Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Hanauer Anzeiger.

Abonnementspreis:

ihrlich 9 M., halbjährlich 4 M. 50 Pfg., eNeljährlich 2 M. 25 Pfg. Für auswärtige sonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer 10 Pfg.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Erscheint laglich anßer jBm» und Festtags.

Als GratisbeiLage täglich erscheinendes Nnterhaltungsblatt.

t Nr. 71.

i^m^^

Jnsertionspreis:

Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfg., die 1'/,sp. Zeile 15 Pfg., die 2sp. Zeile 20 Pfg., die Zsp. Zeile 30 Pfg., die 4sp. Zeile 40 Pf., im Reklamentheil die Zeile 20 Pfg

1897.

Donnerstag den 25. März

Amtliches.

Ungültigkeits-Erklärung.

Der a«! «wu»» v« Franziska Bild Häuser aus )anau unterm 29. Januar d. J. ertheilte Wandergewerbe- chein Nr. 4636 für das Jahr 1897 zum Handel mit Kurz- md Kramwaaren, welcher angeblich verloren ist, wird hier- >urch mit dem Bemerken ungültig erklärt, daß der rc. Bild- jäuser ein Ersatz-Wandergewerbeschein ertheilt worden ist

Cassel den 4. März 1897.

Königliche Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten A.

I. V.:

v. Below.

4395

^attö&reie ^anau.

BelanntMachungen des Königlichen Landrachsamtes.

Den Herren Bürgermeistern zur Nachricht, daß durch Ver­fügung der Königlichen Regierung zu Cassel vom 8. d. Mts. C. K. 171 der Artikel 26, dritter Absatz, der Anweisung, betreffend die örtliche Erhebung'der direkten Staatssteuern und Renten vom 30. Januar 1895, hinsichtlich der aufzu stellenden Rückstandsverzeichnisse der am Jahresschluß ver­bleibenden Einnahme-Reste an Einkommen- und Ergänzungs- steuern folgende Fassung erhalten hat:

Diese Rückstandsverzeichnisse sind in dreifacher Ausfertigung möglichst bis zum 20. April j. Zs. der Kreiskasse einzureichen."

Die im Besitz der Gemeindeverwaltungen befindlichen Exemplare der bezeichneten Anweisung sind dementsprechend zu berichtigen und die Rückstands-Verzeichnisse pro 1896/97 bereits dreifach anfzustellen und einzureichen.

Hanau am 20. März 1897.

Der Königliche Landrath

A. 942 v. Schenck.

^taöt&r eie K «xnmx. BelsMitmachMgen des Oberbürgermeisteramtes. Oeffentliche Sitzung des Gemeinde-Ausschusses Freitag den 26. März ©r., nachmittags 5 Uhr. Berathungs-Gegen stände:

1. Verwilligung von 1000 Mk. für Bohrversuche wegen 3 neuer Brunnen.

2. Verlängerung des Pachtvertrags mit Wwe. Reffe! vom L/4.1./10. 1897.

3. Fertigstellung der Ramsaystraße betr.

4. Freilegung des Kohlenplatzes am Johs.-Kirchplatz.

Kleines Feuilleton.

Aus der Irrfahrt.

Ein Beitrag zur Grüudunasgeschichte üon Neu-Hanau. Von Dr. O. Ankel.

(Schluß.)

