Hanauer Anzeiger.
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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
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1897.
Montag den 22. Februar
„Amtliche Beilage" Nr. 15.
Amtliches.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Eichen erloschen ist, werden hiermit sämmtliche zur Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche für Eichen angeordneten Sperrmaßregeln aufgehoben.
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 22. Februar 1897.
Der Königliche Landrath
V. 1787 v. Schenck.
Dimstnalliriüiten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Kinderrädchen. Ein gefütterter Gla^è- handschuh. Eine Photographie (am Ostbahnhof). Ein Einlagebuch mit der Aufschrift „W. Holzapfel".
Verloren: Ein Zwicker.
Hanau am 22. Februar 1897.
Höhere Mädchenschule.
Anmeldungen für das am 22. April beginnende neue Schuljahr werden vormittags von 11—12 Uhr im Schulgebäude, Steinheimerstraße 37, entgegen genommen, und es sind hierbei die Geburtâ- und Impfscheine vorzulegen.
In die unterste Klasse IX werden diejenigen Kinder ausgenommen, welche 6 Jahr alt sind. Den geltenden Bestimmungen gemäß finden jedoch auch die Kinder, welche dieses Lebensalter bis zum 1. Oktober zurücklegen, sofern sie in körperlicher und geistiger Beziehung zum Schulbesuche reif erscheinen, zu Ostern Aufnahme.
Hanau den 18. Februar 1897.
Der Dirigent der höheren Mädchenschule
Bungen st ab. ' 2421
Gehaltsaufbesserungen im Reiche.
Die Hoffnungen der höheren und mittleren Reichsbeamten und der Offiziere aus Verbesserung ihres Gehalts werden in diesem Jahre nicht in Erfüllung gehen. Der Reichstag erfreut sich einer anderen Zusammensetzung wie der preußische Landtag, welcher die Frage der Gehaltserhöhungen für die Beamten im preußischen Staatsgebiete bereitwillig ausgenommen hat und glücklich zu lösen im Begriff steht. Während im Landtage die großen S^aatsinteressen in den maßgebenden Parteien immer eine sichere Stütze und folglich immer die ihnen gebührende Berücksichtigung finden, steht im Reichstage das Parteiinteresse obenan. Es fehlt hier an einer zuver
Kleines Feuilleton.
Frankfurter Krref.
Frankfurt a. M., 21. Februar.
Eine bunte Schachtel Nürnberger Spielwaaren mit allem möglichen Krimskrams, steife Holzsoldaten in grellen, unmöglichen Farben, darunter auch ein allerliebstes Wetterhäuschen in echt schwarzwâlder Manier, — das ist das szenische Milieu des neuen Einakters „Das Wetterhäuschen", musikalisches Genrebild von Adrian Roß, Musik von Bertram Selby. Unser Opernhaus hatte entschieden Glück mit dieser harmlosen, aber recht graziösen Novität. Aus nur zwei Personen, einem „Er" und einer „Sie" setzt sich die einfache Handlung zusammen. Beide wohnen einträchtig in einem Wetterhäuschen zusammen; einträchtig natürlich, denn sie bekommen sich überhaupt gar nicht zu sehen. Ist schönes Wetter, dann tritt „Sie" aus ihrer Klause, und „Er" verschwindet; ist der Himmel jedoch mit Wolken bedeckt, dann regiert „Er". Kurz, wir haben es mit zwei veritablen Holzfiguren zu thun, wie sie bei unsern Großeltern in Ermangelung eines Barometers an der Wand hingen. So regieren beide Wetterpropheten in süßer Eintracht in dem kleinen Häuschen bis — sie den begreiflichen Wunsch hegen, sich auch mal von Angesicht zu sehen. Gedacht, gethan. Sie — streiken, sehen sich; — »Er" verliebt sich natürlich in „Sie" und „Sie" in „Ihn" ; sie vergessen Amt und Würde, kurz und gut, Sonne und Regen vereinigen sich unter dem Regenbogen der Liebe. — Zu dieser allerliebsten kleinen Handlung hat Selby eine gefällige, graziöse und niedliche Musik geschrieben, die in ihrer einfachen Weise dem Stoff durchaus angepaßt ist. Das Werkchen war allerliebst ausgestattet und wurde durch Frl. Jenny Fischer und Herrn Hauck prächtig dargestellt. Das
lässigen Mehrheit, die in den großen politischen Fragen ihren Willen maßgebend zu Gunsten der Reichswohlfahrt geltend machen kann. Alle parlamentarischen Entscheidungen sind abhängig von der zufälligen Uebereinstimmung der Fraktionen in einer Meinung, und daß sich dieselben häufiger in der Verneinung, als in der Bejahung gesetzgeberischer Vorschläge zusammenfinden, liegt in der Natur der Verhältnisfe.
