Danauer Anzeiger.
Abonnementspreis:
Jährlich 9 M., halbjährlich 4 M. 50 Pfg., Vierteljährlich 2 M. 25 Pfg. —Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer 10 Pfg.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich außer Sonn- und Festtags.
Als Gratisbeilage täglich erscheinendes Unterhaltungsblatt.
Jnsertionspreis:
blnspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfg., die r/s p. Zeile 15 Pfg., die 2sp. Zei e 20 Pfg, die 3f^ Zeile 30 Pfg, die 4$ Zeile 40 Pf, im Reklamentheil die Zeile 20 Pfg.
Nr. 38.
Montag den 15. Februar
1897.
Amtliches.
StcröMr-ers ^attait.
Auf Grund des.§ 5 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landestheilen, sowie des § 143 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung des Stadtraths für den Umfang des Stadtbezirks Hanau folgendes verordnet:
§ 1.
Das Fahren, Reiten und Viehtreiben über den Exerzierplatz vor dem Lamboywald sowie das Betreten des Exerzierplatzes ist Unbefugten verboten.
Zuwiderhandlungen haben Strafe bis zu 9 Mk. eventuell Haftstrafe zur Folge.
Hanau am 11. Februar 1897.
Königliche Polizeidirektion.
P. 1426 v. Schenck.
DimstnaMlüten aus dem Kreise.
Gefunden: Am 14. d. Mts. in der Fallbach ein schwarzer wollener Frauenrock. Zwei Portemonnaies mit je etwas Inhalt. Ein Regenschirm. Eine Briefmarke (von der Post). Ein Schirmzeichen von Heinzinger.
Vom Wasenmeister am 13. d. Mts. eingefangen: Ein braungrauer Hofhund und ein weißer Foxterrier mit schwarzen Placken, beide w. Geschl.
Hanau am 15. Februar 1897.
^faöt^retG ^attatu
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes, Bekanntmachung.
Aus der Leonhard Mager'schen Stiftung soll den Statuten gemäß an einen Dienstboten, der wenigstens 10 Jahre bei einer und derselben Familie in der Stadt gedient und sich durch Treue, Fleiß und sittliches Betragen ausgezeichnet hat, eine Prämie verabfolgt werden. Bewerber um dieselbe haben ihre Dienstzeugnisse nebst Gesindebuch bis zum 27. ds. Mts. aus dem Rathhause dahier einzureichen.
Hanau am 13. Februar 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 2232
Die Herstellung einer eisernen Brücke über den Stadtgraben, Haingasse — Schulhofweg, soll in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.
Zeichnung, Arbeitsauszug und Bedingungen liegen von heute an im Stadlbauamt I, Zimmer Nr. 23 (Rathhaus), für Interessenten zur Einsichtnahme auf.
Kleines Feuilleton.
Das Dach der Französischen Kirche.
Hanau, 15. Februar.
Ich habe auf den versprochenen Artikel etwas lange warten lassen, aber meine geehrten Leser lassen mich zur Stunde noch warten. Ich habe nämlich auf meinen letzten Appell aus Hanau gar nichts Neues erhalten und bitte darum noch einmal herzlich: Wer etwas Interessantes über die Französische Kirche weiß, der theile mirs mit, — und ich zahle was recht ist: eine Mark, zwei Mark, ja für etwas ganz Besonderes, das mir noch unbekannt wäre, würde mich auch ein ganzer Thaler nicht reuen, in der Zuversicht, daß die Kirchenherren der Französischen Gemeinde, die ja so fürchterlich reich sein soll, mir gerne das Geld zurückerstatten würden. — Dagegen habe ich einiges sehr Werthvolle von weiterher erfahren: sehr viel Interessantes aus Elberfeld, das aber zu gut ist, um gleich mitgetheilt zu werden. Das will ich für später aufheben. Ferner aus der Umgebung eine kleine Geschichte, die ich gleich zum besten geben will. Ich kenne sie ja schon lange, ein Fräulein A. N. (die jedoch nicht meine Schwester ist, obwohl unsere Namen einige Aehnlichkeit haben) hat sie mir bereits vor 4 Jahren erzählt. Ein glückliches Zusammentreffen hat mich nun mit der Dame bekannt gemacht, die sie erfahren hat. Diese Dame, die ich versprochener Weise nicht nennen werde, ist jetzt Psarrfrau in einem Dorfe bei Hanau an der Bahn. Als sie noch junges Mädchen war, saß sie einstens als fleißige Kirchengängerin und treues Glied der Französischen Gemeinde in der Kirche beim Französischen Gottesdienst. Neben ihr nahm eine ältere Dame Platz, schlug ihr Gesangbuch auf und fragte dann ihre Nachbarin: Quelle Chanson ? und hielt dabei ihr Gesangbuch verkehrt in der
Verschlossene, mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum 20. Februar d. I., vormittags 11 Uhr, im Stadtbauamt I einzureichen, woselbst die Eröff nung der eingegangenen Angebote im Beisein etwa erschienener Betheiligten erfolgt.
