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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich außer Sonn- und Festtags.
Als Gratisbeilage täglich erscheinendes Unterhaltungsblatt.
Nr. 34.
Mittwoch den 10. Februar
1897.
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 11.
Amtliches.
DienstnallirilKten aus tlem Kreise.
(Verloren: Ein Gebund Schlüssel (5 Stück).
Entlaufen: Ein gelbbraunes Huhn.
Zugelaufen: Am 6. d. Mts. ein schwarzer Dachshund mit braunen und weißen Flecken, 'm. Geschl.; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Oberissigheim. Ein hellbrauner Rehpinscher w. Geschl., mit Marke Nr. 773.
Gefunden: Ein rothes Taschentuch. Ein kleines Portemonnaie mit einigen Pfennigen und Spielmarken.
S Hanau am 10. Februar 1897.
^taötRreiö ^banau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die zwecks Abgrenzung einer Straßenfläche erforderliche hölzerne Einfriedigung am Johanniskirchplatz soll in einer Länge von 32 Meter in öffentlichem Angebot vergeben werden.
Die Bedingungen liegen im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 des Rathhauses, von heute an für Interessenten auf und sind verschlossene Angebote bis zum Montag den 15. Februar, vormittags 11 Uhr, daselbst einzureichen, zu welcher Zeit die Eröffnung in Gegenwart erschienener Interessenten stattfindet.
Hanau am 6. Februar 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 1983
Oeffentliche Sitzung des Gemeinde-Ausschuffes
Donnerstag den 1L Februar 1897,
nachmittags 5 Uhr.
Berathungs-Gegenstânde:
1. Abänderung des Statuts für Ablösung der Bauholzberechtigungen der Altstadt, sowie Rückerstattung von Mk. 2682.11 an die Ältst. Berechtigungskasse.
2. Mittheilung des Stadtraths, Zahlung der Zinsen des Reservefonds der Sparkasse pro 1896.
3. Gutachtliche Aeußerung der Wasserwerksdirektion wegen der Gartenbegießung.
4. Stiftung des Herrn Vizebürgermeisters Heraeus anläßlich der städtischen Jubelfeier Mk. 10 000, Beitrag für eine
Kleines Feuilleton.
Melanchthons 400. Geburtstag und sein Jubiläumsdenkmal in Bretten.
Der 16. Februar steht vor der Thür und damit der denkwürdige Tag, an dem vor 400 Jahren in Bretten, damals zur Kurpfalz, jetzt zum Großherzogthum Baden gehörig, einer der größten Männer aller Zeiten geboren wurde. Verehrt doch in Melanchthon der Gesammtprotestantismus seinen Reformator und den bedeutendsten Mitarbeiter Luthers, Deutschland seinen Lehrmeister und die wissenschaftliche Welt einen einzigartigen Gelehrten und Schriftsteller, ja einen Pionier der Neuzeit. Wer wollte es sich aber angesichts des Jubelfestes nehmen lassen, das Gedächtniß an die gewaltige Persönlichkeit und unvergleichliche Wirksamkeit Melanchthons zu erneuern und dem Dank für den reichen Segen, der von dem großen Manne ausgeströmt, auch durch Darreichung einer Gabe für das Denkmal auf der Geburtsstätte, das einzige überhaupt, das gelegentlich der 4. Centenarfeier errichtet wird, sichtbaren Ausdruck zu geben?
Lenkt naturgemäß das Geburtstagsjubiläum die Aufmerksamkeit auf den Geburtsort, so darf sich Bretten noch des besonderen Vorzugs rühmen, daß sein größter Sohn nach seinen eigenen Worten keinen Ort in der Welt mehr liebte, als den Platz, wo seine Wiege stand, und wegen dieser Vorliebe bei einer bestimmten Gelegenheit auch veranlaßt wurde sich zu rechtfertigen. So hat denn jedenfalls im Sinne Melanchthons an seinem Geburtstage die Stätte, wo er gewirkt und heimgegangen, Wittenberg, neidlos Bretten den Vortritt zu gestatten, und das um so mehr, als die Mauern Wittenbergs mehrere Denkmäler von ihm und für ihn um
Heilstätte für Lungenkranke, sowie Verwilligung eines gleichen Betrags seitens der Stadt.
