Einzelbild herunterladen
 

Hanauer Anzeiger.

Abonnementspreis:

Shrlich 9 M., halbjährlich 4 M. 50 Pfg., lerteljährlich 2 M. 25 Pfg. Für auswärtige lbonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer 10 Pfg.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich außer Sonn- und jefttags.

Als Gratisbeilage täglich erscheinendes Unterhaltnngsblatt.

Jnsertionspreis:

Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfg., die 1Vssp. Zeile 15 Pfg., die 2sp. Zeile 20 Pfg., die 3sp. Zeile 30 Pfg., die 4sp. Zeile 40 Pf., im Reklamentheil die Zeile 20 Pfg

Ij Nr. 66.

Hierzu Amtliche Beilage" Nr. 22.

Amtliches. Bekanntmachung.

Am Montag den 22. d. Mts. bleiben die Geschäftsräume »der hiesigen Justizbehörden geschlossen.

Hanau, 18. März 1897.

Der Landgerichtspräsident Der Erste Staatsanwalt Koppen. Schumann. 4025

^taötUreie ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

l Wohllung II, Obergeschoß imätadtschloß.

Der auf den 22. d. M., vormittags 11 Uhr, anberaumte Termin zur Entgegennahme von Angeboten wird wegen der Feier der hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstags weiland Kaiser Wilbelm I. aufDienstag den 23. d. M

Vorm. 11 Uhr", verlegt.

Hanau am 17. März 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 4041

Tagesschau.

Erinnerungs-Medaille. DerNcichsanz." schreibt: Das Gerücht, nach welchem Seine Majestät der Kaiser Wilhelm die Absicht habe, zum Andenken an den hundert­jährigen Geburtstag des Kaisers Wilhelm des Großen eine Erinnerungs-Medaille für die Armee und die Festtheilnehmer zu stiften, findet seine Bestätigung. Es ist hierbei die Frage erörtert worden, ob nicht die alten Krieger, welche unter Wilhelm I. die Kriege mitgemacht haben, in erster Linie dieser Auszeichnung würdig seien. Wir können nach zuver­lässigen Informationen versichern, daß es der dringende Wunsch des Kaisers gewesen ist, diesen Veteranen das Er­innerungszeichen in möglichst weitem Umfange zu gewähren, daß aber diese Absicht wegen Mangels an verfügbaren Mitteln aufgegeben werden mußte. Es soll dies für Seine Majestät schmerzlich genug gewesen sein, doch erforderte die Rücksicht auf die vorhandenen Fonds diese Beschränkung. Nur wenn aus eigener Initiative von der Landesvertretung eine Bewilligung entsprechender Geldmittel in die Wege ge­leitet würde, könnte diesem Gedanken näher getreten werden. Es wäre eine schöne patriotische That, den Männern, welche ihre Brust dem Feinde geboten haben, nun auch in ihrem Alter das Bild ihres alten Herrn, für welchen und unter welchem sie gestritten und gelitten haben, auf die Brust zu heften. Die Bronze der eroberten Geschütze würde in dieser

Kleines Feuilleton.

Gin verschollener Gesundbrunnen im Uogelsberg.

Von Pfarrer Hufnagel in Kesselstadt. (Schluß.)

Wir werden unten aus der großen Zahl der von unserem Gewährsmann berichteter Heilungen noch einige Fälle an­führen. An dieser Stelle wollen wir gleich denjenigen Aeuße­rungen Raum geben, die Zeugniß geben von der großen Freude, welche die Entdeckung des Heilbrunnens und seine Erfolge weithin in den Herzen verursachte.

Den Akten sind zwei Gedichte angeschlossen, welche die Quelle und ihren Segen für die leidende Menschheit in la­teinischer und deutscher Sprache besingen. Das lateinische Gedicht hat zum Verfasser einen Schlüchterner Pfarrer und lautet nebst seiner Widmung folgendermaßen:

Sub Jllustri ac Generoso Domino Domino Wilhelmo Ottone ab Isemburg, Comite in Birstein et Büdingen

Fons aquâ Salutiferâ scaturiens gratulabundus convocat Christi­colas variis morbis correptos

Curandos

In oppido Reichenbach Anno Salutis 1665.

