Hanauer Anzeiger
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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
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M. 56. »»"■"■“
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1897.
Montag den 8. März
Amtliches.
^ctnöRreis ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Dettingen, Bezirksamt Alzenau, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Der Amtsbezirk Alzenau ist vollständig seuchenfrei.
Hanan am 4. März 1897.
Der Königliche Landratb.
V. 2303 I. V.: Schneider, Kreissekretär.
Nimstnaâriân aus item Kreise.
Gefunden: Ein Brief, adresstrt an Herrn M. Günther hier. Zwei Regenschirme nebst Briefmappe (von der Post). Mehrere Theile von einer Taschenuhr. Ein goldner Kinderohrring. Ein goldnes Zwickerkettchen.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 10 Mk.
___Hanau am 8. März 1897-__
^taMreiö ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Sielbau Hana«.
Ku von Kacksttin- und Röhreusieltu.
Die Herstellung von ca. 290 lfd. m Backsteinsiel, ca. 115 lfd. m Steingutröhrenstel und der Einbau von 100 Stück Straßensinkkasten einschließlich aller zugehörigen Sonderbauten und etwaiger Nebenarbeiten soll auf dem Wege des öffentlichen Ausschreibens vergeben werden. Die Pläne liegen auf dem städtischen Sielbau Bureau, Kanalthormühle, vom 8. März 1897 ab zur Einsicht offen, woselbst auch die allgemeinen und besonderen Vergebungsbedingungen, sowie in 2facher Ausfertigung die zugehörigen Anerbietungsformulare nebst Massen- und Preisverzeichnissen gegen Zahlung von Mk. 2.— erhältlich sind.
Die Anerbieten sind vollständig ausgefertigt, versiegelt, frankirt und mit der Aufschrift:
„Anerbieten für die Ausführung von Backstein- und Röhrensielen" spätestens bis
Montag den 15. März 1897, vormittags 11 Uhr, an das Oberbürgermeisteramt der Stadt Hanau abzuliefern. Die eingegangenen Anerbieten werden in Gegenwart der etwa erschienenen Anerbieter eröffnet.
Es wird keinerlei Verpflichtung zur Annahme des niedrigsten oder irgend eines der eingelaufenen Anerbieten eingegangen.
Hanau am 6. März 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 3336
Kleines Feuilleton.
Die erste deutsche Schauspielerin.
Zum 200. Geburtstage der Karoline Neub er, 9. März.
Von Dr. Albert Dresdner.
(Nachdruck verboten.)
Die Geschichte des neueren deutschen Theaters beginnt mit der Karoline Neuberin: vor ihr gab es nur vereinzelte und dürftige Aufsätze zur würdigen Gestaltung unserer Bühne. Es herrschte auf den Brettern ein zuchtloses und rohes Komödiantenthum, dem die gemeinsten Späße gerade gut genug waren, das die Gebildeten mieden, die Litteratur verachtete. Da bahnte die Neuberin mit bewunderungswerther Energie die Reform von den verschiedensten Seiten an; sie schuf zuerst ein litterarisches Repertoir, sie begründete einen entwickelungsfähigen schauspielerischen Stil, sie beeinflußte die Lebensführung der Schauspieler in wohlthätiger Weise. Man hat ihre Verdienste zu Gunsten ihres Mannes, des stillen und fleißigen Johann Neuber, verkleinern wollen: allein neben zahlreichen anderen Beweisen ist vor Allem der beherrschende Eindruck, den Karolinens Persönlichkeit auf ihre Zeitgenossen gemacht hat, ein vollgiltiger Beweis dafür, daß sie es war, die die neue Epoche unseres Theaters einleitete. Es bleibt dabei: Karoline Neuberin ist als die Mutter des deutschen Theaters anzusehen.
