Hanauer Anzeiger.
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Nr. 70.
Mittwoch den 24. März
1897.
^anöaret^ ^anau. Bekanntmachungen des Königlichen Landratksamtes.
Haushalts-Etat öes ^anö&retfe# c^anau pro 1897/98.
Einnahmen: ^. A
'itel I. Ueberschuß aus dem Vorjahr . . 15774 63 w II. Eingegangene oder erborgte Kapitalien — — „ III. Aus nutzbarem Kreisvermögen:
1. von Gebäuden 669 M. — Pf.
2. Zinsen . . 1622 „ 50 ,, 2311 50 „ IV. Gebühren und Abgaben .... 3955 — „ V. Dotationen (§ 110 Kr.-O.) . . . 3653 — w VI. Für Unterhaltung der Landwege . 12865 52 „ VII. Kreisabgaben:
1. Kreissteucrn 52607 M. 35 Pf.
2. Hundesteuern 9900 „ — „
3. Betriebssteuern 3600 ,, — „ 66107 35
tf VIII. Aus gemeinnützigen Einrichtungen und Anstalten....... 400 —
„ IX. Erstattungen von der landwirthschast- lichen Berufsgenossenschaft . . . 3500 —
„ X. Vorschüsse:
I. zu Familienunterstützungen 1800 M.
2. Vs der Kosten für die außerordentliche Armenpflege . 2633 „ 4433 __
Titel
tf
tf
tf
Sa. der Einnahmen 113000 —
Ausgaben:
I. Ueberzahlung aus dem Vorjahr . . — —
II. Angelegte u. zurückgezahlte Kapitalien-- III. Für Unterhaltung der dem Kreise gehörigen Immobilien .... 1150 — IV. Für die Kreisverwaltung .... 12257 66 V. „ „ Jmpsärzte...... 1300 — VI. „ gemeinnützige Zwecke . . . 10950 — VII. „ Unterhaltung der Landwege . 80128 — VIII. „ technische Revision der Maaße
und Gewichte....... 450 —
IX. An die hiesige Stadtkasse für an Einwohner der Stadt Hanau ertheilte Jagdscheine.........1000 —
X. Vorschüsse:
1. an die landwirthschaftl. Berufsgenossenschaft . . . 3000 M.
2. Familienunterstützungen 1800 „ 4300 __
XI. Sonstige Ausgaben zur Verfügung des Kreisausschusses..... 964 34
Sa. der Ausgaben 113000 —
Kleines Feuilleton.
Aus der Irrfahrt.
Ein Beitrag zur Gründungsgeschichte von Neu-Hanau. Von Dr. O. Ankel.
(Fortsetzung.)
Da aber die Benutzung dieses Gotteshauses von morgens sechs bis abends sechs durch drei Gemeinden verschiedener Zunge zu mancherlei Unzuträglichkeiten führte, so versuchten die Fremden im Herbste 1555, noch die Kath«nnenkirche zu erhalten. Die lutherischen Stadtprediger, verstimmt bereits durch den Schutz, den die Reformirten bei einzelnen Patriziern, besonders den beiden Glauburgs und Konrad von Humbracht, fanden; dazu erbittert, weil Pollanus inzwischen das Abend mahl nach calvinischem Brauche gehalten, widersetzten sich dem ganz entschieden. Am 5. September wandten sie sich Be- d schwerde führend an den Rath. In ihrer Eingabe war angegeben: wie man jetzt damit umgehe, den Wälschen auch Gottesdienst in der Kirche zu St. Katharinen zu gestatten; nachdem diese Fremden aus Barmherzigkeit erstlich ausgenommen worden, habe ihnen der Rath gleich eine Kirche einge- 'i j geben, ohne die Predikanten darüber zu besprechen. Nach der Hand hätten sich unter der Bekenntniß ihrer Lehr etliche Punkte gefunden, die wohl einer Deklaration bedurft. Die Predikanten wollten aber Gezänk unter einander vermeiden, hätten die Fremden aus die Augsburger Konfession gewiesen. Diese zwar wolle wohl ihr Oberster annehmen, nicht aber derselbigen Apologie oder Erklärung der Konfession. Sie, die Fremden, hätten sich anfänglich erboten, sich unserer Kirchen Ceremonien gleichförmig zu machen; aber sie seien zurückgefallen. Was Aergerniß aus solchen Neuerungen und ungewohnten Ceremonien würde folgen, wollten sie, die Predikanten,
Abschluß:
Die Einnahmen betragen 113 000 Mark.
„ Ausgaben „ 113 000 „
Vergleicht sich.
Hanau am 20. März 1897.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses
A. 967 v. Schenck.
IimstnaâriMm aus dem Kreist.
Gefunden: Am 13. d. Mts. ein Herrenregenschirm (in einem Manufakturgeschäft stehen geblieben). Eine silberne Herrentaschenuhr mit Goldrand, mit Kapsel nebst Nickelkette. Ein Kinderhandschuh.
