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Hanauer Anzeiger.

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Nr. 10.

Mittwoch den 13. Januar

1897.

Amtliches.

NienstnaiKriMen aus dem Kreise.

Gefunden: Vier Handtücher. Eine kleine Scheere. Ein Zwicker. Einige Pfennige baar (von der Post). Eine Tuchweste. Eine Laterne; Empfangnahme beim Herrn Bür­germeister zu Niederdorfelden.

Zugelanfen: Ein schwarzer Pinscher mit weißen Ab­zeichen, w. Geschl.

Entlaufen: Ein weißer Foxterrier mit schwarzen Ab- ' zeichen, m. Geschl.

Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 1,70 Mk.

Hanau am 13. Januar 1897.

Die grotzpolnische Agitation.

Seit einigen Jahrzehnten weicht das Deutschthum in den Ostmarken vor dem Polenthum zurück. Wie der Statistiker Boek nachweist, haben sich die Polen in den letzten 25 Jahren dort um 400 000 vermehrt, die Deutschen aber nur um 4000. Es ist ein kräftiger polnischer Mittelstand geschaffen worden, sodaß man heute nicht mehr, wie früher, allein mit einem polnischen Adel, einer polnischen Geistlichkeit und einem polnischen Bauernstand zu rechnen hat. Dagegen beginnt es an deutschen Aerzten, deutschen Anwälten, deutschen Hand­werkern in den Ostmarken zu fehlen.

Diese für jeden Deutschen betrübende Erscheinung ist eine Folge der großpolnischen Agitation, die sich namentlich in Oberschlesien auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens bemerkbar gemacht hat. Die großpolnische Agitation zeigt sich in den Vereinen, in den Versammlungen, auch in den Schulen und besonders auch in der Presse. Mit uner­bittlichem Haß verfolgt das Polenthum namentlich den Verein zur Förderung des Deutschthums in der Ostmark, der zur Kräftigung des deutschen Nationalempsindens in diesen vom Fremdländerthum umbrandeten Gegenden des Reiches schon viel geleistet hat und dem Einzelnen einen festen Rückhalt gewährt, um der wirthschaftlichen und gesellschaftlichen Boy- kottirung, die der Pole dem Deutschen erweist, wehren zu ' können.

In dieser polnischen Agitation liegt eiue Gefahr für das Deutfchthum, denn sie bezweckt in letzter Linie die Herstellung eines großpolnischen, naturgemäß nur auf den Trümmern des deutschen Reiches zu errichtenden Zukunftsreiches. Es hat daher in allen nationalen Kreisen lebhafte Genugthuung her­vorgerufen, daß die preußische Staatsregierung der groß­polnischen Propaganda, wo auch immer diese sich zeigt, mit Nachdruck entgegentritt. Die polnische Agitation, die an Ort und Stelle rücksichtslos vorgeht, weiß sich, aus der Ferne gesehen, immer mit dem Scheine des Märtyrerthums zu umgeben. Das Polenthum erscheint den Unkundigen als ein unschuldig Verfolgter, den die rauhe Hand des Deutschen

Kleines Feuilleton.

Berliner Brief.

(Das Ballfest des Vereins der Berliner Kauf­leute und Industriellen.)

Berlin, 11. Januar.

