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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich außer Sonn- und Festtags.
Als Gratisbeilage täglich erscheinendes ttnterhaltnngsblatt.
Nr. 17.
Donnerstag den 21. Januar
1897.
Amtliches.
Lcrnöâ r^eis ^artaru
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Berkersheim, Landkreis Frankfurt a/M., ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöfts- und Ortssperre angeordnet worden.
In Bonames und Eschersheim, desselben Kreises, ist die Seuche erloschen und sind die Sperrmaßregeln aufgehoben worden.
Hanau am 20. Januar 1897.
Der Königliche Landrath
V. 638/639 v. Schenck.
Auf dem Häuser-Hof bei Ober Widdersheim, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöstiperre angeordnet worden.
Hanau am 20. Januar 1897.
Der Königliche Landrath
3. Schenck.
Oberrealschule zu Hanau.
Um schon jetzt einen Ueberblick über die Frequenz des nächsten Schuljahres zu gewinnen, erbittet der Unterzeichnete die Anmeldungen zur untersten Vorschulklaste schon in der Woche vom 25.—30. Januar (mit Ausnahme des 27.), täglich von 10—12 Uhr im Schulgebäude, Zimmer Nr. 14.
Hanau, 19. Januar 1897.
Der Direktor der Oberrealschule
Dr. Schmidt. 996
Tagesschau.
In der Königlich preußischen Armee wird in diesem Jahre das siebzigjährige Dienstjubiläum begehen: General-Feldmarschall Graf von Blumenthal, /8e- neral-Jnspekteur der 3. Armee-Inspektion, am 30. Juli 1897. Ihr fünfzigjäh riges Dienstjubiläum werden feiern: General-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen, Regent des Herzogthums Braunschweig, Königliche Hoheit, Glneral-Jnspekieur der 1. Armee-Inspektion rc., am 8. Mai 1897; General-Oberst der Kavallerie (mit dem Range eines Genetal-Feldmarschalls) Freiherr von Loë, General-Adjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs und Ober-Befehlshaber in den Marken rc., am 7. April 1897; General der Infanterie von Rauch, Chef der Landgendarmerie, am 22. April 1897; General der Kavallerie von Hänisch, kom- mandirender General des IV. Armee-Korps rc., am 16. Juli 1897.
Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberathung der Städte- smd Landgemeindeordnirng für
Kleines Feuilleton.
Die Frauen in Grillparzers Leden und Dichten.
Ein Skizzenblatt zum 25. Todestage des Dichters, 21. Januar.
Von Alexander Harlin.
(Nachdruck verboten.)
Unter unseren Klassikern darf man Grillparzer mit Recht schlechthin als den Dichter der Frau bezeichnen. Wohl hat uns Goethe in Gretchen's Schicksalen die gewaltigste aller Fraueutrogödien geschildert; wohl hat Schiller sein mächtiges sittliches Pathos auch in einer Reihe hoher grauen gestalten zum Ausdruck gebracht; wohl ist Kleist im „Käthchen" und der „Pentbasilea" lief in die Räthsel der Frauenseele hinab- getaucht. Für Grillparzer aber war das Weib so recht eigent- I lich der Pol all' seines Dichtens. Eine erhebliche Zahl seiner vollendetsten Werke — Medea, Sappho, dcs^Mecres I und der Liebe Wellen, die Jüdin von Toledo — gelten dem Weibe und seinem Leben; und während die Schicksale Maria Stuarts und des Mädchens von Orleans mehr einen allgemein menschlichen und allgemein tragischen Charakter tragen, entspringen die Konflikte der Heldinnen Grillparzers ganz und durchaus dem spezifisch weiblichen Seelenleben. Ter Kampf der verschmähten Neigung, die süße Allmacht der Liebe, die dem Weibe eigenthümlich ist, — das hat er geschildert; geschildert mit einem Einblicke in die verborgenen Tiefen des weiblichen Empfindens, der an einem Manne nicht genug Wunder nehmen kann, geschildert mit all der Süße und quillinden Naivetät, die das Keimen und das Leben des weiblichen Gefühls kennzeichnet, geschildert mit einem fast einzigen Verständnisse für.das Widersprechende, für die un-