Ihr Leben mutbet wie ein Neman an, und Friederike Karoline Neuberin ist fürwahr keine üble Romanheldin. Sie war eine hochgewachsene, gut gebaute, volle Blondine mit einem blühenden anmuthigen lebhaften Gesichte, in dem alles zierlich gebildet war und ein paar große Augen klug in die Welt schauten. Sie war im Leben und auf der Bühne eine Schönheit und wirkte durch ihr Temperament doppelt an
Die Denkschrift zum Marine Etat
ist der Budgetkommission unterbreitet worden. Sie wird auch den hartnäckigsten Zweifler von der Nothwendigkeit der Marineforderungen überzeugen, denn ihre Angaben stellen der deutschen Nation das beschämende Zeugniß aus, daß Deutschland zur Zeit fast wehrlos zur See ist. Es besitzt jetzt nur 9 fertige Panzerschiffe für den Dienst auf hoher See. Die fünf alten Einschraubenschiffe „Friedrich der Große", „Preußen", „König Wilhelm", „Kaiser" und „Deutschland" haben aus der Liste der Panzerschiffe gestrichen werden müssen, weil alle als Schlachtschiffe unbrauchbar und nur die drei letztgenannten Schiffe noch aus fünf Jahre als Kreuzer im auswärtigen Dienst verwendbar sind.
Noch schlimmer sieht es mit den geschützten Kreuzern aus. In England kommen auf jedes Panzerschiff mindestens 2, in Frankreich und Italien 1—2 Kreuzer. Deutschland hat nicht einmal für seine 9 Panzer je einen geschützten Kreuzer; die fünf ungeschützten Kreuzer der „Olga-" und „Arkona"-Klasse find nicht mehr für den politischen Dienst verwendbar. Die Denkschrift will mit Rücksicht aus die engen Verhältnisse in der Nord- und Ostsee für jedes Panzerschiff der Schlachtflotte wenigstens einen geschützten Kreuzer. Die übrigen noch vorhandenen Kreuzer IV. Klaffe haben, weil ungeschützt, geringen militärischen Werth, sind aber noch im Auslandsdienst verwendbar. Die ferner vorhandenen vier Kanonenboote sollen nach ihrer Brauchbarkeit ebenfalls durch Kanonenboote ersetzt werden, da es oft erwünscht ist, über Schiffe mit geringem Tiefgang zu verfügen.
Eingehend beschäftigt sich die Denkschrift mit dem Bestände der fremden Marinen. Will Deutschland ihnen gegenüber auch nur entfernt zur Geltung kommen, so muß es wenigstens die Lücken wieder schließen, die durch das Zurückbleiben der Ersatzbauten entstanden sind. Der Flottengründungsplan von 1873 nahm für eiserne Schiffe eine Lebensdauer von dreißig Jahren und dementsprechend eine Summe von 62/s Millionen Mark für Ersatzbauten an. In Wahrheit haben. die Schiffe aber nur eine durchschnittliche Lebensdauer von 20 Jahren, und die Kosten der Ersatzbauten haben sich in neuerer Zeit um das vielfache erhöht. Nach dem Flottengründungsplan waren 24 Panzerschiffe, 13 Panzerkanonenboote, 23 Kreuzer L—III. Klasse, 11 Avisos, 9 Kreuzer IV. Klasse, 4 Kanonenboote, 10 Divisionsboote und 89 Torpedoboote in Aussicht genommen. Von diesen sind die Panzerschiffe erfahrungsmäßig 25 Jahre, die Kreuzer 20 Jahre, die Avisos und Kanonenboote 15 Jahre, die Divisions- und Torpedoboote 12 Jahre brauchbar.
