Hanauer Anzeiger.
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Nr. 57.
Dienstag den 9. März
1897.
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 19.
Amtliches.
Sirnflnndiridifni aus ihm feist
Gefunden: Baares Geld. Ein Kindertaschentuch. Ein Halsriemen mit einer Hundemarke Nr. 527. Ein Kinder- râdchm. Ein gelber Knopf mit der Nr. 4.
Verloren: Ein Dreimarkstück.
Hanau am 9. März 1897.
^tadiRrew ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisters mtes.
Die Wohnung im Ilten Obergeschoß des Stadtschlosses — Hauplbau — bestehend aus 7 Zimmern, Küche, Speisekammer, 2 Mansarden, Kellerabtheilung, wird am 1. April d. J. frei und soll per 1. Mai wieder ver- miethet werden.
Vertrag und Gebäudeinventar liegen von heute an im Stadtbauamt I — Rathhaus Zimmer Nr. 24 — für Jn- teresfenlen auf und werden daselbst verschlossene Angebote Lis Montag den 22. d. M., vormittags 12 Uhr, entgegen genommen.
Hanau am 5. März 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 3428
Am Dienstag den 9. März er., nachmittags von 3^8 Uhr ab, findet im oberen Sitzungssaale des Neustädter Rachhauses öffentliche Sitzung des Gewerbegevichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.
Hanau am 8. März 1897.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts
Dr. Gebeschus. 3415
Wilhelms des Großen Sterbetag.
9. März 1888.
Neun Jahre sind verstrichen, seit der große Kaiser zu seinen Vätern versammelt wurde, der unvergeßliche Herrscher, zu dessen Denkmälern in diesen Erinnerungstagen das deutsche Volk wallfahrtet. Ja, viele, viele Denkmäler sind ihm errichtet in Stein und Erz; aber das herrlichste von allen ist ihm aufgebaut im Herzen der Nation, unzerstörbar, allen kommenden Geschlechtern ein leuchtendes und mahnendes Wahrzeichen.
Ein köstliches Vermächtniß des Kriegsherrn an sein Heer bleiben die Worte, die er am 1. September 1880, zehn Jahre nach dem Sedansiege, an die Armee richtete. „Es war eine große Zeit", heißt es in dieser kaiserlichen Kundgebung, „die wir vor zehn Jahren durchlebten; die Erinnerung daran läßt unsere alten Herzen bis zum letzten Athemzuge hochschlagen, und sie wird auch unsere späten Nachkommen mit Stolz auf die Thaten ihrer Vorfahren erfüllen. Wie in mir die Gefühle des tiefsten Dankes für des gütigen Gottes Gnade und der höchsten Anerkennung insbesondere für alle, die in dieser Zeit mit Rath und That hervorgetreten sind, leben, das habe ich ost ausgesprochen, und ihr kennt das Herz eures Kaisers genug, um es zu wissen, daß diese Gefühle in mir dieselben bleiben werden, so lange Gott mir das Leben läßt, und daß mein letzter Gedanke noch ein Segenswunsch für die Armee sein wird. Möge die Armee aber in dem Bewußtsein des Dankes und der warmen Liebe ihres Kaisers, wie in ihrem gerechten Stolze auf ihre großen Erfolge vor zehn Jahren auch immer dessen eingedenk sein, daß sie nur dann große Erfolge erringen kann, wenn sie ein Musterbild für Erfüllung aller Anforderungen der Ehre und Pflicht ist, wenn sie unter allen Umständen sich die strengste Disziplin erhält, wenn der Fleiß in der Vorbildung für den Krieg nie ermüdet und wenn auch das Geringste nicht mißachtet wird, um der Ausbildung ein sestcs und schweres Fundament zu geben. Mögen diese meine Worte jederzeit volle Beherzigung finden — auch wenn ich nicht mehr sein werde — dann wird das deutsche Heer in künftigen Zeiten schweren Ernstes, die Gott noch lange von uns fernhalten möge, jederzeit, so wie vor zehn Jahren, der feste Hort des Vaterlandes sein!"