Primi me celebrant Cultores nomine Reichbach, Perspice nunc fructum, Nomen et Omen habes.

Dives aquâ saliens divino Numine sanâ, Assoleo morbos pellere jam varios.

I prius ex animo tetros- abstergito naevos, Cor deus ut purget supplice voce roga.

Macte animo accedas morboso corpore squalens, Ebibe fönte, lava, corpora sana dabo.

Mirifica virtute beas qui cuncta Creator, 2Egris quo possim relevare sitim.

Illustrem Comitem longaevâ pace beato, Annos ac faustos Corpore vegeto,

Ut Generosâ ejus possim prodesse sub Umbrâ

Freitag den 19. März

Form die Erinnerungen an die großen Tage lebendig er­halten und den jüngeren Generationen als Sinnbild der Treue und Tapferkeit erscheinen. Die alten und die jungen Krieger würden mit diesem Erinnerungszeichen auf der Brust sich einig wissen in den unvergänglichen Traditionen des Volkes in Waffen."

Die Budgetkommission des Abgeordneten­hauses trat Donnerstag Vormittag 10 Uhr zur Schlußbe rathung über die Denkschrift betreffend die Fortführung der Besoldungsaufbesserung für die mittleren und höheren Be­amten zusammen. Es wurde beschlossen, am Schluffe der Position Land- und Amtsrichter sowie Staatsanwälte 3000 bis 6600 Mk, Durchschnitt 4800 Mk., in Abstufungen von 600 Mk. noch folgende Resolutionen dem Plenum vorzu- legm: II. Die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, die infolge der Beschlüsse des Landtages erforderlich werdende anderweite Regelung eines Theils der Dienstaltersstufen nach den seither zur Anwendung gebrachten Grundsätzen herbei- zuführen, III. die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß bei Ausführung der Bestimm­ungen über die Besoldungsoerbesserungen diejenigen Beamten, bei deren Klasse das Minimalgeha't herabgeßtzt wird, gegen­über den gegenwärtigen Gehaltsverhälmissen auch nicht vor­übergehend ungünstiger gestellt werden. Demnächst wurde die Einstellung der zu diesen Diensteinkommensv rbefferungen erforderlichen Mittel in Kap. 63 Tit. 5 des Etats des Fi­nanzministeriums mit 18 gegen 4 Stimmen bewilligt und dann die ganze Denkschrift angenommen.

Die Berathungen über den Marine-Etat lenken den Blick daraus, wie langsam sich das V er ständniß für d i e M a r i n e bei uns entwickelt hat und auf wie enge Kreise es heute noch beschränkt ist. Einen interessanten Rückblick auf die Anschauungen über die Bedeutung der Kriegsflotte gewährt das ausgezeichnete Werk von G. Wis­licenus,Deutschlands Seemacht". Darin heißt es: Noch unter der Aegide des Prinzen Adalbert begann die Denkschrift eines Generals über Marine-Angelegenheiten mit den Worten: Da das Wasser bekanntlich nicht unser Element ist." Zu Anfang des Jahrhunderts hatte nur ein einziger deutscher General den Einfluß der Seemacht richtig erkannt, nämlich Gneisenau; dieser schrieb:Besitzt man die Herrschaft des Meeres, so vermag man einen Angriffskrieg auf alle Küsten seines Feindes zu führen, und indem man diese Angriffe ver­vielfältigt, zwingt man ihn, seine Truppen von einem Ende seines Reiches nach dem anderen laufen zu lassen. Das scheint mir der wahre Gebrauch des Dreizacks zu sein, und das macht die Natur seiner Uebermacht aus." Seine Pläne, diese Gedanken mit Hülfe der englischen Flotte zur That zu machen, scheiterten an der Weigerung Englands, in Frank­reich oder Holland im Rücken des französischen Heeres zu landen. Als 1848 eine allgemeine Strömung zum Bau einer Flotte entstand, bewies Prinz Adalbert seine seemännische

Christicolis variis, Viribus hisce novis.

Gratâ mente Deum colito quisque inde recedens Sanus, ne ingratum te Recidiva premat.

Solitariae anno 1665 Gratulabundus accinebet

18. Augusti. Johannes Weitzelius,

Pastor Solitariensis; in superiore Comitatu Hanovico.

