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Hanauer Anzeiger
8. Januar
einigten Staaten, die vielleicht vor solgenichweren Entscheidungen stehen, sich gerade jetzt freundschaftlich zu einem Reiche verhalten, dessen Stimme auf dem europäischen Kontinent gar gewaltig schwer in die Waagschale fällt. Freilich haben die Amerikaner eine besondere Fähigkeit darin, sich in kritischer Lage mit dritten Mächten zu Überwerfen. Wir erinnern nur an die kecke Herausforderung Englands durch die Nordstaaten während des Sezessionskrieges, als am 19. Oktober 1861 ein nordamerikanisches Kriegsschiff von einem englischen Post- schiffe gewaltsam zwei Engländer herunterholte und zu Gefangenen machte.
In diesem Beispiele liegt vielleicht der Schlüssel zu dem eigenthümlichen Verhalten der Amerikaner. In ihrer nervösen Erregung und in ihrem übertriebenen Hochmuthe wollen sie, wie damals, zeigen, daß es ihnen gar nicht darauf ankommt, sich mit mehreren Mächten gleichzeitig zu überwerfen. Wir wollen ihnen ihr hochgesteigertes Selbstgefühl gern gönnen, wir möchten dem amerikanischen Streithans aber rathen, sich lieber einen Andern, als Deutschland, zu seinen Kraftproben auszusuchen, er könnte sonst doch recht übel dabei fahren.
Tagesschau.
Laut telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Marine beabsichtigt S.M. S. „Stein", Kommandant Kapitän zur See von Ahlefeld, am 14. Januar von Alexandria aus nach Genua in See zu gehen; S. M. S. „S e e a d l e r", Kommandant Korvetten-Kapitän C o e r p e r, ist heute in Kapstadt angenommen.
Mehrere Professoren der Universität Berlin haben an den akademischen Senat eine Petition gerichtet wegen Errichtung volksthümlicher Hochichulkurse. Das Organ des Fürsten Bismarck, die „Hamb. Nachr.", sprechen sich scharf dagegen aus. Die Bedürfniffe unserer Zeit lägen auf ganz andern Gebieten als auf dem der Vermehrung der Halbbildung in der unteren Bevölkerungsschicht, die nur der Sozialdemokratie zu statten käme. Die Petition sei auch ein Ausfluß des sogenannten Professorensozialismus, der ebenso gefährlich sei wie die Sozialdemokratie selber. Auch die „Köln. Ztg." erblickt in dem Plan der Berliner Professoren lediglich ein Mittel zur Vermehrung der schädlichen Halbbildung.
Der deutsche Schiffsbau hat im vergangenen Jahr und auch gegenwärtig noch die überaus bemerkenswerthe Thatsache zu verzeichnen, daß er zum ersten Male dem englischen Schiffsbau in Bezug auf die Größe der im Bau befindlichen Schiffe überlegen ist. Niemals zuvor sind auf den Werften einer Nation gleichzeitig so viele Schiffe größter, zum Theil bisher unerhörter Dimensionen auf den Hellingen gewesen, wie gegen Ende des vorigen Jahres und gegenwärtig auf deutschen Werften. Es handelt sich dabei im wesentlichen um die gewaltigen Schiffsbauten, welche brr Norddeutsche Lloyd in Bremen vornehmlich für seine New-Dorker Linie und, falls eine Erweiterung des Reichskontraktes zu stande kommt, für die Reichspostlinien zu verwenden gedenkt. Insgesammt befinden sich auf acht deutschen Werften gegenwärtig 22 Fahrzeuge für den Norddeutschen Lloyd im Bau oder sind der Vollendung nahe.
Vom österreichischen Handelsministerium werden feit einigen Jahren die von den lokalen Behörden anzustellenden Erhebungen über die Arbeiter streiks gesammelt und gesichtet und schließlich der Oeffentlichkeit übergeben. Der zweite Jahrgang dieser statistischen Arbeit, speziell das Jahr 1895 betreffend, liegt nunmehr vor. Nach dieser
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tiefer unter der Erdschicht befinden soll. Ob es jemals dem menschlichen Geiste gelingen wird, auch dieses Geheimniß der Natur abzuzwingen!
