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Hanauer Anzeiger.

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Nr. 20.

Montag den 25. Januar

1897.

Amtliches.

^Landkreis ^anatu

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche auf dem Bruder- -iebacherhose und auf der Hofmühle erloschen ist, werden hiermit die unterm 12. Dezember 1896 zur Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche angeordneten Sperrmaß­regeln aufgehoben.

Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.

Hanau am 25. Januar 1897.

Der Königliche Landrath

V. 781 v. Schenck.

In Mainflingen und Dietesheim, Kreis Offenbach, sowie in Bruchenbrückm, Heldenbergen, Nieder Florstadt, Okarben und Wohnbach, Kreis Friedberg, ist die Maul- und Klauen­seuche erloschen.

Hanau am 25. Januar 1897.

Der Königliche Landrath

V. 731/732 v. Schenck.

DimstnaMlktm aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Säbelscheide von einem eigenen Säbel. Tin einzelner Kinderhandschuh. Ein Paar gefütterte Herren- Gla^èhandschuhe. Ein Gummischuh. Ein Etui mit Visiten- !arten und anderen Papieren. Ein Halsband mit Schelle.

Zugelaufen: Ein braun und weißer langhaariger Hühnerhund. Ein schwarzer Pinscher mit gelben Abzeichen, n. Geschl. Ein gelber Spitz m. Geschl.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 3 Mk.

Hanau am 25. Januar 1897.

^taMWreie ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Vom Donnerstag den 28. d. Mts. bis einschließlich Samstag den 30., und zwar jeweilig von 9 bis 12 Uhr rormittags und 3 bis 5 Uhr nachmittags, kann die Kanal­trecke vom Fremden-Eingang an der Kanalmühle (Eingang mf dem Trottoir vor der Deinesffchen Fabrik) bis an die Illerbrücke besichtigt werden.

Die Besichtigung ist nur Erwachsenen gegen Eintrittskarten zestattet, welche auf dem Sielbau-Büreau in der Kanalmühle ostenlos erhältlich sind.

Die Besichtigung findet gruppenweise statt. Im Interesse er Ordnung und zur Vermeidung von Unfällen bitte ich 'M Anordnungen der zur Aufsicht bestellten Beamten und bediensteten unbedingt Folge zu leisten.

Hanau am 22. Januar 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gek>eschus. 1185

Ein Hort des Volkes.

Es werden in unseren Tagen so viele Stimmen der Un- ufriedenheit laut. Wo irgend die Interessen eines Einzelnen der einer ganzen Berufsklasse um des Ganzen willen eine Einschränkung erleiden, da sorgt die noch in keiner Zeit so msgebildete Oeffentlichkeit der Presse dafür, daß Kassandra­ufe den Markt erfüllen. Ist doch erst vor kurzem ganz offen rls oberster Grundsatz der Parteipolitik die Losung verkündigt oorden:Schreien ist im politischen Leben die Hauptsache!" Licht jedem ist es verliehen, hiernach die lauten Klagen über nsere wirthschaftliche und politische Lage, über den Rückgang nserer Zustände auf ihren Kern zurückzusühren und an jener osung zu bemessen. Wir glauben gerade am Geburtstage nseres Kaisers, an dem alle Deutschen zu ihrem Oberhaupte iit Dankbarkeit und Freude emporblicken und in ihm den Träger der deutschen Einheit, den Schützer aller deutschen Interessen, den Schirmer des europäischen Friedens begrüßen, ne besondere vaterländische Pflicht zu erfüllen, wenn wir ffen, ehrlich und ungeschminkt den Thatsachen ins Auge hauen und uns klar machen, welche Beschwerden berechtigt, welche unberechtigt sind.

An Klagen und Beschwerden, an Grund zur Unzufrieden- eit und an nicht erfüllten Wünschen wird es nie auf der Selt fehlen, und sie werden um so lauter sich äußern, je länzender kurz zuvor Ereignisse von weltgeschichtlicher Trag­weite sich zugetragen haben, je größer der wirthschaftliche Druck t, der auf allen Erwerbszweigen, vor allem auf der Land- rirthschaft, wie bei uns, so in der ganzen Welt, ruht. Aber lle diese Klagen und Beschwerden können doch nie so in den Vordergrund treten, daß sie uns die Freude am Dasein, die

Freude an unserm mächtigen, innerlich gesunden, stolz emporblühenden Vaterlande, die Freude an unserem eigen­artigen, lebens frijchen, für alles Schöne und große empfäng­lichen und es unermüdlich fördernden kaiserlichen Herrn stören könnten.

Jeder Vergleich, dem unsere Verhältnisse im Innern mit dem Auslande unterzogen werden können, wird nicht zum Nachtheil unseres Vaterlandes ausfallen. Wir erfreuen uns nahezu auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit und nicht zum mindesten auch auf dem politischen und parlamentarischen Gebiete wenn auch nicht guter, so doch durchweg besserer Zu­stände als unsere Nachbarländer. Wir erfreuen uns vor allem einer festen und kräftigen Monarchie, wie sie in keinem Staate der Welt so tief und so unerschütterlich in der Volksseele wurzelt.