Ueb ersetzung:

Unter dem erlauchten und edelen

Herrn Herrn Wilhelm Otto von Isenburg, Grafen in Birstein und Büdingen

ruft glückwünschend ein sprudelnder Quell heilbringenden Wassers die von den verschiedenartigsten Krankheiten befallenen Christenleute zusammen

Jm Flecken Reichenbach im Jahre des Heils 1665. Rühmend priesen vor Alters die Siedler und nannten mich Reichbach, Schau' auf das Ziel und du hast Namen und Deutung zugleich. Reich an heilendem Wasser, entsprungen nach göttlichem Willen, I Pflegt' ich zu heilen bereits manche Erkrankung so schwer. Gehe zuvor, streif' ab von der Seele die häßlichen Flecken, Bitte mit flehendem Wort, Gott mög' entlasten dein Herz. Heil deiner Seel'! Tritt her noch steif am krankenden Körper, Trink' und bade im Quell, heil geb' den Leib ich zurück.

Du, der mit Wunderkraft alles beglücket, o mächtiger Schöpfer, Leihe mir Kraft, daß ich kann lindern den Kranken den Durst. Segne den Grafen erlauchtigst mit lang andauerndem Frieden, Glückliche Jahre gieb ihm, stärk' ihn mit rüstigem Leib, Daß ich zu nützen vermag unter seinem hochedelen Schatten Christi Bekennern umher, denn neue Kraft mich erfüllt. Dankbaren Sinnes verehre nun Gott ein Jeder, der heimkehrt Von diesem Orte geheilt, quälender Rückfall bleib' fern'.

Glückwünschend widmet dies Gedicht Schlüchtern im Jahre 1665, Johannes Weitzel, 18. August. _ Pfarrer in Schlüchtern,

_ in der oberen Grafschaft Hanau. Das in deutscher Sprache abgefaßte, etwas langathmige Gedicht von dem Prorektor der Schule zu Schlüchtern, Heinrich Appel, lautet:

Ueber dem Heil-Brunnen zu Reichenbach bey Birstein, im Häw-Monat 1665 entsprungen.

Kompt ihr, kauft Wein und milch, sprach unser Gott vor Zeitten, Die Durst und Hunger habt, habt noth auf allen feiten,

1897.

Einsicht in seiner Denkschrift über die deutsche Flotte. Der Prinz forderte für eine selbstständige deutsche Seemacht 20 Linienschiffe, 10 Fregatten, 30 Dampfer, 40 Jaffelkanonen- boote uno 80 Kanonenschaluppen. Den Engländern war die Gründung einer noch so kleinen deutschen Kriegsflotte höchst unangenehm, sie agirten recht kleinlich gegen die Absicht. Auch in dem siegreichen Landkriege von 1870/71 hatte Deutschland schwer darunter zu leiden, daß seine Flotte nicht die See be­herrschte; denn viel Blut tapferer Landsoldalen wäre gespart worden, wenn unsere Flotte die Waffeneinfuhr nach Frank­reich hätte verhüten können. Dann wäre es Gambetta un­möglich gewesen, seine riesigen Vollsheere aus der Erde zu stampfen. Nach dem großen Kriege, der das deutsche Reich mächtiger als je erstehen ließ, überschätzte man den Einfluß des Heeres und achtete den der Seemacht zu gering. In der jetzt ost erwähnten Denkschrift von 1873 über die Entwickelung der Kaiserlichen Marine tritt diese Ansicht deutlich zu Tage, darin heißt es:Die Offensivkrast in einem großen Kriege kann und muß Deutschland seiner Landmarin? überlassen. Denn einen Punkt darf man nicht beim Vergleich des Land- und Seekrieges vergessen: jedes feindliche Dorf, welches in Besitz genommen wird, ist ein factischer Erfolg, ein erobertes Schiff kommt erst in Anschlag, wenn das Facit des Krieges gezogen wird. Eine eroberte Festung sichert die Eroberung einer Provinz. Die Wegnahme einer ganzen feindlichen Kriegsflotte gewährt höchstens das MitUl, eine Eroberung zu beginnen. Der Verfasser Dieser Denkschrift verräth, daß er schwerlich über den Einfluß der Seemacht auf die Geschichte nachgedacht hat. Die Geschichte lehrt, daß die Wegnahme (ober Vernichtung) liner feindlichen Flotte die Seeherrschaft gewährt. Nach dem Gedankengange der Denkschrift könnte man sagen: Die Wegnahme einer feindlichen Kriegsflotte sichert die Eroberung der feindlichen Gewässer. Wer die feindlichen Gewässer beherrscht, lähmt den Seeverkehr des Gegners und kann ihm mehr Schaden zufügen, als wenn er einige feindliche Festungen und Provinzen besetzt. A. T. Mahan hat in seinem BucheDer Einfluß der Seemacht auf die Geschichte" nachgewiesen, daß die Seeherrschaft die Mittel gibt, um Feldherren wie Hannibal, Alba und Napoleon in in ihrem Siegesläufe aufzuhalten.

