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Hanauer Anzeiger

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Nr. 23.

Donnerstag den 28. Januar

1897.

Amtliches.

^attö&ret# ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes-

Jn Rödelheim, Ginnheim und Niederursel, Landkreis Frankfurt a/M., ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und sind die angeordneten Sperrmaßregeln aufgehoben worden. Hanau am 25. Januar 1897.

Der Königliche Landrath V. 795 v. Schenck.

^taötUräe ^anau. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Oeffentliche Sitzung des Gemeinde-Ausschusses

Freitag den 29. Januar 1897, nachmittags 5 Mr.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-BureauHerold".)

Berlin, 27. Januar. Der Geburtstag des Kaisers ver­lief in gewohnter Weise. Die Feier im Schloß selbst nahm im engsten Familienkreise ihren Anfang. Die Kaiserin mit den kaiserlichen Kindern erschien zuerst bei ihrem Gemahl, um ihm ihre Glückwünsche darzubringen. Dann meldete sich die nächste Umgebung des Kaisers. Nachdem darauf die Glück­wünsche der Kaiserin Friedrich, der hier eingetroffenen Fürst­lichkeiten u. s. w. vom Kaiser entgegengenommen worden waren, wurde im Rittersaal die Nagelung der beiden neuen, dem 2. Bataillon des ersten westfälischen Infanterie Regi­ments Nr. 13 und dem ersten Bataillon des dritten thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 71 verliehenen Fahnen vorgenommen. Sodann begaben sich die hohen Herrschaften nach der Schloßkapelle, wohin auch die neuen Fahnen mitgenommen wurden. Nach dem Schluß des Gottesdienstes erfolgte die Weihe der neuen Fahnen durch den evangelischen Feldprobst Dr. Richter unter Assistenz des katholischen Feldprobstes Dr. Aßmann. Im weißen Saale begann darauf die Gratulationskour. Der Kaiser zeichnete viele Herren besonders aus, trat an sie heran und begrüßte sie durch Handschlag. Dies geschah u.A. beim Reichskanzler und den Botschaftern. Den Schluß der Vor­mittagsfeier bildete die große Paroleausgabe im Zeughause, wohin sich der Kaiser zu Fuß begeben hatte.

Berlin, 27. Januar. Heute Vormittag fanden anläß­lich des Geburtstages des Kaisers in sämmtlichen Schulen Festakte statt; ebenso wurden in der Universität und in der Akademie der Künste Feiern abgehalten.

Berlin, 27. Januar. DerReichsanzeiger" veröffent­licht eine große Anzahl von Auszeichnungen anläßlich des

Kleines Feuilleton.

Die Ausstellung im Kunst-Derrin M Hanau.

Der Vorstand dieses Vereins, der in seiner Rührigkeit das Möglichste leistet, hat es zu Wege gebracht, schon jetzt mit seinen Ausstellungen für dieses Jahr zu beginnen. Es ist nicht thunlich und entspricht auch durchaus nicht den sonsti­gen Verhältnissen unseres Kunst-Vereins, daß die hier zur Besichtigung gebrachten Gemälde und Bilder alle von be- kannten Größen herrühren. Das wäre zu viel verlangt, das kann einfach nicht sein! Bei so großen Auswahlen wie diesmal, co. 6 0 Stück, können es nicht nur Kunstarbeiten besonderen Ranges sein, es sind auch welche dabei, wo tünft lerisches Wollen und Können noch in beständiger Fehde lie­gen. Dazu kommen auch noch eine Anzahl, en plenaire gemalter Bilder, welche einer neueren, unserem allgemein herrschenden Geschmacke nicht sehr sympathisch berührenden Auffassung und Gewohnheit entsprechen, aber dennoch künst­lerisch hoch geschätzt sind. Die gegenwärtige Ausstellung bietet übrigens deS Großartigen recht viel. Nennen wir nur die Kolossalgemälde. Da hat vor allen andern Meister Richard Scholz-Dresden seine beiden Ge­birgsbilderAbgestürzt" undHeimkehr" gesendet, die, was lebensgetreue wahre Darstellung anbelangt, nichts zu wünschen übrig lassen. Paul Hoeninger -Berlin zeigt seine Meisterschaft in dem BildArb eitslofe". Karl Klappstein-Berlin sendet seineEnten jâger" mit be­deutender Naturtreue, Paul Beckert-Berlin das präch­tige Portrait desGrafen Moltke", eine Leistung ersten Ranges. Noch viele Andere sind erwâhnenswerth und ver­dienen gewürdigt zu werden. Einen speziellen Rundgangs­

