Einzelbild herunterladen
 

Hanauer Anzeiger.

Abonnementspreis:

Jährlich 9 M., halbjährlich 4 M. 50 Pfg., vierteljährlich 2 M. 2b Pfg. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer 10 Pfg.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich außer Sonn- und Festtags.

Als Gratisbeilage täglich erscheinendes Unterhaltungsblatt.

Jnsertionspreis:

Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfg., die IVafp. Zeile 15 Pfg., die 2sp. Zeile 20 Pfg., die Zsp. Zeile 30 Pfg., die 4sp. Zeile 40 Pf., im Reklamentheil die Zeile 20 Pfg.

Nr. 41.

Donnerstag den 18. Februar

1897.

Hierzu Amtliche Beilage" Nr. 14

Amtliches.

Dimßnaümüitm ans üem Kreise.

Gefunden: Ein neues Portemonnaie mit einer Arbeiter- Wochenkarte LangendiebachHanau.

Entflogen: Eine roth und weiß geherzte französische Taube.

Hanau am 18. Februar 1897.

^mxö&rew ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Auf Grund des Gesetzes vom 6. August 1896, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung (R. G. Bl. S. 685), ordne ich hiermit an, was folgt:

1. Die Bestimmungen der Gewerbeordnung § 33 Abs. 1, 2, 3 unter a und 4 finden auf alle nicht bereits unter Absatz 5 fallenden Vereine, einschließlich der schon bestehenden selbst dann Anwendung, wenn der Betrieb auf den Kreis der Mitglieder beschränkt ist.

2. Ausgenommen hiervon sind die militärischen Casinos und Cantinen, deren Betrieb auf den Meis der Mitglieder beschränkt ist.

3. Die vorstehenden Bestimmungen liefen mit dem 1. April 1897 in Kraft.

Berlin am 27. Dezember 1896.

Der Minister des Innern. v. d. Recke.

Die vorstehende Verordnung des Herrn Ministers des Innern bringe ich mit Bezug auf meine Bekanntmachung vom 16. Dezember v. J. in Nr. 90 der Amtlichen Beilage zum Hanauer Anzeiger hiermit zur allgemeinen Kenntniß. Nach Ziffer I und 3 derselben bedürfen vom 1. April d. I. ab alle nicht bereits unter den Absatz 5 des § 33 der abgeänderten Gewerbeordnung fallenden Vereine einschlietz- lich der schon Bestehenden der Konzesston, sofern dieselben Gastwirtschaft, Schankwirthschaft oder Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus be­treiben, wenn anch nur in der Beschränkung auf den Kreis der Mitglieder.^

Ich mache dabei darauf aufmerksam, daß eine Erlaubniß gemäß § 33 der Gewerbe-Ordnung nur an physische Per­sonen ertheilt werden kann; es ist daher Sache der Vereine, in ihren an den Kreisausschuß zu richtenden Gesuchen ein Mitglied oder einen Angestellten namhaft zu machen, für Wel­ches bezw. welchen die Erlaubniß ausgesertigt werden soll.

Den Anträgen auf Konzessiv»^- Ertl eilung sind von einem öffentlichen Beamten bestätigte Zeichnungen nebst Beschreibung

Kleines Feuilleton.

Die Veranstaltungen des Vaterländischen Franenvereins.

Hanau, 18. Februar.

Das gestrige Hauptfest der Wohlthätigkeitsveranstaltung des Vaterländischen Frauenvereins schloß in prächtiger Weise die diesjährigen Veranstaltungen ab. Man glaubte sich mitten hineinversetzt in ein ländliches Kirchweihfest, ein überaus stimmungsvolles Bild. Zu Beginn des Festes zeigte sich auf der Bühne ein Z igeunerlager in reizender Gruppirung. Eine Zigeunerin trat vor und brachte folgenden poetischen Gruß:

Alle soll ich freundlich grüßen

Von der holden Königin,

Die sich nicht der Lust verschließen

Will in ernstem düstern Sinn.

Freudenfeste läßt sie feiern

Spenden theilt sie reichlich aus,

Und vom Klang der Zithern, Leiern

Tönet wieder jedes Haus.

Unsre Königin ist gnädig,

Voller Güte alle Zeit,

Lieblich, anmuthsooll und ledig Bis der Rechte sie gefreit.

