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Hanauer Anzeiger.

»<«»<«»: Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau. w.^:

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Nr. 35.

Donnerstag den 11. Februar

1897.

Amtliches, ^anöüretö ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Bruchköbel erloschen ist, werden hiermit sämmtliche zur Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche für Bruchköbel angeordneten Sperrmaßregeln aufgehoben.

Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.

Hanau am 11. Februar 1897.

Der Königliche Landrath

v. Schenck.

Sienjlnaisiridifm aus dem Kreise.

3ugeflogen: Ein Kanarienvogel.

Gefunden: Eine Gummipuppe. Ein Gummischuh.

Hanau am 11. Februar 1897.

.^taöt&rew ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Abbruch.

Der am Ausgang der Ramsay Üraße in den Johannis­kirchplatz stehende Waschküchenbau soll abgebrochen und das Material beseitigt werden.

Die Bedingungen liegen im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 des Rathhauses, für Interessenten aus und können daselbst von heute an eingesehen werden.

Hanau am 5. Februar 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebesch us. 1927

Abbruch und Erdabhub.

Der an den Johanniskirchplatz angrenzende, an die Stadt Hanau übergegangene Gartentheil des Oekonomen Peter Weinig soll sreigelegt, die Umfassungsmauer soll beseitigt, das Gartenterrain bis auf Straßenhöhe abgehoben und ab­gefahren werden.

Die Bedingungen liegen im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 des Rathhauses, für Interessenten auf und können daselbst von heute an eingesehen werden.

Hanau am 5. Februar 1897.

Der Oberbürgermeister

vr. Gebeschus. . 1926

Kleines Feuilleton.

Hygiene des Kalles.

Von Dr. med. Max Radziejewski.

(Nachdruck verbaten.)

Hätten wir doch nur soviel Zeit Für die wahren Freuden, Als wir mit Beharrlichkeit An die falschen vergeuden!

Diese schönen Verse Fulda's fallen mir immer ein, wenn ich einen Ballsaal betrete, wenn Paar an Paar bei mir vor­übersaust, rücksichtslos, blindlings darauf lostanzt, um nach mehr oder weniger kurzer Zeit ermüdet auf einen Sessel niederzusinken. Und das nennt der Mensch Vergnügen, dabei soll man freundlich sein? Doch wer hört auf mich, jetzt in der Regierungszeit des Prinzen Carneval, auf mich gries­grämigen Philister? So ungefähr wurde ich auf einem der unzähligen sogenannten Abendvergnügungen von einem alten, invaliden Gesellschaftslöwen angeredet. Sollte ich jenem er­fahrenen Kenner, der er zu sein schien, Recht geben? oder mußte ich ihm mit Mephisto antworten:

Grau, theurer Freund, ist alle Theorie, Und grün des Lebens goldner Baum.

Ist es denn nicht wirklich des Lebens goldner Baum, den wir vor uns grünen sehen, wenn die Jugend mit lachen­dem Auge, gerötheten Wangen, leichter Behendigkeit im wogen­den Spiele vor uns auf- und niedertaucht? Fröhlichkeit durch­schallt den Raum, die Last und Sorgen des Tages scheinen vergessen und nur der eine Wahlspruch herrscht: carpe diem, genieße die Stunde. Und so soll es auch sein, so muß es uns in unserem Kampf um das Glück beschieden sein, es wenigstens für einen Augenblick zu sehen, wenigstens doch an dasselbe einmal glauben zu dürfen, wenn wir es auch nicht

Schulnachricht.

Das neue Schuljahr wird Donnerstag den 22. April d. Js. beginnen. Die Anmeldungen finden unter Vorlage der Geburts- und Impfscheine in der Zeit vom 8. bis zum 22. Februar d. Js. vormittags von 11 bis 12 Uhr in den betreffenden Schulgebäuden statt und erfolgen

1. für die Knabenmittelschule bei Herrn Rektor Bart­muß, Schulhaus am Johanniskirchplatze,

2. für die Mädchenmittelschttle bei Herrn Rektor Jckler, Bebraer Bahnhofstr. 9,

3. für die Knabenvolksschule bei Herrn Rektor Die­terich, Neubau neben dem Knabenmittelschul-Gebäude,

4. für die Mädchenvolksschule bei Herrn Rektor Umbach, Nebengasse 13 (Neustadt).

Schulpflichtig werden zu Ostern d. Js. alle Kinder, welche das 6. Lebensjahr bereits vollendet haben oder bis zum 30. September d. Js. vollenden werden. Dieselben sind daher in der angegebenen Zeit ordnungsmäßig zur Schule anzumelden.

Wenn schulpflichtig gewordene Kinder geistig oder körper­lich so wenig entwickelt sind, daß sie an dem Klassenunterrichte noch nicht erfolgreich theilnehmen können, so haben die Eltern oder Vormünder dieselben unter Vorlage der ärztlichen Be­scheinigung dennoch zur Schule anzumelden, damit zum Nach­weise der erfüllten Schulpflicht das Erforderliche gewahrt werde.

