Abonnemcntspreis:
Jährlich 9 M., halbjährlich 4 M. 50 Pfg., vierteljährlich 2 M. 25 Pfg. —Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer 10 Pfg.
Jnsertionspreis:
Tie einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfg., die l*/.fp. Zeile 15 Pfg., die 2sp. Zeile 20 Psg., die Bfp. Zeile 30 Pfg., die 4fp. Zeile 40 Pf., im Reklamentheil die Zeile 20 Pfg.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich außer Sonn- und Festtags.
Als Gratisbeilage täglich erscheinendes Unterhaltnngsblatt.
Nr. 3.
Dienstag den 5. Januar
1897?
Amtliches.
^ariöUrct^ ^anavu Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Oberissigheim erloschen ist, werden hiermit sämmtliche zur Verhütung der Weiterverbreitung für Oberissigheim angeordneten Sperrmaßregeln aufgehoben.
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 5. Januar 1897.
Der Königliche Landrath
D. Schenck.
In Unterreichenbach, Kreis Gelnhausen, und in Großblankenbach, Bezirksamt Alzenau, ist die Maul- und Klauen- seuche ausgebrochen und Gehöft- und Gemarkungssperre angeordnet worden.
Hanau am 4. Januar 1897.
Der Königliche Landrath
V. 10 v. Schenck.
^taèt&rete ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. Js. bei dem hiesigen städtischen Meldeamte (v. d. Kanalthor 1) zur Rekrutirungsstamm- roüe zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brot- oder Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Diejenigen Militärpflichtigen des Jahrgangs 1877, welche außerhalb Hanau's geboren, haben bei Anmeldung zur Stammrolle ihren Geburtsschein, welcher von dem Standesamt des Geburtsortes für diesen Zweck gebührenfrei ausgestellt wird, vorzulegen.
Hanau, am 2. Januar 1897.
Der Oberbürgermeister.
Dr. Gebe sey us.
3'!-".. Anleihe der Stadt Hanau vom 10. Mai 1054.
Die noch nicht ausgeloosten Obligationen der 3^2 °/eigen Anleihe der Stadt Hanau vom 10. Mai 1854 kündigen wir
Kleines Feuilleton.
Die Krautwerbung.
Eine kulturhistorische Skizze von Dr. Reinhart Thilo.
(Nachdruck verboten.
Wer das Glück hat, führt die Braut beim, sagt das Sprüchwort. Leider vergißt cs hinzuzusetzen, wie sie heim- geführt wird und unterschlägt uns damit den zartesten und zugleich schönsten Theil aller Liebesgeschichten. Denn die Brautpaare werden, wie es heißt, im Himmel für einander bestimmt ; aber es bleibt ihnen überlasten, sich auf irdischen Wegen zu finden und dies Irdische hat schon so mancher Liebende schmerzlich empfunden. In unseren Lustspielen ist der unglückliche Werber, der vor Angst und Scheu keine Worte zu finden weiß, schon eine ganz abgedroschene Figur geworden. Aber wenn ter junge Hesse seine Erwählte von den gemeinschaftlichen abendlichen Bohnenschnitten heimgeleitet und eine zärtliche Unterhaltuug beginnen will, so weiß er auch keinen glücklicheren Anfang als die liebende Frage: „Habt Ihr Eure Schweine verkauft?" oder „Hat Eure rothe Kuh noch kein Kalb?" und die freundliche Sitte hat ihm schließlich seine Verlegenheit dadurch erleichtert, daß sie derartige Einleitungen zum bon ton stempelte. Im Hessischen haben die Herzen der jungen Leute reichlich Zeit, sich zueinander zu finden Sind die „Bohnenschnitte" vorüber, so macht der Werber den ganzen Winter über bei seinem Mädchen Besuche und erst die Kirmeß bringt die ersehnte Entscheidung: nimmt die Holde Hansens Einladung, sein Kirchweihmädchen zu sein, an, so ist die Werbung zum glücklichen Ende geführt. In Rußland erleichterte man die Werbung früher durch einen anmutigen Brauch. Der Donnerstag vor Pfingsten war das Fest der jungen Mädchen, und die mit
hierdurch zur Rückzahlung per 31. Dezember 1896. Die Einlösung der Obligationen, denen die nicht fälligen Zinsabschnitte und Talons beizufügen sind, erfolgt vom 31. Dezember 1896 ab bei der hiesigen Stadtkasfe. Die Verzinsung hört mit dem 1. Januar 1897 auf.
Hanau den 5. August 1896.
Der Stadtrath. Heraeus.
Wird nochmals zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Hanau den 4. Januar 1897.
Der Stadtrath.
Dr. Gebeschus. 214
Bekanntmachung.