5. Anschaffungen sür das Standesamt, Mk. 600, E.-O. I pro 1897/98.
6. Umbau des Pfarrhauses an der Johanniskirche, Mk. 8000, E. O. Titel I 8 pro 1897/98, Spezialbewilligung.
7. Herrichtung von Büreaurâumen im Stadtschloß für das Standesamt, Mk. 1300, E.-O. Titel I 9.
8. Ausbau der Straße Nr. 17 (hinter dem Landkrankenhaus), E.-O. Titel III 4 pro 1897/98.
9. Entfernung alter Kanäle, Mk. 6100, E.-O. Titel III 5 pro 1897/98.
10. Ersatz der Entwässerungskosten des Hauses Vorstadt 40, Mk. 1500, E.-O. Titel III 6.
11. Ankauf von Straßengelände am Kleinbahnhof, Mk. 6000, E.-O. Titel II 5a.
12. Herstellung von Cementtrottoirs in der Nürnbergerstraße, Mk. 5000, E. O. Titel IV 1.
13. Desgleichen zwischen Theater und Hammergasse, E.-O. Titel IV 2.
14. Versetzung rc. des Röhrenbrunnens, Mk. 2150, E.-O. Titel I 10.
15. Hauptetat pro 1897/98: 1985
E. u. A. 1133 000 Mk. (Ordinarium), „ „ „ 528 300 „ (Extra-Ordinarium).
PferdeversicherungsVerein für den Landkreis Hana«.
In der Vorstandssttzung am 23. v. Mts. ist beschlossen worden, pro I. Semester 1897 zu erheben:
1 ^/o Prämie,
^0 ^l™1^^! von neu eintretenden Mitgliedern. 4% Nachzahlung- s
Ich ersuche die Herren Taxatoren, alsbald die Abschätzungen der Pferde vorzunehmen und mir solche zuzusenden.
Hanau am 9. Februar 1897.
Der Vorstand.
H. Jung.
England und Deutschland.
„Fahr hin, lammherzige Geduld."
Der offiziöse Draht bringt die schier unglaubliche Meldung, der englische Unterstaatssekretär des Krieges habe sich im Unterhause die Bemerkung gestattet, daß England überhaupt keine Rekruten erlangen würde, wenn es sie der Sklaverei unterziehen wolle, der sie im deutschen Heere unterzogen würden.
Seit mehr als einem Jahre ist Deutschland an gehässige Angriffe von englischer Seite gewöhnt. Erst vor ganz kurzer Zeit wurde behauptet, indische Arbeiter in Deutsch-Ostafrika
schließen, Bretten dagegen bis vor einigen Wochen an der Geburtsstätte nur ein am Anfang des 18. Jahrhunderts errichtetes und dazu neuerdings baufällig gewordenes Haus besaß. Ueberdies liegt Bretten nicht, wie vielfach angenommen wird, fernab vom Verkehr, sondern bildet den Knotenpunkt mehrerer Hauptstrecken der Eisenbahn, so daß es noch leichter als Wittenberg von Besuchern erreicht werden kann.
Wie ist das Jubiläumsdenkmal gedacht? Diese oft an die Leiter des Unternehmens gerichtete Frage soll in folgendem beantwortet werden. Der Plan zu dem Melanchthonhaus mit Gedächtnißhalle und Museum rührt von Dr. Nikolaus Müller, Professor der Theologie an der Universität zu Berlin, her, demselben, der auch namentlich durch seine litterarische Beschäftigung mit Melanchthon und durch seine landsmänni- schen Beziehungen zu ihm vor nahezu 2 Jahren veranlaßt wurde, den ersten Anstoß zu der Ehrung des Reformators, Schulmannes und Gelehrten zu geben. Im Anschluß an diesen Plan wurde der Erbauer der Kaiser-Friedrichs Gedächtnißkirche in Berlin, der Wiederhersteller des Nathhauses in Heilbronn, der 1. Preisträger bei der Konkurrenz für den Rathhausbau in Stuttgart u. s. w., Vollmer, Professor an der technischen Hochschule in Charlottenburg-Berlin, beauftragt, die Ausführung zu übernehmen, wozu er sich denn auch, zusammen mit seinem Kollegen, Architekt Jassoy, willig finden ließ. — Die Rücksicht auf Melanchthons Persönlichkeit und Wirksamkeit legte es von vornherein näher, als Form für sein Denkmal ein würdiges Gedächtnißbaus, wie etwa ein prunkvolles Erzstandbild zu wählen, ein Gedächtnißhaus, für das freilich nicht das Modell der ursprünglichen Geburtsstätte, weil Abbildungen davon fehlen, sondern zeitgenössische Bauten und einzelne Motive von solchen zum Ausgangspunkt genommen wurden. Für die Auswahl derselben schien es besonders bedeutsam zu sein, womöglich solche Gebäude heran
würden barbarisch behandelt; als diese Behauptung widerlegt wurde, tauchte die nicht minder unwahre Behauptung auf, Deutschland begünstige den Sklavenhandel in Afrika. Es sei ferner daran erinnert, daß im Winter vorigen Jahres, als wegen der Transvaalangelegenheit die Wogen der Erregung hüben wie drüben hochgingen, englische Staatsmänner geschmacklose Anspielungen auf Deutschland machten. Die deutsche Presse blieb die Antwort auf diese Anfeindungen nicht schuldig, die deutsche Regierung aber enthielt sich offizieller Schritte. Sie war auch nicht dazu genöthigt, denn es handelte sich theils um von privaten Personen ausgesprochene Beleidigungen und Verdächtigungen, theils um Aeußerungen, die zwar von Staatsmännern gethan waren, die aber wohl Geschmacklosigkeiten, do v nicht direkte Beleidigungen enthielten. Hier aber liegt der Fall anders. Hier hat ein in hoher Stellung befindlicher Staatsbeamter öffentlich eine schwere und unerhörte Beleidigung ausgestoßen, die geeignet ist, das Ansehen Deutschlands herabzudrücken, wenn dieses nicht Genugthuung verlangt und erhält. Wenn die Flagge eines Staates von privaten Personen in einem anderen Staate beschimpft und verletzt wird, so wird feierliche Genugthuung verlangt und gewährt. Allen Respekt vor der symbolischen Bedeutung der Flagge. Aber es erfordert wohl nicht minbere Sühne, wenn von Staatsmännern die Ehre einer Institution angegriffen wird, die zu den wesentlichsten Einrichtungen des deutschen Reiches gehört und deren Vortrefflichkeit wir überhaupt dieses Reich zu verdanken haben.