Eine nette Moral zeigen die belgischen Sozia­listen. In Versammlungen und auf den Straßen ziehen sie gegen die militärische Stellvertretung und gegen die Bourgeoisie, welche ihre Söhne von dem Militärdienst los­kauft, zu Felde. Und was erlebt man? In Gent sollte jetzt der dienstpflichtige Sohn des großen Genter Sozialistenführers Van Beveren in die Armee eintreten, und der Sohn, ein echter Sozialist, berief eine Versammlung, in der gegen die Reichen, welche sich Stellvertreter kaufen, gewaltig gedonnert wurde. Und jetzt hat Van Beveren schleunigst 1600 Francs ein gezahlt, nm einen Stellvertreter für seinen Sohn zu er­langen. Dasselbe that auch ein Brüsseler Sozialistenführer.

Kompt, kauffet ohne Geld, hir man euch alles schenkt,

Gott selber ist's, der speist, Gott ist's, der euch hir tränkt. Wie kompts, daß ihr das gold so Vnbedacht hinschleudert, Wenn man euch schwetzet für, von großen Dingen plaudert?

Seht ihr nicht, was es ist, das man so herrlich preist?

Nicht brodt, wie ihr wohl meint, dann es euch gar nicht speist Kommt aber her zu mir, Ich thu' euch trewlich laden, Last fahren jenen wind, esst was euch aus gnaden

Wird dargereicht von mir, genießt es allermeist, Daß eure matte seel in Wollust werde feist.

So sprach das Vatter Hertz, die Hungrigen zu laben, Damals zu seinem Volk. Doch newe, gute gaben

Er täglich langt herfür, sein Brünnlein ist stets voll,

Wer schöpft, der kriegt genug, wer kriegt auch danken soll. Das Jüngste Reichen-Bach mit deinem brünnlein kleine, Im Isenburger Land, daß wasser klar und reine

Von Gott begabet sein mit sonderlicher krafft,

Zu heplen, was mit schwertz und krankheit ist behafft.

Durch höchst erfrewten mund derer, die vorgewesen Voll jammer und elend, nun aber sein genesen

Durch Gott's Barmherzigkeit, ruft dich derselbe Gott

Komm du auch her zu mir, Ich helf dir aus der noth Trink dich deß Brünnleins satt, in speiß sei eingezogen, Sonst findst nicht, was du suchst Vnd hast dich selbst betrogen.

Hier hastu Apotheck, hir Doktor ohne geld

Dergleichen nimmermehr wirst finden in der Welt Wenn du dich recht zur Cur durch Gebet und Buß geschicket Und durch Gottes trewe Hand am leib wieder erquicket,

Zu danken nicht vergeß, Bitt' auch, daß er dein Seel

Von aller Sünden wüst zu heilen dir nicht fehl So bistn recht gesundt, verjüngt und newgeboren, Dann schaw wie überall du lobest und zuvoren

Den Herren deinen ortzt, Sei willig und bereit Zu dienen jedermann, das ist recht Dankbarkeit.

Henrcius Appelius Scholac Solitariensis Pro-Rector.

Dem damals regierenden Herrn im Isenburger Lande, Graf Wilhelm Otto, lag selbstverständlich viel daran, daß die Qualität des Wassers auch wissenschaftlich festgestellt wurde. Er ließ daher das Wasser aus dem Gesundbrunnen durch