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erstes öian.

Hanauer Anzeiger.

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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

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Nr. 7.

Samstag den 9. Januar

1897.

Amtliches.

^anö&reio ^«mau.

Bekanntmachungen des Kömglichm Landrathsamtes.

Das Genossenschaftsbüreau derTabaf-Berufsgenoffcu schaft befindet sich in Berlin N., Elsasserstraße 59.

Als Vertrauensmann der Sektion III (Sitz in Frasckfurt a/M.) der genannten Berussgeuofsenschast fungirt für den Stadt- «nd Landkreis Hanau u. s. w. Herr Gmstav Gnftine, in Firma Kehl u. Gusiine hierselbst; als dessen Stellvertreter fungiren die Herren F. J«ng, in Firma F. L. Vollbrachtes Nachfolger hierselbst, und Ludwig Grau in Orb.

Hanau am 6. Januar 1897.

Der Königliche Landrath v. Schenck.

Die Herren Standesbeamten werden an @m^nbun$ brr Standes-Nebenregister pro 1896 erinnert.

Hanau am 8. Januar 1897.

Der Königliche Landrath

A. 184 v. Schenck.

Die Maul- und Klauenseuche unter der Schafheerde zu Aufenau, Kreis Gânhauson, ist erloschen und find die Ege- ordneten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben morden.

Hanau am 7. Januar 1897.

Der Königliche Landrath

V- 151 ». Schenck.

MufiuaKriâu aus dem Kreise.

3ugelaufene Ein schwarzer schottischer Schäferhund mit braunen Beinen; Empfangnahme bei Wichelm Christian Schaub zu Oberdorfelden. Ein schwarzer Hund mit grauer Schnauze, «gelben Ringeln um die Augen, grauen Beinen und grauer Schwanzspitze, im. Geschl^; derselbe ckann bei Peter Krieger IV. zu Mittelbuchru in Empfang genrmmen werden.

Verlo-ren: Ein goldnes Medaillon mit Herz.

Gefunden: Eine Briefmarke.

Hanau am 9. Januar 1897.

^taöt^reie ^anau.

Bekanntmachungen d^ Obeckürgermeisteramtes.

Am Montag don 11. Januar 1897, nachmittags von 4 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaals des Neustädter Rathhavses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Me- WâbeKe-richis statt, in welcher Partheien etwaige Streitig­keiten, Klagen sc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau den >6. Januar 1897.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts

Dr. Gebeschus. 529

Kleines FeuillÄon.

Frankfurter Krief-

Frankfurt a. M., 9. Januar.

Unser Opernhaus hatte gestern einen Fest- und Ehren- abend im wahrsten Sinne des Wortes. Die Erstaufführung des Psttzner'schen Musikdramas „Der arme Heinrich", das bekanntlich bei seiner Mainzer Aufführung schon berech­tigtes Aufsehen erregte, gestaltete sich zu einem Triumpch für den Dichter, Komponisten und zu einem Triumph für die hohe Leistungsfähigkeit unserer Bühne. Das großartige Werk war von ergreifender Wirkung, und trug einen Erfolg da­von, wie ihn seit Jahren kein Werk mehr hier hatte. DaS Haus war vollständig ausverkaust, — der Enthusiasmus des Publikums steigerte sich von Szene zu Szene, — nach jedem der drei Auszüge wurden Dichter, Komponist und Darsteller immer und immer wieder begeistert gerufen; ein Hagel von Kränzen, Lorbeeren, Blumenkörben rauschte auf die Bühne — mit einem Worte: wir hatten ein Bühnenereigniß aller­ersten Ranges. Die deutsche Opernlitteratur hat mit der musikalischen Legende „Der arme Heinrich" von Hans Pfitz­ner, Text (nach Hartmann von der Aue) von James Grun, eine ganz bedeutende Bereicherung gefunden, und — ein junger, genialer Tondichter ist am Sternhimmel der Kunst aufgetaucht, von dem wir noch manch reiche köstliche Gabe erwarten dürfen. Mit seinem „Armen Heinrich" stellt sich Pfitzner mit einem Schlage den größten Komponisten der neueren Zeit ebenbürtig zur Seite. Seine Musik ist die Offenbarung eines durchaus eigenartig denkenden, originellen Tonsetzers und zeugt von einer Innigkeit des Gefühls bei souveräner Beherrschung des gesammten technischen Apparates, die in Erstaunen setzt. Ueber das ganze, großartig ange­

Die Erhöhung der Beamtengehölter im Etat pro 1397/98.

