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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich außer Sonn- und Festtags.

UW Gratisbeilage täglich erscheinendes Unterhaltnngsblatt.

Nr. 64.

Mittwoch den 17. März 1897.

Amtliches.

Vienstnlutiriüiten aus dem Kreise.

Am 15. ds. Mts. vom Main angetrieben eine weiße Gans; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister in Kessel­stadt.

Zu geflogen: Ein Kanarienvogel.

Gefunden: Ein Damenregenschirm. Ein Regenschirm

(von der Post). Ein Geldstück. Zwei Portemonnaies mit je etwas Geld. Eine Blechbüchse (für Brod). Hanau am 17. März 1897.

^taMUrei^ ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

f Am Donnerstag den 18. März d. Js., nachmittags von 3V2 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Ge Werbegevichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitig­keiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau am 11. März 1897.

Der Vorsitzende des Gerverbegerichts Dr. Gebeschus.

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Vor der Blockade.

Die Stunde rückt heran, wo Griechenland am eigenen Leibe spüren dürfte, was es durch Kundgebungen seiner Staatsmänner, wie durch die Agitation der diesen dienftwilli gen Presse in allen Ländern Europas so oft hinwegzuspotten ! versucht hat: die Einigkeit der zur Gewaltanwendung ent­schlossenen Großmächte. Wenn nicht alle Nachrichten trügen, werden an die Stelle der diplomatischen Noten in nächster Zeit die kürzer und kräftiger redenden Zeichen der internatio nalen Signalsprache von den Masten fremder Kriegsschiffe aus die Griechen zu der Haltung ermahnen, die man in ih­rem eigenen Interesse von ihnen erwartet.

Im Aufblick zu den Ueberresten antiker Größe, an den stolzen Linien der für heilig geachteten Akropolis hat sich die Seele der modernen Athener zu einem Größenwahn erhitzt, der die Welt gegen sich in die Schranken fordert. Jetzt soll diesen jede Besinnung verdrängenden Bildern ein wirksames B Pendant gegeben werden durch Eröffnung der Perspektive auf die Umrisse schwimmender Festungen, die Europa vor die hellenischen Häfen senden wird. Der Blockadezustand drückt das ganze Mißverhältniß zwischen der Schwäche des Ruhe störers und der Uebermacht der Friedenswächter anschaulich aus, auf der einen Seite eine fast schutzlose Küste, auf der andern schwere, kaum angreifbare Panzerkolosse.

Als eine friedliche soll, nach dem Willen der Mächte, die Blockade beginnen. Es hängt aber fernerhin nicht vom Willen der Mächte ab, ob sie eine friedliche bleibt. Werden die Signalbefehle der europäischen Admirale von den hellem

schmGeschwadern" mit Feindseligkeiten beantwortet, finden die Offiziere griechischer Strandbatterien den verhänanißvollen Muto, auf die Schiffe der Großmächte fluern zu lassen, dann entsteht eine Lage, deren Entwickelung im T ränge » es Augen­blicks diplomatischen Eingriffen entzogen ist. Die Ehre der Flagge verlangt, daß ein gewaltsamer Angriff gewaltsam zurückgewiesen wird. Jeder Freund der Kultur muß den Wunsch hegen, daß den europäischen Seeoffizieren gewisse traurige Nothwendigkeilen erspart bleiben. Die Blockadeschiffe verfügen über Kanonen, deren Sprenggeschosse von der Bucht von.Phaleron bis auf die Akropolis tragen. Der Appell an die ultima ratio dieser Artillerie wird sich hoffentlich vermei­den lassen.

Fast sollte man denken, mehr als alle Zwangsmaßregeln müsse auf die Gemüther der Athener der Eindruck ernüchternd wirken daß ja der letzte Zweck aller Anstrengungen schon jetzt als verfehlt zu betrachten, daß Kreta für Griechenland doch nicht zu haben ist. An den wichtigeren Küstenpunkten der Insel haben die Mächte ihre Flaggen gehißt, und wann sie diese wieder einziehen werden, hat nicht Griechenland zu bestimmen. Im Innern sind ausgedehnte Landschaften durch Herrn Bassos für Rechnung und Gefahr des Königs Georgios besetzt. Aber allmählich werden die Europäer von den See­städten aus vordringen, unmittelbare Fühlung mit den kreti schen Führern gewinnen und diese überzeugen, tag die griechi­sche, von keiner Macht anerkannte Besitzergreifung ihrer Heimath ebenso tiefe Wunden schlägt, als die lürkiscde Herr­schaft. Tritt erst eine schärfere Bewachung der Küsten in Verbindung mit Blockademaßregeln gegen Griechenland hinzu, so wird Vassos mit seinen Truppen bald als ein verlorener Posten betrachtet werden müssen.

