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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

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Nr. 69.

Dienstag den 23. März

1897.

Amtliches.

Aanölrvois Kanarr.

Bekanntmachungen deè Königliche« Landrathèamteè.

Der Metzger Andreas Schäfer zu Bruchköbel beabsichtigt uf dem Grundstück Karte 8 Nr. 49 und 72/50 Brand­ersicherungs-Nr. 97 zu Bruchköbel, den Andreas Ruth III. rrben gehörig, eine Schlächterei einzurichten und zu betreiben.

Es wird dies gemäß § 17 der Gewerbeordnung mit dem zinzufügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß etwaige Einwendungen gegen diese Anlage innerhalb 14 Tagen m Sekretariat des Kreisausschuffes, woselbst auch Zeichnung mb Beschreibung der Schlächtereianlage einzusehen sind, zu Zrotokoll erklärt werden können.

Nach Ablauf der Einspruchsfrist können Einwendungen licht mehr berücksichtigt werden.

Zur Erörterung der rechtzeitig eingegangenen Reklamationen vird Termin auf

Donnerstag den 8. April cr vormittags 9 Uhr, n das oben erwähnte Sekretariat anberaumt.

Die Betheiligten werden zu diesem Termine unter dem öemerken eingeladen, daß bei ihrem Ausbleiben gleichwohl nit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.

Hanau am 19. März 1897.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses

A.. 923 v. Schenck. 4273

Die über Glauberg, Kreis Büdingen, verhängte Gemar- $i Eungâfperre ist ausgehooen worden; für das verseuchte Gehöft bleibt Gehöftssperre bestehen.

Hanau am 20. März 1897.

Der Königliche Landrath

v. Schenck.

In Ostheim ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und sind die angeordneten Sperrmaßregeln aufgehoben worden. Der Landkreis Hanau ist nunmehr seuchenfrei.

Hanau am 23. März 1897.

Der Königliche Landrath v. Schenck.

Dienstiiadirifilen aus dem Kreise.

Abhanden gekommen: Ein vierräderiger Handwagen. Verloren: Eine KoraLenkette mit goldnem Schlößchen.

Entflogen: Eine Taube.

Gefunden: Ein VereinsabzeichenHanauer Krieger­verein 1873*. Ein Portemonnaie mit Geld."

Hanau am 23. März 1897.

Kleines Feuilleton.

Aus der Irrfuhrt.

Ein Bcitrag zur Gründungs gesch ich te von Neu-Hanarr.

Von Dr. O. Ankel. *)

Stürmische, drangsalvolle Jahre, reich an Blut und Thränen, waren es, die der spanische Despotismus im 16. Jahrhundert über die Niederlande heraufführte. Kein Wunder, wenn Talent, Glaubenstreue, Thatkraft und Reich­thum dem Lande, das für immer der Geistesknechtung, der politischen Ohnmacht und dem wirthschaftlichen Niedergang verfallen schien, den Rücken wandten, um anderswo ein Vaterland zu suchen.

Schon unter Karls V. Regierung hatten zahlreiche pro­testantische Familien die niederländische Heimath verlassen, um ihren Glauben über das Meer zu retten. In England, wo Heinrich VIII. (1509 bis 47), freilich aus wenig reli­giösen Gründen, 1533 die äußere Trennung der englischen Kirche von Rom vollzogen hatte, fanden sie seit dem Regie­rungsantritt seines Sohnes, Eduards VI. (154753), Aufnahme und Bekenntnißfreiheit. In London gründete Johannes von Lasko, ein Pole von Geburt, in Glastonbury in der Grafschaft Somerset Valerandus Pollanus, ein protestantischer Edelmann aus Lille, flämisch-holländische und wallonisch-französische Gemeinden. Als aber nach dem frühen Tode Eduards seine Stiefschwester Maria, die Katholische, auch die Blutige genannt, zur Regie­rung kam (155358) loderten ans dem britischen Eiland die Scheiterhaufen schaurig empor, und die Niederländer,

') Aus des Verfassers demnächst erscheinender Schrift- .Graf Philipp Ludwig II. und die Gründung von Neu-Han au." (Gekürzt.)

Politische ««d unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-BureauHerold.")

Berlin, 22. März. Eine Extra-Ausgabe des Armee- Veroidnnngsblattes bringt einen Aufruf des Kaisers anläß­lich der Centenarfeier, worin es heißt: Eine besondere Weihe will ich diesem Zubeltage dadurch geben, daß mein Heer von nun an auch die Farben des gemeinsamen Vaterlandes au- legt: das Wahrzeichen der errungenen Einheit, die deutsche Kokarde, die nach einmüthigem Beschluß meiner hohen Bun­desgenossen m dieser Stunde ihren Truppen ebenfalls ver­liehen wird, soll ihnen für alle Zeiten eine sichtbare Mah­nung sein, einzustehen für Deutschlands Ruhm und Größe, es zu schirmen mit Blut und Leben. DasArmee-Ver­ordnungsblatt" veröffentlicht ferner eine Urkunde, betreffend Stiftung einer Medaille zur Erinnerung an Wilhelm dm Großen aus Bronze von eroberten Geschützen an orange- farbmem Bande. Die Medaille wird nur zum Andenken an den 22. März 1897 verliehen.