Annette von Droste-Mshoff.
Zu ihrem 100. Geburtstag, 10. Januar.
Von August Hagemann. (Nachdruck verboten.)
Westfalen ist ein Land der Männer. Seine Kinder denken wir uns gern als kernige und knorrige Charaktere mit einem Schusse von Querköpfigkeit, so etwa wie den Reichsfreiherrn von Stein ober Jmmermann's Hofschulzen. Wunderlich genug, daß eben dies Land die Frau erzeugt hat, der es vor allen deutschen Frauen beschieden war, das Höchste in der Dichtkunst zu leisten. Und Annette von Droste-Hülshsff war etwa nicht blos durH den Zufall der Geburt ein Kind der rothen Erde, vielmehr ist sie durch unb durch ein westfälischer Charakter, innerlich, kernig, und wenn nicht eben querköpfig, so doch DuA einer überaus scharfen, freilich durch den linden Hauch feinher Weiblichkeit gemilderten Eigenart. Ihre Dichtung wurzelt im tiefsten Grunde in ihrer Heimath, und wenn wir uns mit ihr beschäftigen, fo steigt Westfalenland leibhaftig vor unseren Augen auf.
Eine weite, schier unabsehbare Ebene sehen wir, in der nur selten ein leichter Hügel einen Umblick eröffnet. Unter einem grauen Himmel dehnt sich das Moor, wo die Nebelgespenster tanzen, der Haidemann den angstvollen Wanderer erschreckt, unter dem Tritte verborgene Quellen aufschießen, eine Krähenschaar schweren Fluges dahinkrächzt. Doch bildet das Land auch mildere Reize. In stillen Weihern spiegeln sich uralte trauliche Herrensitze, beschattet von vielhundertjährigen Eichen. Auf der weiten Haide blüht und sprießt es zur Sommerzeit in unermeßlicher Pracht, Hünengräber erzählen von lange entschwundenen Zeiten und im Eichenkampe lädt eine dichte Moosdecke zu träumerischem Vergessen unter Käfergesumm und dem leisen Murmeln des Wald- Haches.......
Sind uns diese Bilder vertraut und werth geworden, so verdanken wir es in erster Reihe Annettens köstlichen Ge
Statistik fanden in den im österreichischen Reichsrath vertretenen Königreichen lins Ländern im Jahre 1895 205 Arbeitseinstellungen statt, an welchen sich 28,026 Arbeiter be- theiligten. An versäumten Arbeitstagen wurden 297,000 Tage gezählt. Von den 205 Streiks endeten 99 oder 48,3 Proz. ohne jeden Erfolg. Ein theilweiser Erfolg wurde in 51 Fällen erzielt, von denen 44 die Lohnhöhe oder die Arbeitszeit betrafen. Vollen Erfolg konnten nur 55 Streiks verzeichen, an denen nur 3489 Arbeiter oder 12,45 Proz. aller Streikenden betheiligt waren. Die Strecks verursachten insgesammt 322,000 versäumte Arbeitstage. Der durch die Streiks verursachte Lohnausfall für die Arbeiter wird auf rund 341,000 Gulden berechnet, wovon 26,000 auf die erfolgreichen, 170,000 Gulden auf die theilweise erfolgreichen unb 145,000 Gulden auf die gänzlich erfolglosen Streiks entfallen — Die streitlustigen Arbeiter sollten ant diesen Zahlen die Lehre ziehen, daß schon nach den Grundsätzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung die Aussichten auf eine Verwirklichung der von ihnen erhobenen Forderungen nur äußerst gering sein können. Unb selbst wenn der Streik unter die Rubrik „mit theilweisem Erfolg" sich einreihen läßt, bleibt noch zu erwägen, durch welches Maaß von materiellem Aufwand, also Lohnansfall, die Wirkung erreicht worden ist.
