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Hanauer Anzeiger

20. Januar

Marienkirche. Abends 9 Uh rk Handwerker-Bezirksver- ein: Zusammenkunft in derAllemania" ; Freiwillige Feuerwehr: 1. Komp, imgoldnen Herz"; Steiger-Korps bei Beck; Weihnachtssparkassezum Stadtpark": General' Versammlung. Männerabtheilung der Turngemeinde : Abends von 910 Uhr Turnen. Turn- u. Fechtklub : Abends 9*/« Uhr: Monatsversammlung imLöwengärtchen": Tagesordnung: Betheiligung am Jabiläumsfestzug.

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für Donnerstag den 21. Januar.

Vormittags 10 Uhr soll die Abnahme der im Lazareth­haushalt in der Zeit vom 1. April 1897 bis Ende März 1898 gewonnenen Küchenabfälle, Knochen, altes Lagerstroh und Brotreste in öffentlicher Verdingung an den Meistbieten­den vergeben werden. Die Angebote sind zum Termin im Geschäftszimmer des König!. Garnison Lazareths zu Händen des Chefarztes abzugeben.

Aus der Provinz und den Nachbargebieten.

Fronhausen, 17. Januar. Vergangene Woche war ein hiesiger Einwohner mit seiner Chaise in einem mehrere Stunden von hier entfernten Dorfe. Dort besorgte er seine Geschäfte und ließ seinen großen Hund allein bei der Chaise zurück. Der Kutscher war auch anderweit beschäftigt. Als beide wieder zurückkehrten, war das Fuhrwerk mit sammt dem Hunde verschwunden. Sie eilten nun in einer anderen ge liehenen Kutsche schnell nach Fronhausen und siche da, dicht vor dem Dorfe fuhr ihre eigene Chaise; der Hund sprang vor den Pferden immer hin und her, damit diese ihm nicht zu schnell liefen.

Marburg, 17. Januar. Eine üble Angewohnheit, nâm lich nasse Kleider anzubehalten, hat für einen jungen Mann aus einem Dorfe der Umgegend sehr böse Folgen gehabt. Derselbe war nämlich auf dem Eise eingebrochen, bekam in­folge dessen nasse Beine und legte sich abends in seiner kal­ten Schlafstube ins Bett, behielt aber die Strümpfe an. Am andern Morgen hatte sich der Bursche beide Füße erfroren und mußte er deshalb auch sofort ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen.

Fulda, 18. Januar. Der Kommandeur des Bezirks kommandoâ Fulda, Oberstlieutenant a. D. Kleckel, ist plötz lich an den Folgen einer Operation gestorben. Er hatte ein Zahngeschwür und mußte sich am Oberkiefer operiren lassen.

Wiesbaden, 19. Januar. Bei der heutigen Ersatz­wahl zum preußischen Abgeordnetenhause wurde der Kandidat der freisinnigen Volkspartei, Stadtverordneter Ludwig Winter­meyer, gewählt.

Darmstadt, 20. Januar. Vom 1. April ab wird für das Friedensverhältniß versuchsweise das Großherzogthum in drei Militär-Aushebungsbezirke, entsprechend den Provinzen, eingetheilt. Der 49. Infanterie-Brigade ist Oberhessen zuge­theilt. Rheinhessen bildet den 1. Bezirk der 50. Infanterie- Brigade und ist dem Kommandeur der 50. Infanterie-Brigade unterstellt, während Starkenburg als 2. Bezirk dem Kom­mandeur der 25. Kavallerie-Brigade zufällt. Bisher gab cs nur zwei Aushebungsbezirke, bezw. Ober-Ersatz-Kommissionen, und war Starkenburg zwischen die 49. und 50. Infanterie- Brigade getheilt.