Tagesschau.

Mit lebhaftem Bedauern hat man vernommen, daß Staatssekretär Hollmann wegen der ablehnenden Hal lang der Budgetkommission zu den Mehrforderungen sein Ab­schiedsgesuch eingereicht hat. De-selbe steht seit dem 24. April 1890 an der Spitze des Reichsmarineamts und tat in ganz hervorragender Weise seines schwierigen Amtes ge­waltet. Man darf behaupten, daß er in den letzten Jahren geradezu Bertrauensmann der Reichstagsmehrheit geworden war und mehr als einer seiner Vorgänger zur Hebung des allgemeinen Interesses für unsere Marine beigetragen hat. Er ilt 57 Jat re alt und bereits mit 15 Jahren in die preußische Marine eingetreten. Im Jahre 1864 komman- dirte er als Fähnrich ein Kanonenboot, 1870 nahm er als Kapitän-Lieutenant am Gefecht derGrille" bei Hiddensee theil. Am 14. April 1888 wurde er zum Kontre-Admiral befördert. In dieser Eigenschaft begleitete er 1890 als Kom­mandeur eines aus sechs Schiffen bestehenden Uebungsge­schwaders das deutsche Kaiserpaar auf der Fahrt nach Griechen­

land und Konstantinopel. Die Marine hat seiner Thatkraft außerordentlich viel zu verdankn. Die Fortschritte, welche sie unter seiner Verwaltung nach vielen Seiten bin gemacht hat, sind sehr bedeutend. Er war der wärmste V rtreter der Hebung Deutschlands zu einer Seemacht höheren Ranges, unablässig war sein Augenmerk darauf gerichtet, und des­halb hat er sich durch sein ganzes Verhalten auch den wärmsten Dank aller wahren Freunde des Vaterlandes erworben.

Der Verein Hamburger Rheder richtete an den Reichstag eine Petition, worin unter Hinweis auf die Größe der Handelsflotte um weitgehendes Entgegenkommen den Marineforderungen gegegenüber geb ebn wird.

Die Orientlage eröffnet, nachdem in Krankreich die Politik der Regierung vorgestern einen vollen parlamen­tarischen Sieg erfochten, wesentlich günstigere Aussichten. Griechenland sicht sich jetzt stark in die Enge getrieben und die Sorge um Bewerkstelligung eines leidlich anständigen Rückzuges wird Herrn Delyannis in nächster Zeit wohl mehr beschäftigen, als den kretischen Chauvinisten heb sein dürfte. Man hatte anscheinend in Alben weitgehende Hoffnungen auf einen Erfolg der französischen Kammeropposition gesetzt, sodaß die Enttäuschung, welche der Ausgang der Jnterpella- tionsdebatte bewirkte, doppelt schwer empfunbeii wird. Nach­stehend geben wir die Hauptpunkte der Debatter wieder:

