Hanauer Anzeiger.
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Nr. 6.
Freitag den 8. Januar
1897.
Amtliches.
I ^anöârei^ ^anait-
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Rumpenheim, Sprendlingen und Groß-Steinheim, Kreis Offenbach, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Gehöft- und Gemarkungssperre aufgehoben worden.
Hanau am 6. Januar 1897.
Der Königliche Landrath
V. 109 v. Schenck.
In Hof-Schwalheim, Gettenau und Echzell, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöft- bezw. Orts- und Gemarkungssperre angeordnet, auch sind die Orte Gettenau und Echzell und deren Gemarkungen gegen das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen gesperrt worden.
Ferner ist unter den Schafen der Gemeinde Bingenheim, Kreis Büdingen, die Schafrâude festgestellt und Gemarkungssperre angeordnet worden.
Hanau am 6. Januar 1897.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
In der Gemarkung Engelthal, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöft- bezw. Gemarkungssperre angeordnet worden.
Hanau am 7. Januar 1897.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
In Dorn-Assenheim, Reichelsheim und Weckersheim, Kreis Friedberg, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
In Dorheim und Wickstadt, Kreis Friedberg, ist die Seuche erloschen.
Hanau am 7. Januar 1897.
Der Königliche Landrath
V. 143 v. Schenck.
DimsinaKriiiiten ans item Kreise.
Zugelaufen: Ein großer schwarzer Metzgerhund mit weißer Brust und weißer Schwanzspitze, m. Geschl.; Empfangnahme bei Karoline Funk zu Großauheim.
Entlaufen: Ein schwarzer junger Spitzhund m. Geschl.
Hanau am 8. Januar 1897.
^aötßrct# ^banau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht er
Kleines Feuilleton.
Im Innersten der Erde.
Es war gegen Ende der zwanziger Jahre, als Alexander von Humboldt eines Tages einen höchst sonderbaren Brief erhielt. Ein französischer Naturforscher namens Leslin lud ihn in diesem Briese zu einer großen und eigenartigen Expedition ein. Es galt nichts Geringeres, als bis zum Mittelpunkt der Erde vorzudringen. Der Franzose stellte die Sache sehr einfach dar. Es gibt alte Theorien, denen zufolge unsere Erdkugel ungefähr einer Eierschale gleicht, die im Inneren hohl ist. Leslin schloß sich dieser Anschauung an. Nach seiner Spekulation mußte die Erde eine Hohlkugel sein, in deren Hohlraum eine Welt existirte, die der Welt auf der Oberfläche der Erde völlig gleichkam. Selbst an Licht konnte es da nicht fehlen, da die Gase, die sich bei der Erstarrung der Erdkruste bildeten, ein helles Licht verbreiten mußten, unter dessen Wirkung Pflanzen wuchsen und Thiere lebten. Und damit die kleine unterirdische Welt vollständig sei, gab es — nach Ansicht Leslin's — auch zwei kleine Planeten, Pluto und Proserpina, die eine Art Mondlicht ausstrahlten. — Diese Welt nun wollte der phantasiereiche Mann besuchen. Er gedachte dahin zu gelangen durch eine weite Oeff- nung, die er im hohen Norden unter 80 Grad Breite vermuthete.
Humboldt lehnte höflich diese Einladung zur Fahrt in die Unterwelt ab, und Leslin hat den von ihm vermutheten Eingang schwerlich gesucht. Das Gelächter der wissenschaftlichen Welt über diese märchenhafte Hypothese mag ihn wohl abgeschreckt haben. Und man hatte auch Grund, darüber zu lachen. Denn vnle Forschungen, Beobachtungen und Ueber- legungen hatten schon längst dahin geführt, daß man sich
theilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. Js. bei dem hiesigen städtischen Meldeamte (v. d. Kanalthor 1) zur Rekrittirungsstamm- rolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brot- ober Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Diejenigen Militärpflichtigen des Jahrgangs 1877, welche außerhalb Hanau's geboren, haben bei Anmeldung zur Stammrolle ihren Geburtsschein, welcher von dem Standesamt des Geburtsortes für diesen Zweck gebührenfrei ausgestellt wird, vorzulegen.
Hanau, am 2. Januar 1897.
Der Oberbürgermeister.
Dr. Gebeschus.
Deutschland und die Vereinigten Staaten.
Unmittelbar nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten hat sich eine unerfreuliche Stimmung der Vereinigten Staaten gegen Deutschland gezeigt. Die zur Einführung gelangende Tonnensteuer, die beabsichtigten Zolloerschârfungen sind wahrlich kein Zeichen des Wohlwollens gegen Deutschland. Aber auch die nordamerikanische Presse zeigt sich auffallend unfreundlich. Und eben jetzt tischt eine große amerikanische Zeitung wiederholt den Unsinn auf, daß Deutschland in der kubanischen Frage gegen eine Einmischung der Vereinigten Staaten protestiren würde. Das Blatt behauptet sogar, daß der deutsche Kaiser persönlich in diesem Sinne auf die Politik der Reichsregierung einwirke.