Durch die lichtdurchflutheten Säle wogt die elegante, hei­tere Gesellschaft. Das erste große Ballfeft der Saison, und eines der vornehmsten und glänzendsten, leitete die diesjähri­gen Winterfestlichkeiten gestern Abend in dm Räumen des Neuen Königl. Opernhauses ein. Die Elite des Berliner Bürgerthums, die Kaufmannschaft und die Industriellen hatte das tanzlustige Berlin bei sich zu Gaste gebeten, soweit es innerhalb dieser Kreise einer solchen Auszeichnung würdig ist. Denn etwas reservirt und aristokratisch gibt diese Vereinigung sich bei ihren Festen, aristokratisch im Sinne vornehmsten Bürgerthums. Aber es herrscht auf diesen Ballen neben aller Distinktion und Eleganz der Haltung doch der frohe, behagliche Sinn, der der Geselligkeit erst die rechte Würze gibt. Auch das gestrige Fest stand im glücklichen Zeichen dieser Vorzüge und eine sehr liebenswürdige, anregende Stimmung durchdrang die Festversammlung. Die prächtigen Räume des Neuen Königl. Opernhauses boten einen Schau­platz, der glänzenden Gesellschaft, die sich dort eingefunden hatte, entsprechend. Schöne, noble Frauengestalten und Männer von Würde und Ansehen, repräsentative Persönlich­keiten der Berliner Kaufmannswelt, dazwischen die lachende, freudige Jugend, die Blüthen vom Baume der Geselligkeit. Stolze Mütter, reiche Väter mit ihren hübschen Töchtern und schneidigen Söhnen. Denn man gibt etwas auf Schneid gerade in dieser eigentlich patriarchalischen Sphäre. Das liegt nun einmal in der Berliner Luft. Im Ballsaal aber ver-

erbarmungslos knechtet. Diese Meinung sollte auch durch die neulich im Abgeordnetenhause verhandelte Interpellation wegen der Auflösung einiger polnischer Versammlungen ver­breitet werden.

Erfreulicher Weise ist das nicht gelungen. Der freisinnige Rechtsanwalt Munckel allerdings sieht in dem Vorgehen gegen die polnische Agitation eine Beeinträchtigung der staatsbürger­lichen Freiheit, wie ja überhaupt von den Freisinnigen die Prinzipienreiterei über alles gestellt wird. Was kümmert es sie, wenn die Deutschen infolge der maßlosen polnischen Pro­paganda immer mehr ins Hintertreffen gerathen ?Was der deutschen Sprache recht ist, muß auch der polnischen Sprache recht sein", meinte Herr Munckel. Die weitaus überwiegende Mehrheit des Hauses war anderer Meinung. Der Konser­vative von Heydebrand forderte, daß die polnischen Be­strebungen mit aller Energie unterdrückt werden möchten; wenn die bisherigen Gesetze nicht genügen, so solle bo^ die Regierung sich mit neuen Gesetzen an die Volksvertretung wenden. Der freikonservative Abgeordnete von Zedlitz rief gleichfalls die Macht des Staates aus, um Bestrebungen zu unterdrücken,die äußerlich oder innerlich das feste Gefüge unseres Staatswesens untergraben, stürzen und abbrechen."

Der Minister des Innern, Freiherr v. d. Recke, sprach seine Freude darüber aus, daß die Staatsregierung diese Auf­fassung theile.Die königliche Staatsregierung" so schloß der Minister, begleitet von dem lebhaften Beifall der nationalen Parteien, seine bedeutungsvolle Redeist der Meinung, daß diesen Agitationen mit aller Energie entgegengetreten werden muß. Es geht nicht an und das gilt zu gleicher Zeit in helvorragender Weise natürlich auch von den eigent­lichen polnischen Landestheilen, daß sich hier gewisser­maßen ein Staat im Staate bildet. Es geht nicht au, daß die Bevölkerung vergißt, was sie sein soll, daß sie das Be­wußtsein verliert, preußisch zu sein. Sollte diese Bewegung nicht nur eine ganz vorübergehende sein, sollte sie fortbestehen oder gar sich mehren und stärken, so ist die Königliche Staats­regierung fest entschlossen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln energisch dagegen einzuschreiten". Die Verhand­lungen über die Interpellation haben gezeigt, daß die leiten­den Kreise dabei die große Mehrheit des Abgeordnetenhauses hinter sich haben würden. **

Tagesschau.

Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Moltke", Kommandant Korvetten­kapitän Stiege, von Smyrna nach Alexandria in See ge­gangen.