Hestert-Ntistau hat vorgestern wiederum eine Sitzung abgehalten. Dem „Rhein. Kur." wird hierüber berichtet: Beim Absatz 2 des § 16 des Entwurfes der Städteordnung, welcher lautet; „Sind in einer Abtheilung mehr als 500 Wähler vorhanden, so kann ihre Wahl nach dazu gebildeten Wahlbezirken geschehen", beantragt Abg. Zimmermann folgenden Zusatz: „Dasselbe kann geschehen, wenn in einer Stadt mehr als 500 Wähler vorhanden sind". Dieser Antrag wird abgelehnt und § 16 nach der Vorlage angenommen, § 17 ebenfalls ohne Debatte, § 18 desgleichen unverändert, nach Ablehnung eines Antrages Pappenheim, daß nicht die Hälfte wie nach der Vorlage, sondern ein Drittel der Stadtverordneten in jeder Abtheilung aus Hausbesitzern bestehen soll. § 19 wird auf Antrag des Abg. Zimmermann dahin abgeändert, daß von der gleichzeitigen Bekleidung des Stadt- verordnetenamteâ ausgeschlossen sein sollen nicht mehr Vater und Sohn, sowie Brüder, sondern auch Schwiegerväter und Schwiegersöhne. Entsteht die Schwiegerschaft während der Wahlperiode, dann scheidet der Schwiegersohn aus. Abgelehnt wurde der Antrag Kirchner, welcher Geistlichen, Kirchendienern, Volksschullehrern, Richtern, ausgenommen die technischen Mitglieder der Handels- und Gewerbegerichte, das aktive Wahlrecht verleihen will, ebenso wurde der Antrag Zimmermann abgelehnt, außerdem den Beamten der Staatsanwaltschaft und der Polizei das aktive Wahlrecht zu gewähren. Die Mehrheit der Kommission hält es mit der Berufsstellung der betreffenden Beamten für unvereinbar, daß sie am wirtschaftlichen Jn- teressenkampfe theilnehmen, wie er in Stadtverordneten-Versammlungen ost hervortrete. Die §§ 20—31 wurden unverändert angenommen, nachdem zum § 27 ein Zentrumsantrag, welcher die geheime Wahl einzuführen beabsichtigt, ab- gelehnt worden war. Zum § 32 beantragt der Abg. Lotichius, auch dem Bürgermeister von Wiesbaden den Titel als Oberbürgermeister zu gewähren, zieht aber diesen Antrag nach kurzer Debatte zurück. Zum § 33 wurde ein Antrag Zimmermann angenommen, wonach die Aufsichtsbehörden befugt sein sollen, Ausnahmen von der Bestimmung zuzulassen, welche Angehörige des Schnaps- und Schankwirthschaftâbe- triebes von dem Bürgermeisteramt ausschließt. Hierauf wurde die Sitzung vertagt.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 20. Januar.)
Interpellation Hahn, betreffend Inkraftsetzung der internationalen Vereinbarungen über das Wegerecht zur See ohne den von der Lichterführung der Fischerfahrzeuge handelnden Artikel 9, aber mit dem die Fischerdampfer zum Ausweichen vor Seglern zwingenden Artikel 26. Staatssekretär von Bötticher erklärt sich zur sofortigen Beantwortung ber Interpellation bereit. Abg. Hahn (fraktionslos) will Ausmerzung des Artikels 9, da die Schleppmtzfischer nicht aus- weichen könnten. Der Artikel 9 solle ausgenommen werden,
lösliche Mischung von Trotz und Hingabe, von Scham und Muth, von grenzenlosem Vertrauen und jährn Mißtrauen, die das Räthsel der Frauenseele bildet.
Was ihn zum berufenen Dichter der Frau machte, das war sein eigenes Wesen und Leben. In seinem Charakter selbst lag viel von jener mimosenhaften Empfänglichkeit, die dem Weibe seine elektrische Eindrucksfäligkeit gibt und es lag in ihm viel von der keuschen Scheu der Frau, die das Gefühl nicht auszusprechen, kaum sich selbst zu gestehen und am wenigsten in das wirre und unreine Treiben des Tages zu sieben wagt. Dies natürliche Verständniß wurde durch seine Erlebnisse vertieft. Seine Erlebnisse waren Leiden, und Leiden schärfen den Blick der Seele. Von früh auf drängte es Grillparzer nach Frauenliebe und eine Reihe eigenartiger und anziehender Frauengestalten schritt über seinen Weg. Tech hatte er die Kraft sie anzuziehen besessen, so hatte er sie zu halten nicht die Kraft. Den vollen Becher der Liebe jauchzend zu leeren, wehrte ihm das verhöngnißvolle „Zu spät", das durch sein Leben geht, ein tiefes Mißtrauen gegen sich und Andere, der mangelnde Muth zum Glücke. So durchlebte er die Leiden, ahnte er die Freuden der Liebe und ward doch zum griesgrämigen Junggesellen. Es wurde ihm dies Schicksal eine schwere Last, und wenn er es trug, so verdankt er es dem Gotte, der ihm gab zu sagen, was er litt. In ter Dichtung reinen Gefilden lebte er die Wonnen, die er dem trüben Erdendasein nicht danken wollte ober konnte; in ihr wuchs sich sein in vieler Hinsicht kleinlich zer- stücktes Geschick zur vollen ungebrochenen Größe der Tragödie aus. Wenn Schillers Thekla im Lieben und Leiden des Daseins Kreis ganz zu durchmessen sucht, so war dem österreichischen Poeten im Leben wohl nur das Leiden beschieden, und erst die Muse schenkte ihm seinen vollen Gehalt des Lebens. Hierin liegt der unlöslich enge Zusammenhang, in dem Grill- parzer's Frauengestalten und Fraucndichtungen mit seinem