Hanau am 12. Februar 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 2231
Bekanntmachung.
Das aus dem Umbau städtischer Gebäude herrührende
HS(>vit^makrial
(alte Fenster, Thüren, Oesen, Pumpen, Bleirohre, 2 große und 1 kleiner kupferner Kessel, 1 Winde, Seile, Rollen, altes Eisen,
Brennholz iv dergl. m.)
wird
Mittwoch den 17. Februar er., nachmittags ^3 Uhr,
in der Kanalthormühle öffentlich meistbietend versteigert. Hanau am 12. Februar 1897.
Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus. 2159
Die Berathnug des Armeehaushalts
wird von der Sozialdemokratie stets nach bekanntem Muster verwerthet. Das Thema der Duellwuth, der Soldatenmiß- Handlungen, des mangelhaften Beschwerderechts, des geheimen Strafverfahrens, der Behandlung sozialdemokratisch denkender Soldaten, der ungenügenden Verpflegung und der Todesfälle durch Ueberanstrengung oder Verzweiflung ist für sozialdemokratische Zwecke unerschöpflich. Es läßt sich dergleichen immer packend behandeln durch Uebertreibung harmloser und Entstellung thatsächlicher Vorgänge, durch Verleumdung unschuldiger und Beschimpfung fehlender Personen. Diesmal war im Reichstage neben Bebel noch dem Abgeordneten v. Vollmar die Rolle sozialdemokratischer Anklägerei gegen unsere Heereseinrichtungen zugewiesen. Aber der Mißerfolg lag auf ihrer Seite.
Von allgemeine: m Interesse war nur die bewegliche Klage Vollmars über die Unerträglichkeit und Kulturfeindlichkeit der Heere svermehrungen und über die Unmöglichkeit, künftig noch die großen Armeen angemessen zu führen und zu verpflegen. Er pries die Vorzüge des Volksheeres und empfahl eine internationale Vereinigung zur Verhütung der Kriege. Bebel sah sich zu dem Eingeständniß gezwungen, daß er thatsächlich oft von seinen Gewährsmännern für die Mißstände in der Armee hintergangen worden sei, also Verdächtigungen ohne
Hand. Nun muß man wissen, daß im Französischen Gottesdienst nur Psalmen, Psaumes, oder Lieder, wie bei uns, Cantiques, gesungen werden. Indem die Dame fragte Quelle Chanson? klang es im Französischen ebenso, wie wenn wir auf deutsch sagen wollten, welches Couplet wird gesungen? Das ist nun freilich zum Lachen, und die junge Dame, der ich die Geschichte in die Schreibmaschine diktire, kann selber, trotz der Aufmerksamkeit, mit der sie in die Tasten greift, ihr Lächeln nicht ganz verbergen. Aber wie in meiner vorigen Geschichte, liegt hier hinter dem Scherz und dem Lächerlichen etwas sehr Ernstes. Es ist eine alte Geschichte, daß die Emigranten und die Rösugiös ihr Französisch bald vergaßen: Refugiö-Französisch, Friedrichsdorfer Französisch und dergleichen Bezeichnungen deuten darauf hin, daß die Hugenotten in deutschen Landen sehr bald die deutsche Sprache annahmen, ja dieselbe ihre Muttersprache wurde. Sie nahmen aber nicht nur die deutsche Sprache an, sondern auch deutschen Charakter und deutsches Wesen, und dennoch waren sie auf ihr Französisch stolz und hielten fest und treu an ihrem Gottesdienst in französischer Sprache. Diese Sprache war die Erinnerung an die Vergangenheit. In dieser Sprache hatten die armen Verfolgten ihre Gottesdienste abgehalten, mit dieser Sprache waren sie in die neue Heimath gekommen, und so war der Gebrauch derselben wie eine religiöse Uebung. Nicht als Sprachkenner, nicht als perfekte Franzosen wollten sie sich mit ihrem Französisch vorstellen, sondern als pietätvolle, fromme Nachkommen ihrer Voreltern. Natürlich könnte ich auch, wenn ich wollte, die Dame nennen, die so gut Französisch verstand. Sie wird gewiß von der französischen Predigt nicht viel verstanden haben, als sie aber einmal gefragt wurde, warum sie denn in den französischen Gottesdienst gehe, da sie doch so wenig davon verstünde, gab sie zur Antwort: „Ich verstehe zwar nicht viel von dem, was der Pfarrer sagt, aber ich denke darüber nach während der Woche, was er hätte sagen können!"
Grund ausgesprochen habe. Das hinderte ihn freilich nicht, sofort wieder mit Beschuldigungen aller Art gegen Offiziere und Unteroffiziere hervorzutreten. Im übrigen war er sichtbar bemüht, den baldigen Anbruch der republikanischen Glückseligkeit für Deutschland vorherzusagen, da es umgeben sei von der Schweiz, von Frankreich und den — amerikanischen Freistaaten, und die Mehrheit des Volkes bald republikanisch und sozialistisch denken werde.
