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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich außer Sonn- und Festtags.

Als Gratisbeilage täglich erscheinendes Unterhaltungsblatt.

Nr. 46.

Mittwoch den 24. Februar

1897.

Amtliches. JiaMßrete ^ctnau.

Bekanntmachllngen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Durch Beschluß des Stadtraths vom 16. Februar 1897 ist der Zwangsanschluß an die Tieskanalisation ausgesprochen: (A. für sämmtliche noch nicht angeschlossenen Liegenschaften 1. der Römerstraße,

2. des Neustädter Heumarktes,

3. der Herrngasse,

4. des Kanalplatzes,

5. der Fischergasse,

6. Glockengüsse,

7. Steinbeimerstraße,

8. Altgasse,

9. Hahnengasse,

10. Lindengasse,

11. Frankfurterstraße,

12. Sterngasse,

13. Straße im Bangert,

14. Langstraße von Haus Nr. 62 bis 94 und 55 bis 89 (sämmtlich von Herrngasse bis Hammergasse),

15. Nürnbergerstraße,

16. Mühlstraße,

t!7. Französischen Allee,

18. Schäfergasse,

19. Neustädter Rebengasse,

20. Gärtnergasse,

21. des Neustädter Marktplatzes,

22. der Straße vor dem Frankfurter Thor,

23. Bleichstraße,

24. des Paradeplatzes,

25. der Bangertstraße,

26. Marktstraße von Haus Nr. 5 bis 27 (ungerade Nummern, westliche Seite),

27. Metzgergasse,

28. Altstädter Hospitalstraße,

29. Brückengasse,

30. Schulgasse,

31. Schirnstraße,

32. Rappengasse,

33. Tiefegasse,

34. Altstädter Nebengasse,

35. Haingasse;

B. für die Liegenschaften:

a. Rosenstraße Nr. 27,

b. Fahrgasse Nr. 14,

c. Bebraer Bahnhofstraße Nr. 35, 18, 18a,

d. Steinheimer Landstraße Nr. 4,

6. vor dem Kanalthor Nr. 2, 3, 6, 8,

f. Leipzigerstraße Nr. 1, 5, 7,

g. Judengasse Nr. 2, 4, 6, 8/10/12, 15, 39,

h. Altstädter Markt Nr. 7, 9,

i. Marienstraße Nr. 11,

k. Nordstraße Nr. 5, 7, 10, 18,

1. Bogenstraße Nr. 6, 7, 9, 11a, 15.

Es sind daher gemäß § 2 des Ortsstatuts, betreffend die Entwässerung der Grundstücke in der Stadt Hanau, seitens der Eigenthümer vorstehender Liegenschaften innerhalb zweier Monate Gesuche und Pläne in vorschriftsmäßiger Form an das städtische Hausentwässerungsbüreau zur Prü­fung einzureichen.

Hanau am 20. Februar 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 2625

Am Donnerstag den 25. Februar er., nachmittags von 4 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Ge- Werbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitig­keiten, Klagen 2c. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau am 23. Februar 1897.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts

Dr. Gebeschus. 2689

Der Reichstag und Kreta.

Der Reichstag hat sich, dem Beispiele anderer Staaten folgend, nun auch mit der kretensischen Frage beschäftigt. Aber während dieselbe in den fremden Parlamenten meist zu einer Entflammung der politischen Leidenschaften den Anlaß gegeben hat, ist ihre Besprechung im deutschen Reichsrathhause ebenso ruhig und sachlich in seltener Uebereinstimmung aller Parteien verlaufen. Der Minister Frhr. v. Marschall umgrenzte kurz, doch scharf, das für Deuschland in der kreten­sischen Frage obwaltende Interesse. Die Linie der deutschen Politik ist auch hier: entschlossen einzutreten zur Erhaltung des Friedens!

Lediglich aus diesem Grunde hat der Kaiser die Antheil­nahme eines deutschen Kriegsschiffes an der Flottendemon­stration der Großmächte gegen Griechenland befohlen, denn das Vorgehen der Griechen ist nach deutscher Auffassung ein Verstoß gegen das Völkerrecht und vermöge seiner Rückwirkung auf andere Völker eine schwere Gefährdung des Friedens. Diese Friedensgefährlichkeit zu beseitigen mit den wirksamsten Mitteln, ist nicht sowohl ein Akt der Gerechtigkeit gegen die Türkei, sondern auch die Forderung einer richtig verstandenen Humanität. Es schließt dies nicht die Befriedigung wohlbegründeter Wünsche der christlichen Bevölkerung Kretas aus; eine solche ist denkbar, ohne daß man die Jntegrilât des ottomanischen Reiches anzutasten und nutzlos Blut zu vergießen braucht. Mit voller Thatkraft ver­folgt Deutschland dies Ziel.

