Hanauer Anzeiger.
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Nr. 27.
Amtliches, ^anö^reto ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Wisselsheim und Nieder-Flörstadt, Kreis Friedberg, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden.
Hanau am 1. Februar 1897.
Der Königliche Landrath
V. 1017 v. Schenck.
DieastnaMchtm aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein gelber Pinscher mit schwarzer Schnauze, m. Geschl.; Empfangnahme bei dem Landwirth Kaspar Lenz II. zu Wachenbuchen.
V erloren: Ein goldnes Kollier. Ein goldner Ring nit Brillant.
Gesunden: Ein Doublèarmband mit Stein. Eine goldne Broche. Ein schwarzer Sammtziehbeutel mit weißem Taschentuch. Ein Kinderhandschuh. Ein Schraubenzieher.
Hanau am 2. Februar 1897.
^taöt&rci# ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Bei eintretendem Thauwetter dürfen Eis und Schnee im hiesigen Stadtbezirk nur an folgenden Stellen abgelagert verden.
1. Am Main (auf dem städtischen Kiesausladeplatz).
2. In der Ausschachtung hinter dem großen Viadukt der Frankfurt-Bebraer Eisenbahn.
3. An dem Kinzig- und Fallbachufer, jenseits der Fallbachbrücke.
Sofern das Abladen von Schnee und Eis an anderen Stetten und an oder auf Wegen stattfindet, wird dasselbe iach Maßgabe der Polizeiverordnung vom 6. Mai 1780, L Juli 1804 und 7. Januar 1839 mit 3—15 Mark betraft.
Hanau am 29. Januar 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 1628
Politische und unpolitische Nachrichten. (Depeschen-Bureau „Herold".)
Berlin, 1. Febr. Zu dem heute bei der Kaiserin tattfindenden Thé dansant sind etwa hundert Einladungen wgangen.
Berlin, 1. Febr. Am 3 Februar findet beim Kaiser- iaar im weißen Saale des Berliner Schlosses ein Ball statt.
Berlin, 1. Febr. Graf Murajew machte gestern Nach-
Kleines Feuilleton.
Zum bevorstehenden 400 jährig. Geburtstage Melanchthons.
Hanan, 2. Februar.
Ungeachtet die gegenwärtige Zeit von den in reicher Fülle mb raschem Wechsel sich drängenden Tagesereignissen so be- vegt und unruhevoll ist, wie keine zweite vor ihr, so pflegt ie doch noch mit eigenthümlicher Vorliebe die Erinnerung an . iHeâ irgendwie Bedeutende aus der Vergangenheit und zeichnet, Denn die Gedächtnißtage ein- und mehrhundertjährige, ja vohl auch halbhundert- und viertelhundertjährige, wiederehren, diese Tage durch erhebende Feiern allerlei Art aus. Zn diesem Zuge unserer Zeit, tritt uns ein wohlthuendes Stück Pietät entgegen, also diejenige Tugend, welche in vielen mdern Verhältnissen jetzt gerade so rasch schwindet.
Das vergangene Jahr brachte uns patriotische Gedenktage, )te durch herrliche Feiern von allen Deutschen begangen vurden. Aber auch an kirchlichen Säkularerinnerungen, die ines Festes werth sind, ist das letzte Viertel des 19. Jahr- underts für die Evangelischen Deutschlands und aller Länder incht arm. So haben wir am 10. November 1883 den vier- mndertsten Geburtstag Dr. Martin Luthers, und am 9. De- ember 1894 den Tag feierlich begangen, an welchem vor »00 Jahren, also i. J. 1594 Gnstav Adolf, König von Schweden, geboren ward. Diese Gedächtnißtage wurden in >em lieblichen und weihevollen Schmucke der Dankbarkeit mit Zreuden von allem evangelischen Volke begangen; die großen nit ihnen verbundenen Gestalten vergangener Zeit wurden rach ihrer bleibenden Bedeutung für Deutschland und das Evangelium ins Helle Licht, den Lebenden zur Nacheiferung »orgestellt.
Dienstag den 2. Februar
mittag dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe und dem Staatssekretär Freiherrn von Marschall Besuche, mit welchen er längere Konferenzen hatte.
Berlin, 1. Febr. Die „Berliner Neuesten Nachrichten" halten die Meldung, daß Staatsminister von Köller zum Oberpräsidevten von Schleswig - Holstein ausersehen sei, für richtig.
Berlin, 1. Febr. Zu dem gestrigen Diner beim Reichskanzler berichtet noch die „Nordd. Allg. Ztg.", daß während der Tafel Rürft Hohenlohe mehrmals dem Grafen Murajew zutrank. Die Gesellschaft blieb in lebhafter Unterhaltung bis zur Stunde der Abfahrt des Grafen Murajew nach Kiel.
