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Hanauer Anzeiger
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Amtliches.
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Lckannlmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Firma J. C. Jäger & I. M. Rumpf in Hanau hat auf Grund des § 60 des Krankenversicherunosgesetzes in der Fassung vom 10./4. 1892 eine Krankenkasse errichtet, welche den Namen „Beirieds Krankenkasse des Baugeschäfts von J. C. Jäger & I. M. Rumps in Hanau" führt und ihren Sitz in Hanau hat.
Den Vorsitz im Vorstande der Kasse führt der Buchhalter der g' nannten Firma: Theodor Jakoby in Hanau; Kasfen- führer und zugleich Vertreter des Vorsitzenden im Behinde rungsfalle ist Heinrich Loßberger daselbst.
Die Kasse ist am 21. Februar d. J. ins Leben getreten. Hanau am 10. März 1897.
Der Königliche Landrath
P. 2414 D. Schenck.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Bischofsheim erloschen ist, werden hiermit sämmtliche zur Verhütung der Weiteroerbreilung der Seuche für Bischofsheim angeordneten Sperrmaßregeln aufgehoben.
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 13. März 1897.
Der Königliche Landrath
V. 2544 D. Schenck.
In Großenhausen, Kreis Gelnhausen, ist die Schafräude erlogen und sind die Sperrmaßregeln aufgehoben worden.
Hanau am 11. März 1897.
Der Königliche Landrath
V. 2465 0. Schenck.
Ausschreiben.
Seit Samstag den 6. März d. Js., morgens ValO Uhr, hat sich der am 4. August 1846 zu Rödelheim, Landkreis Frankfurt a/M., geborene und hier wohnhafte Schuhmacher Wilh. Christian Werl von hier in der Richtung nach Offenbach zu entfernt und fehlt seit dieser Zeit jegliche Nachricht von demselben.
Signalement: ca. 1,65 Mtr. Größe, blonder Vollbart; bekleidet war er bei stimm Weggange mit braun gestreifter Hose, braun tarrhter Weste, braunem gestricktem Kamisol, blauer Arbeilsschürze (Brnstfchürze), rothgestreiftem wollenem Htmd, schwarzwollenem Halstuch mit blauen Tupfen, blauen gestrickten Strümpfen und mit Schastenstiefeln. AIs Kopfbedeckung trug er hellgraue Tuchmütze.
Kleines Feuilleton.
Aus Kunst und Leben.
Professor Daniel Sanders, der bekannte Lexikograph, ist, wie aus Neustrelitz gemeldet wird, vorgestern Abend dort gestorben. In Sanders ist eine der größten Autoritäten auf dem Gebiete der deutschen Sprachforschung zu Grabe getragen. Besonders ist es sein großes „Wörterbuch der deutschen Sprache" mit Belägen von Luther bis zur Gegenwart, welches seinen Namen allerorts bekannt machte. Die Wiege des Gelehrten stand in Altstrelitz, wo er am 12. November 1819 das Licht der Welt erblickte. An den Universitäten zu Berlin und Halle lag er seinen Studien ob. Im Jahre 1843 erhielt er die Direktion der Schule zu Altstrelitz. Nachdem diese Anstalt im Jahre 1852 ausgelöst würbe, beschäftigte sich Sanders eingehend mit literarischen Arbeiten. In jener Zeit erschien das „Deutsche Wörterbuch" der Gebr. Grimm. Dies gab Sanders, da er über dieses Werk abweichende Ansichten hegte, die Anregung zu seinem oben genannten großen lexikographischen Werke. Diesem seinem Hauptwerke folgten auf grammatikalischem und lexikographischem Gebiete eine große Reihe von weiteren bebeutenben Gaben, die überall Eingang fanden; zum größten Theil Lehr- undWörterbücher, unterdiesen „Neue Beiträge zur deutschen Synonymik", „Satzbau und Wortfolge in der deutschen Sprache", „Deutscher Sprachschatz, geordnet nach Begriffen", „Vorschläge zur Feststellung einer einheitlichen Rechtschreibung für Alldeutschland" u. A. m. Außerdem veröffentlichte er „Das Volksleben der Neugriechen", „Das Hohelied Salomonis", Gedichte, sowie eine neugriechische Grammatik. Ferner verfaßte der Verblichene im Verein mit R. A. Rangabtz eine . Gpscknrbt? her neriariecbiscken Literatur."
Samstag den 13, März
1897.
Da genannter Weil zeitweise an Melancholie leidet, so wird vermuthet, daß sich derselbe ein Leis angethan hat. Es wird nm Nachforschung event. um Nachricht hierher ersucht.
Bergen den 9. März 1897.
Klemann, Bürgermeister.
Kimstnaümâtm aus dem Kreise.
Verloren: Ein neuer großer Hundemaulkorb. Eine Bernsteinkette mit weißem Band nebst weißer Gummischnur.
Zugelaufen: Dem Waseumeister in Bruchköbel am 6. ds. Mts. ein schwarzer langhaariger Hofhund, mittlere Größe, m. Geschl. Ein gelb- und graumelirter Spitzhund m. Geschl. Ein gelb und brauner Hofhund m. Geschl.