Zur Erhebung der fälligen Brandsteuern ist für die Stadt Hanau Termin auf den 11. bis 16. dies. Mts., morgens */29 bis 12 Uhr, anberaumt und zwar für den 11. bis einschl. 14. in die Brauerei Orschler, Langstraße 27, und für den 15. u. 36. in mein Büreau, Uferstraße 7, hier.
Hanau den 2. Januar 1897.
Die Landes-Renterei.
Heidelbach. 264
Sozialdemokratischer Wandkalender.
Wie in früheren Jahren, so hat auch diesmal der „Vorwärts" seinen Abonnenten einen „historischen Wandkalender" als Angebinde gespendet, dessen blasse Räthe nur zart seinen Inhalt andeutet. Das ganze ist ein mit raffinirter Verschmitztheit angefertigtes Agitation-blatt, zu welcher der Kalender nur die Folie bildet. Denn unter einer Anzahl gleich- giltiger und unverfänglicher Daten ist alles Mögliche verzeichnet, was dazu geeignet erscheint, die Erbitterung großzuziehen oder den bösen Trieben der uriheilslosen Massen Vorschub zu leisten.
So sind die gegen die Sozialdemokratie verhängten Maßregeln der Behörden, wie die Auflösung von Arbeilervereinigungen und die Schließung des Allgemeinen Arbeitervereins, sowie die Arbenslosen Demonstrationen gewissenhaft angeführt. Auch fehlen nicht die Attentate auf Monarchen, wie die auf Kaiser Wilhelm L, König Friedrich Wilhelm IV., Alexander II. von Rußland und Gustav III. von Schweden, die Ermordung Cäsars, Wilhelms von Oranien, Heinrichs IV., Peters III., Stambulows und des Präsidenten Carnot, die Hinrichtung Orsinis, der Bastillensturm in Paris, der Zeughaussturm in Berlin, sowie der Barrikadenkampf in Berlin, Frankfurt, Dresden und Paris. Ebenso wenig sind die Gedenktage der Mörder Hödel, Nobiling, Caserio, die Hinrichtung der Könige Karl I. von England und Ludwig XVI. von Frankreich, die Ermordung des Polizeiraths Rumpf in
ihm verknüpften Tänze und Spiele boten dem Burschen die beste Gelegenheit, sich seine Gefährtin auszuwählen. „Hochzeit spielen" nannte man diese Festlichkeiten und oft genug wurde aus dem Spiele Ernst, glitt die Poesie fast unmerklich in die Wirklichkeit über.
Ach, der realistische Sinn des Volkes hat leider nur zu oft den Schmetterlingsstaub abgestreift, der über der Werbung junger Liebe liegt. Im Apennin klingt wohl noch zur Laute das Ständchen, indem der Bursche seine Liebeserklärung macht, und wird sie angenommen, so jubelt er zum Schluffe g lücktich auf:
Ich sag' Euch guten Abend, Bin morgen wieder da Mit einem schönen Ringe Von Gold, den ich Euch bringe Und dann sagt Ihr mir Ja.
Auch der Spanier sitzt beim Mondenschein vor dem Altan der Ausersehenen und läßt sie durch einen „Trovador" ansingen und preisen. Sie aber muß dann spröde thun: sie sei noch viel zu jung, kenne überdies den Werber nicht, und erst nach all diesem Hinüber und Herüber wirft sie ihm als Zeichen ihrer Einwilligung ihr Kränzlein hinab. Eine ganz andere Art von Poesie der Brautwerbung findet sich im behäbigen Niederland. Eine Art Poesie im Reifrock-Stile, wie Reinsberg glücklick die „vrijagie“ charakterisirt hat. Wer auf die ,,vrijagie1, ging, der mußte den Thürklopfer seines Mädchens mit Blumen bestechen; fand er sie am mächsten Tage nicht mehr vor, so durfte er glauben, daß eine weiße Hand sich ihrer liebend angenommen; er durfte seine duftigen Huldigungen fortsetzen, ein Band, ein Versleiu hinzufügen, schließlich selbst eine „speculatie“, einen Pfefferkuchen, der Schönen ans Fenster stellen; und wenn er dann noch die aubade, ein Stündchen, t angebracht und einen Nachibesuch unterm Fenster abgestattet hatte, dann war die „vrijagie“
Frankfurt a. M. unbeachtet geblieben — kurz alle die Akte der Blutgier und Grausamkeit, welche die entfesselte Leidenschaft charakterisiren, sind mit geflissentlicher Sorgfalt dem bunten Durcheinander von andern, harmlosen Notizen eingereiht worden.