Berlin, 22. März. DerReichsanzeiger" veröffent­licht die Urkunde, betreffend Stiftung der preußischen Me­daille zur Erinnerung an Kaiser Wilhelm L, ferner eine große Anzahl von Ordensverleihungen und sonstige Aus­zeichnungen. Es erhielten u. A. die Großherzogin von Baden den Luisenorden, der Oberbosmarschall Graf Eulen­burg den Schwarzen Adlerorden, Staatssekretär v. Bötticher und Staatssekretär Stephan den Wilhelmsorden, der preußische Gesandte beim päpstlichen Stuhl, von Bülow, erhielt das Kreuz und Stern der Comthure des Hohenzollern'schen Haus- ordms, der Professor von Esmarch in Kiel erhielt den Cha­rakter als Wirkl. Geheimer Rath mit dem Prädikat Excel­lenz. Die Schöpfer des Nationaldenkmals wurden sämmtlich ausgezeichnet, u. A. erhielt Professor Begas das Kreuz der Comthure des Hohenzollern'schen .^ausordens und Professor Karl Begas den Rothen Adlerorden 4. Klasse. Der Vize- Admiral Köster, Chef der Marinestalion der Ostsee wurde unter Belassung in dieser Stelle zum Admiral befördert.

Berlin, 22. März. DiePost" schreibt: Die nächsten Tage werden zweifelsohne nicht ohne Ueberraschungen auf dem Gebirte der auswärtigen Politik vorübergeben. Es scheint, daß eine Einigung über die zunächst Griechenland gegenüber zu ergreifenden Schritte zwischen den Großmächten nicht erzielt werden wird. Man wird nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß, wenn nicht noch in allerletzter Stunde eine Aenderung in der Haltung des europäischen Konzerts eintritt, die deutsche Regierung von weiteren Schritten im Orient wenigstens vor der Hand absieht.

Berlin, 22. März. Die Großherzogin von Baden hat zum 100. Geburtstage Kaiser Wilhelm I. das von Semme­ring geschaffene Bronze-Standbild des verewigten Kaisers in der Ruhmeshalle des Zeughauses mit einem großen Lorbeer­kranze geschmückt, dessen Schleife die Inschrift trug: Louise, wollten sie anders Glauben und Leben bewahren, mußten von neuem zum Wanderstabe greifen.

Am 17. September 1553 ging ein Theil der Londoner Gemeinde, etwa 170 Seelen, Lasko an der Spitze, zu Gravesand unter Segel. Nach mancherlei Irrfahrten und vergeblichen Versuchen, sich in Dänemark, dann in Städten Norddeulschlauds, wie Rostock, Wismar, Lübeck, Hamburg, niederzu!assen, wurde ein Theil der Holländer im März 1554 von der Gräfin Anna von Ostfriesland ausgenommen, andere zogen nach Wesel, Straßburg, Zürich und Genf; eine größere Anzahl wandte sich unter Laskos Führung 1555 nach Franksurt am Main.

Hier hatte sich inzwischen im März 1554 bereits eine aus England geflüchtete Schaar Wallonen, die unter Leitung des Pollanus über Wesel und Köln den Rhein heraufgezogen waren, eingestellt. Pollanus besuchte den Frankfurter Pfarrer Hartmann Beyer, bei dem er sich als ein um des evangelischen Glaubens willen Verfolgter einführte, der für sich und seine Gefährten um Aufnahme bitte; dabei verschwieg er aber sorgfältig seine Abweichung vom lutherischen Bekenntniß, besonders in Bezug auf das Abendmahl, wie auch seine Absicht, eine Gemeinde zu bilden. Durch Beyer wurde Pollanus bekannt mit mehreren ange­sehenen Frankfurtern, darunter Adolf von Glauburg, und dieser rieth ihm, seine Wünsche dem Rathe vorzutragen.

Am 15. März 1554 überreichte Pollanus dem Rathe der Stadt Frankfurt ein Gesuch, in dem er für seine Ge­meinde um Aufnahme und Bürgerrecht bat. Es hieß darin: Eine Gesellschaft etlicher Bursatmacher, da sie vom Evan­gelium abzufallen nit gemeint, haben sie das Engelland verlassen müssen. Er selbst als Vorsteher und Superintendent angeregter Bursatmacher und Gesellschaft habe ein fleißig Nachdenken gehabt, wohin sie am tauglichsten sich mit ihrem Bursathandel begeben mögen; er hab auf das weit erschallene

Großherzogin von Baden. Das Standbild selbst befand sich in einem Gebüsch von Lorbeer.