Paris, 15. März. (Deputirtenkammer.) Goblet ergreift das Wort, um die Regierung über die Kreta-Angelegenheit zu interpelliren. Er führt aus, Frankreich dürfe seiner Meinung nach nicht an einem Zwangsakte gegen Griechenland theilnehmen, welches für die Ereignisse nicht verantwortlich sei. Frankreich könne es ablehnen, nach Kreta zu gehen, ohne an der Allianz mit Rußland zn rühren, deren Aufrechterhaltung der Redner wünscht. Diese Allianz, setzt er hinzu, verpflichte jedoch Frankreich keineswegs, an einer Expedition theilzunehmen, bei der es keinerlei Jnkkdesse habe. Minister Hanotaux erinnerte zunächst daran, daß die Kammer am 22. Februar eine Politik gutge­heißen habe, welche sich in die Formel zusammenfassen läßt: Erhaltung des Friedens durch das europäische Konzert und Autonomie Kretas. Die Regierung verlange von der Kammer, daß sie eben dieselbe Politik heute gutheiße. Griechenland sei bereit, seine Flotte zurückzuziehen, weigere sich aber, die Truppen des Obersten Vassos zurückzuberusen, und fordere, daß die Kreter selbst durch sich ein Plebiszit über das Schicksal der Insel aussprechen sollen. Unter dem diplomatischen Gesichtspunkte sei die Er­örterung eine beschränkte. Die Annahme des Rückzuges der Flotte durch Griechenland sowie das Versprechen der Autonomie hätten den Streitfall vereinfacht. Eben deshalb seien die Mächte einmüthig zu glauben, daß die Beibehaltung der Truppen des Obersten Vassos auf Kreta einer jeden Verbesserung der Lage hinderlich sei. Die Mächte hätten alle Veran­staltungen getroffen, um eine weitere Hinausschiebung der nothwendigen Entscheidung zu verhindern. Dabei habe die französische Regierung dem Parlament volle Freiheit vorbehalten. Ueber nachfolgende Punkte sei Uebereinstimmung herbeigeführt: Autonomie der Insel unter der Ober­herrlichkeit des Sultans, Zurückziehung der griechischen Truppen, Zurück­ziehung der türkischen Truppen mit Ausnahme derjenigen, welche in Orten konzentrirt sind, die gleichzeitig durch die Mächte besetzt gehalten werden. Um die Ordnung und die Sicherheit aufrecht zu erhalten, solle jede der sechs Mächte durch ein Kontingent von 500 bis 600 Mann die auf Kreta gelandeten Detachements verstärken. Wenn Griechenland dar­auf beharre, die Truppen des Vassos auf der Insel zu halten, so würden die von den Admiralen für nothwendig gehaltenen Zwangsmaßregeln unmittelbar getroffen werden. Eine strenge Blokade der Insel Kreta

Kleines Feuilleton.

Eine Premiere im Offenbacher Stadttheater.

Zum ersten Male:

Lebenslügen", Schauspiel in 3 Alten, von Ludwig Rohmann.

Offenbach, 16. März.

Die Direktion des hiesigen, resp. Hanauer Stadttheaters hat sich mit der Aufführung des genannten Werkes, das den Redakteur derOffenbacher Zeitung" zum Verfasser hat, ein wirkliches Verdienst erworben. Steckt auch die Kunst des Herrn Rohmann noch tief in den Kinderschuhen, gefällt sich der Verfasser auch etwas zu sehr in der Anhäufung der brutalsten Effekthaschereien, und ist auch so gar manches in dem Drama nicht genügend motivirt Eines ist sicher und erfreulich: in Ludwig Rohmann ist ein bedeutendes drama­tisches Talent verborgen, ein Talent, das Aufmunterung ver­dient, und das, bei ernsteren weiteren Studien vielleicht be­rufen ist, noch wirklich Bedeutendes zu leisten. Die Schau­spieler können in allererster Linie dem hochbegabten Verfasser dankbar sein; Rohmann bringt ihnen wirkungsvolle und dankbare Rollen. Es ist eine gar schmutzige Geschichte, die uns der Verfasser vorführt, und wir müssen offen gestehen, daß wir kein Stück kennen, in dem so viel Verworfenheit und Schlechtigkeit, wenn auch in so dezenter, künstlerischer Weise, aufgetischt wird. Das Werk enthält eigentlich nur zwei an­ständige Figuren; alle Anderen, ob Hoch oder Niedrig, sind durchaus verlogene Kreaturen, an deren Lebensmark ein großer dunkler Punkt", dieLebenslüge", zehrt und bohrt, und langsam, aber mit unheimlicher Sicherheit, den festen Halt ihres, auf schwankem Grunde aufgebauten Lebensglückes ver­nichtet. Mit eiserner, unerbittlicher, ja grausamer Konse­

