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Hanauer Anzeiger.

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Nr. 40.

Mittwoch den 17. Februar

1897.

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Amtliche Beilage" Nr. 13.

Amtliches.

Nimstnachriilileu aus dem Kreise.

Gefunden: Zwei einzelne Kinderhandschuhe. Ein Maschinenschiffchen. Ein Dameuschleier. Ein Kinderrädchen. Ein weißes Taschentuch. Ein Lederriemen. Eine wasserdichte Pferdedecke.

Entlaufen: Ein braungelber Hofhund m. Geschl.

Hanau am 17. Februar 1897.

MâHMr7ers ^attatx.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Auf Antrag der städtischen Behörden ist von dem Herrn Regierungs-Präsidenten zu Cassel der § 6 derAnordnungen zur Sicherung der Verbrauchsabgabe von Schlachtvieh, Fleisch und Fleischwaaren in der Stadt und Gemarkung Hanau" vom 28. November 1888, betr. die Führung eines Schlacht- vieh-Registers durch die Metzger, aufgehoben worden.

Hanau am 11. Februar 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 2334

Bekanntmachung.

Aus der Leonhard Mager'schen Stiftung soll den Sta­tuten gemäß an einen Dienstboten, der wenigstens 10 Jahre bei einer und derselben Familie in der Stadt gedient und sich durch Treue, Fleiß und sittliches Betragen ausgezeichnet hat, eine Prämie verabfolgt werden. Bewerber um dieselbe haben ihre Dienstzeugnisse nebst Gesindebuch bis zum 27. ds. Mts. auf dem Rathhause dahier einzureichen.

Hanau am 13. Februar 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 2232

Tagesschau.

Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe hat gestern mit seiner Gemahlin in voller Rüstigkeit die goldene Hochzeit gefeiert. Morgens um 11 Uhr begann im Marmor­saale des Reichskanzlei palais die Feier der kirchlichen Ein­segnung. Fürstbischof Dr. Kopp in vollem Ornat hielt eine Ansprache über das alttestamentliche Wort:Das fünfzigste Jahr sollst du feiern!" Darnach zelebrirte Dr. Kopp an dem Marien-Altar, welchen die Beamten und Diener in Werki dem fürstlichen Jubelpaar gewidmet haben, die Messe, vom Domchor musikalisch begleitet. Der Altar aus Eichen­holz aus den Wäldern der Fürstin in den Formen der Spät- renaissance geschnitzt, gibt ein interessantes Zeugniß davon, mit welchem Erfolge dieser Zweig des Kunstgewerbes auf den russischen Gütern der Fürstin gepflegt wird. Nach der Feier erschienen der Kaiser und die Kaiserin, um das fürstliche Paar zu beglückwünschen. Das Herrenhaus übersandte ein Blumenarrangement mit den Karten der Mitglieder des Prä­sidiums; der erste Vizepräsident, Frhr. v. Manteuffel, sprach beim Empfange die Glückwünsche des Hauses aus. Das Abgeordnetenhaus übergab ein von Vertretern aller Frak­tionen gestiftetes Blumenarrangement mit den Karten der drei Präsidenten; der Präsident v. Köller sprach die Gefühle des Hauses aus. Der Reichstag vertagte um 3 Uhr die Sitzung, worauf sich das Präsidium und zahlreiche Mitglieder nach dem Reichskanzlerpalais begaben, um ebenfalls ihre Glück­wünsche zu überbringen. Von nah und fern, auch aus dem Auslande waren viele Gäste in der Reichshauptstadt einge­troffen, um theilzunehmen an dem Jubelfeste des allverehrten Staatsmannes, der seit mehr als zwei Jahren an der Spitze der preußischen und der Reichsgeschäfte seines arbeitsreichen und verantwortungsvollen Amtes waltet. Außerdem legen zahlreiche Telegramme aus allen Theilen des Reiches Zeug­niß ab, daß weite Kreise Deutschlands im Geiste theilgenom­men haben an dem Familienfeste des Reichskanzlers. Es sind das Zeichen des Dankbarkeit dafür, daß Fürst Hohen­lohe in einer Zeit, wo viele andere vorgezogen hätten, einen ruhigen Lebensabend in heiterer Sorglosigkeit zu genießen, dem kaiserlichen Rufe folgend, das Reichspanier ergriffen hat, und daß er es hochhält zur Ehre und Ruhm von Kaiser und Reich. Möge es dem vielerprobten und erfolgreichen Staats­manne noch recht lange beschieden sein, an der Seite seiner Gemahlin das Staatsschiff mit seiner weise abwägenden und doch festen Hand durch die vielen Klippen zu steuern, die in sein Fahrwasser hineinragen!