Diese Ausführungen gaben dem Kriegsminister v. Goßler Gelegenheit zu gründlicher Widerlegung. Erwies darauf hin, daß die stehenden Heere nicht ein Hemmniß, sondern der Schutz der Entwicklung des Landes sind, daß nicht die Kosten für unsere Armee, sondern die für ein Volksheer nnerschwing- lich sind, daß auch nicht die wohlorganistrten großen Heereskörper, sondern die undisziplinirten Massen des Milizsystems der Gefahr mangelhafter Leitung und Verpflegung ausgesetzt werden. Der Minister hielt auch die Anordnungen gegen sozialdemokratische Umtriebe in unserer Armee in ihrem ganzen Umfange aufrecht. Die Sozialdemokratie sei zwar schon im großen und ganzen ein überlebtes Parteigebilde, aber soweit sie sich auf dem Londoner Kongresse und in ihren sonstigen Kundgebungen bethätigt, müsse sie aufs entschiedenste bekämpft werden.
Die Sozialdemokratie hat, so führte Herr v. Goßler aus, wiederholt ihren Atheismus bekundet, wiederholt gegen unsern Kaiser demonftrirt, stets die Vaterlandsliebe verleugnet. Ihre Devise ist: „Ohne Gott, gegen König und Vaterland!" In der Armee legt man Werth auf Religion; denn Gottesfurcht ist die Basis der Treue. Ihre Devise ist: „Mit Gott, für König und Vaterland," folglich ist jeder Berührungspunkt zwischen Armee und Sozialdemokratie ausgeschlossen, und sozialdemokratischer Geist mit allen Mitteln zu unterdrücken.
Der Minister verwies auf die Vorgänge auf dem Londoner Kongreß, um die Sozialdemokratie als eine revolutionäre, wenn auch ohnmächtige Partei zu kennzeichnen. Er zerpflückte den ganzen Strauß Bebelscher Klagen über die Zunahme der Soldatenmißhandlungen, Selbstmorde und Todesfälle aus Ueberanstrengung. Auf Grund statistischer Nachweise stellte er das Gegentheil fest. Auch gab er das Erkenntniß im Fall Brüsewitz kund, um den Vorwürfen gegen das militärische Strafverfahren zu begegnen. Aus der ganzen Reihe wurden die Gegner unserer Heereseinrichtungen zurückgedrängt, und der Sieg blieb unbestritten aus Seiten des Kriegsministers. — r.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 13. Februar.)
(Anm. der Redaktion: Der in der Samstagsnummer enthaltene Bericht über die Sitzung vom 12. d. M. bedarf einer kleinen Richtigstellung. Nach dem uns von unserem Depeschenbureau übermittelten Bericht soll der Kriegsminister in — Und das ist mir eine sehr ernste Erscheinung. Meine verehrten Leser kennen alle die hübsche Geschichte „Kannit- verstan", in der von einem jungen Deutschen die Rede ist, der von einer holländischen Predigt, von der er nichts verstand, mehr gerührt wurde, als von einer deutschen zu Hause, auf die er nicht acht gab. Aus Pietät, aus Frömmigkeit halten die französisch-reformirten Gemeinden an der Sprache der Väter fest, oder haben doch, wie die Hanauer, bis vor Kurzem daran festgehalten, und man soll ihnen diese Treue und dieses Festhalten nicht verargen noch verkümmern. Der Gottesdienst soll vor allen Dingen auf das Gefühl und aus den Willen des Menschen wirken. Daß das Verständniß nicht zu kurz kommen darf, ist selbstverständlich, es ist aber nicht die Hauptsache.
Und nun, nach diesem scherzhaften Präambulum zu dem, was ich eigentlich versprochen hatte: Zum Dache der Französischen Kirche. — Warum ist dieses Dach so fürchterlich hoch? auf diese schon oft gestellte Frage habe ich nach vielem Bemühen drei Antworten gefunden: eine scherzhafte, eine legendenhafte und eine wissenschaftliche. Ob nun die Wahrheit in der einen oder der anderen steckt, das ist freilich wieder eine Frage. Vielleicht wird sie in diesem Jahre gelöst werden. Ich hoffe es wenigstens, es müssen aber natürlich ein Baumeister und ein Gelehrter zusammenwirken, um die Wahrheit zu finden. Einer, der sich nur mit Randbemerkungen besaßt, ist dazu nicht im Stande. Zuerst nun die scherzhafte Antwort. Wenn die Kinder früher fragten, warum das Dach so hoch sei, antwortete man ihnen: Weil zur Zeit des Baues das Holz so billig war! — Folgendes die legendenhafte Erklärung. Die Emigranten hätten auf ihre Kirche als Fremdlinge und bloß geduldete Bekenner eines anderen Glaubens keinen Thurm setzen dürfen. Darum hätten sie ein thurmhohes Dach gebaut und dasselbe mit einer Spitze gekrönt, die nicht als eigentlicher Kirchthurm gelten kann. Wie