quenz schreitet die Handlung vorüber und läßt uns einen Blick werfen in Zustände, die in ihrer Morschheit, ihrem eklen Schmutze glücklicherweise nur in Sensationsromanen und Sensationsdramen vorkommen. So unwahr und ab­stoßend aber auch die Handlung des Schauspiels ist, die Sprache verräth die Hand eines Meisters und die Arbeit hat wenigstens den Vorzug, nie langweilig zu werden. Eine Inhaltsangabe des immerhin hochinteressanten Werkes wollen wir uns lieber ersparen, da doch derHanauer Anzeiger" auch von Damen gelesen wird. Das Stück, das an alle Mitwirkenden ganz bedeutende Anforderungen stellt, war ganz vorzüglich einstudirt und fand bei dem größeren Theile des vollzählig erschienenen Publikums die freundlichste Aufnahme, die den Verfasser veranlaßte, nach dem letzten Akte auf der Bühne zu erscheinen. Den Löwenantheil an diesem erfreu­lichen Erfolg gebühren den Hauptdarstellern, Frl. Brandow und Herrn Stöckel, aber auch alle übrigen Mitwirkende boten gut vorbereitete Leistungen und vereinigten sich zu einem durchaus wohlabgerundeten Ensemble.

Wir zweifeln nicht, daß das Werk Eingang an einer Reihe von Bühnen finden wird, und wünschen dem liebens­würdigen Verfasser recht viel Glück zu seiner ferneren Thätig­keit als Dramatiker; die heute abgelegte Talentprobe ist ja bestens geglückt und wird uns die Zukunft hoffentlich noch manches abgeklärtere und durchgeistigte Werk von Ludwig Rohmann bringen. ° E. L-Ö

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W Mirs Kunst und LedenH^r ^^^"Twrn/"''"tut "-efF'SiiMfcesKsi - -^*- . - ,....^ .- - ,- ^-^ » -----...,-.

H. Martin Luther. Eine Bearbeitung des gleichnamigen âlten n Schauspiels Zacharias Werners von Henn 9hgiffein Viktor Hirtel wird im Laufe des rauften Monats im Stabt theater zu Gießen erstmals zur Aufführung gelangen. Wie in keinem anderen der zahlreichen Lutherspiele tritt uns in dem

Werner'schen Schauspiele der Reformator mcn'chlich nahe in seinem Sh eben nach Wahrheit, seinem Grübeln und Zweifeln, Kämpfen und Ringen. Es ist, in der Bearbeitung des im Original die Handlung vielfach stark überwuchernden mystischen Rankenwerkeâ entledigt, zu einem wirklichen Volks schau­spiel gemeinverständlichen Inhaltes geworden, dessen Wir­kung aus der dramatisch-folgerichtigen Entwicklung der Cha­raktere und Situationen erfolgt. Das große Reformations­werk Luthers ist Anfangs- und Ausgangspunkt der Handlung. Das figurenreiche Stück soll unter Leitung des Bearbeiters, welcher die Rolle des Luther selbst übernehmen wird, durch in Zusammenwirken darstellerischer Kräfte von Beruf und solcher aus bürgerlichen Kreisen zur Darstellung gelangen.

H. Ein zweitesElis". Aus Godesberg, 6. März, wird uns geschrieben; In Bonn wird jetzt die Platzfrage für ein neues Theater mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit er­örtert. Hier in Godesberg schwirren allerhand Gerüchte herum, die auf ihre Greifbarkeit zu prüfen bisher noch nicht gelungen ist. Man spricht davon, daß bedeutende Kapitalisten es unternehmen wollen, hier ein großartiges und ganz eigen­artiges Theater zu erbauen, welches in seiner Anlage dem Wagnertheater in Bayreuth ähnlich, aber, den Anforderungen der Neuzeit entsprechend, viel großartiger gebaut werden soll. Als Platz für dasselbe ist ein größeres Terrain an der Rhein- allee in Aussicht genommen. Jedenfalls dürfte der Plan gerade für unsern Kurort, der alljährlich von Tausenden be­sucht wird, sehr aussichtsvoll sein. U. a. sollen die Bungert'schen Festspiele, die in Dresden, Berlin u. s. w. so ungeheuren Erfolg aufzuweisen hatten, hier ihren Mittelpunkt finden, wie die Wagner'schen in Bayreuth. Der Plan er­freut sich sehr hoher Protektion und wird hoffentlich bald seiner Verwirklichung entgegen gehen, auf daß an den Ufern des herrlichen Stromes ein zweitesElis" erstehen möge.