Mit Recht sprach Herr v. Bennigsen im Reichstage den Satz aus:In Deutschland hat die Monarchie die tiefsten Wurzeln; denn hier ist, einzelne trübe Zeiten abgerechnet, die Monarchie, das Fürstenthum, ein wahres Volksfürstenthum gewesen. Hier in Deutschland ist wirklich der Fürst der an­erkannte Träger der Volksgewalt, geehrt als höchste Spitze des ganzen Volks thums, und hier in Deutschlad hat mindestens mehr als in irgend einem Lande der Geschichte sich das Fürstenthum in den Dienst des Volkes gestellt. Von Friedrich dem Großen ist der Ausspruch bekannt und ihm nachfolgend haben andere Fürsten nach demselben Spruch ge­handelt: der König soll der erste Diener seines Volkes, seines Staates sein. Und daraus ist gerade die Liebe und die Verehrung und das gefestigte Ansehen der Monarchie in Deutschland bis in die neueste Zeit, trotz der vielen Um- wandlnngen über dem Meere und in Europa und trotz der Unsicherheit der gleichen Berfassungsform in anderen Ländern erhalten geblieben. Dieses große köstliche Gut für unser deutsches Volk wollen wir nnS erhalten und wollen es vor weiterer Unterwühlung schützen.

Würdiger wissen wir nicht die nationale Feier des Ge­burtstages unseres Kaisers zu begehen, als daß wir uns diese Mahnungen frisch und lebendig vergegenwärtigen. *

Neue Schmähungen.

Die vaterlandslose Gesinnung der Sozialdemokratie, die so oft schon die allgemeine Entrüstung erregt hat, ist in der Berliner Stadtverordnetenversammlung wieder einmal zu Tage getreten. Der Magistrat hatte die Einsetzung einer Deputation und die Bewilligung von 20 000 Mk. zur An­schaffung einer in etwa 100 000 Exemplaren an Schüler zu vertheilenden Festschrift über Kaiser Wilhelm den Großen be­antragt. Darauf erhob sich der sozialdemokratische Abgeord­nete Zadek (!) uns verlas im Namen seiner Gesinnungsge­nossen eine Erklärung, worin die Sozialdemokraten es ab- lehnen, sich an den Verhandlungen über die Hundertjahrfeier zu betheiligen. Gleichzeitig wurde Protest eingelegt gegen die Verwendung städtischer Mittel für diesen Zweck und es als unverantwortlich bezeichnet,dem Personenkultus (!) so hohe Summen zu opfern". Der Einspruch drückt ferner das Miß­trauen aus, daß die Festschrift nicht objektiv und der historischen Wahrheit nicht entsprechen würde. Dabei hatten die Sozial­demokraten die Dreistigkeit, den Einspruch zu erheben im Namenaller freiheitsliebenden Elemente unserer Stadt, welche Jahr für Jahr, auch im März, der theuren Todten gedenken, die 1848 auf den Straßen Berlins im Kampfe für das Volk gefallen sind", und ferner im Namender ge- sammten arbeitenden Bevölkerung, welche noch jenes Gesetz nicht vergessen hat, daß sie zwölf Jahre entrechtet und ge­ächtet, tausende um ihre Familie, Existenz und ihre Freiheit gebracht unter der Regierung und mit Zustimmung Wilhelms I."

Wie es kaum anders erwartet werden konnte, wurde die freche Demonstration der Sozialdemokraten mit dem lebhaftesten Unwillen ausgenommen und auch zurückgewiesen. Der Stadt­verordnete Horwitz bezeichnete die Erklärung der Sozialdemo­kraten als armselig und als ein trauriges Zeugniß für den Mangel an geschichtlichem Sinn, sowie als Deklamation nach Außen hin, deren Widerlegung nicht der Mühe werth sei. Die Person Kaiser Wilhelms I. stehe viel zu hoch, um von von einer solchen nur von grenzenloser, verbissener Leiden­schaftlichkeit diktirten Kritik befleckt werden zu können. Kaiser Wilhelm der Große gehöre mit seinen unsterblichen Verdiensten und Thaten der Geschichte an.

Die unerläßliche Abwehr der Verunglimpfung des ge­heiligten Andenkens an unsern Heldenkaiser ist damit erfolgt. Aber nicht die Entrüstung ist die rechte Empfindung einem solchen Verhalten gegenüber, sondern die Verachtung! In jedem andern Lande würden Leute, die das nationale Gefühl so mit Füßen treten und die nationalen Heiligthümer so be­sudeln, kaum vor der Volkswuth geschützt werden können.