Geburtstages des Kaisers. Unter anderen erhielten der vierte Sohn des Kaisers Prinz August Wilhelm von Preußen den schwarzen Adlerorden, die Minister Brefeld und von der Recke den Rothen Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub, der Ober­hofmeister der Kaiserin, Freiherr von Mirbach, den Stern zum Rothen Adlerorden 2. Klasse mit Eich, nlaub und Schwer­tern am Ringe, der Hausmarschall Freiherr von Lyucker den Stern zum Rothen Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub und der königlichen Krone, ferner der General der Kavallerie z. D. Graf von Schliessen den Rothen Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub und der königlichen Krone, Contreadmiral Frhr. von Senden-Bibran den Stern zum königlichen Kronenorden 2. Klasse, die Gräsin von Brockdorff, Oberhofmeisterin der Kaiserin, die erste Klasse der zweiten Abtheilung des Louisen- ordens mit der Jahreszahl 1865. Die große goldene Medaille für Wissenschaft wurde dem Professor an der Ber­liner Universität Dr. Josef Schmöller verliehen.

Berlin, 27. Januar. DerReichsanzeiger" veröffent­licht eine kaiserliche Kabinetsordre, wonach bei den bei der Generaloerwaltung der Königlichen Museen von 29 Künst­lern und 3 Künstlerinnen rechtzeitig eingelieserten Konkurrenz­arbeiten zurErgänzung des Torso's einer tanzenden Mänade" die gestellten Aufgaben in vollem Umfange nicht gelöst worden sind, sodaß der ausgesetzte Preis von 3000 Mark nicht hat zuertheilt werden können. Für die drei besten Arbeiten sollen aber den Bildhauern Hans von Glümmer, Professor Ernst Herter und August Krauß in Berlin je 1000 Mark gezahlt werden. Diese drei Künstler sollen zu einer engeren Kon kurven; veranlaßt werden. Den Bildhauern Begas und Schaper, welche außer Wettbewerb zur Lösung der Aufgabe Arbeiten gesandt haben, wird Dank und Anerkennung aus­gesprochen. Für den nächsten Wettbewerb bestimmte der Kaiser als Aufgabe die Ergänzung des fehlenden Kopfes des in dem hiesigen Museum befindlichen Bronceknaben aus der Sammlung von Sabouroff.

Berlin, 27. Januar. Im Anschluß an die gestrige Mittheilung über den Wiederzusammentritt der deutsch-russischen Zollkonferenz erfährt diePost" noch, daß diese jetzt ihre Arbeiten soweit beendet hat, daß es zum offiziellen Abschluß des Abkommens nur noch weniger Formalitäten bedarf. Die Veröffentlichung des Abkommens dürste schon in naher Zu­kunft zu erwarten sein.

Berlin, 27. Januar. Heute Mittag fand in den Räumen des Herausgebers der WochenschriftKritik", Dr. Wrede, abermals eine Haussuchung statt. Es wurden fünf Briefe beschlagnahmt.

Berlin, 27. Januar. Der deutschen Reichsregierung ist gestern die offizielle Einladung der österreichisch-ungarischen Regierung zur Theilnahme an der internationalen Pest­konferenz in Venedig am 10. Februar zugegangen, nachdem vorher bereits vertrauliche Besprechungen in diesem Sinne ' zwischen Oesterreich und Rußland erfolgt waren.

bericht behalten wir uns über diese Gemälde Ausstellung ans die nächsten Tage vor.