Alle Parteien im Reichstage, selbst die Sozialdemokraten, haben durch ihr Verhalten ihre Zustimmung zu diesen Er­klärungen der Reichsregierung zu erkennen gegeben. Auf keiner Seite war man von einer wässerigen Humanität für das Griechenvolk angekränkelt, nachdem dieses sich ohne alle Bedenken über seine finanziellen Verpflichtungen gegen die auswärtigen, besonders deutschen, Staatsgläubiger hinweggesetzt und den Weg der politischen Abenteuer eingeschlagen hat. Um so eigenartiger berührte es, daß der Wortführer der Centrums­partei, Herr Lieber, wohl die Haltung des deutschen Reiches billigte, aber aus dem Verhallen der Großmächte Kreta gegen­über doch auch ihre Pflicht zu einem gemeinsamen Eintreten zu gunsten der weltlichen Papsts Herrschaft folgerte. Die Ver­einsamung, in die sich der Urheber dieses Gedankens versetzt sah, brachte ihn indes schnell zu einer besseren Erkenntniß; er selbst gab schließlich dem Wunsche Ausdruck, daß Deutsch­land in allen auswärtigen Fragen stets einmüthig zusammen­stehen möge. Dieses Bild voller Eintracht aller Parteien, wenn es die Wahrung des deutschen Ansehens nach außen hin gilt, wird seinen Eindruck auf die fremden Staaten nicht verfehlen.r.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 23. Februar.)

Erste Lesung des Gesetzentwurfs betreffend Verwendung der Hälfte des Ueberschusses der Ueberweisungen über die Matrikular-Beiträge pro 1897/98 zur Schuldentilgung. Der § 2 des Entwurfs setzt fest, daß der Betrag, auf welchen die Einzelstaaten pro 1897/98 zu Gunsten der Reichs­schuldentilgung verzichten sollen, gemäß § 1 im Etat pro 1899/1900 zu Gate gerechnet werden und unerhoben bleiben soll, wenn in diesem Jahre die Ueberweisungen hinter den Matrikular-Beitrâgen zurückbleiben.

Schatzsekretär Posadowsky befürwortet die Vorlage und geht dabei auf die bestehende verwickelte Verrechnung zwischen Reich und Einzelstaaten und speziell auf die Be­deutung der Frankenstein'schen Klausel näher ein. Die seit­herige Ueberweisungspolitik könne nicht fortgesetzt werden, einmal wegen der steigenden Ausgaben für Heer und Marine, dann desgleichen für die Kolonien und für die Zwecke der sozialen Versicherungsgesetzgebung.

Abg. Richter (frs. Volkp.) bezeichnet es zunächst als sebstverständlich, daß die Vorlage einer Kommission über­wiesen werde. § 2 sei nur Variation auf das Thema, daß die Einzelstaaten nicht mehr an Matrikularbeiträgen zahlen sollten, als wie sie an Ueberweisungen erhielten. Das Bild unserer Finanzlage sei jetzt von einem nicht speziell Ein­geweihten kaum noch verständlich, durch § 2 aber werde es noch verquackelt. § 2 sei jedoch vollständig unnöthig. Es würde sehr zu bedauern sein, wenn der Reichstag den Entwurf annehme, der nichts weiter bedeute, als ein Automat.

Kleines Feuilleton.

Ein Abstecher nach Kad Uanheim in's Gmmaheim.

Von 0. N. in Hanau.

Der Wanderer, der auf seinem Wege einen schönen Punkt erreicht hat, von dem er die umliegenden Gelände übersehen kann, trennt sich immer schwer von demselben. Liegt dieser Punkt auf bedeutender Bergeshöhe, bietet er eine ausgedehnte Rund- und Fernsicht, und kann er demnach nur mit Mühe und im Schweiße des Angesichts erstiegen werden, so trennt man sich noch schwerer von ihm, denn solch' eine ausgedehnte, weite Aussicht in die Ferne erhebt das Gemüth in eigenthüm­licher Weise. Geht es mir doch schon so, wenn ich die einzige Erhöhung nahe bei Hanau ersteige, den Viadukt beim Ostbahnhsfe. Chimborasso haben einmal einige Hanauer Schulbuben diese Höhe genannt, und wenn man nicht auf den Feldberg oder auf den Hahnenkamm steigen kann, ist man auch damit wohlzufrieden. Da steht das Auge über die Kisselkaute" und nach der anderen Seite über den ganzen Mississippi" hinweg, es folgt den blinkenden Streifen, welche die Schienenstränge nach allen Richtungen auf den Boden zeichnen und begleitet die dahinbrausenden Züge im Geiste soweit es nur mag. Das ist der Grund, warum ich so schwer von dem Dache der Französischen Kirche, auf das ich nun einmal hinaufgeklettert bin, so schwer herunterzubringen bin. Es ist zwar dort oben, namentlich bei den Glocken, etwas unbe­quem; man muß sich winden und drehen, aber die Aussicht aus den Luken ist gar zu schön. Weil ich da eben von Luken spreche, fällt mir ein, daß dieselben am 1. Juni und an Pfingsten Flaggenschmuck tragen werden, und ich denke etwas reicheren als sonst an wichtigen Tagen. Die Kirchen­