Wie lebhaft tritt uns aus den Worten dieser zum Herzen sprechenden Kundgebung das Bild des unvergeßlichen Kaisers entgegen! Es ist, als schauten wir in das liebe, wohlbekannte Antlitz, als hörten wir den Klang seiner Stimme, als sähen wir sie vor uns, die hohe Kaisergestalt, den ernsten, demüthigen Fürsten mit dem milden und doch so hoheitsvollen Blick.
Kaiser Wilhelm I. richtet in jenem Erlaß aber auch Mahnungen an seine Soldaten, die nach seinem Wunsch beherzigt werden sollen, „auch wenn er nicht mehr sein wird." — „Die Armee kann große Erfolge nur erringen, wenn sie das Musterbild für die Erfüllung aller Anforderungen der Ehre und Pflicht ist." So der große Kaiser. Das herrlichste Musterbild für uns alle bleibt er selbst, der uns jene Worte zugerufen hat. Erfüllt von echter, ungeschminkter Gottesfurcht, schon als strebsamer Jüngling treu sich bewährend in Gehorsam, in selbstverlkugnender Hingebung, damals „Prinz von Preußen", der „erste Unterthan des Königs", nie ermüdend in arbeitsvoller Thätigkeit, willig sich fügend und doch mit klarem Blicke dem Ziele zustrebend, das er erkannte und fest im Auge behielt, so war er von je ein nachahmenswürdiges Vorbild für jeden deutschen Soldaten. Was König und Kaiser Wilhelm für Preußen und Deutschland gewesen ist, gehört der Geschichte an. Wenn wir für die beispiellosen Erfolge, die er errungen, die göttliche Vorsehung preisen — er war immer der erste, in Demuth Gott die Ehre zu geben und alles Verdienst denen zuzuschreiben, die seine Helfer und Berather waren. Laßt uns „alle Anforderungen der Ehre und Pflicht" erfüllen, wie der große Kaiser sie erfüllt hat, so werden wir Ehre haben vor Gott und den Menschen.
Noch eine andere Mahnung fügt der sorgliche Kriegsherr hinzu: der Fleiß in der Vorbildung für den Krieg soll nie ermüden und auch das Geringste nicht mißachtet werden. Nun, der Fleiß in der Vorbildung für den Krieg läßt im deutschen Heere nichts zu wünschen übrig, dafür sorgt unser rastlos thätiger Kaiser Wilhelm II. So wollen wir hoffen, daß diese rüstige Arbeit sich bewähre und gute Früchte bringe, wenn einst wieder im Kriege die Probe auf das Exempel gemacht wird. v. S.
Tagesschau.
Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Moltke", Kommandant Korvetten Kapitän Stiege, am 6. März in Lissabon angekommen und beabsichtigt, om 10. März nach Wilhelmshaven in See zu geben; S. M. S. „Irene", Kommandant Korvetten Kapitän du Bois, beabsichtigte, gestern von Hongkong nach Yokohama in See zu gehen.
