Hanauer Anzeiger.
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Nr. 18.
Freitag den 22. Januar
1897.
„Amtliche Beilage" Nr. 6.
Amtliches.
Der § 2 der landespolizeilichen Anordnung vom
vânär-
20. Novbr. 1896, A. III 12271, 11 polizeiliche Überwachung des Viehhandels, wird dahin abgeändert, daß an Stelle der Bescheinigung eines beamteten Thierarztes die Bescheinigung eines approbirten ThierarzteS gefordert wird.
Diese Abänderung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft.
Cassel am 13. Januar 1897.
Der Regierungs-Präsident Haussonville.
SlcrSIK^ers Rattan. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Die von Hausbesitzern in der letzten Zeit ohne Erlaubniß ausgeführte Anbringung von Schaukasten an der Straßenfront veranlaßt mich, auf den § 12 alin. 1 der Baupolizeiordnung vom 1. Juli 1885 hinzuweisen, wonach Schaukasten an der Straßenfront der Häuser überhaupt nicht angebracht werden dürfen, wenn das Trottoir nicht breiter als 2 Meter ist. Bei größerer Breite ist zur Anbringung stets Genehmigung nothwendig. Die Nichtbeachtung dieser Vorschrift zieht die Beseitigung der Schaukasten und entsprechende Strafe nach sich.
Städtische Polizeiverwaltung.
Der Oberbürgermeister
Dr. Geb eschus. 1115
Oberrealschule zu Hanau.
Um schon jetzt einen Ueberblick über die Frequenz des nächsten Schuljahres zu gewinnen, erbittet der Unterzeichnete die Anmeldungen zur untersten Vorschulklasse schon in der Woche vom 25.—30. Januar (mit Ausnahme des 27.), täglich von 10—12 Uhr im Schulgebäude, Zimmer Nr. 14.
Hanau, 19. Januar 1897.
Der Direktor der Oberrealschule Dr. Schmidt. 990
Tagesschau.
Bezüglich der Kaisermanöver wird der „Köln. Ztg." aus München geschrieben: „Wenn Mittheilungen der hiesigen Presse sich bewahrheiten, so würden der deutsche Kaiser und der bayerische Prinzregent dieses Jahr bei zwei Anlässen Zu
Kleines Feuilleton.
Kuntes Allerlei.
Von B. O. Bachter.
Nachdruck ------ verboten.
Man schreibt davon und spricht es — Mit leichtem Herzen aus, — Und kommt jetzt aus dem Zählen — Schon gar nicht mehr heraus: — Die trübe Zei? des Winters, — Hin eilt sie wie im Nu, — Gottlob, so heißt's, die Tage — Sie nehmen wieder zu. — Stehn wir auch noch im ersten — Der Monate im Jahr, — So stellt bedeutend besser — Sich doch die Zeit schon dar. — Man kann die Tage zählen — Von Winters Regiment, — So und so viel noch und dann — Hat alle Last ein End'. — Nun ja, im großen Ganzen — Ging es noch immer an, — Es war bis jetzt der Winter — Ein nicht zu strenger Mann. — Doch kann uns das nicht hindern, — Wenn man auch sonst ihn litt, — Dem Ofen bald zu geben — Den letzten Gnadentritt. — So viel an Holz und Kohlen, — Wie er bis jetzt fraß <1 auf, — Deß freun wir uns, bekommt er — Nicht mehr, da schwör' ich drauf. — Denn licht ist all der Vorrath — Für ach so theures Geld, — Ein sichres Zeichen, daß bald — Der Winter räumt das Feld. — Bedenkt, des Monats Ende, — Es ist schon wieder nah, — Und mit dem Hornung ist ja — Mariä Lichtmeß da! — Da soll ja schon die Lerche — Leis singen hinterm Stein, — Hurrah, mit Sachtem stellt dann — Sich bess're Zeit auch ein. — Nur nicht gelacht, als „Dichter" — Hab' ich auch Phantasie, — Zur Wirklichkeit kann werden — Sie gar sehr bald und /J wie. — Denn das steht fest und sicher, — Das ist des Jahres Lauf: — Jst's nur erst März, dann kommt auch — Der Lenz, da schwör' ich drauf!
sammentreffen; das erste Mal, wenn sich die deutschen Fürsten zum hundertsten Geburtstage Kaiser Wilhelms I. ähnlich wie bei der ersten Reichstagseröffnung unter dem jetzigen Kaiser in Berlin versammeln, das zweite Mal zu den angeblich geplanten Manövern der beiden bayerischen Armeekorps und des 11. Korps. Prinz Leopold, der zweite Sohn des Regenten, würde in diesem Falle, wie es heißt, die Bayern befehligen. Seit dem September 1891, also seit sechs Jahren, haben sogenannte Kaisermanöver in Bayern nicht mehr stattgefunden, sodaß die Nachricht insofern keineswegs unwahrscheinlich klingt. Als Oertlichkeit des Manövers könnte wohl blos Unterfranken, etwa mit Würzburg als Hauptquartier, in Betracht kommen."
