Hanauer Anzeiger.
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Nr. 2.
Montag den 4. Januar
1897.
Hierzu
Amtliche Beilage" Nr. 1.
Amtliches.
^atxö^rei^ Kernern.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Nach Mittheilung des Herrn Regierungs-Präsidenten zu Cassel hat der Herr Finanzminister die auf Grund des § 2 der landespolizeilichen Anordnung vom |^^—— v. Js. (abgedruckt in Nr. 87 der Amtlichen Beilage zum Hanauer Anzeiger Nr. 287) auszustellenden kreisthierârztlichen Bescheinigungen, sowie die kreisthierârztlichen Bescheinigungen, auf Grund deren die polizeiliche Erlaubniß zur Aussühruug aus Sperr- und Beobachtungsgebieten ertheilt werden kann, für stempelfrei erklärt.
Auch hat sich der Herr Regierungs-Präsident damit einverstanden erklärt, daß die Untersuchung des aus Beobachtungsgebieten (§ 59a der Bundesrathsinstruktion zur Ausführung des R.-B.-G.) auszuführenden Viehs nicht durch den beamteten Thierarzt zu erfolgen braucht, es genügt in Fällen dieser Art die Untersuchung durch einen approbirten Thierarzt. Nur das aus einem Seuchengehöfte bezw. aus einer gesperrten Ortschaft oder Gemarkung auszuführende Vieh muß nach wie vor von dem beamteten Thierarzt (Kreisthierarzt) untersucht werden, ebenso das Handelsvieh (siehe § 2 der obenerwähnten landespolizeilichen Anordnung).
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort in ortsüblicher Weise wiederholt bekannt machen.
Hanau am 2. Januar 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Infolge Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten zu Cassel werden hiermit sämmtliche, seiner Zeit aus Anlaß der Maul- und Klauenseuche gebildeten Beobachtungsgebiete, aufgehoben, dagegen wird über die Gemeinden Bischofsheim, Ostheim, Eichen, Hüttengesätz, Bruchköbel, Langendiebach, Großkrotzenburg und Kestelstadt, in welchen die Seuche zur Zeit noch herrscht, die Ortssperre verhängt.
r Die Ausführung von Wiederkäuern und Schweinen aus den vorbenannten Ortschaften ist nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung und nach vorheriger Untersuchung durch den beamteten Thierarzt (Kreisthierarzt) zu gestatten.
Die Herren Ortsvorstände wollen hiernach das Weitere veranlassen.
Hanau den 4. Januar 1897.
Der Königliche Landrath.
v. Schenck.
Kleines Feuilleton.
Sylvester in Kerlin.
Berlin, 1. Januar.
Die Schutzleute reiben sich fröstelnd die Hände. Das ist eine ungemüthliche Sylvesternacht. Seit den ersten Nachmittagsstunden hat es unaufhörlich geregnet; die Straßen sind bedeckt mit zähem, schwarzen Schlamm, so daß jeder froh ist, der nicht hinaus muß aus den warmen Räumen, sei es nun aus traulichem Familienheim, aus den Balllokalen, der Unterkunft für junge Junggesellen, den Stammkneipen, der Sammelstelle für alte, oder selbst aus den Sälen, in denen das Elend kauert — dem Asyl für Obdachlose.
Alles feiert Sylvester, selbst die nimmermüde Feuerwehr hat ihr gewohntes Kränzchen in den Depots, nur die Schutzmänner müssen im Regen die leeren Straßen bewachen.
Früher, wenn gutes Wetter war und bevor noch die groben Unfugfti afen sich dehnten kautschukartig wie der Begriff dieser Uebertretung, da gab es doch was zu thun. Jetzt ist die Wirkungsstätte der johlenden Pennbrüder, die schmale Friedrichstraße bis zu den Linden gesperrt. Und selbst diejenigen, die trotz aller Erschwerungen es für unmöglich hielten ein Jahr zu beginnen, wenn sie nicht in der Sylvesternacht „Prosit Neujahr" auf den Straßen geschrieen haben, scheinen diesmal auszubleiben. Vieser alles durchkältende Regen schreckt selbst den Aberglauben zurück.
Um so mehr feiert er seine Triumphe in der Familie; wichtiger noch als das Punschrezept ist die Beobachtung aller Förmlichkeiten, die zur Sylvesterfeier gehören. Karpfenschuppen und Bleigießen ist ja selbstverständlich. Aber daneben entwickeln sich fortwährend neue Bräuche. Die Buchstabendeutung aus den mit der rechten Hand über die linke Schulter
Sienfluaifinifiten aus dem Kreise.