Je weniger man von den Konferenzen der Botschafter in Konstantinopel erfährt, desto mitteilsamer sind die Berichte über den Inhalt der Noten, die Herr von Neli- dow der Pforte unterbreitet hat. Es gewinnt fast den Anschein, als gerire sich der russische Botschafter wie ein Repräsentant des Schicksals, der über Sein oder Nichtsein der Türkei allein zu entscheiden vermag. In Paris empfindet man dies fast schmerzlich und Herr Whist gibt im Pariser „Figaro" dem Unmuthe der Franzosen beredten Ausdruck, indem er versichert, daß die Schwärmerei für russische Staatsmänner keine unbedingte sei. Herr v. Nelidow habe dem Zaren, der bei seinem Besuche der Hauptstadt Frankreichs mit Herrn Hanotaux alles besprochen, eine neue Politik aufgedrängt, die mit der Türkei wie eine Katze mit der Maus spielen wolle. Daher komme der russische Widerstand gegen die Hanotaux- schen Vorschläge wegen der türkischen Finanzreformen. Die Franzosen sind entschieden zu vertrauensselig gewesen. Auch aus Wien wird heute berichtet, Rußland sträube sich sehr entschieden dagegen, einen Vertreter in die türkische Schuldenkommission zu entsenden. Rußland möchte bezüglich seiner späteren Maßnahmen im Orient ebenso unabhängig dastehen wie England in Aegypten. Unb was soll nun aus den Interessen der französischen Staatsgläubiger der Türkei werden? Herr Hanotaux ist in Verlegenheit und England bleibt im Hintergründe. Die übrigen Mächte bestehen auf ihrer Forderung wegen Einstellung nichtmoslemischer Offiziere in die kretische Gendarmerie, aber sie wollen damit nur konstatiren, daß sie in allen nebensächlichen Fragen einig sind.
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bureau „Herold".)
Berlin, 7. Januar. Das Kaiservaar begab sich heute Vormittag von der Wildparkstation nach Charlottenburg, um im dortigen Mausoleum anläßlich des heutigen Sterbetages der Kaiserin Augusta am Sarge derselben einen Kranz niederzulegen.
Berlin, 7. Januar. Die Bureau-Avgestellten Deutschlands beabsichtigen, eine Petition an den Reichskanzler, das Reichs-Justizamt und den Reichstag behufs Regelung der Arbeitsverhältnisse in ihrem Berufe zu richten. Auch soll an
dichten. All' das hat sie gemalt. Sie hat uns vom Knaben im Moor erzählt, den die Schrecken der wilden Einöde jagen. Sie hat uns die einsamen Hütten und Häuser der Haide gezeigt, den Schäfer, der, am Rande der Mergelgrube sitzend, seinen Strumpf strickt und schläfrig das Ave Maria singt; sie hat uns die Jagd geschildert, die mit Hussa und Hallo in die unendliche Stille hineinbricht, und die Kinder, wie sie das weithin leuchtende Haidefeuer entfachen und sich über die Ebene hin mit uralten Haidegesängen grüßen. Sie hat uns ins ehrwürdige Herrenhaus, in die dürftige Bauernhütte, in das freundlich-bescheidene Pfarrheim des Westfalenlandes geführt. All' das Bilder von solcher Kraft und Anschaulichkeit, daß sie, einmal gesehen, nie wieder vergessen werden. Das Bewundernswerthe ist, daß Annette von jener Neigung weiblicher Dichter zu verzärteln, zu verfeinern, die markige Wirklichkeit zu verdünnen, ganz und gar frei ist. Wenn Merck Goethe's dichterische Eigenart darin sah, „dem Wirklichen eine poetische Gestalt zu geben", so darf diese Charakteristik wohl auch auf Annette angewandt werden. Sie empfand nicht nur, dachte nicht nur, fabulirte nicht nur, — sie sah, sah mit ernsten, tiefen Augen und hatte die Kraft, das Gesehene unoerkümmert an Hoheit und Kleinheit, an Stärke und Milde wiederzugeben. Wie groß ihr Vermögen zu sehen war, beweist eben der Umstand, daß es nicht ein Land von mächtigen und romantischen Szenerien, sondern eines von verborgenen Reizen, von dürftigem Ernste, von schlichten Linien und Farben war, dem sie ihre größten Bilder verdankte.