In der Budgetkommission des Reichstags wurde am Dienstag die Fortführung der Besoldungsaufbes­serung berathen, wofür im Etat für 1897/98 10,150,000 Mark ausgeworfen sind. Es wurde zunächst in eine General­diskussion tingetreten und beschlossen, über diese Verhand­lungen einen besonderen schriftlichen Bericht an das Plenum zu erstatten. Referent Dr. Paasche betont die Nothwendig­keit der Gehaltsaufbesserungen und tritt für die unteren Be­amten, namentlich der Post- und Telegraphenverwaltung, ein. Er verlangt gleichzeitig Regelung der Tagegelder und Besei­tigung der Gratifikationen sowie einheitliche Regelung der Kommunalsteuerprioilegien. Hier würde die Annahme einer entsprechenden Resolution am Platze sein. Unterstaatssekretär Dr. Fischer bestreitet, daß bei der Post nach Willkür ver­fahren werde. Korreferent Müller-Fulda bedauert, daß das 'egierungsseitig zur Vorlage beigebrachte Material so dürftig sei. Abg. v. Kardorff tritt auch für die Aufbesserung der Besoldung der unteren Beamten ein. Abg. Richter steht auf dem Standpunkt des Abg. Müller. Auch die Frage des Wohnungsgeldzuschusses müsse gründlich berathen werden. Bloße Resolutionen nützten nichts. Die Frage der Reisekosten bedürfe ebenfalls der Regelung. Das Gefährlichste seien die geheimen Remunerationen, über welche bekanntlich keine Rech­nung gelegt werde. Die Kommunalsteuerfrage dürfe bei der diesmaligen Regelung keinesfalls ausgeschlossen werden. Staatssekretär Graf Posadowsky: Das bureaukratische System müsse eingeschränkt werden, welches eine Folge der früheren Gesetzgebung sei. Die Assistenten könnten statt in 21 Jahren in 18 Jahren aufrücken. Die Postschaffner sollen besser ge­stellt werden, hierüber seien Reichsschatzamt und Reichspost­amt völlig einig. Die Reisediäten müßten nach der Kilo­meterzahl reduzirt werden. Remunerationen sollten nur für wirkliche Leistungen bewilligt werden. In letzter Linie hänge diese Bewilligung allerdings vom Ressortchef ab, und die Frage dürfte sich daher kaum etatsrechtlich regeln lassen. Die Forderung für warmes Abendbrod der Mannschaften werde im nächsten Etat jedenfalls Berücksichtigung finden. Mitt­woch soll in der Generaloebatte fortgefahreu werden.