Auch der neuesten Leistung unseres Franz Stassen- Berlin wollen wir Erwähnung thun.Der Kamps ums Dasein" betitelt sich das aus 30 lithographirten Zeichnungen bestehende Werk, eine mit großem Fleiß und tiefernstem Sinne aufgefaßte Arbeit.

Für heute sind wir außerdem auch in der Lage, über noch andere, der Ausstellung beigefügte Kunsterzeugnisse zu berichten. Es ist unserem langjährigen Mitglied, Herrn Heinrich S p o n s e l hier, gelungen, eine reiche Auswahl j a- panischer Seiden st ickereien und dergleichen dem Kunstverein auf kurze Zeit zur Verfügung zu stellen! Na, denkt wohl jeder Leser und namentlich Leserin,Japanische Stickereien ist heute nichts mehr besonderes". Sie dürften sich aber diesmal doch irren! Eine derartige reiche und da­bei echt importirte Kollektion war hier noch nicht!

Es sind Stickereien in Flächen von 18 qm, die sich für Dekorationszwecke, Portièren, Kissen, Decken, Paravents u. dergl. eignen. Zum großen Theil sind die Sujets Blumen­stücke, z. B. Chrysanthemum in wunderbaren hier ganz unbe­kannten Abarten, wobei die naturalistische Auffassung, die äußerst naturgetreue Behandlung, ganz besondere Effekte er­zielen. So kommen auch die lebhaften Lichtmomente der Sonne, sowie auch der Blätterschattirungen großartig zur Geltung. An den japanischen Arbeiten ist man ja gewöhnt, daß namentlich die weichen, vornehmen Grundtöne überall hervortreten und das Auge förmlich blenden. Wie sind nur die Reiher am Sumpfe, die Vogelarten auf den Zweigen, nach ganz neuer Art schattirt und ausgesührt? Das weicht weit ab von dem schon so oft Gesehenen.

Die König!. Zeichenakademie hat bereits einige der größeren Stücke erworben, so das BlumenstückGl ycinis chinensis", wie diese Zierpflanze in ihrer Heimath zur Blüthe gelangt.

Berlin. 27. Januar. Unter den zahlreichen Ernennungen in den höheren militärischen Stellen sind bei der Parole- Ausgabe im Zeughause bekannt geworden: Der Erbgrohherzog von Baden wurde zum kommandirenden General des 8. Ar­meekorps ernannt und der General der Infanterie, von Blom­berg, zum kommandirenden General des 5. Armeekorps.

Berlin, 27. Januar. Der Kaiser hat anläßlich seines heutigen Geburtstages dem Finanzminister Dr. Miquel und dem Chef des Zivil Kabinets, Dr. Lucanus, den schwarzen Adlerorden verliehen.

Stettin, 27. Januar. Bei dem gestrigen Zapfenstreich kam es zu argen Ausschreitungen des Pöbels. Etwa 20 größere Geschäftsläden wurden demolirt und zahlreiche Waaren gestohlen. Dir Straßen waren infolge der Ansammlung der Schutzmanschast bei der Parole-Ausgabe ohne Schutzleute. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen.

Wien, 27. Januar. Die reichsdeutsche Kolonie sandte gestern ein Huldigungs-Telegramm an den deutschen Kaiser. Auch an den Fürsten Bismarck wurde ein Telegramm gesandt.

Budapest, 27. Januar. Im Abgeordnetenhause brachte Franz Kossuth eine Interpellation ein, betreffend die Mission des russischen Ministers, Grafen Murawjew. Die Inter­pellation verlangt von der Regierung eine Erklärung, ob die Regierung, da es sich bei der Mission Murajews doch nur um die orientalische Frage handle, die Bürgschaft dafür habe, daß durch die Pariser und Berliner Abmachungen Murajews die österreichisch-ungarischen Interessen im Orient nicht ge­fährdet erscheinen.

