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Hanauer Anzeiger

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Nr. 29.

Donnerstag den 4. Februar

1897.

Amtliche Beilage" Nr. S.

Amtliches. j)iniüimfiri(sitni aus dem Kreise.

Verloren: Ein rechter Knabenhandschuh. Ein Regen- hirm mit weißem Griff (in einem Geschäft stehen geblieben), ine Brille. Ein Portemonnaie mit 8 Mark. Am 24. v. Hts. in der Nähe der Ulanenkaserne ein Spazierstock.

Gefunden: Ein Marken-Konsumbuch Nr. 1201. Ein -ortemonnaie mit etwas Geld. Ein Gummischuh.

Hanau am 4. Februar 1897.

^faöt^retö /^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Bei der Gefahr bevorstehenden Hoch­wassers des Mains sind zur Verhinderung des Ein- ingens von Siel-Rückstauwasser in die an die städtischen fiele angeschlossenen Liegenschaften, die in den letzteren be- ndlichen Hochwasserverschlüsse zu schließen.

Es werden daher die Besitzer von Liegenschaften, in wel- en Hochwasserverschlüsse eingebaut sind, hierdurch aufgefor- Tt, dieselben in ihrem eigenen Interesse jetzt schon nachsehen ib schließen zu lassen.

Hanau am 4. Februar 1897.

Städtische Polizeiverwaltung.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 1731

Die Flotte.

Bei der augenblicklichen Weltlage und dem steigenden usdehnungsbedürfniß der Nationen gewinnt die Flotte nicht ur eine erhöhte Bedeutung, sondern sie rückt immer mehr i den Mittelpunkt des nationalen Interesses. So sehen ür denn alle Staateu dabei, ihre Flotten zu vergrößern, ngland hat zur Stärkung seiner Seemacht gewaltige Aus- rben auf seine Schultern genommen, desgleichen die Ver- nigten Staaten von Nordamerika. Italien und Rußland ingen für denselben Zweck ebenfalls ganz enorme Opfer; m Frankreich nicht zu reden, von dem man sagen kann, seine ganze Kapitalkraft nationalen Zwecken dient. Hat ; doch sogar für die beschleunigte Herstellung einer der eng- l$tn gewachsenen Flotte das Staatsmonopol für Petroleum i Aussicht genommen!

Daß Deutschland unter solchen Umständen nicht zurück­eiben kann, ist selbstverständlich. Wir müssen uns mit dem

Kleines Feuilleton.

Berliner Kunst.

Berlin, 2. Februar.

Seine Majestät der Kaiser hat sich in Gegenwart der Minister Dr. Bosse, Miquel und Thielen, sowie des Gene- rldirektors der Museen, Geheimrath Schöne, von dem »eheimen Hofbauroth Ihne die von letzterem entworfenen llâne des Museumgebäudes vorlegen lassen, welches speziell ar Aufnahme der gesummten Gemäldegallerie und der Skulpturen mit Ausnahme der Antiken bestimmt sein soll, in weiterer Entwurf betraf ein von jenem getrenntes Äe- äude für die pergamenischen Altertümer. Hiermit ist die rrichtung eines Denkmals für Kaiser Friedrich verbunden, sm ja die Anregung zu der längst geplanten Bebauung der Rufeumäinfel zu danken ist. Auf Wunsch des Kaisers eiben alle näheren Bestimmungen der Kaiserin Friedrich berlassen, und noch in der diesjährigen Session des reußischen Landtages soll die Vorlage zur Verhandlung mimen. Der Wolff'sche Bau für antike Originalskulpturen ârd auf jenem 9000 Quadratmeter großen Terrain erstehen, as sich zwischen dem Neuen Museum und der Natioval- allerie einerseits und dem Viadukt der Stadtbahn anderer- its erstreckt. Die sämmtlichen antiken Originalskulpturen, ie jetzt in dem alten, von Schinkel erbauten Museum stehen, mben nach jenem Neubau übergeführt werden. Die größten nd hervorragendsten Räume dieses Gebäudes sollen selbst- erständlich zur Aufstellung der pergamenischen Skulpturen nd der von Schliemann geschenkten Sammlungen dienen. )as ron Ihne entworfene Renaissancemuseum wird sich uf der vom Viadukt der Stadtbahn abgeschnittenen, etwa 000 Quadratmeter großen Spitze der Museumsinsel er­

Gedanken vertraut machen, daß gegenüber dem riesenhaften Anwachsen der französischen Flotte der ehedem richtige Ge­danke, daß die militärische Entscheidung zwischen Deutschland und Frankreich im Landkriege falle, auf die Dauer nicht mehr zutrifft. Eine verlorene Seeschlacht, die dem Feinde er­möglicht sich Hamburgs zu bemächtigen, Helgoland zu nehmen und nicht nur in den Küstenstädten große Brandschatzungen vorzunehmen, sondern mit gelandeten Abtheilungen auch weit in das Innere vorzustoßen und zugleich unsere draußen be­findlichen Kreuzer von den Heimathshâfen abzuschneiden, würde leicht auf die gesammte Kriegslage einen entscheiden­den Einfluß ausüben. Es könnte dadurch ein deutscherseits zu Lande erfochtener Sieg in seinen militärischen und poli­tischen Folgen wesentlich erfolglos gemacht werden. Anderer­seits kann eine Niederlage im Landkriege in ihren Folgen durch das glückliche Zurückschlagen einer feindlichen Flotte sehr wohl zum großen Theil wieder ausgewogen werden.