Kleinkinderschulen dürfen Kinder nicht über das bezeichnete Lebensalter hinaus in Pflege behalten.

Die Unterlassung der rechtzeitigen Beschulung schulpflichtiger Kinder unterliegt den Strafbestimmungen über unentschuldigte Schulversäumnisse.

Hanau den 2. Februar 1897.

Der komm. Stadtschulinspektor

Bun gen st ab. 1658

Viehseuchen.

Der Frage, wie sich den verheerenden Viehseuchen vor­beugen lasse, hat neulich das preußische Abgeordnetenhaus nahezu drei volle Sitzungen gewidmet. Den Anlaß zu den Debatten gab ein vom konservativen Abgeordneten Ring ein­gebrachter Antrag. Darnach soll das über die See- und Landquarantänen eingehende ausländische Vieh einer vier­wöchigen Quarantänezeit und einer Tuberkulinprobe unter­worfen, die Einfuhr russischen Geflügels und russischer Schweine untersagt und schließlich laut Artikel 6 der Vieh­seuchenkonvention mit Oesterreich-Ungarn sofort zeitweise Sperre gegen die Rindvieh-Einfuhr aus Oesterreich-Ungarn angeordnet werden. Der Antrag wurde mit einem Zusatz angenommen, worin die Staatsregierung ersucht wird, eine Spezialkommission von Landwirthen, Veterinärärzten und

dauernd an uns zu fesseln vermögen. Das ist Hygiene des Balles, die Hygiene der Seele während jener Festesstunden. Es ist hier nicht meine Sache, auf die unzähligen Gründe einzugehen, aus denen ein Ball aufgesucht wird, diese oder jene bekannten Nützlichkeitszwecke anzuführen, die geplagte Eltern, besorgte Vormünder zum stundenlangen Aufenthalt in den bewegten Räumen veranlassen, ich denke jetzt nur an den ethischen Standpunkt, der uns den Ballsaal angenehm machen sollte, die wohlthätige Anregung der Psyche. Jugend fühlt sich wohl immer nur bei Jugend recht heimisch und unstreitig beeinflußt ein merklicher Altersunterschied das gegenseitige Ver­ständniß für die Regungen des Herzens und der Seele und für das jeweilige Interessengebiet der Jahre und der damit eng verbundenen Lebensstellung. Wie selten haben die jungen Mädchen doch Gelegenheit, ungenirt und unbefangen nach unserem strengen, oft unbegreiflichen Gesellschaftskodex mit den jungen Männern zu plaudern, wenn nicht in der Tanzpause oder auch dem Eisvergnügen; und wenn auch die Unterhal­tungen meist fad und gesucht, gekünstelt sein sollen, so liegt dies zumeist an der Zufälligkeit und Plötzlichkeit der gegen­seitigen Begegnung, heben sich bekannterweise jedoch durch häufigeren Verkehr. Und nur durch diesen kann das Ver­ständniß der beiden Geschlechter für einander reifen, um nicht gesellschaftlich unerzogen den einen oder andern in falsche Bahnen gelangen zu lassen, sondern Beziehungen zu gestalten, die auf Achtung und Neigung gegründet sind. Nur durch wiederholte Zusammenkünfte lernen die Menschen einander so kennen, daß sie sich stets mit Anstand und Rücksicht begegnen und sich bemühen, einander in ideeller Form Freude zu be­reiten. Ein kleiner Rath eines alten Kenners wäre an dieser Stelle vielleicht nicht unangebracht:

Wenn Dir der Himmel zwei Geschenke gibt,

Dann fehlt's bei Männlein Dir und Weiblein schwerlich; Erzählen können macht Dich rasch beliebt,

Zuhören können macht Dich unentbehrlich."

Bakteriologen zur wiffenschaftlichen Feststellung der Jnku- bationsdauer der Maul- und Klauenseuche d. h. der Zeit, während welcher ein angestecktes Thier den Keim der Seuche in sich trägt, ohne schon spezifische Krankheitserscheinungen zu zeigen zu berufen.

Bei dem fchweren Schaden, der vornehmlich durch die Maul- und Klauenseuche unserem Volkswohlstände und ganz besonders den kleinen Landwirthen zugefügt wird, ist das dringende Verlangen nach rasch und evtschieden wirkenden Abhülfsmitteln erklärlich. Leider ist man über die Ent­stehungsursachen der Maul- und Klauenseuche noch nicht unterrichtet. Zu der wichtigen Frage, ob die Krankheit nur vom Auslande eingeschleppt wird, oder ob sic auch in Deutsch­land selbst entstehen kann, steht bisher Behauptung gegen Behauptung. Wäre es erwiesen, daß wir die Maul- und Klauenseuche ausschließlich vom Auslande erhalten, so würden Maßregeln, wie sie der Antrag Ring bezweckt, durchaus an­gebracht sein. Der Beweis ist bisher aber noch nicht ge­führt worden. Im Gegentheil scheint die Thatsache, daß auch Frankreich, Holland, Oesterreich, Rußland u. s. w. ver­seucht sind, dafür zu sprechen, daß es sich um epidemische Krankheiten handelt, die mit einem Male nicht zu beseitigen sind.