Am 27. Februar übergaben die Fremden eine von Laèko verfaßteAntwort auf des herrlichen Raths der Etat Franko­fort Vermanung durch die Diener und Eltisten der Fremd­lingen Kirchen daselbst gegeben." Sie rühmen den Fleiß, die Mühe und Sorg, welche der Rath um Erhaltung des gemeinen Friedens gezeigt, verwundern sich aber der Predi- kanten, der Hirten, welche sagen, es sei aus der kirchischen Sitten Ungleichheit große Fehrlichkeit zu fürchten. In der Stadt selbst könne solche Furcht nur gegen das Volk gerichtet sein, aber nachgerade unter dem Volk seien sehr viele ihnen günstige Leut, die wenigen, welche bei ihren Bräuchen pflegten zu sein, die hätten sie zu gutwilligen Freunden. Die Hirten wollten gern aus einer Mücken ein Elephanten machen. Wenn sie sich vor denen fürchten, so draußen seien, so möchten sie nicht selbst ein Geschrei machen. Wollten sie auf die Schwach­heil anderer so viel Rücksicht nehmen, so müßten sie selbst noch die päpstlichen Bräuche wieder annehmen. In der Ver­mahnung sei ausgesprochen: es sei den Fremden hier Her­berg und Kirch zugelassen worden, weil der Rath gemeint, sie würden sowohl in der Lehre als in den Gebräuchen mit den Kirchen zu Frankfurt einig sein, sich auch der Ceremonien halber mit denselben wol vergleichen, darauf hin seien sie ausgenommen worden. Sie, die Fremden, hätten aber nie ein anderes im Mundt, ein anderes im Herzen gehabt. Denn wenn sie solches 11 un wollen, wär ihnen nicht von Nöthen gewesen, in fremden Landen zu wohnen und neue

5. V-âiethung einer Wohnung in der Kanalmühle an den Geschichtsverein bezw. Katasteramt.

6. Rechnung der de Bannos u. Beaux'schen Stiftung pro 1896.

7. Rachverwilligung von 225 Mk. Umsatzsteuer für Haus Sangstraße 41, E.-O. 8 d pro 1896/97.

&. Desgl. von 444,48 Mk., Titel II C pro 1896/97, Er­gänzung und Erhaltung des Mobiliars.

9, Desgl. von je 155,75 Mk. auf Titel II Sp.-Et. E u. F, Knaben- u. Mädchen-Volksschule.

10. Desgl. von je 8,33 Mk. auf Titel I 17 u. 18 Spezial- Etat A pro 1896/97.

11. Wahl von 5 Sachverständigen für Abschätzung von Flurschäden.

12. Nachverwilligung von 148,30 Mk. auf Titel IX B 3, Stadtbibliothek pro 1897/98.

13. Veränderungen der unteren Lokalitäten im Fürstenbau des Stadtschlosses.

14. Verkauf von altem Lagerholz im Keller des Stadtschlosses.

15. Vermietung des I. Obergeschosses im Stadtschloß, Fürsten­bau, an die Handelskammer, Mk. 950, v. 1./7. 97 ab.

16. Mittheilung des Stadtrathes, betr. die Erhebungen der nüchtern zur Schule kommenden Schulkinder.

17. Gründung einer neuen Lehrerstelle an der Knaöenmittel- schule.

18. Vermieihrmg einer Wohnung im Stadtschloß.

AimstiriukMtm aus tfm Kreise.

Dom Wasenmeister am 24. d. Mts. eingefangen: Ein gelber Bernhardiner mit weißer Blesse, m. Geschl.

Gefunden: Ein Paar weiße Herrenhandschuhe. Eine schwarze Spitzenschürze. Eine getragene Herrenweste. Ein Brief, adresfirt anKonrad Gräbener, Hanau". Ein Konto­buch fürKarl Hüge". Ein Krankenschein von der Hanauer Ortskrankenkasse für Johann Zeitz. Ein König's Kursbuch. Ein katholisches Gebetbuch.

Hanau am 25. März 1897.

Die Centenar Feier in Berlin.

(Spezial-B ericht unseres ^-Korrespondenten.)

Berlin, 23. März.

Der dritte Festtag.

Die gestrige Rede des Kaisers, die er bei der Galatafel im Königlichen Schlosse gehalten hat, hat nicht bloß bei seinen fürstlichen Gästen, sondern auch in allen Kreisen der Be­völkerung tiefen Nachhall gefunden und freudigste Zustimmung hervorgerufen. Als ein Ausdruck besonderer Anerkennung für die Gabe der Nation wird es empfunden, daß er sein Glas in erster Linie auf das Wohl des deutschen Vaterlandes und des deutschen Volkes erhob und erst im Nachsatze der Fürsten gedachte.