Wir möchten wohl wissen, welches Schicksal denGenossen" in Frankreich beschieden gewesen wäre, wenn sie die Frechheit gehabt hätten, in ähnlicher Weise das nationale Gefühl der Franzosen zu verhöhnen und zu verletzen. Der Deutsche denkt ruhiger und ernster; er verzichtet darauf, den Buben die ihnen geziemende Behandlung zu rheil werden zu lassen. Aber die Verachtung der Nation gebührt ihnen, solches Ge­bühren richtet sich selbst.

Erfreulich ist nur das eine, daß das Auftreten der Sozial­demokraten im Berliner Rathhause allgemein verurtheilt wird, selbst von denen, die sonst eine gewisse Geistesverwandtschaft mit der Sozialdemokratie nicht verleugnen können. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß auch die weitaus meisten Ar­beiter, in deren Namen der sozialdemokratische Abgeordnete das Andenken an den ersten Kaiser im deutschen Reiche herab­zuwürdigen trachtete, jede Gemeinschaft mit solchen vaterlands- losen Elementen von sich abweisen. **

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-BureauHerold".)

Budapest, 24. Januar. Die Majlath-Affaire nimmt für das Kabinet Banffy eine bedrohliche Form an. Der Nuntius Fabiani soll erklärt haben, er werde, falls die Re­gierung auf ihrem bisherigen Standpunkt beharre, gezwungen sein, seinen Posten zu verlassen.

Budapest, 24. Januar. Die Grubenarbeiter von Re- schitza und Anina haben einen hiesigen Advokaten damit be­auftragt, gegen die Staatsbahngesellschaft wegen eigenmäch­tiger, ungesetzlicher Aenderung der Statuten der Bruderlade und des Pensionsfonds klagbar aufzutreten.

Budapest, 24. Januar. In Lipto-Szent Miklas ist infolge Brandes einer Lederfabrik ein ganzer Stadttheil vom Feuer ergriffen worden. Trotz aller Bemühungen der Feuer­wehr ist es bisher nicht gelungen, dem Brande Einhalt zu thun. Die Bewohner ergreifen mit ihren Habseligkeiten die Flucht.

Bozen, 24. Januar. Am 1. Februar wird hier Graf Schuwalow eintreffen, um eine Kur in Gries zu brauchen.

Rom, 24. Januar. Selbst die offiziösen Blätter grei­fen General Baldissera heftig an, weil er angeblich seine Ur­laubsreise unternommen hat, ohne davon Kenntniß zu haben, daß die Derwische sich konzentriren und vorrücken. Baldissera soll bereits vom Kriegsminister aufgefordert worden sein, sich zu rechtfertigen.

Paris, 24. Januar. Es liegen hier höchst alarmirende Nachrichten vor über das Vorrücken der Derwische. Der ganze Sudan soll sich in Aufregung befinden.. Die Priester predigen den heiligen Krieg gegen die Europäer. Ein kom- binirter Angriff gegen Erithrea, Ober-Egypten und den Kon­gostaat soll bevorstehen.

Paris, 24. Januar. Aus dem gestrigen Urtheil gegen den Spion, Exkapitän Guillot, geht hervor, daß Guillot Ar­tillerie-Memoriale in den Jahren 1887 bis 1889 für je 100 Francs verkauft hat. In dem Urtheil wird bedauert, daß keine strengere Strafe als fünf Jahre Gefängniß ange­wendet werden könne.

Cherbourg, 24. Januar. Ein norwegischer Dreimaster wurde an das Ufer geschleudert und arg beschädigt. Die Rettungsarbeiten dauern fort.

Marseille, 24. Januar. In der Rue de la Republique sind 9 Personen an verdächtiger Krankheit gestorben. Da Cholera befürchtet wird, sind energische Maßregeln getroffen worden.

Brüssel, 24. Januar. Infolge andauernden Schnee­falles erleiden die Expreßzüge OstendeWienPetersburg große Verspätungen.

Bukarest, 24. Januar. Die Majorität im Parlament hat beschlossen, zur Befestigung des Kabinets den Eintritt Sturdza's in dasselbe anzustreben.

Witterungsbericht.

Voraussichtliche Witterung: Fortdauer des trüben Wetters mit zeitweisem Schneefall.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 23. Januar.)

Der Reichstag berieth heute zunächst den Etat der Reichs schuld. Abg. Lieber (Ctr.) ist der Ansicht, daß wir mit der Begebung von dreiprozentigen Anleihen offenbar zu früh vorgegangen seien. Wir hätten sie nur mit 8P/20 Prozent begeben und dadurch 123 461 537 Mark weniger an Kapital erhalten, als wir an Schulden zugenommen haben. Wir müßten also auch einmal 123 Millionen mehr tilgen, als wir erhalten hätten. In Preußen berechne sich der Ka­pitalverlust auf 95 Millionen. Wir hätten, wenn wir 3Va= prozentige Anleihen begeben hätten, weniger Zinsen bezahlt