Hanauer Anzeiger.
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Nr. 32.
Montag den 8. Februar
1897.
Amtliches.
^Lanö&ret# ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Bürgel und Hainstadt, Kreis Offenbach, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöfts- und Gemarkungsperre angeordnet worden.
In Klein-Krotzenburg, desselben Kreises, ist die Seuche erloschen und sind die Sperrmaßregeln ausgehoben worden.
Hanau am 5. Februar 1897.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
Iimstnaiüriijitm aus ckem Kreise.
Gesunden: Ein Buch „Verein deutscher Schuhmacher" für Karl Hagelstange aus Ellrich a/Harz. Ein kleines Kettchen mit Bettelmünzen.
Geländet am 6. d. Mts. in Kesselstadt ein ca. 10 m langer Erlenstamm; nähere Auskunft ertheilt der Gemeindeortsdiener dortselbst.
Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.
Entflogen: Ein Kanarienvogel; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Hanau am 8. Februar 1897.
^taöt^reie ^banau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
I Abbruch.
Der Remisenbau im Stadtschloß, Litra E., soll abgebrochen und das Material beseitigt werden.
Die Bedingungen liegen im Zimmer Nr. 23 des Rathhauses — Stadtbauamt I — von heute an für Interessenten auf.
Der Kastellan des Stadtschlosses wird Interessenten die Bestchtigung des Remisenbaues ermöglichen.
Hanau am 5. Februar 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 1873
Am Dienstag den 9. Februar er., nachmittags von 4 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.
Hanau am 6. Februar 1897.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts
Dr. Gebeschus. 1891
Kleines Feuilleton.
Sta-ttheater in Hanau.
Tie gestrige Abendvorstellung im Stadttheater brachte uns nochmals eine Aufführung der Anno'schen Gesangsposse „Der Schwiegervater" mit Direktor Conrad Dreher aus München in der Rolle des Steinklopfers Mathias Schlegel als Gast. Das prächtige komische Gestaltungstalent des geschätzten Gastes übte auch diesmal auf das zahlreich erschienene Publikum seine Wirkling, das Herrn Dreher für seine gelungene Leistnng mit lebhaftem Beifall auszeichnete. Herrn Drehers Komik äußert sich stets nur in den Grenzen, die ihm seine Rolle gegeben, sie bleibt maßvoll und ist doch von überwältigender Wirkung. Hofsentlich haben wir das Vergnügen, den hier so rasch beliebt gewordenen Künstler noch recht oft auf unserer Bühne begrüßen zu können. Die übrigen Vorstellungen der letztvergangenen Woche brachten uns statt der erhofsten ersten Wiederholungen von „Fiesko" und das „Heirathsnest" eine solche von „Schmetterlingsschlacht" am Mittwoch und eine Aufsührung des Wolfs'schen Schauspiels „Preciosa" am Freitag. Daß die unwahrscheinliche Handlung und die überschwenglichen Verse des letzterm Stückes es dem einigermaßen Gebildeten schwer genießbar machen, haben wir schon früher betont und nur die schöne und reizvolle Musik, die Carl Maria von Weber dem Schauspiel beigegebeu, lassen eine Aufführung desselben noch als einen Genuß gelten. Die Rollen des Stückes lagen zum größten Theil noch in den Händen ihrer vorjährigen Vertreter. Der Preciosa gab Fräul. Hesse wieder ein recht anmuthiges liebliches Gepräge, Herr- Stöckel war ein jugendlich feuriger Don Alonzo. Recht drastisch wirkend war Frau Lanius als Zigeunermutter und Herr Huhn entwickelte als Schloßvogt Pedro wieder einen kräftigen Humor. Herr Ludwig und Herr Philippi gaben ihren beiden Alten dem Don Fernando und Don Francisco ein recht würdevolles Gepräge und Frau Leseur als Donna Clara war ebenfalls mit Glück bemüht ihrer Rolle die beste Seite abzugewinnen. Herr Grösser als Don Eugenio fügte sich ebenfalls mit Erfolg in das gute Ensemble ein. Weniger wollte uns Herr- Grau als Zigeunerhauptmann gefallen, über seine große Rede ging er zu flüchtig hinweg und im dritten Akte schien Herrn Grau die Situation des Zigeunerhauptmanns, der von Preciosa mit der Flinte vor sich her dem Schlosse zugetrieben wird, einfach lächerlich. Wenn wir dieses Herrn Grau auch nachfühlen können, so war er aber doch genöthigt als Vertreter der Rolle nur den Intentionen des Dichters nachzukommen und fein eigenes Gefühl zu unterdrücke». Die übrigen Vertreter wurden
Die konservative Partei
hat die Leitung der Parteiangelegenheiten einer neuen Hand anvertraut. Herr v. Manteuffel vermag wegen Ueberbürdung mit Amtsgeschäften die Parieiführerschaft nicht mehr auf sich zu nehmen; an seine Stelle ist Herr v. Levetzow, der viel- bewährte ehemalige Reichstagspräsident, getreten. Dieser Vorgang verdient Beachtung. Das Parteileben macht den Eindruck der Zersplitterung. Wie oft haben die großen Interessen des Vaterlandes den Bestrebungen der Parteien nachstehen müssen.