Gesunden: Ein goldner Ring mit Stein. Ein Regenschirm. Eine Sturmlaterne. Eine silberne Damenuhr mit Kette. Drei defekte Frauenhemsen nebst Unterjacke. Ein kleines Lineal.
Hanau am 13. März 1897.
dem Güterverkehr" wird darauf genehmigt, eine Anzahl dazu eingegangener Petitionen wird der Regierung als Material überwiesen.
Bei dem Titel „Ueberlasfung von Bahnanlagen uns Leistungen zu Gunsten Dritter" stellt Geheimer R gierungs- rath Stieger auf eine Anfrage des Abg. v. Ploetz (kons.) eine Revision der Anschlußbedingungen in Aussicht.
Bei dem Titel , verschiedene Einnahmen ' beschwe t sich Abg. Bachmann (natlib.) über die Strfdnebenathgten ber Lagerplatzmiethen. Minister Thielen erklärt sich bereit, im einzelnen Falle Abhülfe zu schaffen
Der Rest der Einnahmen wird d batlelos genehmigt.
Lei dem Ausgabentitel „Besoldungen" beantragt Abg. Rickert (freis. Ver.), bei 135 neuen Ersenbahnbau- und Betriebs- bezw. Maschineninspektorenstr llen den Vermerk „künftig wegsallend" zu streichen. Abg. Bö Singer (natlib.) beklagt die späte Anstellung der Bau- und Msschineu- techniker und wünscht ihre Gleichstellung mit den juristisch vorgebil'eten S-. amten. Minister Thielen führt vus, daß durch die Neuschaffung von 135 etatsmäßigen Stellen für höhere Techniker das Verhältniß sich sehr zu Gunsten der technischen Beamten verschiebe. Auch wolle er im Einvernehmen mit dem Finanzminister prüfen, o' in dem Etat für 1898/99 ver Vermerk als „künftig wegfallend" fortbleiben solle. Die Techniker seien theilweise erheblich besser gentßt als die Juristen, er werde aber für die Zukunft ih in, wa^ in seinen Kräften stehe. Abg. Schmidt-Warburg (Ctr.) tritt für frühere Anstellung der Techniker ein und befürwortet den Antrag Rickert. In demselben Sinne )prid)t sich der Abg. Wall brecht (natlib.) aus. G-Heimer Fman;- rath Lehmann tritt dem Antrag Rickert entgegen, indem er bittet, man möge die Regierung nicht zu übertriebenen Ausgaben antreiben. Abg. Rickert (freis. Vereing.) begründet seinen Antrag damit, daß, wenn die Stellen sich künftig als überflüssig erweisen würden, sie jederzeit gestrichen werden könnten. Aus eine weitere Anfrage erwidert der Minister, daß seines Wissens das Petitionsrecht der Beamten in keiner Weise beeinträchtigt sei. Abg. Dr. Lohmann (natlib.) tritt namens eines Theiles seiner politischen Freunde ebenfalls für den Antrag ein, ebenso Abg. Fetisch (kons.). Abg. von E r f s a (kons.) spricht sich gegen den Antrag Rickert aus, indem er darauf hinweist, daß die Verhältnisse der Techniker durch den vorliegenden Etat erheblich verbessert würden. Nachdem sich noch die Abgg. W e t e k a m p (frei). Volksp.), Pleß (Ctr.) und Ehlers (freis. Ver.) für, die Abgg. Stengel (freikons.) und Schmieding (natlib.) gegen den Antrag Rickert ausgesprochen haben, wird dieser abgelehnt.
Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr: Fortsetzung der heutigen Berathung
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 12. März.)