Heute ist das Fest der Feste,

Das wir feiern alle Jahr, Wo wir als Geburtstagsgäste

Bringen unsere Wünsche dar.

der in Betracht kommenden Wirtbsch sitsräume, aus denen die Höhe und Größe der Letzteren ersichtlich sein muß, in zwei- facher Ausfertigung beizufügen.

Hanau den 18. Februar 1897.

Der Königliche Landrath.

V. 1657 v. Schenck.

Höhere Mädchenschule.

Anmeldungen für das am 22. April beginnende neue Schuljahr werden vormittags von 1112 Uhr im Schulge­bäude, Steinheimerstraße 37, entgegengenommen, und es sind hierbei die Geburts- und Impfscheine vorzulegen.

In die unterste Klasse IX werden diejenigen Kinder aus­genommen, welche 6 Jabr alt sind. Den geltenden Bestim­mungen gemäß finden jedoch auch die Kinoer, welche dieses Lebensalter bis zum 1. Oktober zurücklegen, sofern sie in körperlicher und geistiger Beziehung zum Schulbesuche reis erscheinen, zu Ostern Ausnahme.

Hanau den 18. Februar 1897.

Der Dirigent der höheren Mädchenschule Bungenstab. 2421

Tagesschau.

Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S.Kaiserin Augusta", Komman­dant Kapitän zur See Köllner, am 15. Februar in Gibral- tur angekommen und an demselben Tage nach Malta in See gegangen; S. M. S.Moltke", Kommandant Kor­vetten- Kapitän Stiege ist vorgestern in Messina eingetroffen; S. M. S.Kaiser", Kommandant Kapitän zur See Zeye, beabsichtigt am 20. Februar von Hongkong nach Amoy, S. M. S.Arcona", Kommandant Korvetten - Kapitän Becker, gestern von Hongkong nach Foochow, und S. M. S. Cormoran", Kommandant Korvetten- Kapitän Brussatis, am 19. Februar von Hongkong nach Swatow in See zu gehen.

Im Marineoffizierkorps ist durch Kabinetsordre vom 15. Februar eine neue Charge geschaffen worden. Die ältesten 14 Korvettenkapitäne erhalten Oberstlieutenantsrang.

Die vom Deutschen Reich zur Erforschung der Pest nach Ost-Indien entsandte Kommission wird im Laufe dieser Woche die Heimath verlassen, um sich über Brindisi zunächst nach Bombay zu begeben. Vorbehalten bleibt der Eintritt des Geheimen Medizinalroths, Professors Dr. Robert Koch, sofern derselbe zeitig genug die im Auftrage der britischen Kapkolonie übernommenen Arbeiten zur Erforschung der Rin derpest abschließen kann. Europa, von der Pest früher sehr häufig und in verheerender Weise heimgesucht, wurde seit Mitte des 17. Jahrhunderts nur stellenweise mehr betroffen, die Seuchen zogen sich mehr nach dem Orient und nach Asien zurück. Von 1892 bis 1896 hat die Pest ein zwischen Sin-

Achtzehn Sommer sind vergangen Seit sie einst das Licht erblickt Und in JugendSchönheit prangen Sehen wir sie, stolz geschmückt.

Alle kamen wir zusammen Brachten ihr Geschenke dar Der Begeiferung Heil'ge Flammen Lohen heut' durch uns're Schaar.

Auch die Seherin, die Weise, Die allüberall bekannt, Scheute nicht die weite Reise Kam herbei aus fernem Land.

Und sie will ihr prophezeien Was die dunkle Zukunft bringt, Ob sie einen Mann wird freien, Ob ihr Glücksstern nicht versinkt.

Und wir tanzen um die Hohe Und aus unserm Freudenkreis Schallen Lieder, lauter frohe Ihr zum Lobe und zum Preis.

Und an dem Geburts tags feste Rühmen wir mit stolzem Sinn, Uns're Schönste, unsre Beste: Die Zigeunerkönigin!"

Die Königin erwiderte:

Dank Euch, heißen Dank Euch allen Diesem srohbewegten Kranz, Der zu meinem Wohlgefallen Mich umschwärmt im Festesglanz.