da die Schiffer sich schon die Lichterführung angewöhnt hätten. Staatssekretär von Bötticher hofft, daß bis I. Juli noch eine Verständigung erzielt werden könne, seither habe die englische Regierung aus praktischen und formellen Gründen noch am Artikel 26 festgehalten. Abg. Freese (freist Ver.) weist auf die große Kollisionsgefahr hin, welche gerade durch Inkrafttreten des Artikel 26 entstehe. Abg. Freiherr v. Langen (kons.) ist ebenfalls entschieden gegen Jnkraft- setzen des Art. 26. Staatssekretär v. Bötticher erklärt nochmals, der Standpunkt der Reichsregierung sei ganz der des Interpellanten. Wenn sie trotzdem die internationalen Vereinbarungen mit Art. 26 in Kraft setzen wolle, so thue sie das nur, weil sie von der andernfalls entstehenden Rechts- Verschiedenheit Nachtheile für die deutschen Fischer fürchte. Abg. I e b s e n (null.) hofft, daß noch bis 1. Juli eine Einigung erzielt werde. Die Abgg. Viel haben und Liebermann v. Sonnenberg (Antis.) wenden sich ebenfalls gegen Art. 26. Staatssekretär von Bötticher nimmt die Kommission gegen einige Vorwürfe in Schutz. Abg. Freese (frei). Ver.) ist mit dem Abg. Jebsen einverstanden. Die Regierung möge sich durch eine neue Konferenz mit den Mächten versuchen, ob nicht noch bis zum 1. Juli der Art. 26 bis aus den Schlußsatz auszemerzt werden könne. Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Hahn ist die Interpellation beendet. Es folgt Fortsetzung der Etatberathung. Etat des Reichsschatzamts und die dazu vorliegenden Anträge Hammacher-Lenzmann und Ullrich, betreffend Errichtung von Behörden zur Erledigung von Zollstreitigkeiten. Abg. Freiherr v. Stumm (Reichsp.) bedauert die Ablehnung des durch Reichstags-Resolution geforderten Zolles auf Quebrachoholz und andere Gerbstoffe seitens des Bundesraths. Schatzsekretär Posadowsky erklärt ausführlich die Gründe, die den Bundesrath veranlaßt hätten, der Resolution nicht stattzugeben. Für die Dauer der Handelsverträge sei der gewünschte Zoll unmöglich.
Morgen 1 Uhr; Etat. Schluß 5^2 Uhr.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 20. Januar.)
Das Abgeordnetenhaus setzte heute die dritte Berathung des Etats und des Richterbesoldungsgesetzes fort. Abg. Friedberg (natlib.) hat an der gestrigen Erklärung des Ministerpräsidenten auszusetzen, daß nicht aufgeklärt worden sei, wie der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes jahrelang von Beamten der politischen Polizei hat belästigt werden können. Daß das Vereinsgesetz bis zum Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs Zeit haben solle, wie der Minister des Innern erklärte, entspreche nicht der Erklärung des Reichskanzlers im Reichstage. Die Industrie müsse ebenso wie der Grundgruudbesitz im Herrenhause vertreten
äußeren Dasein und seinem Seelenleben stehen. Selbst bis auf Einzelheiten läßt sich dieser Zusammenhang verfolgen. Wir wissen, daß ihm beim Aeußeren Medca's die Schönheit der Gattin des Wiener Musikalienhändlers Mechetti vorschwebte, daß er bei der Hero Marie Daffinger „in aller ihrer damals wirklich himmlischen Schönheit" vor sich sah. Katharina Fröhlich, seine ewige Braut, die nie seine Gattin werden sollte und schließlich doch wie eine Gattin den Gealterten pflegte, hat er im „König Ottokar" als Wiener Bürgerskind namentlich eingeführt. Und wenn Hero vor dem ersten Kusse das Licht auf den Boden stellt;
„Die Lampe soll's nicht sehn", so erfahren wir aus seinen Tagebüchern, daß dieser unvergleichlich feine Zug jungfräulicher Schamhaftigkeit dem Leben selbst entstammt, daß er ihn in seinem Verhältnisse zu Charlotte von Baumgarten erlebte.
Diese Charlotte war dir Gegenstand einer trüben und dunkeln Leidenschaft. Sie war die Gattin eines ihm befreundeten Verwandten, und Grillparzer verzehrte sich in wildem Drange nach ihr, obne doch. die Stärke zu haben, darüber hinauszukommen. Charlotte war eine äußerliche Natur, die mit dem Dichter zu spielen schien, und es kam schließlich zum Bruche. Aber auf ihrem Todtenbette gestand sie ihm selbst, daß die Liebe zu ihm tief in ihr Wurzel geschlagen hatte. In welch' einen Abgrund von Räthselhastig- keit mußte Grillparzer Hineinblicken, als er dies Geständniß der Sterbenden vernahm, als er erkannte, daß leichter Sinn und kokettes Gebühren doch ein ernstes und echtes Gefühl nicht ausschlössen. Wenn ich nicht irre, so sind Züge dieses Charakters auf die oft mißverstandene Figur der Rahel (Jüdin von Toledo) übergegangen. Rahel ist der verkörperte Lebenswille, die verkörperte Lebensleichtigkeit. Nur zu leben, zu leben und zu genießen begehrt sie, der Augenblick ist ihr alles. Was sie zu König Alfons zieht, der, durchfröstelt von