Durch den Irrthum über die Lebensdauer der Schiffe und die jährlichen Kosten der Ersatzbauten ist der Flottengründungs- plan nie zur Wahrheit geworden. Soll auch nur der in ihm normirte Bestand unserer Flotte erreicht werden, so müssen jährlich rund 1 Panzerschiff, 1 Kreuzer I. bis III. Klasse, 1 bis 2 Avisos, 1 Divisions- und 8 Torpedoboote und alle
ziehend. Denn temperamentvoll und leidenschaftlich war sie von Jugend auf, und es war ihr Schicksal, daß sie nie sich Maaß auserlesen lernte. Es ging übel zu in i^em Elternhause. Der Vater, ein Gerichtvinspektor Daniel Weißenborn, der erst zu Reichenbach i. V., dann zu Zwickau lebte, stand mit ihrer Mutter in schlechtem Verhältnisse: und als die Frau gestorben war, mußte die Tochter die böse Laune und das Podagra des ausbrausenden Mannes entgelten. Schläge, Arbeit und Schelte — da» war ihre Kost; gewiß keine Kost für ein schönes, heißblütiges Mädchen, das sich nach Liebe sehnte. Kein Wunder, daß sich ihr Herz dem ersten Mann ergab, der sie freundlicher behandelte, ja, daß sie selbst ent- gegenkam. So entstand ihre Liebe zu dem Amanuensis ihres Vaters: dem Studenten der Rechte Gottfried Zorn. Sie entfloh mit ihm im Jahre 1712 und sie wollte lieber im Gefängnisse bleiben, als in das verhaßte Joch zurückkehren. Doch das Recht nahm seinen Lauf und Karoline mußte nach Zwickau zu dem alten Weißenborn zurück. Von da ab mag sie nur noch auf Erlösung gesonnen haben. Fünf Jahre später gewann wieder ein Jurist, Johann Neuber, ihr Herz, wieder wagte sie die Flucht und diesmal glückte sie. In Braunschweig wurden die Beiden ehelich verbunden, in Weißenfels traten sie unter das „Volk" des Prinzipals Spiegelberg.
So war das Schicksal Karolinens entschieden. In einer stürmischen Jugend hatte sie gelernt, ihr Leben selbst zu leiten und ihr Ziel fest zu verfolgen, aber auch auf ihrem Willen zu bestehen und Böses mit Bösem zu vergelten. Das sollte sich später zu ihrem Schaden geltend machen; vorläufig aber entfalteten sich ihre günstigen Eigenschaften. Die junge schöne Frau erwies sich sofort als eine ungewöhnliche Schauspielerin und zeigte einen eigenen Stil, der, von ihr später entwickelt, zur Grundlage der deutschen Schauspielkunst überhaupt wurde. Schön, wie sie war, wollte sie auch auf der
2 Jahre ein Panzerkanonenboot in Bau genommen werden. Die normale mittlere Höhe der jährlich aufzuwendenden Bausumme würde demnach bei den gegenwärtigen Lohnverhältnissen u. s. w. etwa rund 45V2 Millionen Mark betragen. Da aber, wie schon hervorgehoben wurde, zunächst die Lücken in dem Schisfsbestande auszusüllen sind, so wird die normale Höhe der Bausumme von 45'/, Mill. Mk. für eine Reihe von Jahren überschritten werden müssen. Unter normalen Verhältnissen sind jährlich etwa 14 Schiffe zugleich im Bau, für das Jahr 1897/98 sollen 17, für das Jahr 1898/99 18 Schiffe (ausschließlich Torpedoboote) gleichzeitig in Bau genommen werden. Diese Zahlen werden indeß nicht größer sein, wie sie am Ende der siebziger Jahre gewesen sind, wo 18—23 Schiffe (excl. Torpedoboote) zugleich im Bau waren.
Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 6. März.)
Das Abgeordnetenhaus beendete heute die zweite Lesung des Etats der landwirthschaftlichen Verwaltung.
Beim Kapitel „Thierärztliche Hochschulen und Veterinärwesen" regt Abg. v. Mendel-Steinfels (kons.) die Vervollkommnung des Impfwesens behufs der Verhütung von Thierseuchen an.