ImReichsanzeiger" ist am Montage unter der Ueber- schriftBerichte von deutschen Frachtmärkten" die erste der angekündigten Tabellen über die Getreidepreise an den Hanptmârkten der Produktionsbezirke und über die auf wanbette sich Dieter Ton dato in Frohsinn und jelvpbewutzle Freude . . . man fühlte sich als etwas und wußte, was man werth sei. Schon in den Toiletten gab es sich kund, daß hier die Besitzenden sich zufammengefunden, aus der kleinen Millionärwelt der großen Millionenstadt, eine Welt, die man immerhin auf 600800 Köpfe schätzt. Den Kommerzien- rüthen und denGeheimen" sah man keinesfalls an, daß sie in den letzten Monaten viel zu kämpfen hatten um die Frei­heit des Erwerbes. L>ehr diplomatisch und klug freuten sie sich des gelungenen Abends und waren innerlich gewiß sehr froh, daß es zwischen Tanzsaal und Börsensaal doch eine Brücke gibt: das Vergnügen. So machten sie den Künst­lern und Schriftstellern die Honneurs, die ihrer Einladung Folge geleistet hatten, so begrüßten sie unter einander das goldene" Handwerk. Unter den vielen schönen Erscheinun­gen fiel die Gattin eines Fabrikbesitzers auf, die am Arme eines Ballchroniqueurâ den Saal durchschritt. Der stolze Kopf mit dunkelem Haar, aus dem Brillantsterne aufblitzten, erhob sich auf schlankem Halse über dem tiesdekolletirten Nacken, den eine kostbare Spitzenborte umgab, die Taille des hellgel­ben Brocatkleides garnirend. Aus den Spitzen lugten Edel­steine, und der weitgeschnitte Rock fiel weich und schlank herab, ohne durch seinen Umfang die Anmuth der Bewegungen der graziösen Frau zu beeinträchtigen. Sehr geschmackvoll war die Gattin eines alsschöner Mann und tüchtiger Aquarellist" gleich beliebten Künstlers toilettirt. In dem aus weißer, silberschimmernden Seide hergestellten Kostüm sprach sich der künstlerische Geschmack einer Dame aus, die in den intimsten Beziehungen zur Kunst steht. Sehr pompös sah eine Dame in einer Robe aus nilgrünen Brokat aus, die mit Spitzenapplikationen eigenartig garnirt war. Der Rock hatte an seinem Saume dieses Arrangement, das auf der Korsage in verkleinerten Formen sich wiederholte. Dazu gab ein schwarzer Federfächer und ein schwarzer Federtuff mit ev

ihnen verkauften Getreidemengen veröffentlicht worden. Die Tabellen werden nunmehr täglich weitererscheinen. Bis jetzt liegen die Berichte von 12 Marktorten vm.

In Berlin hat am Sonntage der von fast allen Ge­treidebörsen Deutschlands beschickte Delegirtentag von Bev­tretern des Getreidehandels getagt. In nichtöffent­licher Berathung wurde beschlossen, die vertretenen Plätze zu einer Organisation zu vereinigen, ferner offizielle oder offiziöse Notirungen nicht mehr vorzunehmen.

Der Vorstand des allgemeinen deutschen Hand­werkerbundes in München und der Vorstand des Cen- tralausschufses der vereinigten Jnnungsverbände in Berlin haben für den allgemeinen deutschen Jnnungshandwerkertag in Leipzig die erste Hälfte des Monats März in Aussicht genommen.

Tie belgische Sozialdemokratie trifft Anstalten, den Stillstand der Heeresreform zum Ausgangspunkte einer revolutionären Propaganda unter den in diesem Jahre milizpflichtig werdenden Leuten zu machen. Es soll den Milizpflichtigen eingeschârst werden, sich nicht an dem Ge­schäft der Losziehung und Aushebung zu betheiligen, wobei sie von den Arbeiterverbänden, die zu dem Zwecke von den Führernmobilisirt" werden, kräftigst unterstützt würden. Die Stabsoffiziec e der Antwerpener Garnison haben bereits den Befehl erhalten, sich für einen Abmarsch der Truppen nach dem Hennegau bereit zu halten.