Behausungen und Kirchen zu suchen. Sie würden, so viel an ihnen läg-, wol mit den andern Kirchen von wegen der Lehre und Bräuche Übereinkommen, wenn nicht nur anders­woher Unlust erweckt würde. Es seien der Fremden Kirchen nicht ohne Rath und Vorwissen etlicher Stadtpredikanten er­langt worden, welche die fremde Lehre und Ungleichheit wohl gekannt .... Die Gesetze der Handwerker seien zu achten, sie wollten ihr Volk deßhalb mahnen und bäten nur, daß man den Ihrigen, die zum Theil arm seien, das Gelangen zum Handwerksrecht erleichtere, daß man sie lasse in Zielen zahlen. .... Es seien in allem ihrer Kirchen nit mehr denn fünf Schuster, acht Schreiner und fünf Schneider, arme Leute durch den erlittenen Schaden aller ihrer Habe im Vaterland. Drei der Schneider seien nur Hosenmacher und machten nur halbe Hosen, nit ganze.

Am 19. März lief eine neue Beschwerdeschrift der Stadt- pfarrer bei dem Rathe ein. Darin war gesagt, die Fremden verbreiteten die Meinung, als sei alles mit ihnen verglichen; man habe aber im Gegentheil in ihren Büchern mehr Stücke gesunden, die mit der öffentlichen Lehre nicht übereinstimmen. Sie lehrten, daß Kindlein, so von gläubigen Eltern geboren, seien auch vor der Tauf Glieder der Kirche und Christi, haben Vergebung der Sünden und würden selig. Sie möch­ten auch kein Kruzifix noch Bildniß leiden, und halten ihr Nachtmahl mit großem Anstoß vieler Leut, die es sehen oder darum hören.Dern es sitzen ihr etlich umb die Tafel her, darauf stehen etliche große Gläser mit Wein und Ofladen Brot, lheylm solches aus noch Ihrer Weise, und die Kom­munikanten ncmens selber in die Hände, essens a!o und trinkens, gleich als wenns eine Zeche wäre." Sie die Pre- diküntcn, seien der Augsburgischen Konfession zugethan und gedächten bei solchem Grund, als bei einer Vesten und Burg zu stehen und zu bleiben und davon nit ein Haar breit zu weichen.Wellten diese Fremden allen endern Irrthum, so

Auch der überaus freundliche Dank des Monarchen an die Leiter des Centenar-Komitees, seine warme Würdigung der festlichen Anstrengungen der Bürgerschaft haben wohl­thuend berührt und nicht wenig dazu beigetragen, den dritten Festtag freudig und harmonisch ausklingen zu lassen. Kein einziger Mißton trübte dauernd den Vollklang der Feierlich­keiten. Selbst die außerordentlichen in diesem Umfang bisher noch nie erlebten Absperrungsmaßregeln während der Ent­hüllung des Nationaldenkmals wurden vergessen, als am heu­tigen Festtage wieder größte Weitherzigkeit und Duldung eintrat.

Ueber die kleineren Veranstaltungen des heutigen Tages, die neben dem imposanten Bürger-Fe st zuge meist voll­ständig in den Hintergrund treten, darf kurz hinweg gegangen werden. An Festkommersen und volksthümlichen Veranstal­tungen der Schulen ist wieder kein Mangel.

Im Königlichen Opern Hause ist heute Abend Theatre pare" angesagt.

Im Cirkus Renz, wo um I Uhr mittags die festliche Bewirthung der Ritter des Eisernen Kreuzes u. s. w. vor sich ging, findet das spannungsvoll erwartete, mit besonderem Aufwande vorbereitete Fest statt, das auch die Kaiserlichen Majestäten mit ihrer Anwesenheit beehren sollen.