Fest auf ihrem Pol ruht nur eine einzige Partei, die Vertreterin des sozialen Umsturzes. Aber die ihr eigenen Vorzüge straffer Disziplin und zielbewußter Taktik sind verzerrt durch die Mängel ihres Charakters und durch die Unlauterkeit ihres Handelns. Ihre Eintracht ist wohl eine sehr wirkungsfähige, doch keine sittliche Macht, denn sie stellt lediglich die Gemeinsamkeit der in der Verneinung, nicht in der Förderung vaterländischer Interessen einigen Elemente, sowie die Summe des gegen Christenthum und Kultur, gegen Bildung und Besitz angesammelten Klaffenhaffes dar.
Sie ist eine unmittelbare Gefahr für den Staat und das Volksleben. Ihr bloßes Dasein fordert schon den geschlossenen Widerstand aller in vaterländischem Boden wurzelnden Parteigebilde heraus. Statt dessen aber gefallen sich die gleichmäßig bedrohten, nicht sozialrevolutionären Volkskreise in Rechthaberei und Selbstsucht, in dem Spiel mit Phrasen und in dem Kampfe gegen selbstgemachte Gespenster. Dem deutschen Bürgerthum wird der Schemen einer junkerlich-agrarischen Reaktion vorgehalten und seine Beschwörung mit „liberalen" Zaubersprüchen als das vornehmste Gebot bürgerlicher Selbsterhaltung gepriesen, bloß damit die Fraktionen auch ferner Spuren ihres Daseins hinterlassen.
Da erwachsen für die konservative Partei als Vertreterin großer und dauernder vaterländischer Jntereffen besondere Aufgaben, wenn sie für den sicheren Fortbestand von Staat und Gesellschaft, die Fortentwickelung der nationalen Wohlfahrt und die wohlwollende Berücksichtigung gerechter Volkswünsche eintreten will. Die Wahl des Herrn v. Levetzow zum Parteiführer zeugt von Fe sti g- keit und Klarheit des Wollens, von Klugheit und Mäßigung. Sie wird die vaterländisch gesinnten Bürger sammeln helfen und die Wege ebnen, auf denen ein gemeinsames Arbeiten mit den verwandten nationalen Bestrebungen sich ermöglichen lassen wird. r.
Tagesschau.
Durch einen Erlaß des Evangelischen Ober- kirchenrathes sind die Geistlichen angewiesen worden, aus
ihren Ausgaben nach Kräften gerecht. Der Zigeunerchor war wie vergangenes Jahr durch Mitglieder des Gesangvereins „Fröhlichkeit" verstärkt, infolgedessen die Chöre zu recht wirkungsvollem Vortrag gelangten. Das Theaterorchester unter Leitung des Kapellmeisters Kutschenreuter wurde seiner Aufgabe in bester Weise gerecht und brachte die herrliche Musik von Weber in verständnißvoller Weise zu Gehör.
Aus Kunst und Leben.
Hanau, 8. Februar.
Eine Goetheerinnerung. Zu den verschwundenen Erinnerungsstätten an Goethe wird in kurzem auch die bekannte Gerberwühle bei Frankfurt a. M., die in des Dichters Leben eine Rolle spielt, gehören. In den Jahren 1814 und 1815 ist Goethe dorthin zu seinem Freunde Willemer oft und gern gewandert. Dort !hat er auch die Suleika seines „West-östlichen Divan" gefunden, sowie die „schöne Müllerin." „Wir wollen nach der Mühle wandern" läßt er auch den sein Sonntagsvergnügen aufsuchenden Handwerksburschen im „Faust" sagen, wobei er die Gerbermühle im Sinne hat. Ganz freilich, wie sie zu Goethe's Zeit aussah, stellte sich die Gerbermühle schon seit vielen Jahren dem Beschauer nicht dar. Die Ansicht von der Frankfurter Seite erschien anders, da das Haus eine Veränderung erfahren hat. Dagegen zeigen die Ansichten von Osten her noch heute unverändert den damaligen Bestand des Hauses und seiner nächsten Umgebung. In kurzer Zeit soll nun die Gerbermühle den neuen Hafenbauten weichen.
Altgriechische Urauentracht. In Griechenland ist, wie schon mitgetheilt, eine Bewegung im Gange zur Einführung einer griechisch-nationalen Frauentracht, und zwar soll die gegenwärtig bei allen feierlichen Anlässen getragene al- banesische Tracht durch die griechische ersetzt werden. Die Ar
Anlaß der 400jährigen Wiederkehr des Ge burtstages Philipp Melanchthons am 16. Februar d. J. in der Predigt des Hauptgottesdienstes am Sonntag Septuagesimä, den 14. Februar d. I., dieses Gedächtnißtages und der hohen Bedeutung Melanchthons für das Werk der Reformation und die Entwicklung der evangelischen Kirche in geeigneter Weise zu gedenken. An dem genannten Tage soll eine Kirchenkollekte abgehalten werden, deren Ertrag zum größten Theil zu Gunsten des zum Gedächtniß des großen Reformators in seiner Vaterstadt Bretten zu errichtenden Monumentalbaues, zum geringeren Theile auch zur würdigen Ausstattung des in Wittenberg befindlichen Sterbezimmers Melanchthons verwendet werden soll.