Das Abgeordnetenhaus setzte heute die 2. Lesung des Eisenbahnetats fort. Abg. Schwarze (Ctr.) warnt vor Einführung der Staffeltarife und weist die Befürchtungen der Landwirthe des Ostens wegen der Wirkungen des Dortmund—Ems-Kanals zurück. Abg. Graf Kanitz (kons.) erklärt, seine politischen Freunde legten deshalb Werth auf die Wiederherstellung der Staffeltarife, weil sie einen wesentlichen Regulator in der Frage der Preisbildung darstellten, und spricht sich dann gegen eine weitere Herabsetzung der Eisenerztarife aus, die eine unnöthige Bevorzugung der Ruhr- eisenindustrie darstellen würde. Sodann begründet er die Haltung der konservativen Partei in der Kanalfrage, befürwortet anstatt des Dortmund—Ems-Kanals einen Dortmund— Rhein Kanal und warnt vor dem Mittellandkanal. Abg. Gothein (freit Ver.) tritt dem Vorredner entgegen uns vertheidigt die Stellung seiner Partei in der Tariffrage. Abg. Bueck (natlib.) befürwortet niedrige Tarife für Roherze und tritt für die rheinisch- westfälische Industrie gegen den Abg. Graf Kanitz ein. Abg. Klose (Ctr.) empfiehlt im Interesse des Ostens für die Staffeltarife. Abg. Schmieding (natlib.) tritt im Gegensatz zum Abg. Graf Kanitz für die Kohlensyr dikate und für den Dortmund— Ems-Kanal ein. Eine vom Abg. Ring (kons.) angeregte erleicht rte Waggonrückgabe auf den Anschlußbahnen wird vom Geh. Regierungsrath Stieger wegen der Unmöglick- keit der Kontrole abgelehnt. Der Titel „Einnahmen aus
Ein moderner Monte-Christo ist eines der am seltensten genannten Mitglieder des österreichischen Herr sch, r- hausts, Erzherzog Ludwig Salvator, ein Sitter des Kaisers, ber das große Leben des Wiener Hofes aufgegeben hat, um vereinzelt auf der balearischen Insel Majoca zu leben. Einsiedler ist er iwofern, als er freiwillig aus das flotte Treiben der österreichischen Hauptstadt verzichtet hat, sich stets auf das Einfachste kleidet, so schlicht wie möglich lebt, möglichst viel allein ist und einen großen Theil seiner Zeit der religiösen Erbauung widmet. Gleichzeitig ist er aber ein Monte Christo an Reichthum ; Er gebietet über jeden erdenklichen Luxus und zögeit nicht, seine Sckätze reichlich zu verausgaben, freilich ledig ich um seinen künstlerischen, literarischen und wissenschaft- lichen Neigungen zu folgen. Vor Zeiten war er ein großer Reisender, der nicht nur Europa, sondern auch Amerika gründlich kennen lernte. Dann aber wandte er der Gesell- fia’t den Rücken und segelte mit feiner Dacht zur winzigen Insel Majorca, deren Reize bei einem früheren Besuche sein »rz erobert hnien^Der große Palast der Hauptstadt Palma wurde für ihn in totano gesetzt und dort weilte er eine Zeit lang. Abtr bald wurde er selbst dort des städtischen T eibens und der gesellschaftlichen Formen überdrüssig und bezog ein großes verlassenes Kloster, dessen Räume er wieder einrrchtete. In viele der neu eingerichteten Zellen ließ er Lichter und Lebensmittel schaffen, die Thüren blieben offen, und jeder vorüberziehende Wanderer durfte sich ohne Weiteres darin für einige Taze häuslich niederlassen. In dieser Umgebung prächtiger Architektur und einer berückenden Landschaft lebt der Erzherzog, lediglich seinen Lieblingsstudien und Beschäftigungen und kirchlichen Uebungen hingegebeu. Abends ziehen er und sein Gefolge sich gleich nach den öffentlichen Gebeten zur Nachtruhe zurück, um des andern Morgens entsprechend früh der Messe beizuwohnen. Kurz nach 6 Uhr frühstückt der Erzherzog und widmet sich dann den Büchern. Mittags
nimmt er eine Kleinigkeit zu sich und binirt eru abends um 6 Uhr. Mit besonderer Vorliebe unternimmt er längere Spaziergänge, und zwar nie ohne Bleistift und Mappe. In der Landestracht sucht er das gemeine Volk auf, keine Quelle der Belehrung vernachlässigend. Sein Dasein ist wirklich ein Leben voller Romantik — einer Romantik freilich, die keine Liebe kennt als die zur Natur und zur gesammten Menschheit, denn von den Tausenden romantischer Geseichten, die über den Erzherzog im Umlauf sind, berührt keine einzige zärtliche Leidenschaften und keine deutet auch nur an, daß er je die Gunst der Frauen gesucht ha:. Das ganze Jnseloolk verehrt ihn koch; dafür thut er alles für das Ländchen, was nur in seiner Macht sieht, während kein Reisender das Kloster verläßt, ohne ihn als geistreichen, liebenswürdigen Wirth kennen gelernt zu haben.
Der Kahlheitsbazillus entdeckt? Aus Paris, 11. Februar, meldet man dem „Bell Lok.-Anz ": Sabouranb, Abtheilungschef am Pariser Saint-Louis-Spital, entdeckte in Talgdrüienabionderungen einen Kahlheilsbazillus in sigma- äknlicher Form. Experimente, an Schafen und Kaninchen durch Einimpfung dieies Bazillus Kahlheit Hervorzurusen, gelangen vollständig. Sabonrand wird in der dermatologischen Gesellschaft ein Mittel angeben, um Kahlheit durch Bekämpfung der Talgdrüsen Bazillen zu verhirdern. — Hoffentlich stellt sich die Nachricht nicht als schlechter Scherz heraus 1
* Rudolf Falb tritt am 13. April in sein 60. Lebensjahr. Das Erträgniß der Rudolf Falb-Spende soll an diesem Geburtstage dem unglücklichen, gelähmten Gelehrten überreicht werden. Die Sammelstelle (Wochenschrift „Das Echo") in Berlin, Wilbelmstraße 29, bittet die Zustnduug noch ausstehender Beiträge beschleunigen zu wollen; Sammellisten mit Aufruf stehen noch zur Verfügung.