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Hanauer Anzeiger.

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Nr. 54.

Freitag den 5. März

1897.

Amtliches.

^anößrct^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Groß-Steinheim und Hainstadt, Kreis Offenbach, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Gehöfts- und Gemarkungssperre aufgehoben worden.

Hanau am 2. März 1897.

Der Königliche Landrath.

V. 2192 I. L.: Schneider, Kreissekretär.

In Unter- Diddersheim, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Gehöfts- und Gemar­kungssperre aufgehoben worden.

Hanau am 3. März 1897.

Der Königliche Landratb.

J. V.: Schneider, Kreissekretär.

DienftnailiiÄn aus dem Kreise.

Gefunden: Eine wasserdichte Pferdedecke. Ein Taschen- messer. Eine Pelzkappe.

Gelandet: Sechs Stück Verdecktheile von einem Schiff.

Abhanden gekommen: Eine zahme Dohle; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Hanau am 5. März 1897.

^taMâreie ^banau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Die Nichtbefolgung der Verpflichtung der Gewerbeunter­nehmer, ihren Arbeitern unter 18 Jahren, die eine von der Gemeindebehörde oder vom Staate als Fortbildungsschule an­erkannte Unterrichtsanstalt besuchen, hierzu die erforderlichen­falls von der zuständigen Behörde festzusetzende Zeit zu ge­währen (§ 120 Abs. 1 der Gewerbeordnung), konnte vor Erlaß der Gewerbeordnungsnovelle vom Juni 1891 nach § 147 Ziffer 4 a. a. O. nur bestraft werden, wenn der Gewerbeunternehmer zuvor von der Behörde ausgefordert wor­den war, dieser Verpflichtung nachzukommen, und der Nach­weis, daß dies geschehen sei, zu den Akten gebracht worden war. Nach Erlaß der Novelle vom 1. Juni 1891 (§ 150 Ziffer 2 a. a. O.) ist dies nicht mehr die Voraussetzung für die Bestrafung der Gewerbeunternehmer, die den von ihnen beschäftigten gewerblichen Arbeitern die zum Besuche einer obligatorischen oder freiwilligen Fortbildungsschule erforderliche freie Zeit nicht gewähren.

Berlin den 1. Dezember 1892.

Der Minister für Handel und Gewerbe.

In Vertretung: Lohmann.

Kleines Feuilleton.

Unser Heldenkaiser.

Der bekannte Geschichtsforscher Professor Oncken in Gießen hat unter dem TitelUnser Heldenkaiser" bei Schall und Grund in Berlin eine von uns in Nr. 51 des Unter- haltungsblattes bereits erwähnte Festschrift erscheinen lassen, die als eines der schönsten Geschenke für das deutsche Volk zur Feier des hundertsten Geburtstages Wilhelms des Großen angesehen werden muß. Was dieser Arbeit ihren besonderen Werth gibt, sind die Briefe Wilhelms I. an die Kaiserin Augusta, die hier zum ersten Male auf Grund einer beson deren Anordnung Kaiser Wilhelms II. veröffentlicht werden. Es sind das nicht weniger als 26 aus der Zeit vom 5. Juli 1870 bis zum Tage von Sedan.

Wer diese Briete liest, wird aufs neue den edlen Mon­archen in seiner rein menschlichen Hoheit, in seiner außer­ordentlichen Bescheidenheit, in seinem unerschütterlichen Gott­vertrauen, in seiner strengen Gerechtigkeit und Wahrheits­liebe bewundern. Wie ergreift nd sind die Worte, die er unmittelbar nach der Ankunft von Ems in Berlin am 15. Juli niederschreibt:So sind also die eisernen Würfel ge­fallen, schneller als man es erwarten konnte! Gottes Wege sind nicht unsere Wege, und vor seinem Angesichte stehe ich mit ruhigem Gewissen, daß ich diese Katastrophe nicht ver­schulde ! Sein Wille wird weiter geschehen und uns lenken. Amen!" Bei der ersten Nachricht vom Siege bei Wörth ruft er aus:Welch ein Glück für Fritzens ganze Zukunft dieser große, selbstständige Sieg!" Wie rührend klingt seine Klage nach Befahrung der Metzer Schlachtfelder:Bei sol­chen Anblicken mußte man an die denken, die solche Schreck­nisse verm sachten, da hätte man Gramont, Ollivier und noch

Wird hierdurch zur Nachricht und Nachachtung zur öffent­lichen Kenntniß gebracht.

Hanau am 1. März 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 3231

Die Besoldungsaufbesserung im Landtage.