In den ersten Abendstunden bildete der Fackelzug der Studenten wieder einen Biennpunkt des allgemeinen In­teresses, freilich einen stark umgitterten, an dem kein unbe­rufener, schaulustiger Mottenjüngling sich die Flügel verbrennen konnte. Ohne die bekannte gelbe Passierkarte gab es keinen Durchlaß. Bald nach 6 Uhr abends begannen sich die Theil­nehmer in dem ihnen zur Verfügung gestellten Kasernenhof des Kaiser All xander-Garde-Grenadier-Regiments am Kupfer­graben zu versammeln. Gegen Vorweisung einer Karte wur­den dort die Fackeln ausgehândigt. In fünf Abtheilungen, denen je eine Militärkapelle vorangeht, ordnet sich der flammen- umsprühte Zug. Jede Hochschule hat an ihrer Spitze eine reitende Gruppe von Ausschußmitgliedern in vollem Wichs mit schimmernden Atlasschärpen und blankgezogenen Schlägern in der stulpenumkleideten Rechten. Die Hochschulöanner wer­den in vierspännigen Wagen gefahren. Die Banner der ein­zelnen Verbindungen ragen aus den zweispännigen Wagen der Chargirten empor. Dahinter marschiren die Verbindungen in geschlossenen Gliedern zu vier Rotten.

Wie ein ungeheurer Feuerdrache wälzt sich im feuchten Dunkel des Märzabends der endlose Zug durch die Linden der Schloßbrücke zu. Die Zahl der Theilnehmer wird von kundigen Thebanern auf etwa 2300 Personen angegeben. Es können aber wohl an die 3000 Mann sein, im letzten Augenblick müssen noch zahlreiche Anmeldungen erfolgt sein.

Der Scheinwerfer aus der Kommandantur läßt seine grellweiße Strahlengarbe gerade auf den Haupt-Obelisken fallen, der im blendenden Schein des elektrischen Lichtes einen

der Augsburgischen Konfession zuwider, abgesagt haben, so wollten sie dieselben für Mitbrüder in dem Evangelia Christi erkennen, wo ihnen aber nit gefällig so zu thun, könnten sie nit sehen, wie Zank und Uneinigkeit in der Kirch möge ver­mieden werden."

In diesen Streit, in dem man vergeblich nach einem des Eiferns und Haderns würdigen Gedanken sucht, griff von Genf her Calvin ein. Er suchte zu vermitteln, schrieb be­reits im Februar 1556 in diesem Sinne an Johann von Glauburg und erschien im Herbste des Jahres persönlich in Frankfurt, hauptsächlich freilich, um Streitigkeiten zwischen den Fremden zu schlichten; aber er vermochte nicht, die Stimmung der lutherischen Prädikanten, mit denen Calvin übrigens in keine nähere Beziehung trat, irgendwie zu bessern.

Nach Anhörung des lutherischen Ministeriums verbot der Rath am 21. Oktober 1556 den Druck der von Johann von Lasko verfaßten Rechtfertigungsschrift, der Purgatio, in der er die calvinische Abendmahlslehre in geistvoller Weise ent­wickelte. In dem Rothsbeschluß hieß es: der Fremden Supplikation habe dahin gelautet, laß sie mit den hiesigen Predigern des Glaubens halber einig seien; das Gegentheil habe sich erwiesen; dazu stimmten sie, die Fremden, nicht unter sich in der Konfession; wenn sie gedächten allhie zu bleiben, so sollten sie in ihren Predigen und Kirchcngebräuchen der Augsburgischen Konfession gemäß, wie dieselbe durch E. Erb. Raths bestellte Predikanten nun soviel Jahr gelehrt, halten und lehren.Denn ohne das wollte und wüßte E. Erb. Rath Ihrer keinen länger allhie zu gedulde n."

Die Vollstreckung tüfeë Beschlusses ward durch verschiedene äußere Umstände ncch um einige Jahre hinausgeschoben. Zwar die Bemühungen des Grafen Georg von Erbech und die des Landgrafen Philipp von Hessen konnten die Herzen