Die Thorheit einer solchen Behauptung liegt auf der Hand, denn die Haltung der deutschen Regierung hat keinen Zweifel daran gelassen, daß sie nicht daran denkt, sich in die kubanischen Angelegenheiten einzumischen, an denen Deutschland ja doch ein recht geringes Interesse besitzt. Das weiß die amerikanische Regierung natürlich sehr gut, und das am Sitz der Bundesregierung, in Washington erscheinende Blatt hätte sich ohne jede Mühe informiren können. Daran aber schien ihm eben nichts zu liegen; es verfolgte vielmehr den edlen Zweck, seine ohnehin durch die kubanischen Wirrnisse erregten Landsleute gegen Deutschland aufzustacheln.
Die unfreundliche Gesinnung gegen Deutschland, die sich so unverhohlen zeigt, ist ungerecht, undankbar und unklug. Ungerecht, weil eine Berechtigung zur Animosität nicht vorliegt. Es ist wahr, daß Deutschland der Einfuhr des amerikanischen Fleisches Schwierigkeiten bereitet, die für die amen kanischen Großbetriebe in Chicago, Cincinnati u. s. w. sehr unbequem sind. Wenn man aber den Handelsverkehr Deutschlands mit den Vereinigten Staaten im Ganzen übersteht, so
vom Innern der Erde, ein ganz anderes Bild machte. Freilich, in's Innerste der Natur dringt kein erschaffener Geist, und eine zutreffende Vorstellung vom Kern der Erde hatte man damals ebensowenig, wie man sie heute hat.
Daher kommt es auch, daß die Naturforscher über das Innere der Erde verschiedener Meinung sind. In einem interessanten, durch Projektionen erläuterten Vortrag: „Die Probleme der Crdphystk", erörterte am Mittwoch in Berlin der Astronom der „Urania", Dr. Paul Schwahn diese Theorien, die über die Natur des Erdinnern aufgestellt worden sind. Wie vor mehr als einem halben Jahrhundert, gehen noch heute, im Zeitalter der naturwissenschaftlichen Entdeckungen, die Ansichten weit auseinander. Noch steht in erster Reihe die alte Theorie des großen Philosophen Leibniz, der aus Grund von logischen Schlüffen zu der Anschauung gelangte, daß sich das Innere der Erde noch im feuerflüssigen Zustande befinde. Viele Thatsachen und Beobachtungen aus den letzten Jahren sprechen für diese Theorie. Vor allem sind es die Wärmeverhältnisse im Innern der Erde, die auf einen glühenden Kern schließen lassen. Tie Sonnenwärme dringt in die Erdschichten nur bis zur Tiefe von anderthalb Metern. Von da bis über 25 Meter Tiefe bleibt die Temperatur konstant auf 9 Grad Celsius. Erst in größerer Tiefe beginnt die Eigenwärme sich fühlbar zu machen, indem sie in je 33 Metern um 1 Grad Celsius, also in etwa 100 Metern um je 3 Grad Celsius steigt. Dieses Steigen der Temperatur in regelrechtem Fortschritt findet überall statt, und man kann danach bei Bohrungen die Temperaturen in den Tiefen genau vorausbestimmen. Nach dieser Berechnung müßte nun das Feuermeer der Erde schon 15 Meilen unter der Oberfläche anzutreffen sein, und welche Temperatur im Mittelpunkt der Erde herrscht, läßt sich wohl in Zahlen angeben, aber kaum unserer Vorstellung verständlich machen. Selbst die kühnsten Kombinationen reichen nicht aus, um
ist doch zu berücksichtigen, daß die Einfuhr aus den Vereinigten Staaten die Ausfuhr nach der nordamerikanischen Republik um mehrere 100 Millionen übersteigt. Deutschland ist also für Amerika ein dankbarerer Abnehmer, als Amerika für Deutschland.