Für die Oberpräsidialräthe steigt das Höchstgehalt von 7500 auf 9300 Mark, für Polizeipräsidenten und Polizei direktoren jetzt 6t00 bezw. 5400 Mark, zukünftig von 6000 bis 8000 Mark. Das Mindestgehalt der Landrichter und Amtsrichter wird von 2400 Mark auf 3600 Mark, das Höchstgehalt von 688 0 aus 6300 Mark erhöht. Gleiches Gehalt erhalten die Staalsomwälte der Oberlandesgerichte und Landgerichte. Für die SenatspEsidenten der Oberlandes­gerichte, für Oberstaatsanwälte, LLndgerichtspräsidenten, Ober- Äandesgerichtsräthe, Landgerichtsdirettoreu und für die I.Staats- anwâlte der Landgerichte T<fDU das Dienstalterstufensystem ein­geführt werdm. Die Oberlandesgerichtsrâthe und die ihnm gleichstehenden Beamten (jetzt 4800—6006 Mark) steigen auf 5400—7260 Maik. Für Regierungsräthe wird das bisherige MindestgchM von 4200 Mark beibehalten. Die Senatspräsidenten der OberLandesgcrichte, die Oberstaats­anwälte, LandgerichtSpräsidenèen u. f. w. steigen wie die betreffenden Räthe in den Ministerien und die ihnen gleich­stehenden Beamten von 7500—9900 Mark auf 7500 bis 11,000 Mk. Der Besoldungsdurchschnittssatz der ordent­lichen Professoren in Berlin wird auf 6500 Mk., der übrigen Universitäten auf 5500, der der außerordentlichen Professoren auf die Hälfte dieser Beträge erhöht. Die Vor- lesungshomrrave fließen, insoweit sie für einen Professor jährlich 2400 (in Berlin 4000) überschreiten, zur Hälfte in die Universitätässe, aus welcher diese Hälfte bis im Gesammtbetrage von 185,000 Mk. an den allgemeinen Staatsfonds abzuführen ist, damit der Fonds auf 360,000 Mark angefammelt werde zur Heranziehung und Erhal­tung ausgezeichneter Dozenten. Wird letzterer Betrag überstiegen, so kann ^ber Mehrbetrag zur Erhöhung des Durchschnittssatzes der Piofessoren-Besoldung verwendet werden. Die Professoren der technischen Hochschule in Charlottenburg, der Bergakademie, der geologischen Landes­anstalt in Berlin, der landwirthschaftlichen Hochschule in Berlin erhalten ein Durchschvittsgehalt von 6500 Mark, die Professoren der technischen Hochschulen in Hannover und Aachen 5500, die Landes-Geologen an der Bergakademie und der geologischen 'Landesanstalt steigen von 4200 bis 4800 Mark auf 4200 bis 7300 Mark. Die Lehrer der thierärzt­lichen Hochschulen in Berlin und Hannover steigen von durch­schnittlich 3450 höchstens 5100 auf 4000 höchstens 6000 Mark. Die Dozenten der landwirthschaftlichen Akademie in Poppelsdorf, der .Forstakademien in Eberswalde und Münden und der Bergakademie in Klausthal steigen von 3800 bis 6600 Mark. Für die Lehrer der höheren Unterrichsanstalten ist das Mindestgehalt -von 2100 auf 2700 Mark, das Höchst­gehalt von 4500 Mk. auf 5100 Mk. erhöht worden unter Beibe Haltung des Systems der festen Zulagen, wonach für die Hälfte

legte Werk, ist eine religiöse Weihe und klassische Ruhe ge­breitet, wie sie seit den Zeiten eines „Tristan" und „Parzi- val" in keinem Werke der deutschen Musiklitteratur anzu- treffen war.