Zur Post-ampfervorlage haben die Handelskammern in Mainz, Kolmar, Hanau, Bochum, Offenburg, Bonn, Heilbronn, Coblenz, Mühlheim a. Rh., Wesel petitionirt, für den Fall der Annahme der Vorlage zu bestimmen, daß die Dampfer abwechselnd Rotterdam und Antwerpen anzulaufen haben.
Von den Mannschaften des Lehr-Jnsanterie-Ba- taillonK werden (wie bereits erwähnt) jetzt Abzeichen getragen, welche voraussichtlich, da dieselben den Beifall des Kaisers gesunden haben, später in der ganzen Armee einge- sührt werden. Bei den Regimentern des 1. Armeekorps sind die Achselklappen mit weißer, des 2. mit rother, des 3. mit gelber, des 4. mit blauer, des 5. mit weißer, des 6. mit rother, des 7. mit gelber, des 8. mit blauer u. s. w. Schnur eingefaßt. Ferner sind die Patten am Aermelaufschlag bei den Regimentern der ersten Division jedes Armeekorps mit weißer und der zweiten mit rother Schnur eingefaßt. Die Patten selbst sind bei dem ersten Regiment jeder Division aus weißem, des zweiten aus rothem, des dritten aus gelbem und des vierten aus blauem Tuche. Welcher Brigade der Division jedes Regiment angehört, ist daran erkenntlich, daß immer das 1. und 2. Regiment der Division, also die, welche weiße und rothe Patten haben, die erste, unb das 3. und 4. Regiment, also die, welche gelbe und blaue Patten haben, die zweite Brigade bilden.
In den nächsten Tagen soll im Reichsamt des Innern eine Konferenz stattfinden, die über etwa zu ergreifende Vorsichtsmaßregeln gegen die Pestgefahr berathen soll. An der Konferenz werden neben den ordentlichen Mitgliedern des Reichsgesundheitsamtes auch dessen außerordentliche Mitglieder und die Räthe der Medizinalabtheilung des Kultusministeriums theilnehmen. Der Reichskanzler hat bereits bestimmt, daß alle Schiffe, die aus Bombay und den übrigen Hafensrten von Vorderindien und Persien kommen, an allen deutschen Seeorten überwacht werden müssen. Die „Nordd. Allg. Ztg." weist darauf hin, daß die Seeschiffe aus Indien und Persien in den deutschen Seehäsen sanitätspolizeilich sorgfältig untersucht werden, sowie daß aus iuternationalen Konferenzen aus ein einmüthiges Vorgehen der europäischen Staaten auch gegen
Aus Kunst und Leben.
Prof. Robert Koch im Copland. Man schreibt aus London vom 19. d. M.: Zu der in der keuschen Presse inzwischen bekannt gewordenen Depesche der „Times", daß Prof. Rob. Koch den Bacillus der Rinderpest bisher nicht habe finden können, liegen heute in der Londoner Presse ergänzende Mittheilungen vor. Prof. K)ch hat danach der Capregierung berichtet, daß die unter den Heeroen des Landes wüthende Seuche un weifelhaft die Rinderpest wäre, daß aber der von Simpson in Kalkutta angeblich entdeckte Bacillus nicht als der Träger dieser Krankheit anzusehen sei. Der deutsche Gelehrte hat eine Reihe erfolgreicher Versuche gemacht, die Rinderpest in milderer Form auf Schafe, Angoraziegen u. s. w. zu übertragen, und somit deren Empfänglichkeit für die Seuche festgestellt. Er will nunmehr auch Kameele, Antilopen und andere subtropische Thiere in den Kreis seiner Experimente ziehen. Ferner ist Professor Koch bemüht, einen Modus der Impfung gegen die Rinderpest zn finden. Die bezüglichen Versuche dürsten sich noch Monate lang aus- dehnm.M'M Ew. ►•__jy
h E. Humperdinks Märchendrama „Tie Königs- kinder" wird am nächsten Samstag im Münchener Hoftheater zum ersten Male gegeben werden. Fräulein Giesecke vom Stadttheater in Frankfurt a. M., welche die Rolle der Gänsemagd kreiren sollte, hatte die Rolle wieder abgegeben, weil die rein musikalischen Anforderungen derselben zu große sind und überdies eine gewisse Gesangskunst erfordert wird, wie man sie unter Schauspielerinnen nicht häufig findet. Nunmehr wird Fräulein Brünner am Münchener Hoftheater die Rolle kreiren.
Ueber das Goldvorkommen im Böhmerwalde erfahren wir noch folgendes: Das ganze Gebiet, in dem das Gold vorkommt, in einer Ausdehnung von 14 Quadrat-
Kilometer ist von den Herren Julius Luber in Sulzbach (Oberpfalz) und dem Geologen Leroux gemuthet worden, der erstgenannte war früher längere Zeit in den Golddistrikten von Transvaal. Sobald der Schnee fort ist, werden genaue geognostische Aufnahmen vorgenommen werden. Soviel bisher festgestellt werden konnte, kommt das Gold in feinen Körnchen, mehr jedoch in Blättchen vor; es tritt nicht nur in Quarzgängen, sondern auch im Glimmerschiefer auf, der dort die Hauptmasse des Gebirges bildet. Ein eingehender Bericht kann erst dann gegeben werden, wenn der weichende Winter genaue und umpsangreiche Untersuchungen gestattet.