Alle diese Gründe sprechen dafür, daß Deutschland im Stande bleiben muß, auch gegen eine Uebermacht einen Sieg zur See zu erfechten und daß unsere Flotte unter das Mi­nimum des dazu Erforderlichen nicht sinken darf. Lediglich um dieses zu verhüten, sind in den Etat diesmal bescheidene Forderungen eingestellt worden. Es wird nur das verlangt, was unbedingt nöthig ist; vonUferlosigkeit" läßt sich durch­aus nicht reden.

Von gegnerischer Seite wird immer behauptet, daß die Ausgaben für die Flotte, wie auch für das Heer, unproduk­tiv seien. Das trifft nicht zu. Abgesehen davon, daß die Machtstellung des Reiches, die Entwicklung und die Sicher­heit des Handels davon abhängen, daß Heer und Flotte in durchaus leistungsfähigem Zustande gehalten werden, liegt es auch aus der Hand, daß das auf die Verstärkung unserer Macht verwandte Geld eine ganze Anzahl von gewerblichen Unternehmungen und viele Menschen in Nahrung fetzt. Das von den Gegnern belächelte Wort, daß solche Ausgaben einem befruchtenden Regen gleichen, hat viel Wahrheit für sich. Wie­viel tragen die Ausgaben für die Flotte zur Entwicklung des Schiffsbaues bei!

Die Einwände, die gegen die Vermehrung der Flotte gel­tend gemacht werden, entspringen zum Theil der mehr aus dem Gemüth als aus dem Verstände geschöpften Meinung, daßes auch ohne diese Ausgaben ginge". Wer mit den Thatsachen rechnet, kann sich für diese Art von Kritik un­möglich erwärmen. In einer Zeit, wo die ganze Welt von Waffen starrt, wäre eine kleinliche Sparsamkeit an der Flotte ein Vergehen an der Sicherheit des Reiches und an der Zu­kunft der Nation.

Deutscher Reichstag. (Sitzung vom 3. Februar.)

Erste Lesung des Entwurfs einer Grundbuch Ordnung. Staatssekretär Nieberding empfiehlt die Annahme des

heben. Das Gebäude weist, entsprechend der Form des Platzes, eine dreiseitige Grundrißform auf. Mit je einer stattlichen Front im Renaissancegeschmack wendet es sich nach der Spree und dem sich mit dieser vereinigenden Kupfer­graben hin. An der Spitze der Insel wird ein kuppel­artiger Aufbau den Treffpunkt beider Fronten markiren. Hier auch soll sich das Reiterstandbild für Kaiser Friedrich III. erheben. Wahrscheinlich wird nicht nur eine neue Brücke an Stelle der jetzigen alten Brücke am Mehlhause treten, sonder« auch noch eine Brücke zur Verbindung mit dem Monbijou­garten errichtet werden. Das Renaissancemuseum ist bestimmt, die Originale und Abgüsse mittelalterlicher Skulpturen und die jetzt im Alten Museum untergebrachte königliche Ge­mäldegallerie aufzunehmen. Mehr als 4000 Quadratmeter Wandfläche sind demgemäß in dem neuen Entwürfe zum Aushängen von Bildern vorgesehen. Das Alte Museum, welches durch die Ueberführung der Gemälde und der antiken Skulpturen fast völlig frei wird, wird man wahrscheinlich zur Entlastung der Nationalgallerie benutzen. Im Neuen Museum dürfte der frei werdende Raum vorzugsweise dem Kupferstichkabinett zu Gute kommen, dessen Umwandlung in ein Museum der graphischen Künste geplant ist. Eine solche entspricht dem Bedürfniß und dem Wunsche aller Freunde und Förderer der vervielfältigenden Kunst. Am spätesten wird der Neubau des Museums für die Gipsabgüsse nach antiken Skulpturen zur Ausführung gelangen, der auf dem rechten Spreeufer, und zwar auf dem im Jahre 1884 vom Fiskus für 260 000 Mk. angekauften Speicherterrain, seinen Platz erhalte» soll. Dort erhebt sich jetzt als provisorischer Ban der Cirkus Busch. Der Entwurf zu dem betreffenden Museumsbau rührt vom Baurath Schwechten her und ist in- großartigen Verhältnissen gehalten. Man hegt die Ab sicht, in diesem Museum Abgüsse von sämmtlichen Werken der Antike zu vereinen und überhaupt eine Sammlung

