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Hanauer Anzeiger.

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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

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Nr. 19.

Samstag den 23. Januar

1897.

Amtliches.

Men ünachri chtm ans stellt Kreise.

Gefunden: Ein Notizbuch (Brodbuck). Eine Knaben­kappe. Ein Hundemaulkorb. Eine Sturmlaterne. Zwei irdene Schüsseln. Ein Regenschirm (in einem Gasthaus ver tauscht).

Zugelaufen: Ein großer gelber Hund mit Halsband, sein junger Hund (Bastard vom schottischen Schäferhund), beide m. Geschl. Ein schwarzer Pinscher mit gelben Beinen. Ein junger weißer Hund mit gelbgrauem Kopf, 3 gelbgrauen Flecken, langer Ruthe und langen Ohren, m. Geschl.; Em­pfangnahme beim Hülfsjagdaufseher Schreiber zu Mittelbuchen.

Verloren: Am 30. v. Mts. ein seidener Regenschirm mit goldnem Beschlag, darauf die Buchstaben E. v. K. Eine goldne Damenuhr, auf dem Deckel dunkel emaillirt, mit Bril lantsplittern beseht und anderer Verzierung.

Hanau am 23. Januar 1897.

4»taöt^reie 4banau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Es wird daraus ausmerksam gemacht, daß Steuern und Schulgeld pro Januar/ März vom 1. bis 15. Februar er. fällig sind s. Steuerzettel und nach Ablaus dieses Termins mit Mahnung und Zwangs Vottstreckung begonnen wird.

Zwecks schnellerer Absertigung wird ersucht, das Geld abgezählt zur Kaffe zu bringen.

Hanau den 21. Januar 1897.

Städtische Steuerkasse. lieg

Bekanntmachung.

Nachdem die an der großen Brückenwaage am Heumarkte der Neustadt vorgenommene Reparatur beendet ist, wird die­selbe von Montag den 25. d. ab dem Publikum zur Be­nutzung übergeben.

Hanau am 23. Januar 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 1212

Bekanntmachung.

Vom Donnerstag den 28. d Mis. bis einschließlich Samstag den 30., und zwar jeweilig von 9 bis 12 Uhr vormittags und 3 bis 5 Uhr nachmittags, kann die Kanal-

Kleines Feuilleton.

Frankfurter Kries.

Frankfurt a. M., 22. Januar.

Wohl selten wurde der Name des größten deutschen Lieder komponisten, der Name eines der bedeutendsten musikalischen Talente der nachklassischen Periode, Franz Schubert, so oft genannt, wie in den letzten Tagen. Steht doch die musikalische Welt kurz vor der Eentennarfeier des großen Meisters. Große und kleine Musikgesellschaften, Vereine und Bühnen sind mit emsigem Mühen beschäftigt, eine würdige Schubert-Feier zu veranstalten. So lange nun die Veran­staltungen das löbliche Bestreben haben, Meisterwerke des unsterblichen Komponisten auf vokalem und orchestralem Ge­biete in mustergiltiger Weise vorzuführen, werden diese Ver­anstaltungen im höchsten Grade lobenswerth erscheinen. Eine betrübende Thatsache ist es jedoch, daß eine Anzahl deutscher Bühnen darangehen, auch die mit Recht vergessenen und ver­schollenen dramatischen Werke, Opern und Singspiele des großen Lyrikers auszugraben, hiermit wird den Manen des Meisters keine Gefälligkeit erwiesen, denn so groß auch Schubert in seinen unübertroffenen Liedern, in seinen Klavier­werken und Orchesterkompositionen dastebt, ein Dramatiker war er ebensowenig, wie etwa der Lyriker Heine, der sich ja bekanntlich auch auf dramatischem Gebiet versucht hat. Die Ausführung von Opern Schuberts ist ja ein recht interessantes musikhistorisches ^reigniß, mehr aber nicht, denn seine Bühnen­werke tragen, wieSchumanns,, Genoveva",ein zu lyrischesGepräge. Schon jetzt tragen fast alle Konzertprogramme den Namen Schubert in mehr als gewohnter Fülle. So ist das dritte Spernhauskonzert, das zum Benefiz der Pensions- und Witt- lvenkasse unserer vereinigten Stadttheater veranstaltet wurde,

Die heutige N

strecke vom Fremden-Eingang an der Kanalmühle (Eingang auf dem Trottoir vor der Teines'schm Fabrik) bis an die Hellerbrücke besichtigt werden.

Die Besichtigung ist nur Erwachsenen gegen Eintrittskarten gestattet, welche auf dem Sielbau-Büreau in der Kanalmühle kostenlos erhältlich sind.

Die Besichtigung findet gruppenweise statt. Im Interesse der Ordnung und zur Vermeidung von Unfällen bitte ich den Anordnungen der zur Aufsicht bestellten Beamten und Bediensteten unbedingt Folge zu leisten.