Berlin, 1. Febr. Die „Post" schreibt gegenüber den Aeußerungen der französischen Presse, daß es sich beim hiesigen Besuch des Grafen Murajew nur um einen Akt internationaler Höflichkeit handle: Schon aus dem Umstande, daß der russische Minister gestern Nachmittag den Reichskanzler wie den Staatssekretär des Auswärtigen aufsuchte und bei Jenem fast, bei Diesem über eine Stunde verweilte, geht hervor, daß es sich bei diesen Unterredungen um mehr als nur einen Austausch einer Höflichkeit gebandelt hat. Wenn auch selbstverständlich über den Inhalt der Unterredung von amtlicher Selle noch nichts verlautet, so liege doch die Vermuthung nahe, daß wie in Frankreich io auch hier u. A. die orientalische Frage berührt worden ist. Daß diese Annahme richtig ist, wird der „Post" auch von anderer Seite bestätigt
Kiel, 1. Febr. Der russische Minister Graf Murajew nahm nach der Audienz beim Kaiser mit dem preußischen Gesandten in Hamburg um 1 Uhr an der Frühstückstafel theil und trat alsdann die Rückreise nach Berlin an.
Kiel, 1. Februar. Während der heutigen Frühstückstafel brachte der Kaiser einen Trinkspruch aus den Zaren aus. Seitens der Matrosen-Kapelle wurden meist russische Kompositionen gespielt. Kaiser Wilhelm zeichnete den Graseu Murajew im Laufe des Gesprächs wiederholt aus.
Hamburg, 1. Febr. Die Streikkassen sind leer. Morgen wird nur eine geringe oder gar keine Unterstützung gezahlt. Trotzdem wollen die Streikenden die Arbeit noch nicht aufnehmen.
Wilhelmshaven, 1. Febr. Der Kaiser wird hier zur Vereidigung der Rekruten eintreffen und auf dem Panzerschiff Kurfürst Friedrich Wilhelm wohnen.
Wien, 1. Febr. Das „Fremdenblatt" dementirt die Meldung, daß Graf Goluchowsky nach Rom zu reisen beabsichtige.
Budapest, 1. Febr. Die „Budap. Eorresp." ist ermächtigt, alle abenteuerlichen Kombinationen, welche sich auf die Konferenzen im Ministerium des Aeußern beziehen, als vollkommen grundlos zu erklären, namentlich die Meldung, als ob in diesen Konferenzen von der Anschaffung von Stahl- Kanonen oder von neuen galizischen Eisenbahn Anschlüssen die Rede gewesen sei.
Der 16. Februar d. Js. wird dem deutschen Volke wiederum einen großen Mann auf kirchlichem Gebiet in Erinnerung bringen: den am 16. Februar 1497 in Bretten geborenen Philipp Melanchthon. Neben dem Größten aller Deutschen, Dr. Martin Luther, steht im dankbaren Gedächtniß des deutschen Volkes, unzertrennlich mit ihm verbunden, sein großer Freund Philipp Melanchthon, der feine Süddeutsche neben dem gewaltigen Norddeutschen, der beste Mithelfer am Werke der religiösen und damit überhaupt der geistigen Erneuerung Deutschlands, am Werke der Reformation. Wir erkennen die Vorsehung des weltregierenden Gottes, welcher gleich im Anfang der Reformation den jungen Philipp Melanchthon als ein unentbehrliches Rüstzeug nach Wittenberg und an Luthers Seite geführt hat. In jenem großen Geistesfrühling Deutschlands, wo alle Geister erwachten wie vom langen Winterschlaf, stellte sich in ihm die höchste und edelste Blüthe der Wissenschaft dar, so unbestritten, so allgemein anerkannt, daß er als „der Lehrer Deutschlands" von den bewundernden Zeitgenossen gefeiert wurde. Und seinen ganzen geistigen Reichthum, alle seine großen Gaben stellte der vielgefeierte und bewunderte Mann fromm und demüthig in den Dienst der großen Sache der Reformation, sich dabei neidlos dem Größeren, seinem Freunde Luther, unterordnend, aber auch in der nützlichsten und werthvollsten Weise ihn ergänzend.
Melanchthon ist das wissenschaftliche Talent der Reformation gewesen und hat als solches der Resormaition Gaben gegeben und Dienste geleistet, wie das kein anderer vermocht hätte. Vor allen Dingen, da doch die Reformation ganz auf die heilige Schrift sich gründete, ist seine meisterhafte Kenntniß der alten Sprachen, besonders des Griechischen, dem Studium und der Uebersetzung der Bibel zu gute gekommen und hat also das bleibende Fundament der evangelischen Kirche bereiten Helsen. Sodann hat er aus dem
1897.