Der Verfasser des gedanken- und empfindungsreiche» Libretto, James Grun, hat sich ziemlich genau an die wunder­volle poetische Erzählung Hartmanns von der Aue gehalten. Sein Buch ist reich an packenden Momenten, wenn auch et­was arm an Handlung. Zur Belebung einiger Szenen hätte der Dichter noch ein Uebriges thun dürfen. Das ganze Werk enthält vier größere Parthien und eine Nebenrolle. Für diesen Mangel entschädigen eine Fülle der genialsten Gedanken, der poetischsten, weihevollsten Bilder, und das dem Libretto vorgesetzte Motto:

„Komm', hebe dich zu höheren Sphären, Wenn er dich ahnet, folgt er nach!"

unterschreiben wir herzlich gern. — Der Inhalt des Musik- dramas ist mit wenigen Worten erzählt: Heinrich, ein deutscher Ritter, wurde, der Sage nach, von einer schweren Krankheit, dem Aussatz (Miselsucht) befallen, da er in seinem Glücke sich von Gott abgewandt. Alle Aerzte halten ihn für ver­loren, und die früheren Freunde meiden ihn. Nur ein be­rühmter Arzt, ein Mönch im Kloster zu Salerno, gibt ihm ein Rettungsmittel kund:

.Wenn eine Jungfrau tugendrein, Hier opfert an des Herren Schrein

Mit freud'gem Muth

Ihr junges Blut

Dem Büßer Ruh zu geben,

Blüht auf er wieder, stark und rein!"

Heinrich, der nicht mehr an seine Rettung glaubte, ver­schenkt seine Burgen bis auf ein Gut, woselbst er von seinem getreuen Dienstmann Dietrich, dessen Weib Hilda, und deren lieblicher Tochter Agnes hingebungsvoll gepflegt wird. Dietrich, nach Rettung ausgesandt, bringt seinem geliebten Herrn obigen

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 12 Seiten.

der Lehrer der Vollanstalten und für V* der Lehrer der Nicht- Lollanstalten feste Zulagen von 900 Mark gewährt werden. Diese Lehrer rücken also bis 6000 Mk. auf. Sie stehen hinter den Landrichtern und Amtsrichtern um 300 Mk. zurück. Auch die Leiter und Lehrer der Seminarien und Präparandenanstalteu erfahren eine wirksame Aufbesserung. Die Landräthe steigen auf 3600 bis 6600 Mk. Die Oberamtmänner der Hohenzollern'schen Landestheile werden den Landräthen uns die Oberamtssekretäre den Kreissekretären gleichgestellt. Das Höchstgehalt der Vor­stände der Rechnungsbureaus der Staatseisenbahnverwaltung steigt von 4800 auf 6000 Mark, die Gefängnißdirektoren und Strafanstaltsdirektoren sind im Gehalte gleichgestellt. Die Oberförster steigen von 2400 bis 4500 auf 2 700 bis 5700 Mt.; auch die Revierförster nehmen an der Gehalts- aufbesserung theil. Die Rendanten aller Regierungshaupt­kassen werden gleichgestellt. Die Stationsvorsteher I. Klasse steigen auf 2400 bis 4200 Mark, die Lokomotivführer im Höchstsatz auf 2200 Mark.

Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus.

(Sitzung Dom 8. Januar.)

Das Abgeordnetenhaus trat heute nach der Weihnachts- pause wieder zusammen.