Dies tritt von neuem bei der Berathung der Budgetkommission des Reichstages über die vorgeschlagenen Gehaltsaufbesserungen in die Erscheinung. Die Dringlichkeit derselben kann ernsthaft von keiner Seite bestritten werden. Es wäre schon ein unnatürlicher Zustand, der sich bald zum Nachtheil der Reichsverwaltung fühlbar macken würde, wenn durch die Gehaltserhöhungen in Preußen die dortigen Beamten besser gestellt würden, wie im Reiche. Die Parteien im Reichstage sehen darüber hinweg. Der Regierung soll zunächst immer ihre Abhänglichkeit von dem Parteiwillen nahe geführt werden. Die Parteien geben an der einen Stelle nur, wenn sie an einer andern werthvolle Zugeständnisse erhalten und im allgemeinen ihren Einfluß auf die parlamentarische Lage behaupten können.
Zur Zeit fühlen sich einzelne Parteien ersichtlich in einer unbehaglichen Lage. Sie empfinden, daß die Strömungen in den maßgebenden Kreisen ihren Interessen zuwiderlausen. Das Wort des Kaisers von dem Zusammengehen aller nationalen Elemente ist gefalle«. Als eine Rückwirkung desselben auf ihre Entschlüsse ist es anzusehen, daß die Frage über die Gehaltserhöhungen in der Kommission fast durchweg dilatorisch behandelt wird. Die Vertreter der Centrumspartei halten ihre Lösung in diesem Jahre für aussichtslos. Sie verlangen zunächst andere Reformen, die Aenderung der Reisekostenvergütung, die Beseitigung der Gratifikationen aus Besoldungsersparnissen, die Abendkost für die Mannschaften des Heeres, die Aufbesserung der Gehälter der Unterbeamten. Sie schützen auch die finanzielle Lage des Reiches vor. Die Freisinnigen machen ihre Zustimmung daneben noch von einer Reform des Wohnungsgeldzuschusses, des Reisekostentarifs und der Kommunalsteuerprivilegien abhängig. Die süddeutsche Volkspartei will erst die Militärstrafprozeßreform. Aus allen diesen Gründen ergibt sich nur der mangelnde Wille, die Hand zu einer ersprießlichen Lösung der Frage zu bieten. Da ist an eine Verabschiedung der Vorlage nicht zu denken, und die berechtigten Forderungen der Beamten und Offiziere bleiben unerfüllt. — r.
Tagesschau.
Laut telegraphischen Meldungen an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Kaiserin Augusta", Kommandant Kapitän zur See Koellner, am 19. Februar abends von Malta nach Kanea und S. M. S. „Moltke", Kommandant Korvettenkapitän Stiege, am 20. Februar von Messina nach
Publikum nahm die liebenswürdige Neuheit mit heller Freude I auf. Aber warum gibt man solch musikalische Kleinigkeiten in unserem großen Opernhause? Kleine Sachen gehören ins kleine Haus, wohinein wir auch die Operette, das Schmerzenskind unseres Theaters, verweisen möchten. — Kapellmeister Erben's groß angelegte Oper „Ennoch Arden", die bei dieser Gelegenheit nach längerer Ruhepause wieder erschien, wurde ebenfalls freudig begrüßt. Der interessante Stoff verfehlte auch diesmal seine Wirkung nicht, wenn auch die ruhelose schwer verdauliche, in Dissonanzen übermäßig schwelgende Musik Kopfschütteln erregte. — Unser Volkstheater brachte auch wieder den Lachlustigen eine neue willkommene Gabe in dem vieraktigen Schwank „Familie Knickmeyer" von Fritz Berend, der einen großen Heiterkeitserfolg davontrug. Zwar besteht dieses opus fast nur aus ziemlich lose aneinander gereihten komischen Szenen, und hat keine eigentliche Handlung, aber die Einfälle des Herrn Berend sind originell und seine Witze wirklich von zündender Wirkung, so daß man sich das heitere Werk schon gefallen lassen kann, namentlich wenn es so vorzüglich dargestellt wird, wie in unserem strebsamen Volkstheater. In den Hauptrollen waren Herr Salitz (Knickmeyer), Herr Prohaska (Agent Gosewich) und Frl. Lola Gaston als zungengewandtes, allerliebstes Kammerkätzchen von drastischer Komik. Auch Frau Fons und Frl. Dönberg, sowie Herr Steingötter waren lobenswerth. Das Stück wird voraussichtlich noch zahlreiche Wiederholungen erleben. Hoffentlich ist das Volstheater bald in der Lage, ein eigenes Heim sein Eigen nennen zu dürfen, denn die Bühne im Börsensaal ist doch etwas gar zu klein und die Akustik läßt ebenfalls viel zu wünschen übrig. E. Lbm.
Aus Kunst und Leben.
Wilhelm Clobes, unser in des ReichesOstmark weilender junger Landsmann, der sich auch in seiner Heimath-
Barcelona in See gegangen; S. M. S. „Cormoran", Kommandant Korvettenkapitän Brussatis, ist am 20. Februar in Swatow angekommen und beabsichtigt, am 23. Februar nach Amoy in See zu gehen.