Die Haltung der Vereinigten Staaten ist aber auch undankbar. Deutschland hat es nie an den Beweisen seiner Sympathie für die große amerikanische Republik fehlen lassen, und Deutschlands größter Staatsmann, der Fürst Bismarck, hat eine ganz besondere Herzlichkeit im Verkehr mit seinen amerikanischen Freunden bewiesen, mit denen zusammen er den Gedenktag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung manches Mal gefeiert hat. In der kubanischen Angelegenheit läßt, wie schon erwähnt, Deutschland am allermeisten den Amerikanern freie Hand und auch dafür haben sie Anlaß dankbar zu sein. Deutsche waren es, die in dem großen amerikanischen Sezessionskriege in der vordersten Reihe der nordstaatlichen Truppen fochten und den endgültigen Sieg herbeiführen halfen, Deutsche waren es, die bei den Wahlen stets gegen die Korruption eintraten, Deutsche, die besonders bei den letzten Wahlen den Sieg Mac Kinleys ermöglichten und dadurch die Vereinigten Staaten vor einer schweren Erschütterung bewahrten. Wir gehen noch weiter, und behaupten, daß die Vereinigten Staaten vielleicht nicht ihre staatliche, wohl aber ihre sittliche Existenz dem deutschen Elemente verdanken. Man muß nur bedenken, daß der größte Theil der amerikanischen Bevölkerung aus den Nachkommen der in diesem Jahrhunderte eingewanderten Massen besteht. Sind die irischen und polnischen Proletarier, die italienischen Arbeiter, die spanischen Taugenichtse Elemente, die den Staat auf die Höhe der Kultur heben konnten, oder sind es nicht vielmehr jene deutschen Einwanderer, von denen ein erheblicher Theil eine gute, Viele eine ausgezeichnete Bildung genossen hatten? Dem Angelsachsenthum soll gewiß nicht bestritten werden, daß es durch seine Zähigkeit und Rücksichtslosigkeit den Staat vorwärts gebracht hat, aber der brutale Egoismus des Einzelnen, der absolute Materialismus wären zum ausschließlichen Siege gelangt, wenn nicht das deutsche Element wenigstens das Wenige, was sich in den Vereinigten Staaten an Sinn für die Kunst und für die höheren Güter der Menschheit findet, hineingetragen hätte.
Das Verhalten der Vereinigten Staaten ist aber auch unklug. Wir haben schon erwähnt, in wie hohem Maße Deutschland amerikanische Produkte aufnimmt. Es ist doch im Allgemeinen bei klugen Geschäftsleuten — und den Ruhm, das zu sein, muß man den Yankees lassen — nicht üblich, einen, wenn wir so sagen dürfen, der besten Kunden vor den Kopf zu stoßen. Die Amerikaner müssen doch wohl daran denken, daß eine schlechte Behandlung Deutschlands nur dazu führen kann, zu den bestimmten, von ihnen unliebsam em pfundenen Einfuhrerschwerungen weitere Erschwerungen hiu- zuzufügen. Auch aus politischen Gründen sollten die Ver-
uns einen Begriff vom Zustand des Erdinnern zu machen. Es ist bekannt, daß bei einer Temperatur von 2300 Grad alles Gestein in flüssigen Zustand übergeht. Denkt man nun daran, daß — nach dieser Feuertheorie — die Temperatur im Erdinnern noch viel höher ist — sie wird auf 20 000 Grad geschätzt — und daß der Druck auf die Feuer- massen mehr als drei Millioneu Atmosphären betragen muß, so kann man von der Beschaffenheit dieser Massen kaum eine Vorstellung gewinnen. Sie sind weder im flüssigen, noch im gasförmigen, noch im festen Zustande. Die Hitze ist zu groß, als daß die Moleküle dieser Massen in eine chemische Verbindung treten könnten; sie befinden sich also in einer chemischen Dissociation, in einem unS völlig unbekannten Zustand, der sich erst ändert, wenn die Massen höhere, kühlere Schichten erreichen. Man kann es vielleicht als einen dem gasförmigen sich nähernden Zustand bezeichnen, in dem die Massen kompakt, ungemein dicht an einander gedrängt lagern.
Ganz anders lautet eine Theorie, die von dem englischen Geologen Kelvin und dem jüngeren Darwin auf Grund eingehender Berechnung aufgestellt wird. Von den Erscheinungen der durch die Anziehung von Sonne und Mond verursachten Fluthbewegung der Meere, schließen diese Forscher, daß sich das Erdinnere bereits in starrem Zustande befände und daß der Erdkern noch fester als Stahl sei. Da die ganze Erde die Bewegung der Fluthen mitmacht, so würde sie bei der Nachgiebigkeit der Schichten längst desormirt sein, wenn der feste Kern nicht so gewaltigen Widerstand leisten wüde. Die vulkanischen Erscheinungen sind nur als Druckentlastung unterirdischer Massen zu betrachten, indem eine Schmelzung des Gesteins auftritt, wenn der Druck aufhörl.
Eine dritte neue Theorie geht wieder auf die ältere Anschauung vom feuerflüssigen Inhalt der Erde zurück, der sich unter dem Festland näher, unter dem Meere entfernter und