Finauzminister Miquel legt dem Hause den Staats­haushaltsetat für das Jahr 1897/98 vor, der dies­mal kein Defizit aufweist. Der Etat balanzirt zum ersten Mal mit über 2 Milliarden Mark. Es empfehle sich, so führte der Minister aus, in solchen günstigen Jahren das Extraordinarium möglichst reichhaltig zu gestalten, damit nicht eine zu starke Belastung des Etats durch dauernde Ausgaben erfolge. Für das abgeschlossene Etatsjahr 1895/96 sei ein Defizit von 34 Millionen veranschlagt worden, das sich aber auf 20 Millionen reduzire. Statt dessen sei ein Ueberschuß von 60 Millionen erzielt worden. Sämmtliche Betriebsver­waltungen mit Ausnahme der Domänenverwaltung hätten bedeutende Mehrüberschüsse ergeben. Das laufende Etatsjahr werde sich voraussichtlich ebenso günstig gestalten und nach der Schätzung einen Ueberschuß von etwa 80 Millionen er­geben. Ein Reliktengesetz sei in Vorbereitung und werde hoffentlich bald vorgelegt werden können. Es sei jetzt auch möglich, Bedürfnisse zu befriedigen, die bisher hätten zurück­gestellt werden müssen, dahin gehörten insbesondere die noth­wendigen Museumsneubauten. Auf der Spitze der Museums­insel solle der Platz für ein Kaiser Friedrich-Denkmal reseroirt bleiben. Wegen des Umbaues der Chmitee werde ein beson­derer Gesetzentwurf vorgelegt werden. Bezüglich der Erhöhung der Beamtenbesoldungen sei das Staatsministerium der Mei­nung gewesen, daß kein Stückwerk geschaffen werden dürfe. Deshalb würden nunmehr die mittleren und ein erheblicher Theil der oberen Beamten berücksichtigt werden. Ausgeschlossen

Bescheid des Arztes von Salerno. Als Agnes das Rettungs­mittel erfährt, will sie sich für den theuren Herrn opfern. Um­sonst sind die Bemühungen der Eltern, sie von ihrem Vor­haben abzubringen. Sie erschrickt nicht vor einem schmerz­vollen Tod und zieht mit Heinrich nach Salerno. Schon liegt sie gebunden auf dem Opfertisch, schon hält der Arzt das Opfermefser in der Hand, da kommt es wie göttliche Erleuchtung über den Leidenden. Er unterwirft sich seinem harten Geschick und will solches in Gottergebenheit tragen. Zur rechten Zeit verhindert er das Opfer:

Hilf! Ewiger! aus dieser Pein!

Nicht mehr will ich gerettet sein!" —

Da geschieht „ein unaussprechlich hoher Wunder". Hein­rich ist von seiner Krankheit plötzlich genesen. Begeistert ruft der Arzt:

.O seht! Ihn, der so lang schon wund, Schuf rein des Heilands Gnad zur Stund! Durch dieses Kind hier, leicht und zart Ward Äiottes Kraft uns offenbart!"

Unter frommen Jubelgesängen endet das großartige Werk. — Der junge Komponist Hans Pfitzner ist ein Frankfurter Kind; seine musikalische Ausbildung erhielt er am Dr. Hoch- schen Konservatorium zu Frankfurt und nahm dann eine Stellung als Kapellmeister am Mainzer Stadttheater ein. Hervorragend schöne Stellen in dem weihevollen Werke sind: die düstere Einleitung zum ersten Akt, ferner Dietrichs „Er­zählung", die, farbenprächtig instrumentirt, ihre tiefgreifende Wirkung nie verfehlen wird. — Die Aufführung des eminent schwierigen Werkes ließ nichts zu wünschen übrig. Herr Pichler bot stimmlich wie darstellerisch eine Musterleistung als „Heinrich". Vorzüglich waren ferner Herr Nawiasky (Diettich), Frau Jäger (Hilda), Frl. Schacko (Agnes) und Herr Greef (Arzt). Das Orchester, unter Rottenbergs Leilung, wurde seiner Riesenaufgabe vollkommen gerecht. Die sorgfältige Regie des Herrn Brandes stand bis in die