Hochheim, 18. Januar. Vorgestern gegen Abend wurde in hiesiger Gemarkung am Mainufer eine weibliche Leiche gelandet. Dieselbe, 1,80 Meter groß, war bekleidet mit Taille, Rock, gestreiftem Unterrock, schwarzen Strümpfen und Absatzpantoffeln. Taschentuch und Hemd waren mit K. N. gezeichnet. Auch trug sie einen Trauring. Am Hinter kops nach vorn befindet sich eine weit klaffende, tiefe, unge fähr 10 Ctm. lange Hiebwunde, anscheinend mit einem Beil beigebracht. Eine ähnliche Schlagwunde befindet sich auf dem Vorderkopf. Die Leiche scheint mindestens acht Tage im Wasser gelegen zu haben. Offenbar liegt ein Verbrechen vor.

Vermischte Nachrichten.

Einen treffenden Beleg für die mangelhafte Theilnahme der Reichstagsabgeordneten an den Sitzungen des hohen Hauses bildet solgende Mittheilung Berliner Blätter; Der Restaurateur des Reichstages, Herr Schulze, hat sich mit einer Eingabe an den Vorstand gewandt, worin er mittheilt, daß er genöthigt sei, 32 Bediente zu halten, und bei dem schwachen Besuch des Parlaments es seien durchschnittlich am Sitzungstage höchstens 60 Gäste zu bewirthen habe er in den Monaten November und Dezember in dieser Session bereits ca. 2500 Mk. zugesetzt. Die Einnahmen decken nach den Erfahrungen mehrerer Sessionen nicht die Unkosten. Herr Schulze verlangt daher pro Session einen Zuschuß von 4000 Mark. Andernfalls wolle er die Oekonomie im Reichstage nicht weiter führen, vielmehr am 1. April d. I. einem Nach­folger Platz machen. Der Vorstand des Reichstages hat sich mit der Anaelegenheit bereits beschäftigt.

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Vermächtnitz. Der verstorbene Fabrikbesitzer Hampel hat der Stadt Dressen für eine neue protestantische Kirche 600 000 Mk. vermacht. Die Summe soll den Katholiken Dresdens zufallen, wenn der Grundstein der protestantishen Kirche nicht innerhalb fünf Jahre gelegt ist.

Der Kaviar bleibt theuer! Der Fischfang im Uralfluß ist stach ruffischen Blättern in diesem Jahre so reich, wie in den letzten fünfunddreißig Jahren nicht mehr. Gleich am ersten Tage des Fischzugs wurden Fische im Gesammt- werthe von etwa 250 000 Rubeln gefangen. Trotz des reichen Fischfangs sind die Fische und der Kaviar doch theuer; so wird z. B. letzterer an Oct und Stelle mit 80 bis 100 Rubel pro Pud (1 Pud gleich 16.37 Kilogr.) verkauft.

Ein theuresBravo". Ein Zuhörer ließ sich im Berliner Landgericht Hinreißen, die Ausführungen des Ver­theidigers mit einemBravo!" zu belohnen. Der Vorsitzende ließ ihn sich vorführen, und auf den Antrag des Staats­anwalts wurde er zur Verbüßung einer sechsstündigen Haft­strafe sofort abgeführt.

Schwer bestraft für ihre bösen Zungen werden in Nordhausen eine stattliche Anzahl von den besten Kreisen angehörenden junge Mädchen, darunter mehrere Schülerinnen, die ohne jegliche Veranlassung die Tochter eines Eisenbahn­beamten durch übte Nachrede öffentlich verdächtigt hatten. Der Vater des schwerbeleidigten jungen Mädchens bekam von den Gerüchten Wind, griff kräftig in das Wespennest und zog die jungen Dämchen zur Verantwortung. Eine lange Reihe von Sühneverhandlungen, die mit ziemlich beträchtlichen Vergleichssummen abschlossen, war die nächste Folge. Doch wird, wie man hört, ein Theil der Angelegenheit noch vor Gericht ausgefochten werden. Die Folgen des grundlosen Klatsches halten eine große Zahl der besten Familien nun schon wochenlang in Unruhe und Sorge. Hoffentlich nehmen sich die jungen Dämchen für ihr künftiges Leben an dem Verlauf dieser Sache ein warnendes Beispiel.