Gefunden: Zwei einzelne Handschube (rechte). Ein goldner Ring mit Stein. Ein weißes Taschentuch. Ein Gummischuh. Ein Regenschirm nebst Postkarten und Briefmarken (von der Post).
Zugelaufen: Ein weißer Bernhardinerhund mit gelben Placken, m. Geschl.
Verloren: Ein Zweimarkstück. Ein goldner Trauring. Hanau am 4. Januar 1897.
^taöt^reie ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Anleihen der Stadt Hanan.
Ziehung am 30. September 1896.
Auszahlung am 31. März 1897.
I Anleihe vom 30. September 1880.
Reihe I zu 4% (XVI. Ziehung).
Lit. A. Nr. 64 118 â 1000 M.
„ B. „ 37 64 169 237 242 249 276 308 â 500 M.
, C. „ 84 126 286 296 324 368 431 464 478 536 621 699 760 766 790 a 200 M.
Rückständig: A. Nr. 120 â 1000 M.
C. „ 236 663 â 200 M.
Reihe II zu SWo (VII. Ziehung).
Lit. A. Nr. 26 127 â 1000 M.
„ B. „ 67 153 210 246 â 500 M.
„ C. „ 37 54 125 154 249 276 367 487 536 549 55Q 634 â 200 M.
II Anleihe vom 1. Oktober 1889.
II. Serie zu SWo (VII. Ziehung). Lit. A. Nr. 123 â 2000 M. „ B. „ 194 217 253 â 1000 M. „ C. „ 206 295 342 394 â 500 M.
„ D. * 272 313 366 372 394 412 422 426 455 466 467 â 200 M.
Dieselbe Anleihe, I. Serie (V. Ziehung).
Lit. A. Nr. 50 â 2000 M.
„ B. „ 26 â 1000 M.
„ C. „ 24 117 â 500 M.
„ D. „ 9 70 78 79 126 165 185 229 â 200 M.
Rückständig: C. Nr. 36 â 500 M.
Hanau am 2. Oktober 1896.
Der Stadtrath.
Dr. Gebeschus. 132
geworfenen Apfelschalen gibt unfehlbar den Namen Aes oder der Zukünftigen an. Der Pantoffel spielt eine bedeutungsvolle Rolle schon vor der Ehe. Die Zahl der Pfannkuchen, ihre Füllung, die Reihenfolge der Vertheilung, alles ist von größter Wichtigkeit. Denn in der Scheidestunde zweier Jahre wird das Geringe groß, weil jeder sich und seine Umwelt hinausheben will über den Alltag, weil jeder die geheimnißvollen Beziehungen zwischen Mensch und Ding günstig beeinflussen möchte fürs künftige Jahr. Man hat ja soviel zu wünschen — und noch mehr zu vergessen.
Zwischen Scherz und Lachen kommt die stillere Stimmung der Feierstunde. Die Fenster auf — von allen Thürmen Berlins läuten die Glocken das neue Jahr ein. Und über die Straßen hinweg, durch den Regen hindurch tönt der Neujahrsgruß laut in die Häuser. Man weiß nicht von wem, es ist ein Glückwunsch von Fremden, die man nicht kennt und an denen man morgen achtlos vorüberläuft. Aber es ist eine schöne Sitte, dieses Rufen und Zutrinken von Haus zu Haus. Es gibt während fünf Minuten im Jahr das Gefühl der Zusammengehörigkeit für alle.
Und nun bekommen die Schutzleute doch »och Menschen zu Gesicht. Da kommen die armen Opfer der Gesellschaft, die in zwei Hälften sich die Nacht zerlegen mußten. Bis zwölfe Familie, nachher der große Ball. Dann erschienen die Gäste der großen Spezialitätentheater, die nur die Sylvesterüberraschung sehen wollten. Und durch die Friedrichstraße geht die große Neuigkeit, daß die Barrison's im Wintergarten wieder erschienen find. Die echten — behaupten wenigstens sie selbst. Aus den Kneipen gehen die Einsamen heim, die um die zwölfte Stunde wenigstens Menschen um sich haben wollten und waren es auch nur die trinkgelderwartungsvollen Kellner. So sammelt sich nach und nach ein Häuschen Menschen und plötzlich, unbegreiflich woher, sind trotz Regens und der Absperrung doch
Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. Js. bei dem hiesigen städtischen Meldeamte (v. d. Kanalthor 1) zur RekrtttikUNgsstamm- rolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brot- oder Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Diejenigen Militärpflichtigen des Jahrgangs 1877, welche außerhalb Hanau's geboren, haben bei Anmeldung zur Stammrolle ihren Geburtsschein, welcher von dem Standesamt des Geburtsortes für diesen Zweck gebührenfrei ausgestellt wird, vorzulegen.