Hanau am 24. März 1897.
Nach der Jubelfeier.
Das Fest ist beendet, welches ganz Deutschland dem Andenken des unvergeßlichen Helbenkaisers Wilhelm bereitet hat. Doch die Eindrücke desselben werden aus die Nation noch lange sortwirken, denn erhabener und großartiger in ihrem Verlaus hat sich selten eine vaterländische Feier gestaltet. Zu den erhebendsten Momenten des Festes gehört unstreitig der Trinkspruch, in welchem Kaiser Wilhelm vor den deutschen Fürsten und den Vertretern der europäischen Regentensamilien Zeugniß ablegte, daß der Geist seines großen Ahnherrn fortlebt im Hohenzollernhause und auch in Zukunft vorbildlich sein soll für die kaiserliche Politik.
Auf dem Prunkmahl im königlichen Schloß sprach Kaiser Wilhelm die bedeutungsvollen Motte aus: „Für uns, Ihr hohen Fürsten und Verwandten, soll das Andenken an den verewigten Kaiser ein erneuter Ansporn sein, für unsre Völker zu leben und zu arbeiten, wie er, zum gemeinsamen Ziel der fortschreitenden Kultur und zur Aufrechterhaltung des Friedens!" Weit über Deutschlands Gaue hinaus werden diese Worte mit Begeisterung aufgenRnmen worden sein. In ihm gibt sich die hohe Staatsauffassung wieder, mit der einst Friedrich der Große bahnbrechend gewesen ist für seine Zeit. Die Fürsten Deutschlands geeint in de» Bestreben, der Kultur, der Volkswohlsah't und dem Völkerfrieden ihre Lebensaufgabe ausschließlich zu widmen! — wo solche Gesinnung sich praktisch versucht, da müssen sich von selbst die Bande festigen, welche Fürsten und Volk verketten.
Aber Kaiser Wilhelm hat sich im besondern noch die Armee, da^ deutsche Volk in Waffen, verbindlich gemacht durch die Stifung eines militärischen Erinnerungszeichens an den großen Kaiser. In der That, sinniger hätte die Festfeier ihren Abschluß nicht erhalten können, denn das, was die deutsche Armee zur Zeit ist, verdankt sie ausschließlich dem Heldenkaiser Wilhelm, der ihr von Kindesbeinen angehörte und dessen Herz bis in sein Greisenalter für sie geschlagen hat. Mit Stolz wird der deutsche Soldat das Erinnerungsfür Gott und Jedermann entschuldigt sein; sie baten, ihre Kirchen mit den Fremden unbetrübt zu lassen; dann sollten diese darin ihr Wesen halten, so würde es den Predikanten zu großem Nachtheil gereichen, als ob sie allerdings mit jenen eins seien; das Volk würde die Kirchen meiden. Eine Kirche genüge für die Fremden, diese solle nicht öffentlich am Wege liegen, daß wer vorüberginge Hineinliese.
Darauf verfügte der Rath an demselben Tage, „daß die Engellender noch zur Zeit bei ihrer Kirchen zu den weißen Frauen bleiben, und man von den Predikanten vernehmen solle, in was Punkt sich die Welsche und Engellendische Pre dikanten mit der Augsburgischen Confesston nit vergleichen."
Dieser Aufforderung kamen die Stadtprediger nach und legten am 29. Oktober die Punkte des Zwiespaltes, die Auffassung vom Nachtmahl, dar. „In der "Messe hätten sie von vielen ehrlichen Leuten hören müssen, wie man sich wundre, daß der Rath einen solchen Hauffen fremdes ausländisches Volk von dreierlei unterschiedlichen Landen und Sprachen in eine solche feste Stadt mitten in Deutschland gelegen zu sich neme, und wisse nicht, wo ein jeglicher herkomme, wie er abgeschieden sei, ohne welche Kundschaft man doch schwerlich einen Teutschen aufneme. Diese Leut seien ihrer Landart nach vortheilhasftig, listig, wankelmüthig, sie würden mancherlei Erneuerung anheben, und auch den Kauffhandeln in den Messen nachtheilig sein und mit der Zeit dem Rath und den Nachkommenden eine unerträgliche Last gebären; andere Städt würden sonst nicht den Aufenthalt abgeschlagen haben. Die Fremden ließen auch ihre Irrthümer drucken, sie meinten einen gelegenen Ort dazu gefunden zu haben, den Irrthum von dem H. Nachtmal weit auszubreiten. Der Rath möge in die Druckerei ein Einsehen haben, da solche Bücher unangefochten nit werden bleiben, man darwider schreiben werde".
Auch von seiten der Handwerker, der Schreiner, Schneider und Schuhmacher, liefen Beschwerden gegen die Fremden ein.'
Zeichen fortan tragen, mit Dankbarkeit werden aber alle zu unserm jetzigen Träger der Reichskrone Hinblicken, welcher dem Andenken an seinen königlichen Großvater in der Festfeier einen so würdigen Ausdruck lieh. —r.