Aus dem allgemeinen Theil der kürzlich dem Reichstage vorgelegten neuen Grun-bttchor-nung für das deutsche Reich sind zwei Vorschriften von besonderem Interesse, nämlich die über das Recht der Einsicht der Grundbücher und die über die Haftung für vorgekommene Fehler. In ersterer Beziehung bestimmt der Entwurf, daß die Einsicht und dementsprechend das Recht auf Ertheilung einer Abschrift jedem gewährt sein soll, der ein rechtliches Interesse darlegt. Nicht verlangt wird hier im Gegensatz zu meisten heute bestehenden Gruudbuchgesetzen eine förmliche Glaubhaftmachung deS Interesses. Diese Aenderung bietet namentlich für die Bauhandwerker eine wesentliche Erleichterung, ohne daß sie die Gefahr eines Mißbrauchs der Oeffentlichkeit des Grundbuches in sich schließt. Die andere Vorschrift von besonderer Bedeutung besagt, daß bei Benachtheiligungen durch vorsätzliche oder fährlâssige Verletzung der Amtspflichten der Grundbuchbeanten die sonst den Beamten treffende Verantworlichkeit direkt auf den Staat übergehe. Der Beschädigte braucht nicht erst, wie nach der preußischen Grundbuchordnung, zunächst den Beamten anzugehen und erst, wenn von dem nichts zu Holm ist, sich an den Staat zu halten, sondern der Staat hat unmittelbar für allm Ersatz aufzukommen. Dem Staate sollen allerdings die Regreßansprüche gegen die Beamten vorbehalten bleiben.
Der plötzliche Rückzug -er Derwische hat in Italien begreiflicher Weise große Befriedigung hervorgerufen. Was die Derwische zu ihrem Rückzüge veranlaßt haben mag, ist, so berichtet jetzt auch die „Pol. Korr." aus Rom, bis jetzt noch ein Geheimniß, da man nicht annehmen kann, daß sie die Stellung der Italiener in und um Agordat nicht gekannt haben sollten und sich der Hoffnung Hingaben, diesen befestigten Platz mittelst eines Handstreiches einnehmen zn können. Wohl aber wäre es denkbar, daß die Derwische durch falsche Berichte irregeführt, die Stellung der Italiener im Allgemeinen für eine schwache und gefährdete hielten und sich dadurch zu ihrem Vormärsche verleiten ließen, als sie sich aber von ihrem Irrthume überzeugten, schleunigst den Rückzug antraten. Jedenfalls ist es eine Thatsache, daß die Derwische ihre Stellungen bei Nacht und Nebel geräumt und
chäologen und Künstler setzen Gelehrsamkeit und Talent an die Lösung der Aufgabe, ein geschmackvolles und zugleich der antiken Ueberlieferung möglichst getreues Gewand zusammenzustellen. Die Anregung zu diesem Gedanken ging von dem letzthin in Athen gebildeten Verein griechischer Frauen aus, der auf nationaler Grundlage den Sinn für das Familienleben verbreiten, das Erziehungswesen heben und Wohlthätigkeits- unternehmungen fördern will. Der hervorstechende Zug des zu gleicher Zeit in Agrinion bei Mesolonghi gebildeten Comites griechischer Damen ist das für die Ehemänner gewiß sehr er freuliche Bestreben, die Kleidung so einfach wie möglich zu gestalten, was bei dem gerade im Innern des Landes getriebenen unglaublichen Luxus zweifellos seine Berechtigung hat. Für den kommenden April wird in dieser Stadt auch ein Frauenkongreß stattfinden, auf dem sämmtliche, die griechischen Frauen berührenden Fragen zur Besprechung gelangen sollen.
Ein be-euterr-er Reinfall. „Richard Strauß hat ein Orchesterwerk ,Der Schnupfen' vollendet. Das Thema soll sowohl nach der komischen wie nach der tragischen Seite hin erschöpfend behandelt sein. Für das Hauptmotiv hat der ,junge Meister^ ein neues Instrument erfunden, das gleichzeitig gestrichen und geblasen wird." — So las man dieser Tage in der Festzeitung des Berliner Presse-Balles in dortigen Blättern. Jedenfalls ein guter Witz! Was thun nun aber die „Dresdener Nachr."? Sie nehmen die Sache bitter ernst und schreiben ganz bissig: „Vielleicht setzt ein Modernes nun auch einmal die in den weitesten Kreisen bekannte ,Influenza^ in Szene. Jedenfalls dürfte es geboten erscheinen, sich derartigen Musikwerken ohne einen genügenden Vorrath von Anti-Febrin und ein halbes Dutzend solider Taschentücher nicht zu nähern." — Ja, wen Hütte der Haß nicht schon blind gemacht!