Vom Hungerkünstler Succi. Aus Wien schreibt man: Vor Kurzem wurde aus Paris gemeldet, daß Herr Succi dort während der Absolvirung einer seiner Produktionen plötzlich tobsüchtig geworden sei. Mit schwerer Mühe sei er damals überwältigt und nach Charenton, dem Pariser Irrenhause, überführt worden. In einem, wie die „N. F. Pr." mittheilt, aus Florenz, 16. Januar, datirten Schreiben an einen Wiener Hotelier erklärt nun Succi diese Pariser Meldung für falsch. Er fügt die Mittheilung hinzu, daß er sich in vortrefflichster Kondition befinde und daß er gegenwärtig an einem Buche arbeite, dessen Inhalt die ganze Welt auf's höchste interessiren werde.
Der erste Spargel! Wie aus Mannheim berichtet wird, gibt es in der spargelbauenden Gegend an der Rein- thalbahn schon Spargel. Vom Wiesenthal aus konnten am Donnerstag die ersten 97er Spargel, schöne große Stangen, auf, den Mannheimer Markt geliefert werden. So früh ist das edle Gemüse seit langen Jahren nicht an's Licht getreten.
über der Pestgefahr zu schließen ist, und bemerkt sodann, es liege kein Grund zur Beunruhigung vor.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 21. Januar.)
Etat des Reichsschatzamts. Die Abgg. Hitze und Gerstenberger (Centr.), sowie Hilpert (Bauernb.) plaidiren für einen Quebrachozoll im Interesse der kleinen Gerber. Abg. Fischbeck (freist Volksp.) ist im Gegensatz zu den Vorrednern von der Erklärung des Schatzstkcetârs befriedigt. Staatssekretär Posadowsky führt noch aus, wirksam lasse sich den Eichenschäl-Waldbesitzern durch einen Quebrachozoll doch noch helfen, denn alsdann würden anstatt des Quebrachoholzes die bis zu 80 Prozent Gerbstoff haltenden Extrakte eingeführt werden. Auf das Einverständniß der Vertragsstaaten, auch auf diese Extrakte einen hohen Zoll zu legen, sei nun und nimmer zu rechnen. Wenn die Handelsverträge erst einmal abgelausen seien, dann sei er überzeugt, daß die verbündeten Regierungen diese Frage ernsthaft prüfen würden. Abg. v. Sali sch (kons.) hat hieraus den Eindruck gewonnen, daß diese Prüfung s. Zt. auch eine wohlwollende sein werde. Abg. Beckh (freist Volksp.) bedauert, daß die Schlußworte des Schatzsekretärs so ganz anders lauten, als bei der gestrigen Erklärung. Abz. v. Stumm (Reichsp.) tritt nochmals für den Quebrachozoll ein. Abg. Barth (freif. Ver.) beklagt lebhaft die heutige veränderte Stellungnahme des Schatzsekretärs. Abg. Hilpert (Bauern- bündler) polemisirt gegen den Abg. Beckh. Schatzsekretär Posadowsky entgegnet dem Abg. Barth, daß der neue autonome Tarif nicht mehr spezialisirt sein werde. Die Regierung sei gerade bei der Arbeit, diesen Tarif fertig zu stellen. Abg. Beckh (freis. Volksp.) erwidert dem Abg. Hilpert. Abg. Kanitz (kons.) will, daß man ungeachtet der Handelsverträge den Lederzoll erhöhe. Abg. Barth (freis. Ver.) meint, wenn die Konservativen bei der nächsten Wahl die Handelsverträge zur Wahlparole machten, kämen mehr Vertreter der Linken in den Reichstag. Abg. Mol- kenbuhr (Soz.) ist gegen den Quebrachozoll. Er rügt ferner, daß die Einzelstaaten an den Zollerhöhungen Ersparnisse machten, die sie für sich behielten, statt an das Reich abzuführen. Schatzsekretär Posadowsky entgegnet, das sei Sache der Einzelstaaten und gehöre nicht zur Kompetenz des Reiches. Nunmehr wird die Debatte geschlossen und unter Ablehnung der Anträge Ulrich und Lenzmann wird die Resolution Hammacher in ihren beiden Theilen angenommen und der Titel „Gehalt des Staatssekretärs" bewilligt. Beim Titel „Beitrag zu den laufenden Ausgaben der Universität Straßburg" bringt Abg. Lieber (Centr.) den bekannten Vorgang der Relegation von Studenten in Straßburg zur Sprache, indem er das Vorgehen der Universitäts-Behörden rügt. Elsäss. Geheimrath Halbey bemerkt, daß die Uni-