Hanau, am 2. Januar 3897.
Der Oberbürgermeister.
Dr. Gebeschus.
Handelskammer zu Hanan.
Bei der Ergänzungswahl zur Handelskammer für den Stadt- und Landkreis Hanau am 30. Dezember vg. Jhs. wurden für eine dreijährige Amtsdauer die Herren
Wilhelm Fues in Fa. C. P. Fues,
Moses Fürth „ „ Gebr. Fürth & Cie.,
Karl Hoffe „ „ Hosse & Schlingloff, und
Heinrich Ott „ „ Gebr. Ott, für eine einjährige Amtsdauer Herr
Friedrich Roth in Fa. Fr. Roth gewählt.
Etwaiger Einspruch gegen die Wahl - ist nach § 15 des Gesetzes vom 24. Februar 1870 binnen 10 Tagen bei der Handelskammer anzubringen.
Hanau den 4. Januar 1897.
Die Handelskammer.
Canthal. 195
Französische Rüstungen.
Frankreich fordert von neuem die allgemeine Aufmerksamkeit heraus, diesmal durch seine umfangreichen Neuorganisationen auf militärischem Gebiete. Es setzt seinen letzten Athemzug daran, um Deutschland in einem künftigen Kriege nicht nur durch die Zahl, sondern auch durch die Bewaffnung seiner Truppen überlegen zu sein. Zu diesem Zwecke plant es eine Erneuerung seines gesammten Feldartilleriematerials und eine Vermehrung der Friedenspräsenzstärke, und zwar sollen die bisher benutzten Feldgeschütze durch Schnellfeuerkanonen ersetzt daneben aber auch die Cadres für Fußtruppen erheblich ver,
noch die „Sylvestermänner" erschienen, lichtscheue Gesellen, die die Nacht unter freiem Himmel zubringen und die sich ein Vergnügen verschaffen wollen nach ihrer Art. Einzeln sind sie still und schleichen scheu an den Mauern; nun aber fanden sie einander, sie drängen gegen die Posten, die die Straßen sperren, und bald tönt das übliche Pfeifen und Johlen zwischen die Glückwünsche der anständigen Passanten. Aber es fehlt der rechte Schneid. Es ist kalt und naß, die Schutzleute haben offenbar Ordre, nur im äußersten Nothfall zuzugreifen, und der tritt nur ganz vereinzelt ein. Ein paar allzulaute Schreier werben von den „geheimen" schnell zur Wache befördert. Bald hat sich der Haufe gelichtet. Es war ein trüber Sylvester. Ruhiger als je vorher, nach vielem Traurigen ein trüber Abschluß. Die Heimkehrende» murrten, denn das neue Jahr begann, wie das alte geendet hatte, mit kaltem Regen.
Nur die Polizei freute sich. Nach dem vielen Aerger der letzten Wochen triumphirten sie einmal. Das war ein Mustersylvester — ruhig, lärmlos, eine Nacht wie viele, recht geeignet, das Herz der Männer zu erfreuen, die keine Zeit haben für Sylvesterpoesie, weil sie aufpassen müssen, daß nicht die Zierde des biederen Mannes, der Cylinder, durch übermüthige Hände aus der Fa^on getrieben wird.
Hanauer Stadttheater.
In gewohnter Weise wurden die Vorstellungen des neu beginnenden Jahres am Freitag durch die Ausführung einer Novität eingeleitet. Wenn wir auch die Rücksichtsnahme der Direktion, dem Publikum am Neujahrstage kein Stück mit schwierigen Problemen vorzusetzen, wohl zu schätzen wissen, so muß es doch bemerkt werden, daß sie bei der Wahl des Stückes für diese erste Vorstellung gerade nicht von besonderem Glück begünstigt war. Denn gleich der Neujahrsnovität des vergangenen Jahres „Durch den Alkoven" dürfte wohl auch der diesjährigen das Schicksal einer nur einmaligen Aufsührung hier beschieden sein. „Goldregen" haben die beiden Verfasser, die Herren Gettke und Krantz, ihren vieraktigen Schwank getauft, aber wir glauben kaum, daß der hübsche Titel