Die verstärkte Budgetkommission des Ab g e ordn et enh aus es setzte am Donnerstag die zweite Berathung der Vorlage über die Gehaltsaufbesserungen fort. Die Regierungsvorlage will hier das Gehalt der Bauin­spektoren auf 3600 bis 5700 Mk. festsetzen. Anträge der Nationalliberalen und des Zentrums wollen das Höchst­gehalt aus 6000 Mk. normiren. Finanzminister Dr. von Miquel tritt diesen Vorschlägen nachdrücklich entgegen; er könne dazu die Zustimmung der Regierung absolut nicht in Aussicht stellen. Er bekämpft die Tendenz, aus der Erhöhung der vorgeschlageneu Richtergehälter Veranlassung zu nehmen zur Erhöhung bei anderen Kategorien. Der Minister be kämpft zugleich mit Entschiedenheit alle weiteren, bezüglich vieler Unterbeamten gestellten Erhöhungsanträge und be­mißt den eventuellen finanziellen Mehrbetrag auf mehrere Millionen. Der Minister ersucht schließlich dringend, wenn nicht die ganze Vorlage scheitern solle, es bei ollen übrigen Positionen bei den Vorschlägen der Regierung bewenden zu lassen. Namens der Konservativen tritt Abg. v. Richtho fen der Auffassung des Ministers bei. Die weitere Diskussion erstreckt sich auf die Anträge über Lehrer an den höheren Schulen, die Oberförster und die Unterbe- amten. Abg. Dr. Sattler (nl.) widerspricht der den An­trägen beigelegten finanziellen Tragweite und will in Konse­quenz der gestrigen Beschlüsse bei den Anträgen verharren. Dr. Dittrich (Z ) tritt für thu nlichste Gleichstellung der Oberlehrerein. Finanzminister Dr. v. Miquel bezeichnet die Anschauung des Unterrichtsressorts in bezug auf die Gleichstellung der Lehrer mit den Richtern als nicht konstant und beruft sich auf die entgegengesetzte, wiederholt dargelegte andere Auffassung des Abgeordnetenhauses. Abg. Ehlers (frs. Vereinig.) ist auch gegen die gestellten Anträge und weist auf die Konsequenzen hin, welche die Gehaltserhöhungen der staatlichen Lehrer für die städtischen Lehrer und die städtischen Budgets haben würden. Abg. Graf Limburg- Stirum (kons.) kritistrt die Finanzpolitik Sattlers. Dieser spare mit Löffeln und gebe mit Scheffeln. Seine Methode der Vergleichung verschiedener Beamcenkategorien entspringe der deutschen Sucht, Alles zu schematisieren, und sei hier gar nicht am Platze. Abg. Im Walle (Z.) will der Gehaltserhöhung für die Bauinspektoren zustimmen, ist aber gegen die Erhöhung für die Lehrer und Oberförster. Nach einer sehr langen Debatte werden bei der Abstimmung höher stehende hinführen müssen, um ihr Gewissen zu rühren! Gott sei gelobt, daß das meinige ruhig dabei sein konnte, wenngleich es wohl dazu angethan war, sich selbst zu prüfen, was man doch selbst wohl verschuldete? Ach, das sind so furchtbar ernste Augenblicke, die man miterkämpft haben muß, um zu verstehen! Und nun der Gedanke, daß es ebenso aussehen müßte auf den Feldern, wo der Kampf am 18. wüthete ! Und wo so entsetzlich viele der besten Bekannten gefallen sind ober verstümmelt!" Und weiter heißt es am 24. August:Ja wohl, mit einer solchen Armee kann man auch nur Erfolge erkämpfen, aber sie leidet auch so, daß mir ordentlich bangt vor einem neuen Zusammenstoß, denn der Feind schlägt sich mit gleicher Bravour! Und noch ist dessen Muth nicht gebrochen."

Geschichtlicher Werth und menschliches Interesse knüpfen sich ganz besonders an die Briefe, die der Kaiser vor Be­ginn des Krieges geschrieben hat, vor allen an die beiden Briefe vom 13. Juli 1870, die unmittelbar nach der Beleidigung des Königs durch Benedetti den frischesten Eindruck von jenem weltgeschichtlichen Ereigniß wiederspiegeln. Der zweite beginnt mit den Worten:Die Benedettische Prätention von heute früh ist nicht allein geblieben, Werther berichtet soeben seine erste Unterredung mit Gramont-Olli- vier, in der sie, ipsissima verba, gesagt haben: Die Hohen- zollern Kandidaten-Beilegung sei überhaupt Nebensache, die Verheimlichung der Unterhandlungen sei eine Verletzung des Kaisers und Frankreichs, also die Hauptsache; diese müsse gutgemacht werden, und dies sei durch ein Schreiben meinerseits an den Kaiser N. zu erreichen, in welchem ich ausspräche, daß ich nicht die Absicht gehabt, den Kaiser und Frankreich zu beleidigen; dies Schreiben könne publique werden und in der Kammer als Verthei­digung Preußens paradiren!" Seiner Entrüstung über diese Zumuthung der französischen Regierung gibt der Kaiser wie

die Anträge auf Erhöhung für die Bauinspektoren, Oberförster, Oberlehrer und Staatsarchivare abgelehnt, und zwar für die Oberlehrer mit 13 gegen 14 Stimmen, für die übrigen Kategorien mit 1 bezw. 2 Stimmen mehr. Die Regierungsvorlage wird genehmigt. Es er­halten also die Bauinspekioren 36005700 Mk., die Ober­förster 2700-5700 Mk., die Oberlehrer 27005100 Mk. und ebenso die Staatsarchivare 27005100 Mk. Gehalt. Bei den Oberlehrern und Staatsarchivaren wird für die Hälfte der Beamten eine feste peusionsfähige Zulage von je 900 Mk. gewährt.