Dir Generalversammlung des Bundes der Land- Wiethe ist am Montage, wie im vorigen Jahre im Zirkus Busch in Berlin, unter lebhafter Theilnahme aus allen Gegenden des Reiches abgehalten worden. Es mochten wohl gegen 5000 Landwirthe zugegen sein. Die deutschen Land­wirthe waren in allen Abstufungen vertreten, vom Groß­grundbesitzer bis zum schlichten Bauer. Von Abgeordneten waren zugegen °die Herren Graf Mirbach, Ring-Düppel, von Mendel-Steinsels, Freiherr von Riepenhausen u. a. m. Der Berliner Junungsausschuß hatte sechs Herren zu der Ver­sammlung delegirt. Der erste Vorsitzende, Reichstagsabge­ordneter von Plötz-Döllingen eröffnete die Versammlung mit einer längeren Ansprache und schloß mit einem Hoch aus den Kaiser, in das die Versammlnng begeistert einstimmte. Hier­nach erstattete der 2, Vorsitzende, Dr. Rösicke, den Jahres­bericht, worauf Dr. Ruhland über die Bedeutung des neuen Börsengesetzes für die deutsche Landwirthschaft und die letzten Vorgänge an den Börsenplätzen sprach. Als Korreferent sprach der Abgeordnete Hahn. Die Ausführungen beider Redner wurden schließlich in einer Resolution zusammenge­faßt. Dr. Rösicke sprach sodann über die Absperrung der deutschen Grenzen gegen die Einschleppung der Viehseuchen vom Auslande. An die Vorträge schloß sich eine längere Dis­kussion. Klempnermeister Wislokowitz aus Wismar in Meck­lenburg betonte die Nothwendigkeit des Zusammengehens zwischen Landwirthschaft und Handwerk. Jeder Wahlzettel, der für die freisinnige oder die sozialdemokratische Partei von einem deutschen Bauern oder Handwerker abgegeben werde, bedeute einen Spatenstich an dem Grabe der deutschen Land­wirthschaft und des deutschen Handwerks. Unter anderem sprach noch Liebermann von Sonnenberg, der mit einem begeisterten Hoch auf den Fürsten Bismarck schloß, ferner der Abgeordnete Fischer aus Pommern, welcher betonte, daß der Bund nicht ein Junkerbund, sondern ein Bund der Bauern sei. Lebhaften Beifall erregten die Ausführungen des Obermeisters Beck als Vertreter des Ausschusses der ver­einigten Innungen von Berlin, der ebenfalls betonte, daß der Platz des deutschen Handwerks an der Seite der deutschen Landwirthschaft sein müsse. Für beide Theilr heiße es: Treue um Treue!

Deutscher Reichstag. (Sitzung vom 16. Februar.)

Der Reichstag setzte heute die Berathung des Militär­etats bei dem KapitelHöhere Truppenbefehlshaber" fort. Eine hierzu vorliegende Resolution des Abg. v. Vollmar (sozdem.), nach welcher im nächsten Etat der Grundsatz durch- geführt werden soll, daß Fouragerationetr an Offiziere künftig