München, 22. März. DieMünch. Neuest. Nachr." bezeichnen die Einführung der schwarz-weiß-rothen Kokarde bei der bayerischen Armee als einen Akt von nicht hoch genug anzuschlagender moralischer und praktischer Bedeutung, der zur Hundertjahrfeier das größte Festgeschenk für den deutschen Patriotismus und das einige deutsche Reich bilde.

Köln, 22. März. Heute Mittag fand unter * ungemein zahlreichem Andi ange und unter Betheiligung sämmtlicher Vereine die feierliche Grundsteinlegung zum Kaiser Wilhelm- Denkmal statt. Mittags 12 Uhr war auf dem neuen Markt glänzende Parade der gejammten Garnison. Das Wetter klärte sich auf. In der Stadt, welche festlich geschmückt ist, herrscht allgemeine Begeisterung. Abends soll Illumination stattfinden.

Reichenberg i. B., 22. März. Morgen früh wird der Raubmörder Kögler hingerichtet.

Die Centenar Feier in Berlin.

(S pezi al-Bericht unseres L.-Korrespondenzen.)

Berlin, 22. März.

Die Enthüllung des Nationaldenkmals.

Es ist kurz vor elf Uhr vormittags. Zwischen Lustgarten und Zeughaus nichts als blinkende Blechmützen, weiße und schwarze Federbüsche, blitzende Bajonette, flatternde Lanzen­fähnchen. Kein Sonnenstrahl vom gleichmäßig bedeckten Himmel! Aber rings im weiten Rund ein Flimmern und Schimmern, als habe Gott Heleos seinen Herrschersitz auf die Erde verlegt.

Die erste Tribüne, die wir von der Schloßbrücke aus passiren, ist mit den Vertretern der akademischeu Verbindungen besetzt. Stolzes junges BlutBurschen schlank wie Kerzen!"

Grell hebt sich vom schwarzen Sammet der Schnürröcke die Farbenpracht der Schärpen, das schneeige Weiß der Stulp­handschuhe ab. 3U ihren Häupten rauschende Seidenbanner, ein buntes Gewoge von leuchtenden Farbentönen, Silber und Gold.

Wir gehen weiter, kreuzen die plaudernden Gruppen der Minister und Generale, der Stallmeister und Obei jägermeister in ihren scharlachenen Röcken, der Johanniter-Reiter in ihrer prächtigen Ordenstracht. Unmittelbar vor dem Denkmal ist die Geistlichkeit versammelt. Die Evangelischen im Talar und Barett, die Katholiken in schwarzen und violetten Amts­roben mit schwarzen Faltenkappen oder in runden Hüten. Unter den ersteren fällt der männliche vollbartumrahmte Charakterkopf des Generalsuperintendenten Faber auf, ferner in der Menge der wohlbekannten geistlichen Erscheinungen Berlins das milde, wohlwollende Antlitz des greisen Hof-

Lob der Frankensurt wegen des Gewerbs und zweier Messen kein anmuthigern Ort finden können. Die Zugelaffenen würden weder dem Rath noch den Bürgern überlästig sein, sie wollten dazu der Stadt Kinder, welchen es gelegen wäre, lernen Bursatmachen. Es würden sich etliche andere Hand­werker und auch Kaufleute dazu thun, auch für diese wolle er bitten.Wiewohl wirEurerReligionseindt, so kenden wir doch Euer Sprach nit," hierumb sei ihre Bitte, man wolle ihnen ein Kirch oder Tempel inugeben, darin sie ihr Gebet, Predig des Evangelkl und Austheilung der hl. Sakramente in ihrer Sprach nach der Lehr des Apostels Pauli haben möchten. Damit nichts unordentliches noch schädliches bei solcher Kirchen und Versammlung ein­reiße, so möge der Rath eine ernstliche Kirchenzucht einrichten, daß den Herrn kein Verdruß noch Beschwerniß widerfahr, sondern vielmehr alle Freud und Nutzen.

Diesem Gesuche willfahrte in derHauptsache der Rath bereits am 18. März:Soll man ihnen willfahren und Sie in dem Namen Gottes auffmmen." Am 17. AprilwurdedenFremdendie Weißfrauenkirche zur Benutzung angewiesen, zugleich aber der lutherische Prediger Matthias Ritter beauftragt,uff Ihr Predig und Ceremonien gut Achtung zu geben, damit sie nichts ungeraumts fürnemenoder anrichten". Am 19. April hielt Pollanus, nachdem sich inzwischen weitere wallonische Flüchtlinge eingestellt, in der Weißsrauenkirche die erste Predigt in französischer Sprache.

Soweit war alles gut. Am 5. Mai aber erfuhren die Pfarrer Beyer und Ritter, daß die Wallonen am folgenden Tage das Abendmahl zu feiern beachsichtigten und zwar mit so abweichendem Ritus, daß sie in ihrem bereits bestehenden Verdachte auf Calvinismus wesentlich bestärkt wurden. Auf ihre Anzeige bei Johann von Glauburg hin ließ sich Pollanus von diesem bewegen, das Abendmahl zunächst auszusetzen, es dann aber, um kein weiteres Aergerniß zu geben, mit Kelch