Die beiden freisinnigen Parteien sind seit einigen Wochen lebhaft bestrebt, in Anbetracht der im nächsten Jahre bevorstehenden Wahlen zu einer Einigung zu gelangen. Diese scheint aber scheitern zu sollen, wie aus folgenden Mittheilungen hervorgeht: Die Vertrauensmänner der beiden freisinnigen Parteien hielten am Freitag im Reichstag eine Sitzung ab. Seitens der Freisinnigen Vereinigung wurde folgender Antrag vorgelegt: „Wir beantragen: Die Parteileitungen beider freisinnigen Richtungen wollen eine öffentliche Erklärung folgenden Inhalts erlassen : Wir empfehlen unseren Partei- und Gesinnungsgenossen, bei den kommenden Reichstagswahlen — unter thunlichster gegenseitiger Respektirung des gegenwärtigen Fraktionsbesitzstandes — in allen Wahlkreisen, wo ein ernsthafter Kampf gegen das Agrarierthum in Frage kommt, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu vereinigen und diesen dann mit vereinten Kräften nachdrücklich zu unterstützen". Herr Eugen Richter, namens der Vertrauensmänner der Freisinnigen Volkspartei, lehnte diesen Antrag rundweg ab; seine Freunde könnten sich, wie auf keine allgemeine Erklärung, so auch auf diese Erklärung nicht einlassen. Bei diesen gegensätzlichen Anschauungen erschien eine Fortführung der Verhandlungen einstweilen aussichtslos.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 20. Februar.)
Der Reichstag setzte heute die Berathung des Etats des allgemeinen Pensionsfonds fort, zu welchem die Resolution Augst, betreffend die Abminderung der Zahl der Offizierspensionirungen, vorliegt. Abg. Bebel (sozdem.) meint, wenn die Pensionirungsausgaben so zunähmen, wie in den letzten Jahren, so habe das Haus doch wohl ein begründetes Recht, nach den Grundsätzen für die Pensionir- ungen zu fragen. Wir hätten alle Ursache, uns gegen das bei uns herrschende Pensionirungssystem zu wenden. Eine inzwischen eingegangene Resolution Gröber wünscht für die Grundsätze über Anstellung von Militäranwärtern im Kommunaldienste eine Fassung, die eine wesentliche Einschränkung des kommunalen Selbstverwaltungsrechtes vermeide und die Verschiedenheit der Verhältnisse in den Einzelstaaten thunlichst berücksichtige. Abg. Galler (südd. Volksp.) sagt, auch der kunstvollste Aufbau der Ziffern durch den Generallieutenant v. Viebahn stoße die Thatsache nicht um, daß seit 1887/88 die Ausgaben für Osfizierspensionen sich nahezu verdoppelt hätten. Und wenn gesagt werde, daß die Ursachen der Pen- sionirungen sich dem Urtheil des Reichstags entzögen, so antworte er: nein, überall, wo es sich um Gelder der Steuerzahler handle, habe der Reichstag zu urtheilen und
stadt am Maine durch sein litierarisches Schaffen vortheilhaft bekannt gemacht hat und dessen Bühnenspiel: „Walhalla's Weihe" noch lebhaft in der Erinnerung des hiesigen Theaterpublikums steht, vollendete soeben zur Jahrhundertfeier des Kaisertags am 22. März ds. Js. ein vaterländisches Fest spiel in drei Abtheilungen, welches den Titel „Allweg Hoch Zollern" führt und jedenfalls von der Bühne herab glühende Begeisterung auf das Auditorium übertragen dürfte. Die neue Arbeit kann entschieden als bemerkenswerther Fortschritt des strebsamen Journalisten gelten und hat sich der Verfasser besonders bestrebt den auftretenden Gestalten nicht allein eine tiefpoetische Sprache, sondern auch darstellerische Gestaltungskraft zu verleihen, sodaß das Werk das ganze Gepräge einer wirkungsvollen patriotischen Allegorie trägt. Wir beglückwünschen aufs Neue unsere Redaktionslollegen zu der gelungenen Arbeit und werden hoffentlich auch Gelegenheit haben „Allweg Hoch Zollern" am 22. März aus unserem Stadttheater begrüßen zu können. —r.
Der „Deutsche Verein" in Kairo gedenkt aus Anlaß der Feier des 100jährigen Geburtstages Kaiser Wilhelms I. das patriotische Festspiel: „Barbarossas Traum" — in Verbindung mit einer Reihe der Geschichte der deutschen Vorzeit wie der Entwicklungsperioden des deutschen Reiches entnommener Darstellungen in der Form lebender Bilder zur Aufführung zu bringen. Auf Anregung des Herrn Regiffeur Hertel ist man dort der Veranstaltung einer patriotischen Festspielvorstellnng näher getreten, für welche auch das volkstümliche Schauspiel „Hohenstaufen und Hohenz ollern" und Herrigs Volksbühnenspiel „Kaiser Friedrich der Rothbart" an anderen Orten in Aussicht genommen sind.