Das machte, sie lebte so ganz in und mit ihrem Lande und Volke. Die Droste's sind eine uralte Familie Westfalens, aufs Engste verwoben mit seinem Schicksal, Hüllshoff, wo Annette geboren wurde, und Rüschhaus, wo sie seit dem Tode ihres Vaters lebte, waren echte, alte, bescheidene westfälische Herrensitze. Hier lebte das Kind und die Jungfrau mit den Bauern in der Natur. Lange war der Kreis ihres Lebens fast ganz auf ihre heimathliche Provinz beschränkt. Besuche bei Freunden und Verwandten und der winterliche Aufenthalt in Münster bildeten, wenige Reisen ausgenommen, fast die einzige Abwechselung ihres stillen Lebens. Ja, ein stilles Leben muß man das Annettens wahrlich nennen.
die Kommission für Arbeiterstatistik das Ersuchen gerichtet werden, eine Enquete bezüglich der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Bureau-Angestellten zu veranstalten.
• Berlin, 7. Januar. Der Betrugsprozeß gegen den amerikanischen Pferdehändler Kneebs soll am 2. Februar vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I nochmals zur Verhandlung kommen.
Berlin, 7. Januar. Vor dem Kammergericht gelangte ein Prozeß, welchen die Gräfin Lavaux zu Bukarest gegen die minderjährige Ferida, Tochter des ermordeten Emin Pascha, angestrengt hatte, in der Berufungsinstanz zur Entscheidung. Es handelt sich um den Nachlaß Emin Paschas, welchen eine angebliche Gattin desselben, die Wittwe des türkischen Muschirs JSmael Kakki, beansprucht, die ihre Rechte wieder an die Klägerin abgetreten hat. Die 13. Zivilkammer des hiesigen Landgerichts hatte auf Abweisung der Klage erkannt, da der Beweis für die fragliche Verheirathung nicht als erbracht angesehen werden könne. Auf die eingelegte Berufung erkannte das Kammergericht auf Abweisung der Klage.
Breslau, 7. Januar. Heute Mittag 32 Uhr tagte im großen Saale des Vincenzhauses die Versammlung des Bundes der Landwirthe. Der Vorsitzende Hirt-Kammerau begrüßte die zahlreich erschienen Landwirthe und eröffnete die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser. Alsdann ergriff Herr von Plötz, der bei seinem Erscheinen mit Hochrufen begrüßt wurde, das Wort zu einer fast zweistündigen Rede über die Entwickelung des Bundes, die Erfolge desselben und seine weiteren Ziele und Aufgaben. Ferner sprachen die Reichstagsabgeordneten Graf Limburg- Stirum und von Kardorff, beide von der Versammlung lebhaft ap- plaudirt. Ersterer schloß seine mit wiederholtem Beifall unterbrochene Rede, indem er namens des Vorstandes der konservativen Partei erklärte, daß sich dieselbe identisch mit den Zielen und Bestrebungen des Bundes der Landwirthe fühle. Herr von Kardorff endete mit einem Hoch auf den Fürsten Bismarck. Nach weiteren Reden wurde eine Resolution angenommen, die dem „Bresl. Gen.-Anz." zufolge folgenden Wortlaut hat; „Die heute in Breslau versammelten über 1500 Mitglieder des Bundes der Landwirthe halten nach wie vor fest an den Forderungen des Bundes, nament- lich an der Durchführung des Antrages Kanitz und Einführung der internationalen Doppelwährung. Sie erwarten von der Staats- und Reichsregierung die energische Durchführung des Börsengesetzes und die kraftvolle Zurückweisung des illoyalen Vorgehens der Börsenirteressenten, die Erfüllung dieser Forderungen allein kann der bedrohten Landwirthschaft und dem gesammten Mittelstände nachhaltig helfen, deren Erhaltung eine internationale Nothwendigkeit ist.