Die Dampfer Ünterstütznngs Vorlage, die sich gegenwärtig in der Budgetkommission des Reichstages befindet, wird von der „Weser-Zeitung" lebhaft befürwortet. Das Blatt schreibt unter anderem: Es handelt sich darum, ob eine große Sache, die nun einmal besteht, aufgelöst werden soll. Das müßte ohne alle Frage zur Folge haben, daß das Ansehen, das Deutschland, seine politische Macht, seine Ausfuhr- Industrie, sein Handel, seine Schifffahrt genießen, in der indisch pacifischen Welt schweren Abbruch erleiden müßte. Es mag rathsam sein, irgendwo seine Flagge nicht zu hissen. Hat man sie aber entfaltet und stolz den andern Völkern gezeigt, und will man sie dann wieder einziehen, weil man eingestandenermaßen das Geld nicht hat, um die Position zu halten, so erheben sich Spott, Hohn und homerisches Gelächter bei den andern Völkern. Beim Vertrieb europäischer Erzeugnisse im fernen Osten kommt, wie in so zahllosen Fällen beim Handel, sehr viel auf das Renommö des Verkaufenden an. Es wird niemand zu behaupten wagen, daß hierin alles beim Alten bliebe, wenn von Mitte 1901 an die deutschen Postdampfer aus den Häfen Japans, Chinas, Australiens, Ceylons und des Sunda-Archipels wieder verschwänden. Der menschenwimmelnde ferne Osten ist ein Absatzgebiet, um das die europäischen Kulturvölker mit allen Mitteln der Schlauheit ein Schachspiel unternehmen. Europa ist mit dem größten Eifer dabei, sich befestigte Eingänge in die Fünfbundert-Millionen-Welt Ostasieus und Australiens zu verschaffen. Und wir sollen wieder fahren lassen, was wir haben! Der Same, der dort ausgestreut ist, soll nicht weiter gepflegt werden I Das können weder die verantworten, welche die Opposition immerfort des Mangels an rechter Empfindung für Deutschlands Glanz und Ehre bezichtigen, noch die, welche mit uns in der industriellen Ausfuhr den mächtigsten Hebel für die steigende Wohlfahrt Deutschlands erblicken. Unsere Ausfuhr hat im letzten Jahre (ohne Edelmetalle) 3403 Millionen betragen und steht damit nur derjenigen Englands nach, welche 4798 Millionen betrug.
Nach einer neuerdings ergangenen Entscheidung der Ressortminister soll die Beschäftigung von Gerichtsreferendaren bei der Regierung vor ihrer Annahme als Regierungsreferendare, auch wenn diese Beschäftigung auf ihren demvächstigen Vorbereitungsdienst nicht angerechnet werden soll, nicht gestattet werden.
Nach einem neuerlichen Erlaß des Kultusministers ist das Bedürfniß hervorgetreten, die Bezn ksregierungen auf dem Gebiete der Schulaufsicht und der Theilnahme an der
Schulverwaltung im Wege der Dezentralisation zu entlasten. Geeignete Organe hierfür sind insbesondere in der Kreisinstanz in denjenigen kreisfreien Städten vorhanden, welchen Stadtschuldeputationen nach dem Muster der Instruktion vom 26. Juni 1811 gebildet sind und gemeinsam mit dem staatlichen Kreisschulinspekwr die Geschäfte führen. Der Minister । weist darauf hin, daß hier nur in besonders wichtigen Fällen, ' ober wo das Gesetz die Entscheidung den Bezirksregierungen ! besonders zuweist, eine Betheiligung und Mitwirkung der i Regierung erforderlich ist, während im Uebrigen die Stadtschulbehörde selbstständig gestellt werden kann. Beispielsweise wird die aus der Vermehrung der Bevölkerung sich ergebende ! Einrichtung neuer Schulen oder Schulstellen, die Erbauung ; neuer Schulhäuser, die Verlheilung der Lehrkräfte auf die einzelnen Schulen, die Beurlaubung erkrankter Lehrpersonen und die Regelung ihrer Vertretung einer bestimmenden Mitwirkung der Rögierong im Einzelfalle nicht bedürfen, wenn sie nicht zur Entscheidung streitiger Meinungen innerhalb der Stadtschulbehörde augerufen wird. Zur Herbeiführung einer festen Praxis sollen die Königlichen Regierungen nach Anhörung einiger, mit der Verwaltung des Schulwesens hervorragend vertrauter Vorsitzender von Stadtschuldeputationen bezw. Oberbürgermeister bestimmt sormulirte Vorschläge dar- über einreichen, für welche Fälle der Regierung unbeschadet ihres allgemeinen Aufstchtsrechts in den vorbezeichneten Städten eine bestimmende Mitwirkung vorbehalten werden muß. Die Grenzen werden so eng zu ziehen sein, als es das staatliche Interesse irgend gestattet, wobei in Betracht kommt, daß auch die Stadtschuldeputationen im Sinne der Instruktion vom 26. Juni 1811 staatliche Aufsichtsbehörden sind. Ihre gleichzeitige Stellung als Verwaltungsbehörden der politischen Gemeinden sichert ihren Beschlüssen und Anregungen zur Vervollkommnung des Schulwesens bei der Vertretung der politischen Gemeinden diejenige vertrauensvolle und zu Opfern bereite Aufnahme, in welcher die beste Gewähr für eine andauernd fortschreitende Ausgestaltung des Schulwesens liegt. Für diejenigen Fälle, in denen ausnahmsweise die Stadtschuldeputationen mit einer Aeußerung über die Auswahl der anzustellenden Lehrkräfte noch nicht befaßt sind, sollen besondere Vorschläge nach Anhörung der städtischen Behörden gemacht werden. Weitere Maßnahmen zur Dezentralisation der Schulaufsicht sind vorbehalten.