nur für zum Dienste nothwendige und jedenfalls nur für thatsächlich vorkandene Pferde geliefert werden, wird an die Budgetkommission verwiesen. Beim TitelMilitärärzte" wünscht Abg. Fritzen (Ctr.), daß die Oberstabsärzte mit den Bataillonskommandeuren und die Stabsärzte mit den Hauptleuten erster Klasse in Rang und Gehalt gleichgestellt würden. Der Kriegsminister v. Goßler erklärt, er werde Schritte tbun, um die Stellung der Militärärzte zu verbessern. Bei dem TitelMannschaften" spricht Abg. W eiß (freis. Volksp.) den Wunsch aus, es möchten für die neu errichteten Regimenter nicht völlig neue Militärkapellen errichtet, sondern von den bestehenden Kapellen Mannschaften abgegeben werden. Der Redner berührt sodann die bekannte Börsen­gartenaffaire in Königsberg und meint, die Militärkapellen hätten daselbst unter Kontraktbruch ihre Verpflichtung zum Konzertriren gelöst. Der Kriegsministrr v. Goßler weist darauf hin, daß die Kommission die, Neuforderung für Hoboisten und Stabâtrompeter bewilligt 'habe, und betont, daß er dem Vorredner in der Königsberger Sache nicht zu­stimmen könne. Die Militärkapellen seien allerdings an­gewiesen worden, den Kontrakt zu lösen, aber das Verbot, zu konzertiren, habe sich nicht bis zum Kontraktbruch erstreckt. Abg. Sck a edler (Ctr.) sagt, daß er die Verringerung der Militärkapellen in der Kommission angeregt habe. Abg. Lieber (Ctr.) erklärt, daß sich das Centrum, und zwar einschließlich des Abg. Schaedler, schließlich entschlossen habe, die neu geforderten Hoboisten und Stabstrompeter zu be­willigen. Bei dem KapitelFourageverpflegung" bringt Abg. Schaedler (Ctr.) die Frage des warmen Abend­brods für die Maunichaftm zur Sprache. Staatssekretär Graf v. Posadowsky erklärt, daß für diesen Zweck in den Etat für 1898/99 die Mittel eingestellt würden. Bei dem TitelManöverkosten" beschwert sich der Abg. N adb y l (Ctr.), daß die Entschädigungen für Flurbeschädigungen durch Manöver unzulänglich seien, namentlich auch deshalb, weil die Schadenaufnahme erst sechs bis acht Wochen nach den Manövern stattfinde. Generalmajor v. Gemmingen erwidert, wenn sich die Hauptabschätzung manchmal sechs Wochen hinziehe, so erkläre sich das hinreichend dadurch, daß das Abschätzungsgeschäft in Gegenden mit zersplittertem, kleinem Besitz naturgemäß langsamer vor sich gehe. Im Allgemeinen fielen die Abschätzungen wohl eher reichlich als geringfügig aus. Adg. v. Kardorff (Reichsp.) betont, daß solche Beschwerden weniger vor den Reichstag als viel­mehr vor den Kreistag gehörten. Abg. Bachem (Ctr.) führt aus, es stehe fest, daß die Entschädigungen für Ma- nüverschäden ungenügend seien. Abg. Aichbichler (Ctr.) findet die Entschädigungen für Quartierkosten und Vorspann­leistungen ungenügend. Der Kriegsminister v. Goßler erwidert, daß sich diese Abfindungen nach gesetzlichen Vor­schriften richten. Bei dem KapitelReisekosten, Tagegelder, Vorspann- und Transportkosten" wird eine Resolution des Abg. v. Vollmar (sozdem.) bezüglich einer anderweitigen Regelung der Reisekosten und Tagegelder für Offiziere an die Kommission überwiesen. Eine Resolution des Adg. von P o d b i e l s k i (kons.), welche eine Erhöhung der Vorspann­vergütungssätze anstrebt, wird angenommen.

Nächste Sitzung Mittwoch I Uhr: Fortsetzung der heutigen Berathung; zweite Lefung der Konvernrunasvorlage; Interpellation des Abg. v. Levetzow (kons.), betreffend die Organisation des Handwerks.

Preußischer Landtag. Herrenhaus.

(Sitzung vom 16. Februar.)

Das Herrenhaus erledigte heute, nachdem zunächst die neu in das Haus eingetretenen Herren, Geheimen Kommer- zienräthe Krupp und Frenzel, den Eid auf die Ver­fassung geleistet, in einmaliger Schlußberathung den Staats­vertrag mit Oldenburg wegen Herstellung einer Eisen­bahn von Löhne nach Hesepe. Dem Vertrage wurde die verfassungsmäßige Zustimmung ertheilt, ebenso dem Gesetz­entwurf, betreffend die Rechtsverhältnisse der Auktiona­toren im Geltungsbereich der Versteigerungsordnung für O st f r i e s l a n d und Harlingerland.

Es folgt nun die Fortsetzung der in der vorletzten Plenarsitzung abgebrochenen Berathung über den Antrag des Grafen v. Frankenberg auf Tarifermäß igung für Produkte der Land- und Forstwirthschaft, sowie auf Förderung der Einführung von Staffeltarifen auf den Staatseisenbahnen. Die Kommission beantragt, die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, die Einführung bezw. Wiedereinführung der Staffeltarife für alle Massenartikel der Landwirthschaft und Industrie auf den preußischen Staats­bahnen zu fördern. Hierzu liegt ein Abänderungsantrag des Grafen Udo zu Stolberg-Wernigerode vor, die