Von den vaterländischen Gedenktagen ist natürlich gar keine Notiz genommen. Beispielswelse sucht man vergebens unter dem 22. März die Bemerkung, daß vor nunmehr 100 Jahren Kaiser Wilhelm der Große geboren wurde; statt dessen findet sich die für einen Sozialdemokraten weit wichtigere Nachricht: „1794 Hebert und seine Anhänger guillolinirt." Daß am 2. September 1870 183 000 Franzosen in Sedan die Waffen streckten und Kaiser Napoleon sich gefangen gab, hält die Sozialdemokratie nicht für bemerkenswerth; dafür stehen die Worte: „1895 Wilhelms II. Rottenrede beim Gardtfestmahl." Der beklagenswerthe Fall Brüsewitz durste unter dem Hetzmaterial selbstverständlich nicht fehlen. Unter dem 12. Oktober heißt es: „1896 Lieutenant Brüsewitz sticht in Karlsruhe Mechaniker Siepmann von hinten nieder."
Es erweist sich dieser Kalender als ein Machwerk der Umstürzler, welches die Phantasie der Leser mit Gewaltthätigkeit, Blutthaten und revolutionärem Skandal erfüllen will. Das bringt besser noch, als viele Leitartikel es können, die innersten Absichten und Empfindungen der Sozialdemokratie zur Anschauung. Der Kalender enthält eine ernste Lehre für alle diejenigen, welche noch immer in dem Wahne besangen sind, die Sozialdemokratie sei keine Revolutionspartei, sondern eine friedliche Reformpartei.
Tagesschau.
Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine beabsichtigt S. M. S. „Condor", Kommandant Korvettm-Kavitän Meyer (Hans), am 12. Januar von Lourenyo Marquez nach Sansibar in See zu gehen.
Nach der Mittheilung eines militärischen Gewährsmannes in der „Neuen Fr. Pr." werden auch in der österreichischen Armee seit Langem Versuche mit neuen Schnellfeuergeschützen gemacht. Bisher haben die Versuche allerdings den Erwartungen nicht völlig entsprochen. Mancherlei Mängel lassen die Angelegenheit noch nicht spruchreif erscheinen. Dennoch sei die Schnellfeuerkanone das Zukunftsgeschütz und werde in absehbarer Zeit eingeführt werden müssen. Für Oesterreich werden die Kosten ungefähr 80 bis 100 Millionen Gulden betragen.
In der Berliner Metallindustrie macht die Koalition der Arbeitgeber weitere Fortschritte. Zu dem Verein der Metallindustriellen Berlins und der Vereinigung der Berliner Metallwaarenfabrikanten ist ein neuer Schutzverband unter dem Namen Vereinigung der Berliner Klempner, Kupferschmiede, Gas- und Wasser-Installateure und ver-
im rechten Stil und Schritt galanter Amouren vor sich gegangen.
Aber der Bauer will nun einmal von solchen galanten Amouren im Allgemeinen wenig wissen und ist mehr für's Kurze und Deutsche eingenommen. Kehrt der thüringische Bursch mit seinem Mädchen von der Kirmes zurück, so platzt er einfach mit der Frage heraus: „Willst du mich? Ich will Dich heirathen." „Ja", erklärt sie '— hoffentlich —, und er harauf: „Nun, so wollen wir in Zukunft miteinander gehen". Aber auch diese Aussprache ist der Bevölkerung von Osimo in Italien noch zu weitschweifig. Hier erwartet der junge Mann das Mädchen vor der Kirche und erklärt ihr vermittelst eines Ellenbogenstoßes seine Liebe. In Pesaro findet die Werbung im Stalle statt. Der Jüngling spielt mit einem Strohhalm und fragt, ob ihr seine Person oder sein Haus gefallen würde. Sie tändelt mit ihren Brustbändern und meint: „Wollt es wäre!" oder Sanit mal bab o malla mama“, was nichts anderes ist, als „Sprechen Sie mit meiner Mutter" — aus Wälsch. Wenn sie aber nicht willens ist, die Werbung anzunehmen? O, dann steheu ihr Hundertlei Zeichen zur Verfügung! In Alba gibt sie dann dem Burschen das von ihm verehrte Tuch und damit sein Herz zurück. In Frankreich braucht sie nur die Scheite im Kamin aufrecht zu stellen, — weswegen man sich früher in Häusern, wo ein Mädchen oder eine junge Wittwe lebte, in Nogent z. B. forglich hütete, die Brände grade zu richten, weil das die Freier verscheuchen würde. Eine Schaufel war schon in alten Zeiten im Dithmarsischen, Asche in den Vogesen das herzbrechende Zeichen der Ablehnung.
Bei der richtigen Bauernehe aber kommt ein solches Zeichen nie vor, denn die Ehe ist stets schon vorher richtig gemacht, und nicht die Herzen, sondern die Gelder werten dabei gefragt. In Sorrent z. B. verfügt sich der Bauer zur Mutter des Mädchens. Die fragt gleich kurzweg: „Was