Rom, 7. Januar. Das Befinden des Papstes ist heute besser.
Konstantinopel, 7. Januar. Wie von informirter Seite versichert wird, ließen infolge des energischen Protestes einiger Vertreter der Großmächte die Botschafter die Zwangsfragen fallen und stellten lediglich das Reformprojekt fest, welches, da es auch der muselmännischen Bevölkerung große Vortheile bringt, vom Sultan akzeptirt werden dürfte. Der russische Botschafter Nelidow wird dieses Projekt am Dienstag dem Sultan überreichen und dessen Annahme dringend empfehlen.
Witterungsbericht.
Voraussichtliche Witterung: Zunächst wenig Aenderung.
Sein größeres äußeres Ereigniß war es, daß sie seit dem Anfang der vierziger Jahre eine zweite Heimath an den lieblichen Ufern des Bodensee's fand, wo sie in dem alten romantischen Schloß Meersburg ihres Vetters von Laßberg schöne Tage verlebte, später selbst ein kleines Anwesen erwarb und schließlich ihre letzte Ruhestätte fand. Aber in so engem Kresse welch' reiches inneres Leben! Wer Annette kennen lernen will, der muß sich in dieses keusche, stille und doch so lebensvolle Wesen vertiefen.
Schön war sie gerade nicht und doch unendlich anziehend. Alles an ihr war fein gebildet, die Stirn hoch, die blauen Augen groß und leuchtend, ein reicher Lockenschmuck umringelte ihr Haupt. Ihr ganzes Wesen hatte etwas ausgesprochen Geistiges an sich. Vielleicht kam es daher, daß sie von früher Jugend kränkelte und eigentlich nie den Zustand voller Gesundheit so recht kennen lernte. Jenes Gedicht, das von einer fernen Zeit spricht, wo sie jung noch und gesund war, ist ein tiefer Seufzer ihrer Seele. So paßt es auch in ihr Bild, daß die Liebe in ihrem Leben keine entscheidende Rolle gespielt hat. Von einer unglücklichen Jugendliebe hat man undeutliche Kunde und das ist Alles. Um so inniger war sie der Freundschaft ergeben. Nicht nur ihren Anverwandten widmete sie die zärtlichste Liebe; ihr Herz hatte vielmehr von Jugend auf weitere Bedürfnisse. Ihren Freunden, wie Elise von Hohenhausen, Katharina Busch, Sprieckmtlnn, Schlüter, Levin Schücking trug sie ihr ganzes Herz entgegen, folgte ihnen mit dem zartesten Antheil, öffnete ihnen ihr ganzes Herz. Ihr ganzes leidengewöhntes Herz, das so ganz nach Vollendung rang, so schmerzlich seine Unvollkommenheit empfand, so selten eine reine Stunde genoß, so warm für alles Hohe und Reine schlug und so unerschöpflich reich war, das ihr Lebenswerk nicht ihren ganzen Reichthum zeigt. In Gesellschaft hatte sie „bei einer ungemeinen Lebendigkeit im Gespräche etwas Drolliges, dazu das Näschen etwas schief und dieblauen, etwas hervortretenden Augen, schimmerten auch etwas verwegen. Es ging nie ohne Fröhlichkeit ab." Ja, sie hatte etwas Verwegens, Unternehmungslustiges. Wäre sie ein Mann gewesen, sie wäre gewiße in die Welt hinausgezogen und hätte kraftvoll gestritten, ^ie war nicht wehleidig, Humor