Regierungsratb Küster erwidert, daß ein Antrag auf Aenderung des Viebseuchengesetzes bereits dem Bundesrathe vorliege. Die Frage der Rothlaufverhütung werde binnen wenigen Wochen aufgeklärt sein; über den Krankheitserreger dec Maul- und Klauensenche lägen noch keine Ergebnisse vor. Im nächsten Etat würden Mittel zur Errichtung eines thierhygienischen Instituts an der Thierarzneihochschule gefordert werden.
Auf eine Anfrage des Abg. Schmidt-Warburg (Ctr.) erwidert Regierungsrath Küster, daß die Kreisthierärzte bei der Gehaltsaufbesserung nicht berücksichtigt seien, da sie nicht zu den vollbeschäftigten Veterinärbeamten gehörten.
Der Landwirthschaftsminister erklärt es für geboten, die Kreisthierarztstellen zu vermehren; es fehle aber bei der lohnenderen Privatpraxis an der genügenden Zahl von Bewerbern.
Aus eine Anfrage des Abg. Lotichius (natlib.) erwidert Geh. Reg.-Rath Prof. Müller, daß ein Gesetzentwurf über die Gemeindebullenhaltung für Schlesien und Hessen-Nassau ausgearbeitet werde.
Beim Kapitel „Förderung der Fischerei" verlangt Abg. Lotichius (natlib.) größere Fürsorge sür die Reinhaltung der Gewässer.
Geh. Ober-Reg.- Rath Frhr. v. Seherr-Thoß versichert, daß die landwirthschaftliche Verwaltung stets um die Förderung der Fischerei bemüht sei; doch kämen auch die Interessen der Industrie in Betracht.
Bühne durchaus schön erscheinen, und ihre Begriffe von Schönheit holte sie sich aus der Antike, — wie sie sie verstand. Sie verbannte das Grade, Eckige, Einfache; alle Bewegungen mußten groß, rund, würdig sein, die * Stellung sollte immer an die antike Plastik erinnern; die Könige und Heldinnen, die über die Bühne schritten, mußten sich durch die Feierlichkeit ihres Auftretens gleich als solche legitimiren. Man ging nicht, man schwebte; man gestikulirte nicht, man ruderte mit den Armen; das unvermeidliche Taschentuch in der Hand, flog die Neuberin hierhin und dorthin über die Bühne und sang ihre Verse. Das war ein gespreizter Stil, aber er gestattete doch die Entfaltung von tragischem Pathos und Temperament; es war ein Versuch der Jdealisirung der Bühne, und verglichen mit der rohen und unfläthigen Darstellungsweise der Vergangenheit, war es ein Stil von Adel, Schönheit und Bildung.
Diese Bildung ist es, die von der entlaufenen Tochter des Zwickauer Advokaten so sehr überrascht und imponirt. Durch unermüdlichen Fleiß hat sie ihre Erziehung ergänzt und sich respektable Kenntnisse in der Litteratur, der ^Geschichte und den Sprachen erworben; ein natürlicher Scharfblick aber befähigte sie die Bedürfnisse der Zeit klar zu erkennen. Sie fühlte, daß sie was Besseres sei als ihre Umgebung und wollte vorwärts. Daß sie zu diesem Zwecke mancherlei Intriguen und Künste anwandte, werden wir bei ihrem Charakter gern glauben. Nach einem Jahrzehnte hatte sie ihr Ziel erreicht: sie stand als Prinzipalin an der Spitze einer eigenen Gesellschaft und war im Besitze des Privilegs als „Kgl. polnische und kurfürstl. sächsische teutsche Hof- Komödiantin." Sogleich erfaßte sie ihre neue Ausgabe unendlich viel höher als ihre Vorgänger. Prinzipalin einer mißachteten Bande zu sein und für den schaulustigen Pöbel zu spielen — das war der Ehrgeiz der hochsinnigen Frau nicht. Die Würde des Schauspiels, die künstlerische und