Entwurfs. Abg. Spahn (Ctr.): Seine Freunde theilten im allgemeinen den Standpunkt der verbündeten Regierungen; sie meinten aber, daß man nicht ohne Noth die ohnehin vor­handenen Schwierigkeiten vermehren sollte. Der Entwurf sollte erst in einer Kommission eingehend berathen werden. Abg. Limburg (kons.) betont, daß seine Freunde mit der Vorlage sympathifirten und stimmt für Kommissionsberathung. Abg. Kauffmann (frs. Volksp.) spricht gleichfalls wie der Vorredner gegen den § 10. Ab. Pischel (natl.) ist gleichfalls mit der Vorlage einverstanden, bemängelt aber auch einige Details derselben. Abg. v. B u ch k a (kons.) wieder­holt, daß seine Partei mit der Vorlage sympathisire. Die Vorlage geht nunmehr an die Kommission, der bereits das Gesetz über die Zwangsvollstreckung überwiesen ist. Es folgt die erste Berathung der Konvertirungsvo läge. Schatzsekretär Posadowsky führt aus, die Vorlage sei der preußischen nachgebildet. Mit der Konvertirung werde die Aufnahme einer Statistik verbunden darüber, zu wie großen Theilen unsere Anleihen in inländischem bezw. ausländischem Besitz sind und zu wie großen Theilen im Besitz von juristischen bezw. Privatpersonen. Abg. Hug (Ctr.) wünscht möglichste Schonung der Interessen der kleinen Besitzer von Anleihen. Abg. Hammacher (natl.) ist mit der Vorlage einver­standen. Schatzsekretär Posadowsky bemerkt aus eine Anfrage des Vorredners, Jedem, der Papiere zur Konoer- tirung einreiche, werde zum Zweck einer Statistik ein Frage­bogen zur Beantwortung vorgelegt werden. Abg. Bebel (Soz.) bemängelt, daß nicht die Konvertirung sofort auf 3°/o erfolge und bekämpft namentlich die achtjährige Schonzeit. Abg. Graf Stolberg (kons.) betont, daß nun seine sämmtlichen Freunde der Vorlage zustimmten, nachdem Preußen rc. vorangegangen seien. Abg. Barth (frs. Ver­einig.) hält die Konvertirung auf 3°/o ebenfalls für richtig. Er werde beantragen, die achtjährige Schonzeit zu beseitigen. Abg. Meyer-Danzig (Reichsp.) bedauert gleichfalls, daß die Konvertirung nicht sofort auf 3°/o geschehe und be­mängelt ebenfalls die Schonzeit. Schatzsekretär Posa­dowsky spricht nochmals gegen die Forderung einer so­fortigen Konvertirung auf 3°/o, desgleichenAbg. Hammacher (natl.) und Abg. Lieber (Ctr.). Letzterer bemerkt noch, er und seine Freunde seien der Meinung, daß Reich und Staat bei der Konvertirung ebenso und womöglich noch mehr als bei der Begebung von Anleihen dem Zinssußbedürfniß des Marktes nachfolgen, nicht aber vorangehen müßten. Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Bebel (Soz.) wird die Debatte geschlossen. Eine Kommissions-Verweisung erfolgt nicht.

Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Antrag Auer: Maximal-Arbeitstag.

Schluß 5 Uhr.

dieser Art anzulegen, die an Reichhaltigkeit und wissen­schaftlichen Werth von keiner anderen verwandten Samm­lung übertroffen wird.

Aus Kunst und Leben.

Hanau, 4. Februar.

Ernst von Wlldenbruch's Festdichtung für den 100. Geburtstag Kaiser Wilhelms L, betitelt sich nichtWilhelm der Deutsche", sondernWillehalm" es ist dies die Be­zeichnung, unter der Wolfram von Eschenbach den Namen Wil­helm gebraucht. Die abendfüllende dramatische Legende in 5 Bildern wird zunächst auf der Berliner Schauspielhausbühne, gleichzeitig aber noch auf den Bühnen der Hoftheater in Cassel, Hannover und der Stadttheater zu Hamburg und Halle a. S. erscheinen.

Albumblâtter.

Sei hoch beseligt, oder leide

Das Herz bedarf ein zweites Herz.

Getheilte Freud' ist doppelte Freude,

Getheilter Schmerz ist halber Schmerz. Tiedge.,

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*

Man kann die Menschen entbehren, aber man bedarf eines Freundes. Chinesisch.

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Wahre Freundschaft stirbt mit Nichten:

Aber bricht sie mal ein Bein, Wird es schwerer einzurichten, Als bei halber Freundschaft sein. G. Bötticher.