Hanau am 22. Januar 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 1185

Am Montag den 25. Januar 1897, nachmittags von 4 Uhr ab, findet :m unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Ge- Werbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitig­keiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau am 22. Januar 1897.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts

Dr. Gebeschus. 1205

Bekanntmachung.

Es wird hindurch zur Kenntniß gebracht, daß durch Be­schluß der städtischen Körperschaften vom 1. April d Js. ab die Schlachtgbühren für einen Ochsen von 1,40 M aus 1,60 M., eine Kuh 0,70 0,80 ein Rind 0,70 0,80 ff ff Schlvein ,, 0,55 ,, 0,6j ff ff ^lb ff 0,25 0,35 ff ff Hauunel ,, 0,25 ,, ,, 0,35 erhöht worden sind.

Hanau am 15. Januar 1897.

Der Oberbürgermeister _________________ Dr. Gebeschus. 1186

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 22. Januar.)

Extraordinarium tes R.ichsamts des Innern. Titel Untersuchung über Maul- und Klauenseuche. Abg. Stol­berg-Wernigerode (kons.) bezeichnet die Quarantäne für unentbehrlich. Abg. Werner (Ant.) meint, die Vieh­händler schleppten die Seuche ins Land. Abg. Gersten­berger (Centr.) wünscht eine größere Sicherung gegen Oesterreich hin; auch eine lange Quarantäne für das Schlacht­vieh der Großhändler. Man sollte eine Entschädigung für gefallenes Vieh vom Reiche aus einführen, dann würde das Reich schon für schä'.fe.e Maßregeln sorgen. Landwirth- mit einer g-ößeren Schubert'schen Komposition, dertragischen Symphonie" eröffnet worden. Schubert stak, als er dieses Werk schrieb, noch im Banne der musikalischen Entwicklung, und kann diese Symphonie des erst neunzeynjährigen Kom ponisten nur ein rein historisches Interesse erwecken. Ein bischen Mozart ein wenif Beethoven und noch viel weniger Schubert,das sind die Ingredienzen, av s denen dieses Jugend- weik zusammengchraut ist. Größeres Interesse erweckte das Auftreten des berühmten Komponisten der Operdas goldene Kreuz," die bekanntlich in früheren Jahren mit größtem Bei­fall an allen Ope-nbühnen aufgeführt wurde. Heute fanden wir Gelegenheit, Ignaz Brüll als Komponisten wie als Pi­anisten zu bewundern. Der Meister spielte das D-moll- Konzert von Brahms und die riesig schwere Don Juan-Phan­tasie von Liszt mit vornehm musikalischem Ausdruck und einer alle Schwierigkeiten überwindenden Technik, doch hätten wir von Brüll lieber Chopin oder Schumann gehört, denn zur Ausführung der musikalischen Kraftleistungen eines Liszt fehlt dem an der Schwelle des Greisenalters stehenden Pianisten die nöthige physische Kraft. Die Serenade op. 67 zeigt uns Brüll als feinfühligen, erfindungsi eichen Musiker und fand das Merkchen freundlichen Beifall. Auch eine Komposition des Landgrafen Alexander Friedrich von Hessen, die Gesangs- sceneFathume," von Herrn Dr. Pröll wirkungsvoll vorge­tragen, wurde beifällig ausgenommen. Als weitere Orchester- nummer gelangte noch Reznicek's vielgespielte reizende Ouver­türe zuDonna Diana" zur Aufführung.

Auch das dritte Abonnements-Konzert im Hoch'schen Kon­servatorium fand den schönsten Verlauf und brachte hervor- ragente Kunstgenüsse. Unter Leitung des Professor Dr. Bernhard Scholz fand Beethovens mächtige Ouvertüre zu Coriolan" eine fein abgetönte, präzise Wiedergabe. Eine Schülerin der Frau Schröder-Hanfilängl, Frl. Margaretha Hüttel brachte die große Freischütz-Arie mit guter Technik, rmmer umfaßt außer dem Unterhaltungsl