Donnerstag Nachmittag wurde die zweite Berathung der Vorlage über die Gehaltsaufbesserungen fortgesetzt. Bei Pos. 47 ; Spezialkommissare aus der Klasse der Re­gierungsräthe und Assessoren in der landwirthschafilichen Verwaltung ist das Gehalt in der Vorlage auf 2400 bis 5000 Mk. festgesetzt. In erster Lesung war statt dessen 3000 bis 5000 Mk. angenommen worden. Heute wurde das Minimalgehalt nach einem Anträge Bartels gegen den Widerspruch der Regierung auf 2700 Mk. festgesetzt. Bei der Domänen- und Forstverwaltung, bei der Verwaltung der direkten und indirekten Steuern werden durchweg und unter Beseitigung der abschwächenden Beschlüsse erster Lesung, die höheren Sätze der Regierungsvorlage wieder hergestellt. Für die Navigationslehrer setzt die Regierung 2700 bis 4000 Mk. fest. Die Kommission nahm dafür 3000 bis 4500 Mk. an und normirte dementsprechend das Gehalt für die Oberfischmeister auf 27004500 Mk. Eine aus der Kommission beantragte Gleichstellung der Taubstummenlehrer mit den Seminarlehrern wird abgelehnt, ebenso wird eine an­geregte höhere Gehaltsaufbesserung für Rendanten, Gerichts­schreiber und Sekretäre bei den Land- und Amtsgerichten ab­gelehnt. Für Zeichenlehrer (18003400 Mk. nach der Regierungsvorlage) wird das Maximalgehalt auf 3600 Mk. erhöht. Der Beschluß erfolgt mit 14 gegen 13 Stimmen. Für Stationsvorsteher 2. Klasse (18003000 Mk. nach der Vorlage) wird von nationalliberaler Seite die Erhöhung des Maximaigehalts auf 3200 Mk. beantragt. Der Vor­schlag wird regierungsseitig als unannehmbar bezeichnet und abgelehnt. Auch im Uebrigen bleibt der Rest der Vorlage unverändert.

In Bezug auf die weitere parlamentarische Be­handlung der Vorlage ergibt sich eine übereinstimmende Auffassung des Fina nzministers und der Kommission dahin: daß die Vorlage als ein Theil des Etats zu gelten habe, indem unter Hinweis auf den Inhalt der Denkschrift der für die vermehrte Ausgabe benöthigte Fonds in den Etat eingestellt werden soll. Indem die Vorlage ein integrirender Theil des Etats ist, hat das Herrenhaus nur die Mög­lichkeit, die Vorlage mit dem Etat im Ganzen anzunehmen oder abzulehnen, kann aber in Einzelheiten nichts ändern.

folgt Ausdruck:Hat man je eine solche Insolenz gesehen? Ich soll also als reuiger Sünder auftreten in dieser Sache, die ich gar nicht angeregt, geführt und geleitet habe, sondern Prim, und den läßt man ganz aus dem Spiele!" In einem andern, vom 2. August aus Mainz datirten Briefe heißt es:Sollte man es für möglich halten, daß als einer der Gründe der Kriegserklärung aufgeführt wird, daß ich Bene­detti nicht habe empfangen wollen, während ich ihn dreimal empfangen habe und nur das vierte Mal refustrte, weil er mir sagen ließ, er müsse mir nochmals den bereits bestimmt abgeschlagenen Antrag wiederholen, und sah ich ihn doch noch zum Abschied, als ich nach Coblenz fuhr I Man muß wahrlich die Kriegslust bis über die Ohren haben, wenn man solche Gründe zu einem Kriege anführen kann!!! So ist also, zu dem übrigen, auch noch diese persönliche Be­leidigung hier hinzugetreten I" Es sind dies werthvolle Be­lege gegen die sozialdemokratische Behauptung, daß der Krieg 1870 von Deutschland hervorgerufen sei.

Außer seinen sonstigen Vorzügen hat das Buch des Pro­fessors Oncken noch die, daß es volksthümlich geschrieben, billig und prachtvoll ausgestattet ist. Es ist ein deutsches Volksbuch im besten Sinne des Wortes, das die weiteste Verbreitung verdient. **

Sport.

Der Radsport in Amerika. Schätzungsweise gibt es in den Vereinigten Staaten jetzt ungefähr 4 000 000 Radfahrer, in Newyork allein mehr als 200 000. Im ver- flossenen Jahre wurden etwas mehr als 1 000 000 Maschinen, sowohl Zwei- als Dreiräder, von mindestens 250 erstklassigen Fabrikanten verfertigt.