Was zur Verhütung der Seuche« und ihrer Unterdrückung durch die Staatsbehörden geschehen konnte, ist in dankens- werther Weise geschehen. So ist die Tuberkulinprobe, die im Antrag Ring gefordert wird, bereits eingeführt. Auch ist aus Grund des § 6 der Biehseuchenkonvention mit Oesterreich- Ungarn wiederholt die Grenze gesperrt worden, wenn die Einschleppung von Seuchen festgestellt war. Gegenwärtig weitere Sperrungsmaßregeln anzuordnen, ist die Regierung nicht ermächtigt; dies kann erst dann geschehen, wenn die Voraussetzungen des genannten Paragraphen vorhanden sind, das heißt, wenn neue Fälle von Seucheneinschleppung vor­liegen. Ebenso wenig ist die Staatsregierung berechtigt, die lOtâgige Quarantänefrist auf 4 Wochen zu verlängern, da aus Grund wissenschaftlicher Untersuchungen sestgestellt ist, daß die Jnkubationsdauer innerhalb 10 Tagen liegt. Diese Untersuchungen sind im Reichsamt des Innern angestellt worden. Eine neue Kommission zu ernennen, würde wenig Zweck haben, da bereits alle Autoritäten ihre Ansicht ge­äußert haben.

Was die Gänseeinfuhr aus Rußland betrifft, so ist fest­gestellt, daß dadurch in der That die Geflügelcholera in vielen Fällen eingeschleppt ist. Aus diesem Grunde hat die Re­gierung, nach den Erklärungen des Ministers Freiherrn v. Hammerstein, bereits Verhanduungen eingeleitet, die voraus­sichtlich zu einer Beschränkung der Einfuhr aus Rußland und Oesterreich Ungarn und einer mehrtägigen Quarantäne führen werden. Die Grenzen zu sperren, würde den Handelsver­trägen zuwiderlausen. Anders steht die Sache mit dem Ver­bot der Schweineeinfuhr aus Rußland. Dieses soll erlassen

Wenn wir jetzt also zugeben, daß ein Ball im ethischen Sinne wenigstens wirken kann, ist er es nach der körperlichen Seite hin sicherlich in größtem Maaße im Stande. Ich meine hier natürlich nicht so sehr den Ball selbst mit seinen zahl­reichen Vergnügungsvariationen, sondern das Tanzen an und für sich. Wieviel ist doch hierüber schon geschrieben worden, daß es fast überflüssig ist, noch Mehreres hinzuzufügen. Tanzen ist ein Sport, eine körperliche Uebung, wie jede andere, nur muß sie verständig und wirklich schön ausgebildet sein. Die graziöse, leichte, sichere Haltung des Körpers in mancher­lei ungewohnten Stellungen geben ihm eine Plastizität, eine Geschmeidigkeit, die ihn jede neuhinzutretende, überraschende Bewegung leicht ausgleichen und ausführen läßt. Schneller pulstrt das Blut durch die Gesäße, und das überflüssige Fett wird durch den hervorbrechenden Schweiß abgeführt. Die trägen Muskeln werden angeregt zu ausgiebigeren Beweg­ungen und der Stoffwechsel gehoben. Brust und Leib er­leichtern die Athmung, der Brustkorb weitet sich aus, unter­stützt durch die Kraft der Musik wird die Willenskraft auf den einen Gegenstand sestgebannt, sich dem Rythmus anzu­paffen, und die sonst weithinstrebenden Gedanken ruhen für eine Zeit lang in ihren Gehirnzellen. Endlich klingen alle diese Erscheinungen in eine wohlthuende Ermüdung aus.

Aber ist denn auf unseren Bällen wirklich so hygienisch vorgesorgt, wie es eben geschildert wurde, oder treten uns zumeist nicht ganz andere Bilder entgegen? Mit raschen Schritten will ich über die Schädigungen hinweggehen, die nur zu oft das unverdorbene Gemüth eines jungen Mädchens aus erotisch reizender Haltung während des Tanzes davon­getragen hat, wie man es leider nur zu oft in den öffent­lichen sogenannten Tanzlustbarkeiten zu sehen Gelegenheit hat. Die Unterhaltungen, von den Eltern nicht belauscht, werden lascive und bringen die junge Seele in Gedankensphären, deren Folgen täglich die Lokalberichte der Tagesblätter füllen.