In Italien sind alle sozialistischen Klubs und Ar­beitskammern aufgelöst worden. Dieses Einschreiten RudimS gegen die Sozialisten wird auf seinen Wunsch zurückgesührt, die gemäßigte Partei und die Krone über seine Beziehungen zur âuß rsten Linken endgültig zu beruhigen. Rudini äußerte gesprächsweise, er denke nicht an seinen Rücktritt; er werde, seiner Pflicht gemäß, dem Vaterlande bis zum letzten Athem­zuge dienen und im Nothfalle stets aus seiner Zurückhaltung heraustreten.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 12. Januar.)

Der Reichstag nahm heute feine Sitzungen wieder auf. Präsident Frhr. v. Buol wünscht den Mitgliedern des Hauses ein gesegnetes neues Jahr. Vor Eintritt in die Tagesordnung spricht Abg. Spahn (Ctr.) sein Bedauern aus über den von ihm in der letzten Sißung vor den Weih­nachtsferien gegenüber dem Abg. Gamp gebrauchten Aus­druckDummheiten" und erklärt, daß ihm die Absicht einer persönlichen Verletzung fern gelegen habe. Sodan tritt das Haus in die zweite Berathung des Reichshaushaltsetats, und zwar zunächst in diejenige des Etats des Reichsamts des Innern ein. Bei dem TitelGehalt des Staatssekretärs" fragt der Abg. Hitze (Ctr.), ob die in Aussicht gestellte Zu­sammenstellung der Polizeiverordnungen zur Durchführung der Arbeiterschutzbestimmungen des § 120ac der Gewerbeord­ner itligretie aus »maiagDen im Haar einen feyr wirksamen Farbenkontrast. Die Ballfigur fiel jedenfalls auf, und viel­leicht fragte sich mancher, warum gerade sie sich so oft in der Nähe eines berühmten Malers aushielt, dessen köstliche Thier­bilder allbekannt sind. Während die Frauen in schwere Seidenstoffe sich kleideten, golddurchwirkt ober mit reichen ein- gewebten Dessins, hatten die jungen Mädchen in leichte, duf­tige Gewebe sich gehüllt. Nicht minder kostbar vielleicht und elegant, aber dem Charakter der jugendlichen Trägerin ent­sprechend, leicht und graziös. Das wirkt auch auf die Wahl der Farben zurück, die in diesem Jahre, hell und zart, bevor­zugt werden. Ganz besonders ist es das reine, bleiche Weiß nicht creme; oder elfenbeinfarben, das viel getragen wird. Schnitt und Form der Kleider haben sich wesentlich verändert. Die Aermel sind kleiner geworden, aber die Röcke wollen von ihrer Stoffmenge noch nichts verlieren und schei­nen noch weiter, als in der vorigen Saison. Im ganzen hat individueller Geschmack, der sich von bet Tyrannei der Mode in den letzten Jahren zu befreien suchte, günstig ein­gewirkt auf die Toiletten. Man steht doch manches Eigen­artige, und das geltende Modegesetz mußte sich viele Ein­schränkungen und Umgehungen gefallen lassen. Das aber macht das Bild des Ballsaales vielgestaltig und originell, und das war auch der Eindruck, den das Fest des gestrigen Abends zurückließ.

Die Hanauer Franchsifche Kirche.

(Randbemerkungen zu ihrem Jubiläum.)

Unsere Zeit liebt es ja sehr Feste zu feiern, aber die Anlässe dazu sind eben auch so zahlreich. Kaum sind wir aus dem Jubiläumsjahr des großen Krieges und aus dem Friedens jubilâumsjahr herausgetreten, so winken im Frühjahr 1897 wieder bedeutende Jubiläen. Am 22. März werden