gelder sind ja im allgemeinen zu etwas anderem da, als um äußeren Schmuck anzuschaffen, aber ich meine, zu diesem Ehrentage könnte die Kirchbaukasse ein übriges thun und das Thürmchen reich beflaggen, und zwar längere größere Flaggen aus dem unteren Thurmabsatze, etwas kleinere, kürzere aus dem oberen flattern lassen. Heute will ich von da oben in die Ferne schauen, und zwar nach Norden. Dort in der Wetterau, dem gesegneten Landstriche, liegen Burg und Stadt Friedberg und hinter denselben, an einen Ausläufer des Taunus angelegt, der in kurzer Zeit berühmt gewordene Badeort Nauheim. Dieser hat am Ausgang des letzten Jahres auch schon sein Jubiläum gefeiert: zwar nur ein 50 jähriges, aber ein sehr wichtiges; denn am 22. Dezember 1846 trat während eines gewaltigen Orkans, den ein Erd­beben begleitete, der Nauheimer Sprudel zu Tage, welcher seitdem als Heilquelle nicht nur einen europäischen, sondern geradezu einen Weltruf erlangt hat. Er heilt aber auch, zwar nicht in allen Fällen, aber doch in sehr vielen, die Krankheiten des Körpertheiles, der unter allen edlen Theilen die allererste Stelle einnimmt, ich meine das Herz. Es können ja nicht alle am Herzen Leidenden in Nauheim gesund werden, aber für viele ist das Bad zu einem Heilquell und Gesundbrunnnen geworden. Ich selber bin bis jetzt nicht in die Lage gekommen, mein Herz dort gesund baden zu müssen, da es mir der liebe Gott soweit auch ohne Sprudelbäder ge­sund erhalten hat, und ein gesundes Herz wünsche ich auch allen geneigten Lesern; es könnte aber doch einer oder der andere einmal in die Lage kommen, in der ich mich befand, für ein herzkrankes Kind in Nauheim eine Unterkunft suchen zu müssen. Gibt es denn auch herzkranke Kinder? Leider ja! Ueberhaupt leiden unsere Kinder auch schon an vielen Krankheiten der Erwachsenen. Sie sind schon nervös, über­reizt, mit einem Wort moderne Menschen, gerade wie wir. Zum Verwundern giebts da eigentlich nichts. Wie die Alten

singen u. s. w. Als ich also zum ersten Male nach Nau­heim ging, war es zu diesem Zwecke. Zuerst waren wir im Elisabethenhaus, wir, denn wo es sich um eines Kindes Ge­sundheit handelt, geht die Mutter billig mit diese Anstalt wird von Diakonissen geleitet und ist sehr günstig, in der Nähe mehrerer Gradirwerke gelegen, sie ist aber immer voll­besetzt, und es können Kinder, für die bezahlt werden soll, nur gegen ganz besondere Empfehlung dort ausgenommen werden. So mußten wir weitergehen, fanden aber auch bald den Ort, an dem wir unser Kind mit allem Vertrauen lassen konnten. Es war das Emmaheim, Heilstätte für Kinder ge­bildeter Stände, in herrlicher gesündester Lage, neben dem Kur­haus. Von einem Spital hat die Heilstätte äußerlich gar nichts an sich, denn sie ist eine höchst elegante, mit allen Bequemlichkeiten des modernen Lebens ausgestattete Villa. Vor und hinter dem Gebäudekomplex sind schöne Gärten, die Wirthschaftsgebäude, in welchen Waschküche, Backofen u. s. w. untergebracht sind, liegen in dem Hof. Gleich nach unserem Eintritt führte uns die Leiterin der Anstalt in die Schlafzimmer, wo die meisten Kinder, die eben aus den Badehäusern kamen, in ihren Bettchen das zweite Frühstück einnahmen, um nachher gemächlich zu ruhen, oder auch noch ein Schläfchen zu machen. Diese Bettchen und Schlafzimmer verdienen ein Wort der Beachtung. Was sich nur eine zärt­liche Mutter für ihren Liebling wünschen kann, ist hier in einer Vollständigkeit, einer Gediegenheit und einer Sauberkeit vorhanden, daß man nicht weiß, welches Stück man zuerst oder zumeist bewundern soll. Den Krankendienst bei den Kleinen versieht die Leiterin der Anstalt selbst: es stehen ihr Schwestern vom Rothen Kreuz und ueuerdings Schwestern eigener Ausbildung, wovon unten die Rede wird, zur Seite. Bei Tag und bei Nacht, zu jeder Stunde kann sie selbst an ein Bettchen gerufen werden, denn während der Kurzeit gehört Frau Sanitâtsrath Müller ausschließlich ihren