Engroseinbruch auf dem Eife. Aus Bremen wird folgender tragikomische Vorfall gemeldet: Beim Konzert am Samstag Abend auf dem Hollersee brach das Podium mit 20 Musikern der Militärkapelle durchs Eis. Einige saßen bis zum Hals, andere bis zur Brust im Wasser. Auch der hinzueilende Parkhauswirth fiel hinein. Es gelang jedoch, alle wieder unversehrt aufs Ufer zu ziehen. Einige Uten­silien blieben am Grunde des Sees liegen. Als Ursache des Unfalls wird ein bei den Musikern aufgestellter Koksofen an­gesehen. Die ausströmende Hitze wird das Eis mürbe ge­macht haben, sodaß es das schwere Podium mit den 20 Musikern nicht mehr tragen konnten.

Muster-Register.

(Eintragungen bei Königl. Amtsgericht zu Hanau, Abth. I).

Die Firma E. G. Zimmermann zu Hanau hat für die bei Nr. 645 am 20. Januar 1894 unter Nr. 129, 130, 138, 139, 140, 141 und 152 und bei Nr. 649 am 7. Fe­bruar 1894 unter Nr. 1542, 1543, 1544, 1545, 1549, 1552, 1553, 1554, 1555, 1558, 1568, 1570, 1582, 1583 und bei Nr. 650 am 13. Februar 1894 unter Nr. 1586 angemeldeten Muster am 9. Dezember 1896, eine weitere Schutzfrist für 7 Jahren angemeldet.

Die Firma Conrad Deines jun. zu Hanau hat am 18. Dezember 1896 zu Nr. 641 für die am 22. Dezember 1893 unter Nr. 919 und 1080 angemeldeten Muster eine weitere Schutzfrist von 3 Jahren angemeldet.

Die Firma Heinr. u. Aug. Brüning zu Hanau hat am 22. Dezember 1896 zu den bei Nr. 642 am 23. Dezember 1893 angemeldeten Mustern Nr. 3624, 3632, 3639, 3642, 3655, 3680 eine weitere Schutzfrist von 7 Jahren angemeloet.

Patent-Ertheilungen.

Nr. 90 959. Verfahren zur Darstellung eines Dime- thylamidodimethylphenylpycazolons. Fartzwerke, vorm. Meister, Lucius u. Brüning in Höchst a. M., vom 19. März 1896 ab. Kl. 12.

Nr. 90 960. Verfahren zur Darstellung von Diamido- oxydiphenylbasen. Leopold Cassella u. Co. in Frankfurt a. M., vom 12. Juli 1896 ab. Kl. 12.

Schiffsbericht.

Der Hamburger SchnelldampferColumbia" ist am 17. Januar, 12 Uhr mittags, wohlbehalten in Neapel ange­kommen.

Hamburg, 18. Januar. Der DampferTaormina" von der Hamburg-Amerika Linie ist vorgestern in New-Dork eingetroffen.

Bremen, 17. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen LloydRoland" ist vorgestern in Baltimore eingetroffen.

New - Uork, 16. Januar. Der DampferNew-Dork" von der American Linie in Liverpool ist gestern hier einge­troffen.

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Drahtnachrichten desHan. Anz."

Berlin, 20. Januar. Einige Moczenblättec knüpfen Erörterungen an die gestrige Erklärung des Fürsten Hohen­lohe im Abgeordnetenhanse. DieNsrdd. Allg. Ztg." kon- statirt referirend, der'Ministerpräsident sei den Ausführungen des Grafen Limburg in klarer, sih durchaus nur an das Thatsächliche haltenden Weise, welche den Darlegungen des Fürsten eigen zu sein pflegen, entgegen getreten. DieKreuz­zeitung" ist von der Erklärung nicht befriedigt. Es bleibe beklagenswerth, daß die Verleumdungen und Quertreibereien zwischen den einzelnen Ressorts lange Zeit hindurch fortge­setzt werden konnten und zwar unter Theilnahme eines Staatsbeamten, ohne daß auf dem Verwaltungswege dagegen eingeschritten wurde. Es werde schwer sein, die Behauptung zu wiverlegen, daß die vom Ministerpräsidenten betheuerte Einheit nach außen hin nicht immer deutlich genug in die Erscheinung getreten ist. DieDeutsche Tagesztg." unter­zieht die Rede Hohenlohes einer scharfen Kritik und schließt mit den Worten, wir haben die Empfindung, daß die Ueber­zeugung des Ministerpräsidenten betreffs der Uebereinstimmung im Ministerium vielleicht doch nur aus einer Vergleichung der Grundanschauungen beruht. DieVoss. Ztg." hält für besonders bedeutend in der Erklärung die Abweisung des von konservativer Seite erhobenen Vorwurfs, daß das Vorgehen der Regierung nicht den preußischen Traditionen ent­sprochen habe. -W