schafts minister Freiherr v. Hammerstein widerspricht zu­nächst den Angaben in der Presse, daß bezüglich der Vetc- rinärpolizei eine Differenz zwischen seinem Ressort und dem Reichsamt des Innern bestehe, oder je bestanden habe. Für später sei ein Seuchen-Jnstitut in Verbindung mit der Thier­arzneischule beabsichtigt. Er hoffe, daß das Abgeordnetenhaus die Kosten dafür bewilligen werde. Es sei thatsächlich tuber­kulöses Vieh aus Dänemark eingeführt worden. Des Wei­teren erklärt der Minister, daß die Regierung eine völlige Sperre der Schweine-Einfuhr aus Rußland erwäge. (Bravo rechts.) Abg. Feddersen (natl.) ist der Ansicht, daß zu einer Sperre gegen Dänemark kein Grund vorliege. Abg. Hilpert (bay. Bauernb.) wünscht allgemein Sperrung der Grenze. Abg. Pachnicke (sreis. Ver.) erklärt, seine Freunde seien gegen alle derartigen extremen Mittel. Abg. Plötz (kons.) hält prohibnive Maßregeln im Jnlande für ganz un­zulänglich. Hauptsache bleibe der Schutz an den Grenzen. Uebtr die Erklärung des Landwirthschaftsministers äußert Redner fotann seine Genugthuung. Abg. Aichbichler (Centr.) ist derselben Ansicht wie Abg. Hilpert. Abg. Hahn (fraktionslos) bemerkt, wenn man die Grenze gegen Däne­mark nicht sperren wolle, so müsse man die Quarantäne auf mindestens vier Wochen ausdehnen. Minister Hammer- stein wendet sich gegen einige Aeußerungen des Abg. Plötz und Dr. Hahn. Abg. Graf Kanitz (kons.) betont nament­lich, daß die Regierung gegen die Vieh-Einsuhr aus Däne­mark unbedenklich vorgehen könne. Abg. Schulze-Henne (natl.) ist ganz anderer Ansicht als sein Fraktionsgenosse Feddersen. Dieser habe nur für seine Perfon gesprochen. Die Abgg. Wurm und Ulrich (Soz.) bekämpfen die völ­lige Sperre der Grenze. Abg. Lessing (freis. Volksp.) will ebenfalls eine völlige Grenzsperre nicht eingeführt sehen. Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird der Titel geneh­migt. Damit ist der Etat des Reichsamts des Innern erledigt.

Morgen 1 Uhr: Etat der Reichsschuld und des Rech­nungshofes, dann Unfall-Novelle.

Preußischer Landtag. Herrenhaus.

(Sitzung vom 22. Januar.)

Das Herrenhaus berieth heute, nachdem zunächst der neu in das Haus eingetretene Graf von Oppersdorf den Eid auf die Verfassung geleistet, über das Volksschullehrerbe­soldungsgesetz. Professor Reinke betont die Noth­wendigkeit des Zustandekommens des Gesetzes. Die Vorgänge des Vorjahrs dürften sich nicht wiederholen, eine nochmalige Ablehnung des Gesetzentwurfs werde wirksame Propaganda für die Sozialdemokratie machen. Er beantrage Ueberweisung des Gesetzes an eine Kommission von 15 Mitgliedern. Dort werde sich hoffentlich ein Weg finden, um die wohlerworbenen noblem Vortrage und schöner, weicher Tongebung zu Gehör Der treffliche Cellist, Herr Johannes Hegar aus Zürich, brillirte mit dem Konzert in A-moll von Saint Saëns, und fand rauschenden Beifall. Auch der Vortrag der jugendlichen Geigerin, Frl. Alma Otten (v-moU-Konzert von Bruch), war höchst lobenswerth und die Duettvorträge der Damen Frl. Straub und Paasche waren von zündender Wirkung.

E. Lbm.

Aus Kunst und Leben.

H. Die allgemeine deutsche Bühnengesellschaft, deren Aufruf an die Freunde einer guten deutschen Bühne" bereits in Nr. 12 dieses Blattes auszugsweise wiedergegeben wurde, hat sich die Aufgabe gestellt, die allgemeinen wie die örtlichen Interessen der dramatischen Kunst allüberall im deutschen Reiche nach Kräften zu fördern. In zu bildenden Zweigvereinen sollen ausführende Glieder für die von der Zentralstelle anzubahnenden nothwendigen Reformen des Bühnenwesens gewonnen werden, diefür ihre örtlichen Angelegen­heiten Selbstständigkeit behalten. Diese Vereinigung richtet ihre Abwehr nur gegen Frivolität und Trivialität in der Kunst, nicht gegen irgend welches ernste, wenn auch auf neuen Bahnen wandelnde Schaffen ehrlicher, künstlerischer Gesinnung. Sie tritt für die Auffassung ein, daß von jeder Kulturarbeit, also auch von der Kunst das Erbe der Väter nicht nur als Besitz und Recht angesehen, sondern zugleich im Sinne der Pflicht zu entsprechender Weiterentwickelung gebracht werden müsse. Die allgemeine deutsche Bühnenge- sell'chaft stellt sich die Aufgabe, die dramatische Kunst in diesem Sinne zu einem Gesammteigenthum des deutschen Volkes zu machen, indem sie für das Bedürfniß der fortge­schrittenen Schichten unseres Volkes eine echte Kunststätte in der Gestalt eines deutschen Schauspielhauses schaffen will und ferner dafür eintritt, daß womöglich an latt 10 Seiten.