Nun ein anderes, eine kurze Beleuchtung der Unterlagen der englischen Behauptung. In seinem Werke über den Kriegszug Lord Napiers gegen Magdala schildert Rolfs die abschreckende Behandlungsweise, die den englischen Soldaten zutheil wird; er schildert u. A. wie sie öffentlich barbarisch geprügelt werden. Seitdem sind allerdings etwa 30 Jahre vergangen, aber viel besser ist es im englischen Heere nicht geworden. Rohheit der Vorgesetzten gegen die Untergebenen, Meutereien der Soldaten sind an der Tagesordnung. Wie anders im deutschen Heere. Annähernd 600 000 Bewaffnete zählt das deutsche Heer und die Sozialdemokratie muß ihr Spionagesystem aufs Aeußerste anstrengen, um alljährlich eine bescheidene Zahl von Mißhandlungen aufs Tapet bringen zu können, von denen sich ein Theil noch dazu nachher als übertrieben oder gänzlich erfunden herausstellt. Dieser Unterschied zwischen dem deutschen und englischen Heere ergibt sich ja von selbst, wenn man berücksichtigt, wer in Deutschland und wer in England das Offizierkorps und die Mannschaft bildet. Wer ist der deutsche Offizier? Ein gründlich für seinen Beruf vorgebildeter Mann, ein Mann, oft aus den ersten und reichsten Familien des Landes, der das Waffenhandwerk nicht des Soldes wegen ergreift, sondern weil es seit Jahrhunderten in der Tradition seiner Familie liegt. Wer ist der englische Offizier? Der jüngere Sohn einer Familie, die das Erbe voll dem ältesten Sohn erhalten will,
zuziehen, die Melanchthon aus eigener Anschauung kannte, so das von ihm im Jahre 1535 in Wittenberg errichtete Wohnhaus, die Erfurter Universität, deren Portal als Vorbild für den Brettener Neubau benützt ist u. s. w. Wenn auch das Museum mit seinen Erinnerungen an Melanchthon, im Einzelnen handschriftliche Aufzeichnungen von seiner Hand, Gemälde, Kupferstiche, Holzschnitte, Medaillen mit seinem Bild u. s. w., vor Allem die noch nirgends in der Welt auch nur annähernd vollständig gesammelten gedruckten Werke von und über ihn, sowie die Schriften feiner Freunde und Gegner, bei der Frage der Gestaltung des Gedächtnißhauses ein wichtiges Wort mitzusprechen hat, so darf es doch keineswegs allein den Ausschlag geben. Wäre doch sonst zu befürchten, daß ein Denkmal für Gelehrte zustande käme, während doch nur ein Gedenkzeichen -feine Ausgabe erfüllen kann, das die Dankbarkeit der Gegenwart den Geschlechtern der Zukunft zu verkünden geeignet ist, überdies aber die Fähigkeit besitzt, auch dem gewöhnlichen Mann Anregung zur Erweiterung seiner Kenntnisse und zur Vertiefung seines Glaubensbewußtseins zu gewähren. So dürfen denn die Sammlungen nur einen Theil des Ganzen ausmachen. Zu ihnen muß sich eine Reihe von Räumen gesellen, bei deren Ausstattung und Schmuck die verschiedenen Zweige der Kunst Hand in Hand zu gehen haben, um auf Verstand und Gemüth zu wirken. Mit dem Gedächtnißhaus verbindet sich aber noch eine besondere Absicht. Da hie und da die Denkmäler von den Bewohnern der Orte, wo sie errichtet sind, auf die Dauer nicht die genügende Beachtung finden, damit aber ihren Zweck nicht voll und ganz erfüllen, so gilt es, in dem Neubau namentlich einen Raum auszusondern, der für olle Zeiten ein Bindeglied zwischen der evangelischen Gemeinde zu Bretten und ihrem Landsmann und Reformator zugleich bildet, ein Raum, der es ermöglicht, einen Theil der seither in den beiden Stadtkirchen gehaltenen Gottesdienste in das