Berlin, 20. Januar. Graf Goluchowsky ist gestern in Dresden eingetroffen. Er wird zwei Tage dort verbleiben. Heute findet ihm zu Ehren ein Hofdiner statt. Am 22. ist der Minister wieder in Wien.

Berlin, 20. Januar. Der Vorstand des Reichstages hat dem Restaurateur desselben eine Subvention bewilligt be­hufs fester Remunerirung der Kellner, sowie guter Ver­köstigung derselben und der übrigen Diener. Ferner hat die Reichstagsverwaltung den bestehenden Restaurationsvertrag auf Grund beiderseitiger Erklärung sofort gekündigt.

Hamburg, 20. Januar. Das von Ostindien einge­troffene ViermastschiffPirrie", unter dessen Besatzung mehrere Erkrankte sind und dessen Steuermann heute Nacht gestorben ist, wurde unter Quarantäne gelegt, bis der Charakter der Erkrankungen erkannt wo.'den ist. Es verlautet, die Unter­suchung habe keine ansteckende Krankheit ergeben.

Rom, 20. Januar. Der Ministerrath beschloß die Auflösung der Kammer. Ein diesbezügliches Dekret, wodurch die Session geschlossen wird, soll morgen im Amtsblatte er­scheinen. Die Auflösung soll noch in diesem Monat, die Neuwahlen Ende Februar oder Anfang März erfolgen.

Rom, 20. Januar. Die dem Negus iMenelik zu be­willigende Kriegs-Entschädigung wird aller Wahrscheinlichkeit nach 6 Millionen übersteigen, also das Doppelte der Schätzung Rudinis betragen.

Turin, 20. Januar. Oberstlieutenant Adami er schoß seine Gattin im Gerich tszebäude, wo die Ehescheidung statt­finden sollte.

Paris, 20. iJanuar. Es verlautet bestimmt, daß die aus derPetite Republique" ausgetretenen Redaktions-Mit­glieder in die Redaktion eines neuen Organs eintreten werden.

Paris, 20. Januar. Frau Carnot, die Mutter des er­mordeten Präsidenten der Republik, ist gestorben.

Paris, 20. Januar. Die gestern in Marseille einge­troffenen Blätter aus Tonking bringen über die derzeitige Lage beruhigende Nachrichten.

Paris, 20. Januar. In hiesigen diplomatischen Kreisen findet die Nachricht derFrankf. Ztg.", der zufolge Baron Mohrenheim durch Nelioow ersetzt werden soll, keinen Glauben.

Ajaccio, 20. Januar. Der Zustand des Prinzen Windischgrätz hat sich verschlimmert. Man befürchtet den Eintritt einer Katastrophe.

Marseille, 20. Jannar. Gestern Nachmittag 3 Uhr traf aus Indochina ein Dampfer mit der Leiche des Gou­verneurs Rousseau an Bord hier ein. Heute Vormittag 10 Uhr findet das Begräbniß statt.

London, 20. Januar. Die Königin erhielt die Nach­richt. daß zum Jubiläum Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold, also nicht Kaiser Wilhelm selbst, erscheinen werden.

Belgrad, 20. Januar. Zwischen der bulgarischen und serbischen Wasserweiy-Prozessionen fand in Ueskueb eine blutige Prügelei statt, wobei 14 Personen schwer verletzt. wurden.

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