Freude soll in meinen Grenzen Heute herrschen früh und spät,

gapore und Shanghai begrenztes Verbreitungsgebiet gehabt. Südlicher als 19 Grad nördlicher Breite ist sie nie vorge­rückt, Bodenbildung und Bodenerhebung haben auf ihre Ver­breitung keinen Einfluß, sie wüthet ebenso in feuchten, wie in trockenen Gegenden, in niedrigen Ebenen wie auf 5000 oder 10,000 Fuß Höhe. Klima und Jahreszeit sind indessen von Einfluß auf dieselbe. In Egypten herrscht die Seuche am stärksten von Februar bis Juni, in Aleppo mehr im Sommer, Juli und August; in Smyrna und Trapezunt im Frühjahr und Sommer, in der europäischen Türkei im Som­mer. Mäßige Wärme scheint ihre Ausbreitung zu fördern, hohe Hitzegrade aber sie ebenso wie Kälte zu hindern. Erstere Beobachtung stimmt mit den in Bombay gemachten überein, so unwahrscheinlich eigentlich auch die geringere Verbreitung bei starker Hitze uns vorkommen mag.

Das Boümar'fche Wort, welches in einer der letzten Reichstagssitzungen fiel, international sei nicht antinational, wird durch die Anfeindungen sozialdemokra­tisch e r s e i t s, welche einem unlängst in Leipzig gehaltenen Volkshochschulvortrage" des Prof. Lamprecht galten, der das Verdienst des Fürsten Bismarck um die nationale Wieder­geburt feierte, in recht eigenartiger Weise illustrirt. Es ist dieselbe Heuchelei, wie mit dem Worte: Religion ist Privat­sache. Alles das ist ein Blendwerk. Wehe dem Genossen, der eine religiöse oder nationale Gesinnung bekunden wollte. Seines Bleibens in der Partei wäre keinen Augenblick länger!

Rach einem Telegramm aus Venedig ist die inter- natiouale Pestkonferenz im großen Saale des könig­lichen Palastes eröffnet worden. Der Unterstaatssekretär im Ministerium des Aeußern, Graf Bonin, übermittelte den Ver­tretern der Mächte den Gruß des Königs, welcher seiner hohen Genugthung darüber Ausdruck zu geben wünschte, daß die Konferenz in seinem Lande stattsände, um hier die Probleme zu studiren, welche das Wohl der Menschheit in so hohem Grade interesstrten. Graf Bonin dankte auch im Namen der Regierung dafür, daß die Wahl der Mächte für die Sitzungen der Gesundheits-Konferenzen zum dritten Male auf Italien und zum zweiten Male auf Venedig gefallen sei. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Arbeiten der Konferenz von einträchtigem Geiste getragen würden, und verlas so­dann folgende Depesche des Ministerpräsidenten Marquis Rudini:Die Sorgen der Regierungsgeschäfte haben mich verhindert, die Grüße des Königs und des Landes den diplomatischen und technischen Vertretern der in Venedig zum Schutze der Völker vereinigten Staaten persönlich zu über­bringen, wie ich es so gern gewünscht hätte. Ich bitte Sie, Herr Präsident, der Versammlung gegenüber der Dolmetscher meiner ausgezeichneten Hochachtung zu sein und derselben den mir von Herzen kommenden Wunsch zu übermitteln, daß ihre Arbeiten gesegnet seien, um die Nation vor einer schweren Epidemie zu bewahren." Graf Bonin theilte sodann einen

Weil mit Liedern und mit Tänzen Meinen Festtag Ihr begeht.

Sorgen, Mühen und Beschwerden Beugen nur zu oft das Herz, Und die Leiden dieser Erden Füllen uns mit tiefem Schmerz. Darum muß es Tage geben, Die der Freude sind geweiht, Die uns allem Gram entheben, Aller ird'schen Traurigkeit.

Wenn wir diese recht genießen Und verständig in der Lust, Freudenquellen lassen fließen Des Genusses uns bewußt Werden sie dem Körper Stärke Neue Kraft dem Geist verleih'n, Daß wir uns dem Tagewerke Mit erhöhter Freude weih'n. Und der heiter'n Lebensfreude Und dem fröhlichen Genuß, Weiht Euch darum alle heute In des Glückes Ueberfluß.

Doch weil allzu schnell und flüchtig Freudenstunden uns entflieh'n, Und die Tage schal und nichtig Dann im Gleichmaß weiter zieh'n, Laß ich mir den Schleier lüften, Der die Zukunft mir verhüllt, Ob mir über dunklen Kräften Sonnig strahlt des Lebens Bild. Trete näher, die du Wahrheit Kündest mit prophet'schem Sinn: Rede Liebste! Schaffe Wahrheit Der Zigeunerkönigin!