Budapest, 27. Januar. Der serbische Ministerpräsident Simice wird auf seiner Reise nach Wien sich mehrere Tage hier aufhalten, um mit der ungarischen Regierung Fühlung zu nehmen.

Paris, 27. Januar. Die gestern Abend in der deutschen Botschaft aus Anlaß des Geburtstages Kaiser Wilhelms ab­gehaltene Feier verlief äußerst glänzend. Zahlreiche Mitglieder der deutschen Kolonie wohnten derselben bei.

Paris, 27. Januar. Graf Chaudordy, der von einem Redakteur des Gaulois interviewt wurde, erklärte die Reise des Grafen Mursjew nach Paris für ein glückliches Ereig- niß. Dasselbe liefere den Beweis dafür, daß Rußland den Zeitpunkt für gekommen erachte, wo es Frankreich den Be­weis zu erbringen habe, daß die Allianz zwischen beiden Ländern nicht einer der vertragschließenden Parteien allein Vortheile bringen solle. Der Figaro führt aus, es sei ein Vorgang ohne Präzedenzfall in den Analen der Diplomatie, daß ein russischer Minister des Auswärtigen auf Befehl seines Kaisers nach Paris komme, um sich mit dem Staats­oberhaupt und den Ministern Frankreichs zu verständigen.

Paris, 27. Januar. Die Unterschlagungen in der Bank Lehideux belaufen sich auf 800 000 Franks. Es wurden drei Verhaftungen unter dem Personal der Bank vorgenommen. Wabrscheinlich weroen noch weitere Verhaftungen stattfinden.

Das Ganze ist auf zartlila Ton gearbeitet und ma^t einen überwältigenden Eindruck.

Liebe Leserinnen, lassen Sie sich diese Ausstellung nicht entgehen! Auch einige g e st i ck t e Landschaften, so die Heilige Insel" u. a., sind sehr bemerkenswerth. Noch erwähnen wollen wir in einem Schrank eine Parthie Nippsachen, nur Raritäten zum Theil ersten Ranges, wozu wir vorab die beiden Vasen aus Elfenbein mit Inkrustationen in Metall, Stücke von hohem Werth, zählen müssen. Es gibt da gar viel zu bewundern.

Zum Schluffe wollen wir bemerken, daß sämmtliche aus­gestellte Gegenstände verkäuflich sind und, wie wir durch an­geschriebene Preise gesehen haben, zu verbältnißmäßig sehr billigen Ansätzen. Man gehe, sehe und staune!

Aus Kunst und Leben.

Hanau, 28. Januar.

Stadttheater.

Zur Vorfeier des Geburtsfestes unseres Kaisers brachte unser Stadttheater am Dienstag G. v. Kleist's packendes Schauspiel ,D e r Prinz von Homburg" zur Aufführung. Als letzte dramatische Dichtung, vor dem unglücklichen Ende des genialen Schriftstellers, prägt sich ganz besonders in diesem Schauspiel der eigenartige Geist des Dichters, sein hervorragendes Gestaltungs- und Charakterisirungs- talent und sein Gang zum exentrischen und unbegreiflichen aus. Der Held des Schauspiels ist der Reitergeneral Prinz Friedrich von Homburg und man muß die Kühnheit des Dichters bewundern, der es wagte, diesen Kriegshelden, der dem Tod in blutiger Schlacht so oft ins Auge geschaut, uns hier in einem Momente vorzuführen, wo ihn die Furcht vor dem Tode niederschmettert und ihn beinahe lächerlich zu machen droht. Allerdings ist diese Furcht nur vorübergehend, der Dichter läßt seinen Helden diese Schwäche ja bald überwinden, aber man kann über den seltsamen Kontrast in dem Handeln des Prinzen doch nicht so leicht hinwegkommen. Die übrigen Personen sind ganz prächtig geschildert, so tritt besonders die herrliche Gestalt des großen Kurfürsten uns in überzeugender Charakteristik entgegen. Auch die übrigen Gestalten des Schauspiels sind klar und bestimmt gezeichnet,