In Dresden fand eine konservative Versammlung statt, an welcher etwa 2000 Personen theilnahmen. Zahlreiche Reichstags- und Landtagsabgeordnete aus Preußen und Sachsen wohnten der Versammlung bei. An Kaiser Wilhelm und König Albert, sowie an den Fürsten Bismarck wurden Telegramme abgesandt. Die Redner, unter ihnen Graf Herbert Bismarck, wandten sich gegen die Sozialdemokraten, sprachen sich für Zwangsorganisation des Handwerks und für Schutzzollpolitik aus. Industrie, Landwirthschaft und Handwerk müßten zusammenhalten.
Dem Tanganyika Dampfer-Komitee ist es gelungen, als Kapitän des Dampfers „Hedwig von Wißmann" Kapitän Prager zu gewinnen, diesen alten bewährten Tropen- Seefahrer, der auch die letzte Wißmannsche Dampfer-Expedition von Anfang bis zu Ende mitgemacht und der den schönen, stolzen „Hermann von Wißmann" im Jahre 1893 am Nyassa selbst zusammengebaut und lange Zeit ruhmvoll geführt hat. Kapitän Prager arbeitet zur Zeit an der Kaiserl. Seewarte zu Stettin; es steht zu hoffen, daß seine Vorgesetzten ihn in der Ausführung seines patriotischen Entschlusses nicht hindern werden. Auch der Kunstmaler Rudolf Franke, welcher die Wißmann-Expedition während ihres ganzen Verlaufes begleitet hat, wird an der neuen Dampfer- Expedition theilnehmen.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 8. März.)
Nach Erledigung einer Rechnungssache wird die Berathung des Etats fortgesetzt und zwar beim Etat des Reichstages. Die Budget-Commission beantragt eine Resolution, in welcher die verbündeten Regierungen um einen Nachtragsetat für ein Präsidialgebäude ersucht werden. Ein Antrag von Levetzow-Schmidt-Elberfeld und Genossen aus allen Parteien des Hauses will dagegen eine entsprechende Rate (300 000 M.) gleich in den vorliegenden Etat einstellen. Außerdem liegt hierzu ein Antrag (Resolution Ancker) vor, betreffs Gewährung von Diäten an Reichstagsabgeordnete. Abg. B e ck h (frs. Volksp.) beschwert sich darüber, daß im letzten Sommer die Reichstagsräume zu der Ausstellung für Amateur-Photo- graphieen Hergegebeu worden seien. So etwas sollte doch nicht vorkommen. Abg. Pichler (Ctr.) wünscht, daß die etatsmäßige Anstellung der Reichstags-Stenographen in erhöhtem Umfange stattsinden, sodaß nicht dergestalt wie bisher von Hülssstenographen Gebrauch gemacht werde. Vicepräsident