gann der Nervenarzt Berger das Studium des Hypnotismus. Die Gelehrten mußten die Kunststückchen des Hypnotiseurs als thatsächlich anerkennen. Seitdem ist die Mär, daß der Hypnotismus Schwindel sei, auch in der kritischen wissen­schaftlichen Welt geschwunden, und die Hypnose ist Gegen­stand ernster Forschung geworden, welche zahlreiche Auf­klärung auf dem Gebiete der Psychologie gebracht, aber noch lange nicht zum vollen Abschluß gelangt. Die Hypnose hat sich als das werthvollste Mittel zum Studium des geistigen Wesens erwiesen. Auch zu Heilzwecken wird sie mannigfach ausgenutzt. Die medizinische Wissenschaft wird deshalb dank­bar den Namen Hansen in ihren Annalen verzeichnen, der als Laie die Anregung zu diesem neuen fruchtbaren Forschungs­gebiet gegeben hat.