Rom, 1. Febr. Die günstigen Nachrichten aus Afrika haben die Regierung bewogen, die Neuwahlen zu beschleunigen. In der zweiten Halste des Februar wird, wie man versichert, die Auflösung der Kammer erfolgen und die Neuwahlen für die erste Hälfte des März ausgeschrieben. Die Regierung wird dazu 60 neue Kandidaten aufstellen und namentlich die Gruppe Sonino bekämpfen. Die dem Auflösungsdekret vorangehesde königliche Botschaft wird die Nothwendigkeit der eryträischen Kolonie in Massaua und Asmara betonen, widrigenfalls das afrikanische Budget von 7 auf 20 Millionen erhöht werden müßte.
Brüssel, 1. Febr. Die Offiziere a. D. der belgischen Armee kamen gestern unter dem Vorsitz des Generals Brial- mont zusammen. Der General hielt eine große patriotische Rede und verlas alsdann eine Adresse, welche dem König überreicht werden soll. Dieselbe bezieht sich auf die Einführung der persönlichen Wehrpflicht und wird von 50 000 Unterschriften bedeckt sein.
Brüssel, 1. Febr. Das Hofmarschallamt dementirt formell die Meldung von der angeblichen Flucht der Prinzessin Luise.
Athen, 1. Febr. Der österreichisch-ungarische Gesandte, Baron Kosick, ist heute hier plötzlich gestorben.
Athen, 1. Febr. In Kandia stehen ernste Verwickelungen bevor. Die Christen, welche durch das viele Eintreffen von Muhamedanern beunruhigt sind, haben sich der wichtigsten Punkte bemächtigt und versperren mit den Waffen in der Hand den Türken den Eintritt in die Stadt.
Witterungsbericht.
Voraussichtliche Witterung: Trübes Wetter mit Niederschlägen.
Preutzischer Landtag. Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 1. Februar.)
Das Abgeordnetenhaus fuhr heute in der Berathung des AntragesRing, betr. Vorkehrungen gegen Viehseuchen, fort.
Während der Antrag unter Nr. 2 die Einfuhr russischer Schweine ganz untersagt haben will, beantragt Abg. Letocha (Ctr.), die Einfuhr russischer Schweine nur ausnahmsweise — unter sofortiger Abschlachtung in öffentlichen Schlachthäusern — bis auf Weiteres noch insoweit zuzulassen, als dies im Interesse der Versorgung des oberschlesischen Jndu- striebezirks mit Schweinefleisch und Speck sich als nothwendig erweist.
Abg. Oswalt (natlib.) erläutert, daß, wenn ein Theil seiner Freunde den Antrag Ring unterstütze, dies ohne jeden Nebenzweck geschehe, lediglich in dem Sinne, die Seuchenverhütung, die eine Lebensfrage für die einheimische Landwirthschaft bilde, zu fördern.
Schatze der heiligen Schrift die erste evangelische Glaubenslehre zusammengestellt und darin mit der maßvollen Ruhe und Klarheit des Gelehrten zum ersten Male die Grundwahrheiten des evangelischen Glaubens übersichtlich zusammen- gesaßt und ist auch hiermit für unzählige evangelische Theologen „der Lehrer Deutschlands" geworden. Aber neben dem hohen wissenschaftlichen hat er ein ebenso großes praktisches Verdienst dadurch, daß er auch die erste evangelische Kirchenordnung für das Kurfürstenthum Sachsen aufgestellt hat, worin er die gesammten Verhältnisse von Kirche und Schule aus dem Geiste des Evangeliums heraus neu ordnete. Hier trat neben der wissenschaftlichen die andere Seite seiner Persönlichkeit, die ethisch-pädagogische d. h. die sittlich erziehliche Begabung an ihm hervor, und erst die bewunderungswürdige Vereinigung von beiden macht ihn ganz zum „Lehrer Deutschlands" von Gottes Gnaden.
Verglichen mit Luther erscheint er zwar, so groß er auch ist, als der Kleinere und Schwächere, wie das besonders nach Luthers Tode zu Tage trat, als er allein stehen und als anerkanntes Haupt der Reformation nun allein das Werk weiterführen mußte. Aber welch ein Segen ist es doch für die junge evangelische Kirche gewesen, daß dem streitbaren Helden der Reformation, welcher vorangehen und neue Bahnen brechen sollte, dieser „Magister Philippus" beigegeben war, der da „führet säuberlich daher, pflanzet und begießet mit Lust". Wie manches Mal hat neben dem stürmischen Freunde der mildere Melanchthon in den aufgeregten Kämpfen und den persönlichen Verhandlungen der Zeit Oel auf die erregten Wogen gegossen und hat die allgemeine Achtung und das Vertrauen, das ihm von allen Parteien, von Freunden und Gegnern gezollt wurde, der großen Sache nutzbar gemacht. Seine stille Gelehrtennatur sehnte sich sein Lebelang nach stiller Muße für seine geliebten Studien, und doch hat Gottes Hand den friedliebenden Mann mitten in den gewaltigsten