Die Reichs-Kokarde.
Die hundertjährige Geburtstagsfeier unsers unvergeßlichen ersten Kaisers hat mit dem einmâthigen Beschluß der deutschen Bundesfürsten, den sämmtlichen Kontingenten des deutschen Heeres eine gemeinsame Kokarde zu verleihen, einen bleibenden Ausdruck von großer Bedeutung gefunden. Von jetzt ab soll jeder deutsche Soldat als „Wahrzeichen der errungenen Einheit" die deutsche Kokarde tragen, die „Farben des gemeinsamen Vaterlandes", „eine für alle Zeiten sichtbare Mahnung, einzustehen für Deutschlands Ruhm und Größe, es zu schirmen mit Blut und Leben." Sollten wir — was Gott verhüten möge — wieder einmal in die Lage kommen, unsere Grenzen zu vertheidigen, so wird die deutsche Einigkeit auch dadurch zum Ausdruck gebracht, daß jeder deutsche Soldat die Farben des Reiches: schwarz, weiß, roth, trägt.
Dieses gemeinsame Abzeichen ist der sichtbare Ausdruck eines Gefühls brüderlicher Gemeinschaft, der die Mitglieder der bewaffneten Macht in Nord und Süd lehrt, sich als Glieder eines Ganzen zu fühlen und die Interessen des einzelnen Staates denen des Reiches nachzustellen. Der Gedanke, daß das Reich das höhere ist und der einzelne Staat erst in zweiter Linie steht, wird auch äußerlich zum Ausdruck gebracht. Es ist nämlich bestimmt worden, daß an der Dienstmütze die deutsche Kokarde oberhalb des Landes-Kokarde sich befindet, während sie am Helm rechts und die Landes- Kokarde links getragen wird.
Der Plan einer deutschen Kokarde war schon in Versailles erörtert worden, mußte jedoch hier fallen gelassen werden, weil sich Stimmen dagegen erhoben. Daß nunmehr alle deutschen Fürsten ihm einmütig zugestimmt haben, ist ein erfreulicher Beweis dafür, daß die deutschen Stämme seitdem einander näher getreten sind, daß der Reichsgedanke erstarkt ist. Dieser Fortschritt wird in allen nationalen Kreisen mit großer Freude begrüßt werden. Anderseits werden diejenigen zum Schweigen gebracht werden, die ihre Hoffnung auf den baldigen Zerfall des deutschen Reiches setzen. Der Reichsgedanke hat im ganzen deutschen Volke unausrottbare Wurzeln geschlagen. Fester als je ist das Band geknüpft, das die deutschen Stämme und ihre Fürsten verbindet.
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bur eau «Herolds)
Berlin, 23. März. Wie der „Reichsanzeiger" meldet, hat der Kaiser angesichts der patriotischen Bewegung, welche allerorten im Lande durch die Feier der 100jährigen
Sie verlangten, daß diese entweder mit den Frankfurter Handwerkern sich vertragen sollten, oder daß ihnen verboten werde, ein Handwerk zu treiben. Hiervon setzte der Rath die Fremdlinge in Kenntniß und gab ihnen auf, selbst darüber nachzudenken, „wie die Wege zu suchen und zu finden, daß die fremden und hiesigen mit einem Vergleiche friedlich bei einander bleiben möchten". Im übrigen wurde nach wiederholter Berathung am 3. Februar 1556 für gut befunden, „daß die Predikanten, fremde und heimische, weder in Disputation noch in Schriften zusammengelassen würden, sondern die Concordi im 41ften Jahr allhie des Nachtsmahls halber uffgericht, in Erinnerung gebracht, daneben den Fremden die Wittembergische Concordi zugestellt werde zur Vernehmlassung, ob sie derselben gemäß lehren und predigen wollten."
(Schluß folgt.)
Die Johannespassion von Bach.
Es ist eine wohl allgemein anerkannte Thatsache, baß die Musik sich einem ihrer erhabensten Ziele zuwendet, wenn sie sich in den Dienst der Religion stellt, indem sie unter Zugrundelegung jener Gedanken, welche zu allen Zeiten das Menschenherz am tiefsten bewegt haben, dieselben gewissermaßen in erhöhter Potenz dem Gefühl direkt übermittelt. Ich sage direkt: denn wenn auch das gesprochene Wort der ursprüngliche Träger des Gedankens ist, so gewinnt dieses Wort eben durch den musikalischen Ton jene wunderbare Innigkeit des Ausdruckes, welche unmittelbar zu Herzen spricht. Die Musik bringt demzufolge nicht eine Steigerung des Wortes nach seiner begrifflichen Bedeutung, sondern nach seinem Gefühlston. Und so ist es denn klar, warum jene Textworte, welche des Menschen Lust und Leid behandeln, sich ganz besonders zur musikalischen Komposition eignen; sie suchen und verlangen eine Vertiefung des Aus- drucks, den ihnen allein die seelischste aller Künste geben